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Fachkräftemangel: Handwerkspräsident schlägt Ablöse für Azubis vor
DPA

Mehr als 15.000 Euro stecken Betriebe in ihre Auszubildende - um sie dann oft an die Konkurrenz zu verlieren. Handwerkspräsident Wollseifer bringt für solche Fälle nun eine Ablösesumme ins Spiel.

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_gimli_ 03.06.2019, 10:19
40.

Zitat von totalausfall
Erst mal : Es geht nicht um Azubis, sondern um Gesellen, die die Daher ist eine Ablösesumme gar nicht so dumm wie Sie es darstellen. Es geht nämlich nicht darum, den Ausbilder zu entschädigen. Es geht darum, dieses Vorgehen für die Industrie finanziell unattraktiv zu machen. Sollen sie doch ihre Leute selber ausbilden.
Über die Ablösesumme brauch man doch gar nicht weiter diskutieren. Die wird es nicht geben, weil verfassungswidrig. Ich nehme an, das wusste der Handwerkspräsident auch, als er das Statement abgab. Er wollte halt mal einen populistischen Beitrag raushauen. Das ist einfacher, als sich mit Ursachen auseinanderzusetzen oder ggf. mal Klartext zu reden und zu sagen, dass das Handwerk für deutsche Arbeitnehmer in vielen Fällen (nicht immer!) unattraktiv ist.

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Flachlandprophet 03.06.2019, 10:22
41. unnötig

Wenn der ausbildende Betrieb seinen Lehrling dann als Geselle anständig bezahlt und behandelt, dann wird dieser auch nicht so schnell wechseln - wenn doch, dann gehört das zum unternehmerischen Risiko. Von einer Ablöse -Zahlung oder Ausbildungs -Entschädigung halte ich gar nichts. Besser ist die Politik kümmert sich mal mehr um den Mittelstand, denn wenn ein Handwerksbetrieb Personal verliert...dann oft an große Industriebetriebe...die von der Betriebsrente über sonstige Leistungen viel mehr zu bieten haben.

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t.schulte 03.06.2019, 10:30
42.

Zitat von cabeza_cuadrada
Angenommen der Azubi macht seine Ausbildung in der ostdeutschen Provinz, wohnt noch bei den Eltern, und bewirbt sich nach der Ausbildung in Bayern oder BaWü. Da kann die Firma im tiefsten Osten nicht mithalten. Ich habe selber mal eine 3 monatige Vollzeit Zusatzausbildung von meinem Arbeitgeber bekommen. Dafür musste ich unterschreiben mindestens 1 Jahr danach im Unternehmen zu bleiben. Ich finde das fair, Ausbildung kostet Geld.
Wenn der Azubi zum Ausbildungsende noch nicht gelernt hat das dort auch das Leben deutlich teurer ist, ist das vielleicht auch nicht der Azubi den man übernehmen will.
Er kann den Azubi also immer noch für *weniger* Geld einstellen als das Unternehmen in Bayern oder BaWü, und der Geselle hat trotzdem mehr frei verfügbares Gehalt.

Sinn der Arbeitnehmer Freizügigkeit ist u.A. auch ein sich angleichendes Lohnniveau. In der Provinz hat der Ausbildungsbetrieb ja auch i.d.R. weniger Ausgaben für seine Räumlichkeiten, oft (wenn auch nicht immer) niedrigere Gewerbesteuergesetze etc. pp.

Die niedrigeren Lebenshaltungskosten, und damit das was er weniger an Lohn zahlen muss um gleichwertig zu zahlen, sollte sich 1:1 auch dort wiederfinden wo er seine Einnahmen erzielt. Arbeitet er nur regional hat er keinen Nachteil, arbeitet er überregional hat er einen Kostenvorteil.

Das teurere Zusatzausbildungen/Seminare/Fortbildungen und Schulungen über die Ausbildung hinaus schon heute mit Sonderregelungen versehen werden können, weißt Du ja aus eigener Erfahrung.

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carranza 03.06.2019, 10:43
43. Exakt

Zitat von t.schulte
... oder etwa doch? Man könnte den Azubi nach der Ausbildung auch einfach marktgerecht bezahlen, dann ist abwerben schwer... Gruß Thomas
Wenn man ihn vernünftig ausgebildet hat, dann sollte das wohl auch wirtschaftlich vertretbar sein.

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Pless1 03.06.2019, 10:43
44. Falscher Ansatz

Wie viele vor mir schon schrieben ist das ein falscher Ansatz, zudem grundgesetzwidrig. Ausgelernte Azubis sind vertragsfrei und können tun und lassen, was immer sie wollen.

Trotzdem sehe ich den Kern des Problems: Die einen Betriebe bilden gut und teuer aus, andere wollen davon profitieren, ohne aber selbst ausreichend in Ausbildung zu investieren. Dies durch eine Art "Ausbildungsabgabe" auszugleichen, die Firmen zahlen, die unterproportional zu ihrem eigenen Facharbeiterbedarf ausbilden fände ich schon angemessen. Dieser Obolus könnte dann in Fördermaßnahmen für Ausbildung investiert werden. Das könnte in etwa wie die Schwerbehindertenabgabe ausgestaltet und von den Kammern (IHK, HWK) organisiert und verwaltet werden.

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hardy.stiefel 03.06.2019, 10:46
45. Es ist absolut richtig, darüber zu reden..

.. und zwar so offen und ehrlich als möglich. Habe selbst 2 Meisterbriefe an der Wand und merke, wie viele davon nach der Lehre in die Industrie wechseln. Wir investieren viel, sehr viel Geld in die Ausbildung. Insbesondere auch durch die Zeit, welche ein Lehrling eine Fachkraft bindet, in der Berufsschule ist oder Urlaub macht oder Material verschneidet, versägt .... . Häufig kommt noch Nachhilfe in vielen Fächer wie Deutsch und/oder Mathe dazu, ohne diese die schulischen Aufgaben nicht gepackt werden. Das alles ist Ausbildung. Wenn dann ein Lehrling zum Mitbewerber wechselt, so ist dieses nicht von diesem Vorschlag abgedeckt, vielmehr sind es fachfremde Tätigkeiten wie in der Industrie oder beim Staat. Da sehe ich eine Art von Ablösesysem auch gerechtfertigt - und nicht wie hier viele wohl nicht richtig gelesen haben - den Wechel eines Gesellen (nicht der Lehrlilngs) innerhalb der Branche.

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Luchs 49 03.06.2019, 10:55
46. ... es geht um die Abwanderung in die Industrie

Vielleicht ist der Handwerkspräsident unvollständig zitiert worden.

Das Handwerk hat große Probleme, dass die fertigen Gesellen nach ihrer Ausbildung von der Industrie abgeworben werden. Die Preise erhöhen ist nicht so einfach für kleine Handwerksbetriebe.

In der Industrie wird besser bezahlt und es gibt in der Regel auch mehr Urlaub.
Da kann ein Handwerker noch so sehr seine Preise erhöhen...

Was dabei besonders ärgert: Manch ein Bereich in der Industrei bildet nicht aus - er holt Kräfte vom Arbeitsmarkt.
Denn auch die Industrei weiss: Ausbildung ist aufwendig und in großen Betrieben auch teuer.

Ein kleiner Handwerksbetrieb kann auch mit dem Azubi im dritten Lehrjahr Gewinn erwirtschaften, ohne die Ausbildung zu vernachlässigen. Dafür gibt es viel gute Beispiele.

Gerad die Industrie "schreit" nach Greencard und Einwanderung, wenn Leute fehlen und jammert, es gäbe keine Arbeitskräfte.
Da werden aber bei schlechter Konjunktur sofort Hunderte wieder entlassen.
Das macht der Handwerker nicht, gute Fachkräfte braucht der für seine Aufträge.

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alfredo24 03.06.2019, 11:00
47. Die Politik hat es versaut.

Unsere lieben Politiker haben doch das Handwerk immer schlecht gemacht. Wie hieß es immer: Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Deshalb müssen wir viel in Bildung investieren. Die Vorstellung der Politik war immer, dass jeder das Abitur macht und studiert, um mit Hochtechnologie auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können. Dass wir Handwerker, Hilfskräfte, Pflegepersonal und auch die Menschen bei der Müllabfuhr benötigen, war Nebensache oder war weniger ein Thema der Politik, somit auch weniger geachtet. Die Einkommenssituation hat dann die politischen Ziele bestätigt. Heute wundern wir uns, wieso selbst das Handwerk zu wenig nachgefragt wird. Ganz klar: Die Politik hat dem Handwerk einen viel zu geringen Stellenwert zugeordnet. Und heute wundern sich alle. Dabei hätte jeder, der etwas über die Situation nachgedacht hätte, erkennen können, dass dies über Jahrzehnte verkehrte Steuern der Politik, zu diesem aktuellen Zustand beim Handwerk führen musste. Es war nur eine Frage der Zeit. Sonderbarerweise waren wirklich alle etablierten Parteien voll bei diesem Thema danebengelegen und sind die Ursache hierfür. Dafür fahren Akademiker nun Taxi, versuchen als Quereinsteiger irgendwo anders etwas zu finden oder machen es wie ein paar Bekannte, dass sie nach wenigen Jahren studienfremder Arbeit jahrelang in Hartz IV verharren, um dann im Alter von ca. 50 Jahren über die Erwerbsminderungsrente den Arbeitsmarkt verlassen. Das ist in Deutschland Bildungspolitik. Vollkommen daneben, bei einem enormen Kostenaufwand.

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Ashurnasirapli 03.06.2019, 11:06
48.

Lobbyistengerede und juristisch zumindest fragwürdig. Zwischen dem Betrieb und dem Lehrling besteht ein Schuldverhältnis/Ausbildungsvertrag. Und aus diesem ergeben sich Ansprüche gegen Dritte bei Auflösung? Ok, fragwürdig.

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Knödeldämmerung 03.06.2019, 11:09
49. Paradox

Das ist wirklich absurd. Da herrscht angeblich ein Mangel, aber keiner, wirklich keiner kommt auch nur auf die Idee, den Leuten selbst mehr Geld zu zahlen. Ob nun Handwerker, Facharbeiter oder studierte Fachkraft, alle krebsen mit dem Gehalt von vor 10 Jahren herum, nur Selbständige stehen besser da.

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