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Europäische Steueroase : Iren müssen Trump und Brexit fürchten
REUTERS

Mit niedrigen Unternehmenssteuern hat Irland viele Konzerne angelockt. Bald könnte ihnen neben US-Präsident Trump auch Großbritannien Konkurrenz machen. Ein Bericht warnt vor "noch nie dagewesenen" Herausforderungen.

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lesheinen 30.05.2017, 12:18
1.

Diese bösen Engländer drohen nach dem brexit eines der Geschäftsmodelle Irlands zu untergraben. Muss ich jetzt traurig sein? Oder kann ich mich rachsüchtig klammheimlich freuen?

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lazyfox 30.05.2017, 12:32
2. Marktwirtschaft für Politiker

Hallo ihr Anfänger in den Parlamenten. Merkt ihr nicht langsam, dass der Wettbewerb um Firmenansiedlungen mit niedrigen Steuern, die Staatskassen leert. Saaten - eines Marktes - im Wettbewerb um Niedrigsteuern, um den Weltkonzernen größere Gewinne zu ermöglichen. Ich denke damit liegt ihr grundsätzlich falsch. Marktwirtschaft ist der Wettbewerb der Unternehmen mit Produkten und Dienstleistungen um die Gunst der Käufer. Nicht gemeint ist der Wettbewerb der Staaten zugunsten von Unternehmen.
Ein Markt ist ein 'Spielfeld' auf dem natürlich an jeder Stelle die gleichen Regeln für alle gelten müssen - sonst ist es einfach kein Markt im Sinne der Marktwirtschaft. Die Unternehmen sollen sich ja abheben durch Leistung und nicht durch Lobbyarbeit - was aber leichter erscheint. Immer größere Steuergeschenke werden die Staaten zu mehr Krediten verleiten, um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Aber schon Adam Smith war der Meinung, dass der Staat als wesentlicher Teilnehmer des Marktes die Marktwirtschaft zerstört. Recht hat er, denn die Finanzmärkte - haben mit Marktwirtschaft nicht mehr zu tun. Finanzmärkte sind eher Plan- als Marktwirtschaften. Hat nicht die Planwirtschaft den Kommunismus zerstört? Ach - das hattet ihr vergessen - gut, dass ich daran erinnert habe.

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olli08 30.05.2017, 14:54
3. Visit Ireland!

Wahrscheinlich kann man den meisten "Befürchtungen" dieser Studie zustimmen, leichter wird es für die Iren wohl nicht werden.
Was allerdings Nordirland angeht: Alle neuen oder aufgewärmten Probleme dort gehen nicht nur auf das Konto von Ms. May und den Brexiteers, sie müssen diese Suppe hoffentlich auch auslöffeln!
Mal sehen, ob in England in 10 Jahren noch jemand laut zu wagen sagt, dass er mal für den Brexit gestimmt hat ...

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akmsu74 30.05.2017, 15:03
4. Steueroase

Die Iren müssen vor allem Eines fürchten - ihren eigenen Verrat an der EU durch ihre Steuer-Politik! Irland hat dem restlichen Europa massiv geschadet und wenn man dort jetzt die Zeche dafür zahlen muss, hält sich mein Mitleid in allerengsten Grenzen. Davon abgesehen - dann gibts eben noch ein Rettungspaket, was solls?
Seit wann tragen die EU-Mitglieder (oder deren banken oder deren Unternehmen) ihre Schulden selbst, wo kämen wir denn da hin?!
*Ironie OFF*

Tatsache ist, Irland war einer der größten Profiteure des unregulierten Marktes - und der frisst seine Kinder, wie die Zeit. Wenn die Iren schlau sind, machen sie es wie die Isländer und schwenken auf Tourismus um. Die Insel ist schön und da ja kein vernünftiger Mensch mehr in die Gegenden südlich des Mittelmeeres fährt, hätte das viel Potenzial. Bei dem satten Grün ist Irland doch prädestiniert für Golfer, Wanderer, Natur- und Bio-Urlauber.
Das wäre dann auch ein "ehrliches" Geschäftsmodell.

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zensurgegner2017 30.05.2017, 15:06
5.

Haben denn Autoren Scheuklappen?
Irland vergibt seit Jahrzehnten Dumpingsteuerbescheide, handelt Sonderdeals aus, und Konzerne, die in Deutschland und Frankreich.... die Infrastruktur abnutzen, die die Sozialstrukturen nutzen, die erwirtschaften die Gewinne auf dem Papier in Irland, obwohl 98% aller Gewinne NICHT in Irland erwirtschaftet werden.

Irlands schmutzigen und dreckigen Steuerdeals kostet die EU dutzende von Milliarden Steuereinnahmen, es vernichtet Fortschritt (siehe Studie EY zur Auswirkung von Steueroasen), und nun wird hier tatsächlich damit argumentiert, dass das so "arme" Irland eventuell Konkurrenz bekommt, die noch schamloser Steuerdumping betreibt?

Wo bleibt die Aufrechnung , ob es nicht billiger wäre, Irland die Milliarden zu schenken, die die Dumpingsteuerbescheide enbringen, wenn im Gegenzug dafür die Dumpingbesteuerung fällt
Wieviele Milliarden spart nur Apple durch diese dreckige Steuerabzocke im Jahr? 2 Milliarden?
Wieviele Milliarden gaunert sich Irland durch schmutzige Steuerbescheide zusammen? 7 Milliarden?

Es wäre ein gutes Geschäft, Irland die kompletten Steuermilliarden zu schenken, die diese dank Dumpigsteuer einnehmen, wenn im Gegenzug die Konzerne im Rest Europas normal Steuer bezahlen würden

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marialeidenberg 30.05.2017, 15:11
6. War wohl ein bisschen löchrig

das Geschäftsmodell. Oder - anders gesagt - auf einem Bein kann man nicht dauerhaft balancieren. Denn der Trick mit den niedrigen Unternehmenssteuern hilft doch nur anfänglich. Es muss die Entwicklung einer Fertigungs- und Dienstleistungsinfrastruktur hinzukommen, d.h. die die Ausbildung von Fachkräften. Aber selbst im Handwerk hat man sich lange Zeit auf polnische Gastarbeiter verlassen müssen.

Ein weitgehend agrarisch strukturiertes Land 'umzuformen' ist wohl doch nicht so einfach, vor allem aber geht die Transition nicht so schnell.

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latrodectus67 30.05.2017, 15:24
7. Was eine Neuigkeit

War nicht die "Depfa Bank plc" als Tochter der Hypo Real Estate nach Irland gegangen genau aus dem Grunde? Um in Deutschland Geld zu machen und in Irland weniger Steuern zu bezahlen? Meinte Herr Steinbrück nicht 2008 "Wenn eine Bank wie die Depfa in Irland in Schwierigkeiten gerät und die HRE in sehr ernste Schwierigkeiten bringt, kann die deutsche Bankenaufsicht überhaupt nicht eingreife". Alternativlos?
Das Steuerdumping macht die Republik Irland seit Jahren und seit Jahren ist es bekannt. Also muss ja wohl Berlin dem zustimmen. Kann ja wohl kaum sein dass Herr Schäuble den Griechen vorschreiben kann dass die Pensionen kürzen müssen, aber den Iren nicht sagen kann die Unternehmenssteuern anzupassen.
Es sei denn natürlich es wäre gewünscht dass denen die haben gegeben wird. Dann würde die zahnlose Haltung der schwäbischen Hausfrau die "momentan" ihr Gebiss verlegt hat, Sinn machen.

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omguruji 30.05.2017, 15:28
8. Double Irish With a Dutch Sandwich

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Double_Irish_With_a_Dutch_Sandwich
"Das Double Irish With a Dutch Sandwich ist eine Strategie zur Steuervermeidung multinationaler Konzerne, durch die auf Gewinne kaum oder keine Steuern gezahlt werden. Die Legalität der Methode ist umstritten.[1]
Unter Ausnutzung nationaler Besonderheiten des europäischen Steuerrechts werden dabei Gewinne in Länder mit vergleichsweise geringen effektiven Steuersätzen verlagert. Dazu werden Briefkastenunternehmen in Steueroasen gegründet. Unter den verschiedenen Strategien der Steuervermeidung gilt dieses Konzept als besonders umstritten.[2] Der irische Finanzminister Michael Noonan plant die Abschaffung von Unternehmen ohne Steuersitz, wodurch diese Strategie nicht mehr funktionieren würde.[3]

Ab 2015 können multinationale Unternehmen nicht mehr in Irland registriert sein, ohne dort Steuern zu zahlen. Wer bereits profitiert, bekommt allerdings eine Übergangsfrist bis 2020, erklärte der irische Finanzminister am 14. Oktober 2014. Alle in Irland registrierten Unternehmen müssen ab 2015 auch ihren Steuersitz in Irland haben.[4]....."

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neswlf88 30.05.2017, 15:35
9. jeder wie er kann

Es ist typisch deutsch, mit erhobenem Zeigefinger richtung Irland zu weisen à la "böses böses Steuer-Dumping"
Dabei ist die Politik der Iren doch nur menschlich - sie (zumindest der Großteil der Bevölkerung) sind damit nunmal in den vergangenen Jahrzehnten ganz gut gefahren. Als Ire ist man eben auch nur Mensch und möchte die ganz normalen Annehmlichkeiten, die auch der deutsche Ottonormalbürger möchte: Ein Haus, ein Auto, ab und zu in Urlaub in die Sonne fliegen. Etwas Wohlstand eben. Den erreicht man nicht durch Agrar-Wirtschaft und das bisschen Tourismus.

Irland ist eine Insel mit viel grüner Wiese und wenig Industrie und Infrastruktur. Zur Anlockung von internationalen Firmen muss man sich dort eben was einfallen lassen.
Der erhobene deutsche Zeigefinger kommt mir immer so vor, als sagte man: "Züchtet gefälligst weiter Schafe, betreibt weiter Landwirtschaft und bleibt arm. Geld verdienen und Wohlstand erlangen, das überlasst mal dem Kontinent!"

Sich aus dem bequemen deutschen Sessel, im schmucken Einfamilienhaus mit Familienauto vor der Tür, über die bösen Iren zu beschweren entbehrt schon nicht einer gewissen Ironie.
Vielleicht sollten wir uns mal Gedanken machen, wie wir den Wohlstand in der EU vernünftig verteilen, dass Länder wie Irland gar nicht erst darauf angewiesen sind, durch fragwürdige Steuerdeals Firmen anzulocken, um ihrer Bevölkerung ein normales Leben im 21. Jahrhundert bieten zu können.

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