Forum: Wirtschaft
EZB-Kauf von Staatsanleihen: Das Billionenexperiment hat begonnen
REUTERS

Seit dem Vormittag kauft die Europäische Zentralbank Staatsanleihen für viele Milliarden Euro. Erste Folgen der Geldflut: Der Preis für solche Papiere steigt, Länder können sich günstiger finanzieren, der Euro fällt.

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Wahrheitmusswehtun 09.03.2015, 13:51
60. Auf Kurs

Applaus Applaus meine Vorredner. Wer am Wochenende an seinem Stammtisch nicht zu Wort kam, darf hier seine geistreichen Kommentare zum Besten geben.
Aber, was ist eigentlich passiert?
1) Die EZB kauft STAATSANLEIHEN (Nein, Unternehmensanleihen sind etwas anderes. Nein, Banken bekommen hiervon GAR NICHTS). Ok, der Kauf von Staatsanleihen ist NICHTS Neues. Seien wir ehrlich, die Entscheidung der EZB, sich derart aktiv in die Finanzmärkte Europas einzumischen, war vielleicht nicht die Beste, aber bislang einzige Lösung, die Euro-Krise in den Griff zu bekommen. Bravo Draghi, der mehr Eier in der Hose hat, als die Herren Finanzminister & Co. aller Europäischer Länder. Jetzt kauft Europa sich selbst. Das Geld steht auf Papier und Papier ist geduldig...Raffiniert.
2) Der Euro wird schwächer. Und jetzt? Hat schon jemand Kaufkraftverlust bemerkt? Ich nicht. Haben wir uns zu schnell an günstigeres Benzin an der Tankstelle gewöhnt? Vermutlich. Halten wir fest, dass ein schwacher Euro kein schlechter Euro ist. Deutschland als Exportnation profitiert in erheblichen Maße. Und solange sich niemand für eine ausgegliche Außenhandelsbilanz interessiert, sichert sie Arbeitsplätze. Wir wollen billige Importe aus dem Ausland? Vielleicht kaufen wir einfach mal beim heimischen Produzenten, das stärkt die Binnenwirtschaft.
3) Keine Zinsen mehr für Erspartes. Deutschland als Land der Sparer muss hier endlich mal aufwachen. Wir reden immer davon, das Geld soll nicht in den Finanzmarkt (böse Banken!) sondern in die Realwirtschaft. Aber hohe Renditen fürs Angelegte wollen wir schon haben. Freunde, wir haben in Deutschland sehr viele Börsenplätze. Dies sind keine Spielplätze der Banken. Hier kann man sich aktiv an einem Unternehmen beteiligen. Aber das erfordert einen mündigen und aufgeklärten Anleger. Die sind aber noch selten in Deutschland.
Wir sind auf Kurs, aber uns fehlt im Moment der Kapitän.

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ekel-alfred 09.03.2015, 13:51
61.

Zitat von kuddemuddel
Spätestens zum 20. Geburtstag des Euro ist dieser heruntergewirtschaftet.
Nicht nur der Euro, sondern Europas Bürger sind dann auch runtergewirtschaftet. Darauf habe ich keinen Bock...

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kai0816 09.03.2015, 13:54
62. Richtig so!

In einer Zeit, in der riesige Vermögen in privaten Händen sind und mittelgroße EU-Staaten mitsamt dem ärmeren Teil ihrer Bevölkerung absaufen, weil sie keine Kredite mehr bekommen, finde ich die Maßnahme, Kreditaufnahmen für Mitgliedsstaaten zu verbilligen, genau richtig. Wenn die Einzelstaaten der EU dadurch bereit sind, Geld auszugeben, haben die kleinen Leute auch was davon, viel mehr, als von "Der Euro muß hart bleiben"!

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produster 09.03.2015, 13:57
63. Beispiellos

Merkel, Schäuble, Draghi und Co. werden sich, wenn der Wind dreht, hoffentlich verantworten müssen für den Giftmüll, den sie uns hinterlassen. Der Grad der Manipulationen und Verdummung hat, zusammen mit der Börse, Höchststände erreicht. Man hat und eine starke Währung versprochen: heraus kommt ein Desaster für Ottonormal. Und das alles, weil die hohen Herren beschlossen haben, dass es ein der Zeit sei, aufzuräumen mit Sozialstaaat, Sparguthaben und gesicherten Verhältnisse für jedermann. Diese Revolution von oben ist beispiellos.

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Fuscipes 09.03.2015, 13:59
64.

Das ist nur ein Nebenexperiment, das Hauptexperiment läuft seit 1 Januar 2002, auf Laborebene und in der Theorie sah das besser aus.

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yotam1nd 09.03.2015, 14:01
65. ...

Zitat von THINK
Als betroffene europäische Labormaus protestiere ich entschieden gegen dieses Experiment. Was macht Hr. Draghi eigentlich, wenn das Experiment schief geht?
Sie haben scheinbar das Spiel noch nicht in Gänze durchschaut! "Es war nur ein Experiment" - ist bereits Anwort und Entschuldigung für den Fall der Fälle. Man sagt es nur schon vorher, denn beim großen Knall ...

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lantelme.import 09.03.2015, 14:03
66. Helmut Schmidt...

... hat doch kürzlich gesagt "Wir stehen am Vorabend einer Revolution", wenn ich mich richtig erinnere.
Was er nur vergessen hat zu bedenken:
Die Deutschen sind im Durchschnitt viel zu fett, verwöhnt, daher träge, um in nennenswerter Anzahl auf die Straße zu gehen. Wir sind zwar Weltmeister im Meckern, aber Fakten von unten her zu schaffen - das ist nicht des Deutschen Ding!
Man mault ständig - und wählt mehr oder weniger wie gehabt, folgt also den Leithammeln in den finanziellen, ökologischen und sozialen Abgrund. Jede westliche Gesellschaft hat die Regierung (auch die indirekten EU-Institutionen), die sie verdient, so what!?
Statt die Nase ständig in Krisenherde anderer Länder und Kulturen zu stecken, sollte man hierzulande erst mal die eigenen Müllhalden beseitigen.

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shardan 09.03.2015, 14:04
67. Logik

Logik sehe ich hier nicht mehr. Angeblich dienen die Geldmengen dazu, eine Deflation zu verhindern. Deflation bedeutet, dass Firmen und Kunden ihre Investitionen zurückhalten, weil die Preise nächste Woche noch weiter gefallen sind. So weit, so schön. Von einer solchen Kaufzurückhaltung ist jedoch im Moment nicht wirklich viel zu sehen, im Gegenteil: Der Konsum brummt wie seit langem nicht mehr. Die Leute geben das Geld lieber aus anstatt eine Rücklage zu bilden - die Rücklagen werden staatlich verbrannt. Denn darauf läuft die Politik hinaus: Entwerten von Rücklagen und Geld, um die angehäuften Schulden (Ja, auch die deutschen Schulden!) billiger zu machen.
Dabei wird der massive Wertverlust des Euro von mittlerweile > 20% billigend in Kauf genommen. Es verteuert zwar die grade erst gesunkenen Ölpreise, so das wir wieder teuer tanken dürfen - aber angeblich hilft es ja der Industrie. Schön, wenn es das tut. Kommt das beim Bürger an? Mitnichten. Überhaupt ist es recht fragwürdig, welcher Industrie es wo hilft - ich habe den Eindruck, dass das eher den US-Markten als den EU-Märkten zu Gute kommt.

Am Ende steht fest, wer die Zeche zahlt: Der kleine Bürger, dessen Erspartes nichts mehr wert ist, dessen Rente kaum oder gar nicht mehr zum Leben reicht.

Und bei den Wahlen werden sich unsere Politiker dann wundern, warum dumpf-nationalreaktionäre Gruppierungen ihre neoliberal-braune jauche so schön über Deutschland auskippen können. Kohl hat den Fehler bereits gemacht, als er weit rechts gerichtete Wähler ins Boot holen wollte und sie so salonfähig machte. Merkel treibt die Wähler direkt in die braune Suppe, sie hat nichts gelernt daraus.

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Karnevalitis 09.03.2015, 14:07
68. Wo arbeitete Draghi früher

Eines scheint man bei den bisherigen Beiträgen vergessen zu haben: Draghi war Vizepräsident bei Goldman & Sachs. Und wem nutzt diese Geldpolitik? Goldman & Sachs und all den anderen, ähnlichen Finanzzockern dieser Welt. Dass die Börse Rekorde aufweist, spricht für sich selbst und dafür, dass auch dieses Geld so gut wie gar nicht in der Realwirtschaft ankommt. Warum ist unsere Bundeskanzlerin eigentlich noch immer so beliebt, die dies Alles mitträgt? Wenn das weiter so geht, kann sie sich bald bei uns heimisch fühlen, denn wir werden DDR-Zustände nicht nur im Ostteil, sondern in ganz Deutschland bekommen. Es sei denn, irgendwer bietet diesem Treiben ein Halt! Übrigens alle, die Griechenland so verteufeln, sei gesagt, dass es Goldman & Sachs waren, die es mit Bilanztricks schafften, Griechenland unter die 3%-Hürde zu bringen und dafür ca. 300 (!) Millionen kassierten!

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flexier 09.03.2015, 14:08
69. Deflation Problem fuer Schuldner?

Wer in der aktuellen Niedrigzinssituation eine Immobilie kauft und geschickt einen niedrigen Festzins aushandelt, spart soviel Geld im vergleich zu einer Normal- oder Hochzinsphase das ein eventueller Wertverlust durch Deflation definitiv ausgeglichen wird.

Und wer eine Immobilie zu mehr als 60% finanziert ist selber schuld wenn es knallt. Bei einer gesunden Finanzierung ist ein Wertverlust von 10% durch Deflation sehr wohl verkraftbar. Noch dazu bleiben Eigenheimbesitzer ja in der Regel in ihren 4 Wänden wohnen und daher ist der Wertverlust eine rein buchhalterische Größe. Solange das Einkommen nicht sinkt und die monatliche Rate einem nicht die Butter vom Brot nimmt, kann einem Hausbesitzer eine Deflation eigentlich egal sein.

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