Forum: Wirtschaft
Fachkräftemangel: Handwerkspräsident schlägt Ablöse für Azubis vor
DPA

Mehr als 15.000 Euro stecken Betriebe in ihre Auszubildende - um sie dann oft an die Konkurrenz zu verlieren. Handwerkspräsident Wollseifer bringt für solche Fälle nun eine Ablösesumme ins Spiel.

Seite 1 von 9
stefan89 03.06.2019, 08:21
1. Ein gerechterer Lohn würde auch helfen

Warum wechseln die denn? Weil sie woanders mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen bekommen. Dies durch eine Ablösesumme zu verhindern ist auch nicht fair.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Das Pferd 03.06.2019, 08:29
2.

"Höhere Löhne und Vergütungen für Beschäftigte fordern, ist das eine, aber das andere ist es, dann für die Handwerksleistung auch einen entsprechend wertschätzenden Preis zu zahlen"

Das ist richtig, aber hier sollten die Dachorganisationen des Handwerks handeln. Erst mal die Mitglieder auf Linie bringen, daß sie möglichst alle zum Stichtag die Stundensätze herauf setzen. Da wird jemand Kartell schreien, aber das ist eine für alle gleichzeitig einsetzende Belastung, kommt also bei jeder Kalkulation was ähnliches raus. Die Konjunktur gibt es her.
Und gleichzeitig eine Image-Kampagne vom Verband: "Wir zahlen gute Löhne" oder so, um das ganze medial zu flankieren.
Die Idee mit den Abstandszahlungen gibt es unter der Hand wohl gelegentlich (bei Schweißerpässen habe ich so was mal gehört). Wird aber schief gehen. Für einen Führungsjob mag man ein Konkurrenzverbot unterschreiben, vielleicht auch bei teuren Lehrgängen für hochbezahlte Spezialisten.
Aber bei 16-Jährigen, die eine Lehre antreten? Das wird eine Schwelle bei der Gewinnung von Lehrlingen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nurmalsogefragt 03.06.2019, 08:31
3. Soll cool klingen, ist aber nur versuchte Lohndrückerei

Wie wäre es denn, den jungen Leuten nach der Ausbildung ein konkurrenzfähiges Angebot zum Berufseinstieg zu machen? (Und sie vielleicht in der Lehre schon anständig behandelt zu haben?) Dann wollen die vielleicht gar nicht weg? Stattdessen: Wechseln verbieten, dann ein besch... Angebot machen, und dann möglichst noch die nächsten Jahre immer nur Mini Lohnerhöhungen. Prozentrechnung für den Arbeitgeber: wenige Prozent Aufschlag auf ohnehin schon geringe Lohnsumme. Kann man nur hoffen, dass sofort einer damit zum Verfassungsgericht geht, wg. Freiheit der Berufswahl, und dann gewinnt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
henepo 03.06.2019, 08:43
4. Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Azubis

Kann er vergessen. Sobald der erste Azubi seinen Ausbildungsbetrieb verlassen will, vom neuen Betrieb eine Ablöse gefordert wird und der Arbeitgeberwechsel nicht zustande kommt wird das spätestens vom BVerfG kassiert.

Azubis sollen hier in Geiselhaft genommen werden weil Betriebe es nicht schaffen sie mit vernünftiger Vergütung und Arbeitsverhältnissen zu halten. Die persönlichen Freiheitsrechte eines Arbeitnehmers wiegen höher als das Arbeitgeberinteresse. Wenn man Azubis ausbildet muss man damit rechnen das sie gehen.

Außerdem: Wie will man das kontrollieren? Wenn der Azubi nach Ende seiner Lehre seinen Arbeitsvertrag fristgerecht kündigt und woanders anfängt hat der alte Arbeitgeber kein Recht irgendwas zu verlangen. Es geht ihn nicht einmal was an wo der Azubi danach arbeitet.

Ist einfach nur ein dämmlicher mimimi Vorschlag. Aber man muss als Handwerker Präsident halt solche Sachen sagen damit man wiedergewählt wird - reiner Populismus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
loncaros 03.06.2019, 08:44
5.

Das ist ja wohl der Gipfel der Bräsigkeit.

Wenn ein Azubi direkt nach der Ausbildung den Betrieb wechselt, dann liegt das fast immer daran, dass er im Betrieb selber nicht zufrieden ist. Miese Behandlung durch den Ausbilder, unbezahlte (weil verboten) Überstunden, Vernachlässigung der Ausbildung zu Gunsten von Arbeit, die der Firma Umsatz beschert hat usw.

Vielleicht sollte der Herr mal lieber bei Ausbeuter-Ausbildern ansetzen anstatt sich hier vom Profifußball inspirieren zu lassen. Oder er zahlt Azubis eben Profifußballgehälter.

Zum Glück ist diese Idee grundgesetzwidrig (Artikel 12). Aber er hat wenigstens mal wieder Farbe bekannt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
snoook 03.06.2019, 08:44
6.

Erst einmal bilden viele Betriebe über Bedarf aus. Dann musste der Betrieb bei uns zu einer einjährigen Übernahme verpflichtet werden (das kann man so oder so bewerten). Was soll passieren, wenn das eine Jahr noch nicht rum ist, der Ex-Azubi aber schon weiß, dass er nicht übernommen wird. Soll der künftige Betrieb dann trotzdem eine Ablösesumme zahlen?
Dann: Wer keine 15.000 € in seine zukünftigen Mitarbeiter investieren kann, soll es lassen (das müsste der Betrieb auch bei fertig ausgebildeten - da gibt es auch keine Ablöse).
Und schließlich: Wenn der Betrieb wirklich nicht in der Lage ist, den Azubi wenigstens für eine kurze Zeit zu halten, dann war der Betrieb vielleicht doch nicht so doll. Auch daran sollte man eher arbeiten...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oliver.lohrenz 03.06.2019, 08:51
7. Kann man drüber reden...

...aber dann bitte auf Augenhöhe, etwa, indem wenigstens nach Tarif gezahlt werden muss.

Ich bin im IT-Bereich und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Nach abgebrochenem Studium (aus verschiedenen Gründen) war ich nach vier Wochen ganz normal produktiv im Betrieb auf Kundenprojekten, teils auch alleine verantwortlich. Mein Ausbilder hat viel gelernt, leider nicht nur inhaltlich (Entwicklung), sondern auch methodisch. Die Ausbildung habe ich auf zwei Jahre verkürzt. Aus meiner Sicht habe ich außer unter permanenten Druck zu arbeiten dort wenig gelernt. Das Abschlussprojekt musste in der Freizeit laufen, da Kundenprojekte in der Firma vorgingen und ohnehin Überstunden erforderten. Trotzdem hatte ich meinen Spaß daran, stellte aber fest, dass außer Hungerlohn wenig kam. Das Angebot zur Übernahme kam zwar, aber die Bezahlung war ein schlechter Scherz. Entsprechend habe ich gewechselt und das für mehr als das Doppelte des "letzten großzügigen Angebots" meines Ausbildungsbetriebs - und nebenbei war es fordernd genug, dabei dann endlich weiter gekommen zu sein.

Wenn ich mir überlege, ich wäre gezwungen gewesen, dieses Angebot anzunehmen....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
erzengel1987 03.06.2019, 08:51
8. Das liest sich irgendwie so als würden Azubis immer freiwillig gehen

Also ich habe studiert, daher kann ich nicht direkt aus eigener Erfahrung berichten.
Durch Freunde weiß ich nur, dass man als Azubi eben nicht unbedingt übernommen wird. Oftmals heißt es nur Wage eventuell wirst du übernommen. Beziehungsweise man hat einen Ausbildungsvertrag oder ähnliches, der Exakt solange geht wie die Ausbildung dauert.
Ist es dann die Schuld des Azubis, wenn dieser sich bei einer anderen Firma bewirbt?
Es gibt auch Fälle bei denen manchen Azubis ständig mündlich versichert wird, ja ihr werdet auf jeden Fall übernommen. Am Ende haben sich vielleicht 2 von 10 auf eine andere Stelle beworben und im schlimmsten Fall niemand übernommen.

Die Betriebe sollten es sich an dieser Stelle wirklich nicht zu einfach machen. Ich stimme somit auch nicht zu, dass Azubis noch eine Entschädigung zahlen müssen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
t.schulte 03.06.2019, 08:51
9. Freie Berufswahl ist ja auch kein Grundrecht ....

... oder etwa doch?
Man könnte den Azubi nach der Ausbildung auch einfach marktgerecht bezahlen, dann ist abwerben schwer...

Gruß
Thomas

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 9