Forum: Wirtschaft
Europa - können Deutschlands Steuerzahler die Griechen retten?

Nun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?

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jstm 04.05.2010, 22:03
7440.

Zitat von Tall Sucker
Sie wird voraussichtlich kürzer sein: Eine Verfassungsbeschwerde kann nämlich nicht auf einen Verfassungsverstoß schlechthin gestützt werden, sondern nur auf eine Verletzung der in Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG genannten Rechte. Mit anderen Worten: gegen die anderen Vorschriften kann man verstoßen, ohne dass sich ein Bürger dagegen wehren kann.
Mag ja sein, vor Gericht und auf hoher See...

Wieso wurde dann aber die Klage gegen die Einführung des Euro nicht auf gleiche Weise abgehandelt?

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c++ 04.05.2010, 22:04
7441.

Zitat von dr. ch. bernhart
Den deutschen Weg wollen wir in der Schweiz vermeiden und die höhen Löhne und eine starke Währung erhalten.
Kluge Worte, nur eine Frage: durch Milliarden Steuergelder aus den Eurostaaten werden die Banken gerettet. Die schweizerischen Banken sind auch ganz massiv in Griechenland engagiert. Wie sieht die Beteiligung der Schweiz an den Kosten der Sanierung zugunsten der schweizerischen Banken aus?

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fen 04.05.2010, 22:08
7442.

Zitat von Thommy56
...ist die Antwort höchstwahrscheinlich die neue D-MARK ! Bitte schön:
Es dürfte jedenfalls für die Politiker zunehmend schwieriger werden, das Märchen weiterzuverbreiten, dass Deutschland der größte Profiteur des Euro sei. Das Ausland kauft unsere Waren, weil sie gut sind und nicht weil wir im Euro sind (z. B. verkaufen wir zunehmend nach Asien und haben auch vor dem Euro sehr viel exportiert). Der Euro hat sicher vieles im Handel innerhalb Europas vereinfacht (keine Umtauschgebühren, Kurssicherheit, etc.), sagen wir das ist zusammen 200 Mrd. "wert". Nun haben sich viele andere Europäer aber nicht an die vereinbarten Regeln gehalten und weit über ihre Verhältnisse gelebt. Ja, nicht wir haben uns "zu wenig" geleistet, wie jetzt oft behauptet wird, nein, viele im Süden haben sich zu viel geleistet, verglichen mit dem was sie leisten. Hätten wir unsere Waren teurer machen sollen, damit die sich noch mehr von uns ausleihen, um unsere Waren zu kaufen ? Was sind das eigentlich für Geschäfte ?
Nun sind jedenfalls erst mal 22 Mrd. für Griechenland weg, um das dort zu reparieren (ja, die sind weg, da kommen bestenfalls einige Zeit die Zinsen, aber nie wieder das Kapital zurück). Wenn jetzt Spanien 200 Mrd. und dann Italien 500 Mrd. brauchen sollten, dann ist aus dem Ganzen eine gigantische Vernichtung deutschen Volksvermögens geworden. Das dürfte kein Politiker überleben. Die Gefahren sind riesengroß geworden, mir graust vor den nächsten Jahren.

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Silverhair 04.05.2010, 22:10
7443.

Zitat von kunibertus
Kann mir vielleicht mal jemand sagen, wie es weitergehen soll. Das Geld, das jetzt nach Griechenland geht, dient doch keinen produktiven Zwecken. Das wird doch gleich an die Banken weitergereicht, ....
Überhaupt nicht .. man hat nur ein paar Tage Luft gewonnen!

Faktisch wurde seit gut 10 Jahren der dt. Export von Waren durch den gleichzeitigen Export von "gedrucktem Geld" bezahlt, also letztlich hat man sich nur selber bezahlt!

Bekommen hat man dafür "Schuldscheine" - und da nunmal die Menge des Exportieren "Geldes" genau den Schulden der anderen Staaten entsprechen ist das wertloses Geld - oder schlicht Inflation!

Die beste Methode mit anderen Ländern zu handeln ist - für eigenes Geld deren Waren zu kaufen, dann können die auch dt. Waren kaufen!
Wer aber Waren+Geld nur exportiert - der könnte sich auch gleich in den Lehnstuhl zurücklehen und die Arbeit einstellen - er erschafft nichts mehr ausser "Geld-Inflation" - und daran verdienen höchsten die Banken noch!

Gut 1,5 Bio Euro wurden als "Überschüsse" verbucht .. gedruckt von der EZB - und besichert durch alle Bonds der Länder die Defizite haben .. man rechne sich aus wiviel eigentlich das Geld wert ist was man da auf seinem Sparkonto wähnt!

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Nr82136 04.05.2010, 22:11
7444. Ich versuche einmal

Ihren Argumentemix etwas zu entwirren.

Zitat von Dieter 59
Die Euro-Idee, die man ausweislich der jetzigen Ereignisse ja nicht mal annähernd im Griff hat,
Nun, es ist ein Stabilisierungspaket der Eurozone Zustande gekommen. Als "nicht einmal annähernd im Griff" würde ich das nicht bezeichnen.

Zitat von Dieter 59
hat mich ohne Berücksichtigung von Inflation bislang 20% meiner Einnahmen gekostet, ließ mich 3 h wöchentlich mehr arbeiten,
Welche Einnahmen konkret? Welche 3 Stunden mehr konkret?
Wo ist der ursächliche, nicht der zeitliche Zusammenhang mit dem Euro? Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass es mit einer weiterhin bestehenden DM besser gekommen wäre?

Zitat von Dieter 59
hat das Geschäft meiner Frau vernichtet
Was war das Geschäft Ihrer Frau, dass es schlagartig mit Einführung des Euros nicht mehr existieren konnte? Mir fallen nur so abstruse Dinge ein wie selbstgemachter Schmuck aus Fünfmarkstücken.

Zitat von Dieter 59
und hat den Wert von Eigentum hier inflationär gesenkt.
Wo ist "hier", was ist konkret passiert? Wieder die Frage, wäre es mit weiter bestehender DM nicht passiert?

Zitat von Dieter 59
Gut, das war nicht der Euro allein, sondern auch rot - rot/grün.
Mir scheint, es war überhaupt nicht der Euro; Sie suchen nur einen Sündenbock für Ihr persönliches Unglück.

Zitat von Dieter 59
Vorteile: Fehlanzeige. Während sich größere Wirtschaftsbetriebe gesundstoßen (freier Warenverkehr und Mehrwertsteuerbetrug), lauert auf mich der Zoll nicht wie früher an, sondern nun direkt hinter der Grenze.
Warum tut er das? Worauf sollen Sie Abgaben zahlen. Hat auch nichts mit dem Euro zu tun. Ist der Einheitliche Europäische Binnenmarkt von 1992, lange vor dem Euro.

Zitat von Dieter 59
Nennen Sie mir einen, auch nur einen einzigen Vorteil, den der Euro oder die EU für mich gehabt hätte.
Mache ich konkret gerne, wenn Sie konkret geschrieben haben, was passiert ist. Allgemein kann man sagen, dass Sie Teil einer Volkswirtschaft sind, die durch den Euro ein kleines bisschen stärker wächst als sie es ohne den Euro tun würde. Und das kommt letztlich allen zugute, wenn auch nicht jedem Einzelnen in absolut gleichem Maße.

Zitat von Dieter 59
Und berücksichtigen Sie dabei, das mein Arbeitsplatz wegen Schengen bald 500 km entfernt liegt.
Schengen hat nichts mit dem Euro zu tun. Und Arbeitsplatzverlagerungen sind durch Schengen weder einfacher noch schwerer und über eine Distanz von 500 km weder attraktiver noch unattraktiver geworden. Auch hier müssten Sie konkret schreiben, was vorgefallen ist.

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Ben Yona Franklin 04.05.2010, 22:11
7445.

Zitat von zwangsreunose
Gut gebrüllt, Löwe!! In China wird die Immobilienblase platzen, Deutschland steigt aus der Währungsunion aus (das haben Sie sehr gut erkannt)....aber auf Ihren Dollar würde ich nicht wetten. Im Übrigen stehe ich eh nur auf Long. Unterschätzen Sie die deutsche Mentalität nicht, die ist etwas anders geprägt als die transatlantische. Im Gegensatz zu Ihren Konsumenten haben unsere Geld. Sorry, ist so. Die Wirtschaft lebt nicht ausschließlich vom Traden.


Geld? ....Wissen Sie was "net worth" (privat Vermoegen) in Deutschland ist ?

"The total value of all U.S. household wealth in 2000 was approximately $44 trillion. Prior to the Late-2000s recession which began in December 2007 its value was at $65.9 trillion. After, it plunged to $48.5 trillion during the first quarter of 2009. The total household net worth rose 1.3% by the fourth quarter of 2009 to $54.2 trillion, indicating the American economy is recovering."

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Silverhair 04.05.2010, 22:15
7446.

Zitat von Liberalitärer
Der neue "Exportweltmeister" hat aus den Fehlern gelernt. Export ist gleich Kapitalexport. Wenn man den Wechselkurs künstlich fixiert kann man Fremdwährungsgewinne machen, ob das ein Vorbild sein sollte?
Man macht keine "Gewinne" - wer Waren+Kapital exportiert als Schulden - der inflationiert nur das Geld .. sonst nichts!

Ein Staat ist wie ein Bäcker, der sein Brot bäckt, und für jedes dann einen Euro ebenso druckt - das ist kein Problem wenn er für den Euro etwas anderswo kauft, aber eine Dummheit wenn er sein Brot selber aufist .. dann bleibt nur der zusätzlich Euro übrig .. also pure Inflation!

Genauso hat sich D. und die EU letztlich verhalten .. sogar Bäcker wären da klüger!

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Phildemos 04.05.2010, 22:27
7447. Kapitalexport?

Zitat von Liberalitärer
Der neue "Exportweltmeister" hat aus den Fehlern gelernt. Export ist gleich Kapitalexport. Wenn man den Wechselkurs künstlich fixiert kann man Fremdwährungsgewinne machen, ob das ein Vorbild sein sollte?
Also jetzt muss ich doch mal dumm fragen: Warum soll (Waren)export gleich Kapitalexport sein? Wenn wir einen Leistungsbilanzüberschuss von 110 Mrd € haben, dann fließen 110 Mrd € entweder als Geldzahlung oder als Schuldtitel nach Deutschland. Schuldtitel führen im Normalfall zu einer späteren Geldzahlung (Tilgung). Also haben wir in beiden Fällen einen NettokapitalIMPORT. Dieses Kapital können wir dann einsetzen, z.B. um neue Fabriken zu bauen oder sonst irgendwas zu kaufen (also unsere Importe in Zukunft zu erhöhen).

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chefchen 04.05.2010, 22:32
7448.

Zitat von c++
Entschuldigung, aber die Argumentation ist so primitiv, dass das noch nicht einmal Schlitzohrigkeit ist, sondern einfach nur einfältige Verdummung. Da die KfW eine Staatsbank ist, haftet der Steuerzahler ebenso unmittelbar, als wenn das Geld aus dem Haushalt kommen würde. Ohne Weisung durch den Finanzminister und staatliche Haftung über Bürgschaft würde keine Bank der Welt diesen Kredit geben. Hier handelt die KfW nicht als Bank, sondern als staatliche Auszahlungsstelle.
Der ganze Lissabon-Vertrag ist schlitzohrig. Hier nochmal der strittige Text:
"Artikel 125
(ex-Artikel 103 EGV)
(1) ...
Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen eines anderen Mitgliedstaats und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein; dies gilt unbeschadet der gegenseitigen finanziellen Garantien für die gemeinsame Durchführung eines bestimmten Vorhabens."


Was jetzt passiert ist ein Kredit und keine Haftungsübernahme. KfW zahlt einen Kredit aus. Damit kann Griechenland sich umschulden. Deutschland (schlußendlich der Steuerzahler) hat das Ausfallrisiko.
Deutschland tritt daher rein rechtlich nicht für die Verbindlichkeiten Griechenlands ein. Wir schaffen Griechenland nur die Freiheit, seine Verbindlichkeiten zu bedienen. De facto läuft dies parallel, aber es sind zwei rechtlich selbständige Vorgänge - zwei Verträge.

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teopred2 04.05.2010, 22:37
7449. Die wartende Schlange drückz Vertauen aus!

Zitat von rkinfo
... Was wirklich ärgert dass die Politik aus der handhabbaren Staatsinsolvenz von Griechenland gleich eine Euro-Krise zimmerten. Das hat mehr Vertrauen zum Euro zerschlagen als es eine Insolvenz erbracht hätte.
Habe mich heute interessehalber bei Pro-Aurum rumgetrieben. Das Vertrauen der Bürger in den Euro konnte man an den wartenden Schlangen von Bürgern beobachten, die argwöhnisch die Zettel mit der freundlich geschriebenen Bitte betrachteten, daß es aufgrund erhöhter Nachfrage zu Lieferschwierigkeiten käme, die hoffentlich nach nachmittäglicher Lieferung behoben seien.
So dumm ist der Bürger nicht, einmal "Die Rente ist sicher" hat der sich gemerkelt. Und auf "Der Euro ist sicher" vertraut die wartende Schlange sicher nicht.

mfg

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