Forum: Wirtschaft
Europäische Steueroase : Iren müssen Trump und Brexit fürchten
REUTERS

Mit niedrigen Unternehmenssteuern hat Irland viele Konzerne angelockt. Bald könnte ihnen neben US-Präsident Trump auch Großbritannien Konkurrenz machen. Ein Bericht warnt vor "noch nie dagewesenen" Herausforderungen.

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_Mitspieler 30.05.2017, 15:44
10. Checkliste

Wenn man täglich SPON nutzt, sich aus den dort gefundenen Artikeln und Kommentaren eine Themenliste mit EU-Problemen erstellt und fortführt, hat man, egal wann man das startet, nach längstens einem Monat genügend Material zusammen, um konkludent den Nachweis zu führen, warum so viele Menschen Wahl- und Europaverdrossen sind. Wenn GB aus der EU ausgetreten sein wird kann es seinen Unternehmenssteuersatz gern auch bis unter die Grasnabe senken. Wir erheben dann im Gegenzug für alle von GB in die EU gelieferten Dienste und Leistungen einen entsprechenden fetten Dumping-Ausgleichsbetrag. Das hat zwei Konsequenzen. Erstens geht es den Brexit-Briten danach steueraufkommenstechnisch nicht unbedingt besser und zweitens strömt das dort Eingesparte wie in einer Pipeline unmittelbar zu uns. Und dafür müssen wir hierzulande noch nicht einmal eine Produktionsinfrastruktur vorhalten. Schnelles Geld! Was weitaus schlimmer ist, ist dass es innerhalb der EU möglich ist, sich in großem Stil an seinen Mit-Unionsländern zu bereichern, indem man entsprechende Attraktoren, wir sittenwidrig niedrige Steuersätze oder dubiose Steuersparmodelle, anbietet. Geht’s dann schief, wird nach dem Tropf geplärrt. Und die Betrogenen sollen dann auch noch zahlen. Das gehört ratz-fatz abgeschafft! Soviel kann der Martin Schulz gar nicht abstrakt über Gerechtigkeit und die hart arbeitende Bevölkerung schwadronieren, wie er mit einem klaren Statement für die SPD erreichen könnte, in dem er nachhaltig dafür eintritt, die zahlreichen dubiosen Asynchronitäten und Asymmetrien in der EU zu egalisieren. Das fängt beim Wahlrecht an (eine Person, eine Stimme) und hört beim Steuerbetrug noch lange nicht auf. Dort die von Ikea, Amazon, Google, Starbucks, Apple und Konsorten mehr oder weniger legal den Völkern der EU vorenthaltenen Steuermilliarden abgeschöpft und in die Staatshaushalte einfließen lassen ermöglichte via Infrastruktur-und Bildungsinvestitionen sowie Sozialkassensponsoring mehr soziale Gerechtigkeit, als wenn der Kasper übers Land mäandert und den Leuten erzählt, er will den Mindestlohn im Centbereich pimpen.

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scoopx 30.05.2017, 15:53
11. Verflucht sei der Wettbewerb!

Zitat von zensurgegner2017
Haben denn Autoren Scheuklappen? Irland vergibt seit Jahrzehnten Dumpingsteuerbescheide, handelt Sonderdeals aus, und Konzerne, die in Deutschland und Frankreich.... die Infrastruktur abnutzen, die die Sozialstrukturen nutzen, die erwirtschaften die Gewinne auf dem Papier in Irland, obwohl 98% aller Gewinne NICHT in Irland ..... [...]
Da habt ihr es! Das ist er nun, der Wettbewerb! Er wirkt verzerrend und zerstörerisch. Dumping ist eben auch Wettbewerb, und, wie Sie ganz richtig schreiben, er "vernichtet Fortschritt". Da hilft es auch nichts, "Wettbewerb" schönzureden, indem man ihn von "Lobbyarbeit" unterscheidet.

Irland ist da nur ein Nebenschauplatz. Es ist doch eine Schande daß sich Großbritannien wegen des Brexit durch Steuerdumping sanieren muß und sich einen Armutswettlauf mit seiner ehemaligen Kolonie Irland liefert.

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_Mitspieler 30.05.2017, 15:56
12.

Zitat von neswlf88
Es ist typisch deutsch, mit erhobenem Zeigefinger richtung Irland zu weisen à la "böses böses Steuer-Dumping" Dabei ist die Politik der Iren doch nur menschlich - sie (zumindest der Großteil der Bevölkerung) sind damit nunmal in den vergangenen Jahrzehnten ganz gut gefahren. Als Ire ist man eben auch nur Mensch und möchte die ganz normalen Annehmlichkeiten, die auch der deutsche Ottonormalbürger möchte: Ein Haus, ein Auto, ab und zu in Urlaub in die Sonne fliegen. Etwas Wohlstand eben. Den .....
Das Hauptproblem ist doch nicht, dass irgendjemand den Iren ein bisserl Wohlstand neidet. Moralisch zutiefst verwerflich und EU-fiskalpolitischer Schwachsinn hingegen ist, wenn sich ein Land zulasten der übrigen Bündnisnationen parasitär auslebt, während alle hart arbeitenden, steuerzahlenden EU-Bürger das Steueraufkommen zur Finanzierung allfälliger Staatsaufgaben erwirtschaften müssen, das sich die Ikeas, Amazons, Googles, Starbucks', Apples und Konsorten feixend zugunsten ihrer Anteilseigner einsparen. Tausende von Autobahnkilometern, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Integrationskursen, Sozialbauwohnungen könnten zusätzlich finanziert werden. Diese Gelder nicht einzufordern ist zutiefst assozial.

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markniss 30.05.2017, 15:59
13. Chance vertan

An dieser Stelle hätte die Chance bestanden, endlich einmal eine Analyse der EU und insbesondere der Eurozone hinsichtlich des Steuerwettbewerbs abzuliefern. Denn es ist nicht nur Irland, dass sich den freien Wirtschaftsraum EU zunutze macht, um Firmen anzulocken. Das gleiche gilt für Zypern, Malta, Slowakei, Luxemburg, und sogar in Teilen für die Niederlande und Österreich. Alle diese Länder hätten wahnsinnig viel zu verlieren, wenn die Steuern angeglichen würden. Deshalb werden sie das für alle Ewigkeit verhindern, was sie qua Veto-Recht auch können. Selbst bei einer Mehrheitsabstimmung würden die Steuerdumper wahrscheinlich gewinnen!

Und genau deshalb ist ein gemeinsamer Haushalt inklusive Finanzminister so total sinnlos: Der EU-Finanzminister hätte dann nämlich einen Haushalt, bei dem er auf die Steuererhebung (=Einnahmenseite) überhaupt keinen Einfluss hat. Ergo, er wäre nichts anderes als noch ein weiterer Verteiler von EU-Geldern -- davon habe wir aber schon jede Menge. Im Ergebnis hätten wir also nur noch eine sinnlose Behörde mit haufenweise überbezahlten EU-Beamten.

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WillausD 30.05.2017, 16:11
14. Es Fehlt in diesem Bericht noch sehr viel oder kommt noch was.

Wahr ist die Exporte aller Natur nach GB ist der Schwerpunkt fuer die Irische Wirtschaft.
Wenn der Brexit kommt dann tut es in diesem Sektor besonders weh.
Nord Irland – soll laut EU nach und nach mit Irland Rep verschmelzen. Da ueber 50% fuer EU verbleib gestimmt haben.

Nach dem Harten Brexit werden sich viele GB Firmen in Irland niederlassen um guenstig Handel mit den EU Staaten zu betreiben.
Einige Finanz Firmen aus der London City werden auch nach Dublin gehen – um Finanzprodukte in der EU Raum zu verticken.

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anna cotty 30.05.2017, 16:12
15.

Zitat von akmsu74
Die Iren müssen vor allem Eines fürchten - ihren eigenen Verrat an der EU durch ihre Steuer-Politik! Irland hat dem restlichen Europa massiv geschadet und wenn man dort jetzt die Zeche dafür zahlen muss, hält sich mein Mitleid in allerengsten Grenzen. Davon abgesehen - dann gibts eben noch ein Rettungspaket, was solls? Seit wann tragen die EU-Mitglieder.....
Irland hat schon lange auf Tourismus 'umgeschwenkt'. Aber die Touristen, die unser Wetter in Kauf nehmen, um die wunderschoene Landschaft zu geniessen, sind eben nicht so haeufig, wie die, die nach Mallorca wollen.
Wenn Sie mal nachgucken, wo Irland liegt, sollte es Sie eigentlich nicht wundern, dass wir etwas brauchen, um Industrie nach Irland zu locken. Wer wie wir am Rande Europas auf einer Insel lebt, hat es nicht so einfach wie ein Mainland- Europaer.
Unser Kinder wollen auch nicht alle in Hotels und Tourismus arbeiten, goennen Sie uns das doch.

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thequickeningishappening 30.05.2017, 16:16
16. Steueroase Irland

Was ich nicht verstehe ist dass Irland zusammen mit Luxemburg, ergo die beiden größten Steueroasen in der EU die größte implizite Staatsverschuldung haben ( 2017 700 bzw 800% BIP) ?

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mark e. ting 30.05.2017, 16:23
17. Irland wird der Brexit überleben

aber nicht das nächste Platzen der Immobilienblase. Die ist nämlich schon viel größer als vor dem letzten Crash. Und die Iren haben nichts gelernt... gar nichts.
Aber wegen dem Brexit müssen Sie sich nicht so viele Sorgen machen. Die US Firmen, die hier ansässig sind, werden nicht einfach in die UK umsiedeln, nur weil es dort dann auch niedrige Steuern gibt. Das liegt schon alleine daran, dass die US Unternehmen hier multikulturelle Callcenter unterhalten, mit hauptsächlich EU stämmigen Mitarbeitern. So viele werden sie in UK nach dem Brexit nicht finden.

Im Gegenteil sehe ich das genau umgekehrt: Firmen werden aus UK abhauen und gerne nach Dublin umziehen (passiert ja schon). Von 52 Baukränen in Dublin gehören derzeit 50 zu Bürohaus-Baustellen. Das zeigt wiederum aber das eigentliche Problem: es gibt jetzt schon keinen Wohnraum mehr und es wird keiner gebaut. Wo die tausende neue Arbeitnehmer dann wohnen sollen, die die neuen Firmen hier benötigen ist mir ein Rätsel. Die Gehälter werden (ist auch jetzt schon der Fall) übermäßig ansteigen müssen. Selbst Unqualifzierte werden dann +100k€ verdienen, nur um sich die Miete leisten zu können...

Zudem werden die UKler weiter Guinness und Bulmers trinken und Cheddar essen. Viel mehr Nahrungsmittel werden ja nicht exportiert...
Also insgesamt wird Irland kurzfristig eher profitieren, dann aber auf Grund der Firmenschwemme zu Grunde gehen - zu viele Firmen - zu wenige Arbeitnehmer und noch weniger Wohnraum.

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brunellot 30.05.2017, 16:27
18. Schwachsinn!

Die internationalen Firmen sind in Irland weil sie Zugang zum Europäischen Markt wollen. USA (sicher) und UK (sehr wahrscheinlich) können das beide nicht liefern. Irland bietet selbst sehr günstige Steuerkonditionen. Warum in Gottes Namen sollte Apple zB seine Europäische Zentrale nach UK umziehen?

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ruzorma 30.05.2017, 16:30
19. Subventionen

Trickserei zugunsten internationaler Konzerne und Steuervermeider oder juristischer Winkeladvokaten als Ressource. Ausgeträumt?

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