Forum: Wirtschaft
Europa - können Deutschlands Steuerzahler die Griechen retten?

Nun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?

Seite 542 von 852
Liberalitärer 02.05.2010, 13:39
5410.

Zitat von Student1985
Ich sehe die Situation so, dass die Griechen von dem Geld nix haben werden und sich die Kohle letztlich auf die Großbanken verteilen werde. Die Griechen werden letztlich nur innenpolitisches und außenpolitisches Ungemach ernten... Vielleicht sehe ich das falsch?
Nicht so falsch, schließlich wird der Großteil der Rettungsgelder dazu verwendet werden, Anleihegläubiger zu entschädigen bzw. zu bedienen. Was man so mitbekommt, soll Griechenland eh für frei Jahre vom Kapitalmarkt genommen werden. Also retten sich die Gläubiger eigentlich selbst. Wie man es besser macht liest man hier.

http://www.zeit.de/2010/18/Zeitgeist-Griechenland

Beitrag melden
Andreas Heil 02.05.2010, 13:40
5411.

Zitat von reinhard_m
Jetzt muß das Volk in Deutschland und Griechenland sein Abstrafungspaket für Politiker und Krisengewinnler schnüren. Hierbei sind äußerste Härte und Konsequenz angesagt.
Sehr eloquent formuliert. Ganz meiner Meinung.

Beitrag melden
Emil Peisker 02.05.2010, 13:40
5412. in Höhe von 20 Milliarden € Steuern "nicht gezahlt"

Zitat von c++
Richtig ist allerdings schon, dass die griechischen Arbeitnehmer ebenso abgezogen werden wie die deutschen. Die Griechen sollten schon den Staat zwingen, endlich bei den Reichen im Lande mal ein Solidaritätsopfer einzufordern...
Hallo C++

In Griechenland werden jedes Jahr Steuern "nicht gezahlt", obwohl man die Umsätze kennt, in Höhe von 20 Milliarden €.

Ein zweistelliger Milliarden-Eurobetrag wird von Arbeitgebern den Sozialversicherern vorenthalten. Alles wird durch Korruption möglich.

Diese Zustände sollten die Griechen an erster Stelle beseitigen, dann könnten die Steurerhöhungen wesentlich moderater ausfallen.

Gruß

Emil

Beitrag melden
Keine Panik 02.05.2010, 13:42
5413.

Zitat von Herbert Prand
Der Finanzinvestor Flowers dürfte ca. 95% seiner Investition verloren haben.
Der Hr. Flowers hat das nicht verloren, sondern seine Kapitalgeber. Darunter ist jede Menge "reiches Geschwartel", welches das ganz gut verkraften kann. Trotzdem, für ein bisschen Schadenfreude meinerseits reicht's noch ....

Beitrag melden
Andreas Heil 02.05.2010, 13:42
5414.

Zitat von Zereus
Ich meine keine Hyperinflation, sondern einfach eine höhere Inflationsrate um 10%. Eine solche über ca. 10 Jahre würde die effektive Schuldenlast um über 50% reduzieren. Und das wurde schon immer gemacht, nicht nur von irgendwelchen afrikanischen Ländern, in die ich nichtmal für viel Geld reisen würde.
Richtig. Erzwungene zu niedrige Inflationsraten haben viel mit der Absicherung der Vermögensverteilung zu tun.

Beitrag melden
Phildemos 02.05.2010, 13:43
5415. Staatseigentum verkaufen

Zitat von rolli
Sie reden also von Deregulierung. Muss ich Sie über den Unsinn der letzten 20 Jahre betreffs der Deregulierung nachhelfen? Strom, Wasser, Eisenbahn, Post, Müllabfuhr etc etc.... rolli
Privatisierung ist schon ein heißes Eisen und sicher nicht immer angenehm. Ich will das für und wider auch gar nicht hier diskutieren. Ich bin aber der Meinung, dass man das Potential des Verkaufes von Staatseigentum sehr sorgfältig untersuchen sollte. Bevor man die Nachbarn um Hilfe bittet, sollte man schauen, wie man sich am eigenen Schopf so weit wie möglich aus der Schuldenfalle ziehen kann. Es kann nicht sein, dass man die anderen um Hilfe bittet, während auf der anderen Seite noch Milliardenvermögen vorhanden sind.

Zitat von petros t
Das ist schon klar, Sie reden über eines der hintergründigen Ziele, der neoliberalen Wirtschaftstheorie, nähmlich über die enorme Verschuldung der Volkswirtschaften, die Regierungen zu veranlassen, auch die letzten Volksvermögen zu privatisieren. Wenn dann auch noch die Situation kritisch genug ist, können günstige Preise verhandelt werden.
Ich glaube nicht, dass die neoliberale Wirtschaftstheorie von Volkswirtschaften verlangt, sich zu überschulden, das Gegenteil ist der Fall, nämlich nicht mehr ausgeben, als man hat. Wer allerdings Schulden macht, muss diese zurückzahlen, auch wenn dies unbeliebt und unbequem ist.

Zitat von Periander
Staatseigentum abzubauen bedeutet privatisieren. Privatisierungen sollen vorangetrieben werden, obwohl Griechenland (wie ja auch die meissten anderen EU Länder) sehr viel vom Tafelsilber schon veräußert hat (OTE z.B. gehört mehrzalig der Deutschen Telekom). Darüber hinaus muß man Verkäufe zum richtigen Zeitpunkt tätigen. Paniverkauf bringt keinem was. So ist z.B. auch hierzulande die Bahn immer noch nicht an die Börse gebracht.
Da stimme ich voll zu. Griechenland hat z.B. bereits 40% von OTE an die Deutsche Telekom für 4,4 Mrd € verkauft (nach einer Telekom-Veröffentlichung). Ein Verkauf des Restes könnte also noch etwa 6 Mrd € bringen. Damit wäre also der deutsche Beitrag von 8,4 Mrd € schon zu einem Großteil abgedeckt. Es muss ja auch nicht gleich verkauft werden. Zumindest könnte der restliche OTE-Anteil als Bürgschaft verwendet werden.

Man muss hier sicher mit Augenmaß vorgehen. Wenn man nur Dumpingpreise erzielen kann, ist nichts gewonnen.

Griechenland besitzt laut Wikipedia noch 112,4 Tonnen Goldreserven. Dies entspricht einem Wert von 3,2 Mrd €. Wenn man seine Schulden um 3,2 Mrd verringert, muss man schon 160 Mio € pro Jahr weniger Zinsen zahlen. Bestimmt gibt es noch viel mehr "totes" Kapital.

Ich hätte erwartet, dass der IWF derartige Auflagen macht. Das scheint nun aber nicht der Fall zu sein. Insgesamt muss man aber sagen, dass der Verkauf des Tafelsilbers nur ein (notwendiges) Element einer Gesamtstrategie sein kann und nicht die Wurzeln des Problems anpackt.

Beitrag melden
c++ 02.05.2010, 13:45
5416. Kreditwürdigkeit

Zitat von Andreas Heil
Es gab viele gute Gründe, warum die DDR auseinandergeflogen ist, nur Bankrott war sie nun wirklich nicht bei einer Auslandsverschuldung ...
Ist Ihnen bekannt, dass ein H4 Bezieher, der keine Schulden hat, keinen Kredit bekommt, während ein Bankdirektor, auch wenn er 50.000 Euro Schulden hat, problemlos weitere Kredite bekommt.

Seit wann ist denn der absolute Schuldenstand ein entscheidendes Kriterium für Kreditwürdigkeit?

Natürlich war die DDR bankrott, sonst hätte sie nicht Strauß angebettelt

Beitrag melden
glücklicher südtiroler 02.05.2010, 13:46
5417. "Markt"...

Zitat von c++
Sehr geehrter Herr petros, "Papandreou gab nun zu, dass das Land sogar einen jährlichen Finanzierungsbedarf von 60 Milliarden Euro pro Jahr hat. " 3 x 60 = 180. Gegenüber den 120 Mrd .ist das schon mal eine Steigerung um 50%, ganz zu schweigen von der Aussage, man wird ganz sicher kein Geld von anderen Staaten anfordern.
Dieser Zustand war vollkommen absehbar, zumal die von manch "Unbedarften" hier heißgeliebten Ratingagenturen durch die Herabstufung der GR-Anleihen auf Ramschstatus dafür gesorgt haben, daß sich Griechenland nicht mehr am freien Markt refinanzieren kann; die Konditionen sind unmöglich geworden...
http://www.manager-magazin.de/untern...691844,00.html
Zitat von c++
Es gibt nur zwei Erklärungen: entweder die Politiker haben wirklich keinerlei Durchblick, was da läuft, oder die Öffentlichkeit wird einfach belogen. Beides ist nicht vertrauenserweckend. Wie viel es dann am Ende wirklich sind, steht in den Sternen. Es ist ein Tanz auf dem Vulkan, oder auch auf der Titanic.
Die Politiker haben Sie und die Anderen die ganze Zeit belogen, haben eine ganze Reihe von Zeitfenstern versäumt wo eine Lösung billiger und einfacher gewesen wäre und lassen sich von medialen Hasspredigern; in deutschen Medien leider reichlich vertreten; Sonntagsfragen und Regionalwahlen lenken...
Die mutlosen, entkernten und rückgratfreien Politiker sind eigentlich medial und von den "Märkten" Getriebene...
Ich halte weiterhin den €-Bond für eine der wenigen sinnvollen Alternativen...
Die USA sind bsw. AAA gerated und die FED kauft teilweise die eigenen Anleihen, weil im Ausland die Nachfrage einbricht...
"Es herrscht offenbar ein Überangebot an US-Bonds. Die amerikanische Notenbank Fed kauft inzwischen selbst Staatsanleihen, für die sich offenbar keine Käufer mehr finden.
Marktbeobachter vermuten, dass China, Japan und die Ölstaaten, die großen Kreditgeber der USA, dabei sind, ihre amerikanischen Staatsanleihen..."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,637086,00.html
Googeln Sie mal...
Sie werden im Netz viel über US-Bonds erfahren... ;)
Und die Europäer lassen sich einfach so mal herabstufen...
Tss...

Viele Grüße aus Südtirol...
Na dann...

Beitrag melden
Liberalitärer 02.05.2010, 13:47
5418.

Zitat von Andreas Heil
Das lässt sich mit einem Verbot plus Strafe sehr wirksam unterbinden. Also kein Grund für Ausflüchte. Selbstfritierte Versicherungen darf auch heute keine Pommesbude verkaufen.

Forist ghost12 hat m.E. zu Recht darauf hingewiesen, dass da sehr schnell Finanzplätze wie Singapur oder Dubai in die Bresche springen würden. Der Kapitalmarkt ist - leider - schon völlig globalisiert. Sie bekommen nicht mal Dinger wie die Channel Islands dicht. Oder nehmen sie die Mustereuropäer Luxemburg. Die Steuersätze dort sind hoch, dumm nur dass es in Luxemburg keine Betriebsprüfungen gibt - wie auch? Es gibt keine Prüfer.

Beitrag melden
prandtner 02.05.2010, 13:49
5419. Bankrott kann sinnvoll sein

Zitat von pragmat
Von da an kann jeder kleine und große Schuldenmacher beim Gericht die Befreiung von noch so hohen Schulden beantragen und die Gläubiger verlieren ihr Geld!
Und das ist auch gut so.

Die Gläubiger haben ja in vollem Bewusstsein Kredite für Konsumtion (und nicht Investition) gegeben, also die Konsumgier des Schuldners aus eigener Profitgier ausgenutzt. Es gibt eine Schufa, sie hätten sich informieren können. Hier bleibt der Verlust zu Recht an dem hängen (Kreditgeber), der eigentlich hätte schlauer sein müssen (und der bis dahin ja auch den Zinsgewinn hatte und in allen anderen Fällen hat).

Was hat das mit Griechenland zu tun? Da ist es genau so. Die Gläubiger hätten durchaus wissen können, dass es da ein Risiko gab. Wenn sie bei einer Umschuldung Geld verlieren, dann ist auch das gut so. Müssen sie halt aufpassen, wem sie ihr Geld leihen. Die Zinsen sind eine Risikoprämie.

Beitrag melden
Seite 542 von 852
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!