Forum: Wirtschaft
Eurozone und Griechenland: Ganz Brüssel träumt von der Liebe
REUTERS

Soviel Harmonie war nie: Nach gerade mal einer Stunde Telefonkonferenz haben die Euro-Finanzminister die Liste mit griechischen Reformversprechen abgesegnet. Premier Tsipras soll das helfen, in der Heimat sein Gesicht zu wahren.

Seite 1 von 8
freespeech1 24.02.2015, 17:51
1.

Nicht die Reformliste oder die Reformvorhaben sind entscheidend, sondern die durchgeführten Reformen. Da wird man jetzt einfach abwarten müssen.

Wenn die Reformen so in Angriff genommen werden, insbesondere gegen die erhebliche Steuerhinterziehung vorgegangen wird, wird dies das frei verfügbare Einkommen vieler Griechen schmälern. Sie haben sich von Tsipras vermutlich erwartet, dass sie mehr und nicht weniger Einkommen haben. Schließlich war in der Zeitung zu lesen, das nach der Wahl schon mal viele Griechen ihre Steuerlast vorab gesenkt hatten. Die werden sich nicht freuen.

Wichtig ist aber, dass in Griechenland endlich die Einsicht einkehrt, dass diese Reformen nicht für Deutschland oder die Eurogruppe gemacht werden, sondern für Griechenland.

Es wäre gut, wenn unsere Politiker nicht immer eine so große Klappe haben. Schließlich ist die Griechenlandkrise und ihre Auswirkungen für die anderen Länder der Eurogruppe belastender als für uns.

Beitrag melden
archivdoktor 24.02.2015, 18:04
2. Alles klar.....

Es war mir schon vorher klar, dass es so laufen wird - alles keine Überraschung.
Was mich interessieren würde: wie z.B. wird der slowakische Finanzminister seinen Slowaken erklären, dass die Slowakei zahlen wird, damit der Mindestlohn in Griechenland auf 750,00 Euro steigt? Der Mindestlohn in der Slowakei steht bei 380 Euro. Bei den Balten sieht es nicht besser aus....

Beitrag melden
querdenker13 24.02.2015, 18:16
3.

Ob diese Griechische Regierung ihre Reformliste abarbeiteten wird muss sich erst noch herausstellen. Aber schon vorherige Regierungen hatten Schwierigkeiten und Probleme hatten ihre Reformen umzusetzen, deswegen bin ich sehr skeptisch was dies angeht.

Beitrag melden
der_ungläubige 24.02.2015, 18:17
4. Die Hoffnung stirbt zuletzt

In der Vergangenheit wussten Interessengruppen in Griechenland stets, Reformen bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Meine Skepsis bleibt daher die alte. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Beitrag melden
karend 24.02.2015, 18:19
5. Einsicht

Zitat von freespeech1
(…) Wichtig ist aber, dass in Griechenland endlich die Einsicht einkehrt, dass diese Reformen nicht für Deutschland oder die Eurogruppe gemacht werden, sondern für Griechenland. Es wäre gut, wenn unsere Politiker nicht immer eine so große Klappe haben. Schließlich ist die Griechenlandkrise und ihre Auswirkungen für die anderen Länder der Eurogruppe belastender als für uns.
Einsicht setzt voraus, sich die eigenen Fehler und bisherigen Handlungen wahrhaftig (und ohne etwas zu beschönigen) anzusehen. Das wird nicht geschehen, sonst hätte sich in den letzten Jahren etwas verändern müssen. Die Aktion der letzten Wochen, Steuern zurückzubehalten, ist dafür nur ein Beispiel.

Ihren letzten Sätzen stimme ich zu. Zurückhaltung - und nicht sofort alles hinauszuposaunen - wäre sinnvoll. Abgesehen davon wäre es angebracht, wenn sich die Politiker an ihren Amtseid erinnern würden.

Beitrag melden
carahyba 24.02.2015, 18:19
6.

Zitat von archivdoktor
Es war mir schon vorher klar, dass es so laufen wird - alles keine Überraschung. Was mich interessieren würde: wie z.B. wird der slowakische Finanzminister seinen Slowaken erklären, dass die Slowakei zahlen wird, damit der Mindestlohn in Griechenland auf 750,00 Euro steigt? Der Mindestlohn in der Slowakei steht bei 380 Euro. Bei den Balten sieht es nicht besser aus....
Die Lösung ist einfach, erhöhen des Mindestlohns und die Austerität zurückfahren. Schiebt die Wirtschaft an erlaubt ein höheres Steueraufkommen. Soll seine Investoren an den üblichen Kosten beteiligen und denen nicht Geld hinterher schmeissen. Dann läuft das auch alles etwas besser. "Investoren" die nur Geld kosten braucht man nicht.

Beitrag melden
ka117 24.02.2015, 18:25
7. Von Griechen lernen...

Zitat von archivdoktor
Was mich interessieren würde: wie z.B. wird der slowakische Finanzminister seinen Slowaken erklären, dass die Slowakei zahlen wird, damit der Mindestlohn in Griechenland auf 750,00 Euro steigt? Der Mindestlohn in der Slowakei steht bei 380 Euro.
Von Griechen lernen, heisst Demokrartie lernen!

Dass die Nordeuropäer das Prinzip der Demokratie immer noch nicht kapiert haben, ist doch nicht das Problem der Griechen, oder?
Die Griechen haben die Demokratie vor 2500 Jahren erfunden! Und in dieser Demokratie standen schon damals jedem griechischen Demokraten (statistisch gesehen) drei Sklaven zur Verfügung, damit er sein Leben meistern kann. So funktionierte das vor 2500 Jahren, wieso sollte das auf einmal anders werden?

Beitrag melden
Palmstroem 24.02.2015, 18:35
8. Konkurrenzlos teuer

Die Griechen haben seit ihrem Euro-Beitritt bis zur Krise ihr pro Kopf-Einkommen fast verdreifacht, ohne die Produktivität auch nur annähernd zu verbessern.
Die Löhne in den Nachbarländern liegen etwa bei einem Drittel der griechschen. So ist es kein Wunder, dass kaum jemand in Griechenland investiert, zumal durch Korruption, Nepotismus und ineffektiver Verwaltung die öffentliche Verwaltung als Bremsklotz wirkt.
Mit Landwirtschaft und Tourismus allein ist aber noch nie ein Staat groß geworden. Der Anteil der Industrie beträgt gerade mal etwas über 16% am BIP. die Größte Firma Griechenlands ist ein Coca Cola-Abfüller, die zweitgrößte ein Sportwettenanbieter!

Beitrag melden
goeman 24.02.2015, 18:36
9. 2014, als Varoufakis noch die Wahrheit sagte:

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Griechenland meldete einen „Primärüberschuss“, den EUROSTAT bestätigte. Sie bewiesen, dass dies nur ein Trick war. Können Sie uns dies näher erläutern?
Yanis Varoufakis: Nachdem ich Griechenlands Finanzsituation sehr genau kenne, war meine starke Vermutung, dass ein primärer Finanzüberschuss für 2013 nicht möglich war – selbst dann nicht, wenn wir die großen Summen aus der Rechnung herausnehmen würden, die sich Griechenland für die Rettung der Banken geliehen hatte, und die über 4 Milliarden Euro, die sich Griechenland weigerte, seinen Lieferanten für offene Rechnungen zu bezahlen, zu deren Zahlung das Land jedoch eigentlich im Jahr 2013 vertraglich verpflichtet gewesen wäre. Mit diesen Verdacht im Hinterkopf, forschte ich in den offiziellen nationalen Statistiken nach, die von der griechischen Statistikbehörde ELSTAT veröffentlicht und von EUROSTAT anerkannt worden waren.
Ich hatte einen großen Vorteil: Dank meiner Erfahrung wusste ich, dass ich die staatlichen Pensionsfonds anschauen musste. Ich erinnere mich nämlich, dass die Idee des „Entdecken von weißen Löchern“ in den Pensionfonds zum ersten Mal in den späten 90er-Jahren durchgeführt wurde – um das griechische Haushaltsdefizit näher am Maastricht-Kriterium (-3% des BIP) auszuweisen, als es in Wirklichkeit war. Woher ich das weiß? Weil mir dieser „Trick“ höchstpersönlich vom damaligen Regierungsbeamten mitgeteilt wurde. Und wer war dieser Regierungsbeamte? Mein damaliger Athener Universitätskommilitone, Herr Yannis Stournaras, der jetzige Finanzminister, der in den 1990ern Jahren Vorstand des Griechischen Wirtschaftsbeirats war und der dafür verantwortlich war, Griechenland den Beitritt in die Eurozone zu verschaffen.
Ein einziger Blick in die Bilanz des Pensionsfonds für 2013 bestätigte, dass man genau den gleichen Trick angewandt hatte, wie in den späten 1990er Jahren. Der Pension-Fonds, der noch 2011 und 2012 mit Defiziten im Haushalt zu Buche geschlagen hatten, wurde auf einmal zu einem „weißen Loch“, also als Überschuss verbucht, in einem Wert von etwa 4,7 Milliarden.
Diese „weißen Löcher“ haben aus einem primären Staatsdefizit von 3,9 Milliarden Euro einen Primär-Überschuss von 1,5 Milliarden Euro gemacht.
Das Schlimmste daran ist, dass die Neuen Griechischen Statistiken mit dem Gütesiegel der EUROSTAT, der Troika und – ich nehme an – ebenso von der Deutschen Bundesregierung kommen. Dies finde ich sehr traurig und empörend zugleich. Meine Frage an Frau Merkel und Herrn Schäuble – und ich nehme an, auch die Frage Ihrer Leser – ist: Wurden Sie etwa erneut von der griechischen Regierung hinters Licht geführt? Oder stecken Sie, Frau Merkel und Herr Schäuble, etwa mit den Griechen unter einer Decke? Haben Sie das gemacht, um die Krise vor den Wahlen zum Europa-Parlament für beendet erklären zu können? Ich befürchte, wir alle wissen, welche dieser zwei Vermutungen zutrifft.

Beitrag melden
Seite 1 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!