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Fahrgast-Entschädigungen: Bahn muss Rekordsumme für Verspätungen zahlen
DPA

Der Ärger über verspätete oder ausgefallene Züge wurde im vergangenen Jahr für 1,3 Millionen Bahnfahrer durch Entschädigungen gemildert. Die Bahn musste so viel zahlen wie nie zuvor. In Streitfällen gewannen fast immer die Kunden.

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Zaphod 05.07.2014, 19:09
50. Lernkurve

Natürlich ist es ärgerlich, wenn die Bahn spät nachts dauernd zu spät ankommt. Aber anstatt die fehlende Kundennähe und Dynamik der Bahn zu beklagen, sollte die eigene Dynamik einmal hinterfragt werden. Warum fahren denn die Leute mit der letztmöglichen Verbindung, wenn sie sowieso davon überzeugt sind, dass es Verspätungen geben wird?

Letztendlich sind die Reaktionen der empörten Bahnnutzer ein Indiz dafür, dass unsere Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist, mit unvorhergesehen Ereignissen klar zu kommen. Es fehlt an Improvisationsgabe und Gelassenheit. Wer keine Fehler bei anderen einkalkuliert, wird enttäuscht werden. Wer dagegen flexibel plant, kann auch seine Pläne verwirklichen!

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whocaresbutyou 05.07.2014, 19:10
51. kein Bahn-typisches Problem...

Zitat von PriseSalz
... und der Wunsch, ein gut funktionierendes öffentliches Transportsystem (zugegeben: nicht das profitabelste, aber darauf kommt es bei diesem wichtigen Massenverkehrsmittel gar nicht an) so profitabel zu machen, das man es an das Großkapital verscherbeln kann, haben die Bahn ruiniert.
was die Bahn ruiniert hat ist das, was alle großen Unternehmen ruiniert:

Der Versuch fremdgesteuerte Menschen aus kostenintensiven Monopolbetrieben, die keine nennenswerte privatwirtschaftliche Ausbildung oder Berufserfahrung erhalten haben, mit Gewalt in Rekordzeit zu effizienten, selbständigen Angestellten umzuerziehen.

Man verpflichtet ein paar renommierte Manager, die die Sprache des Bodenpersonals nicht sprechen, entwurzelt dieses, stülpt ihm in Rekordzeit neue Strukturen über und erwartet dann auch noch Engagement und Unternehmensbindung, die die turnusmäßig ausgewechselte Führungsmannschaft nie hatte.

Dieses Phänomen trifft allerdings nicht nur ehemalige Staatsbetriebe wie Bahn, Post und Telekom, sondern auch große, deutsche Industrieikonen wie zum Beispiel Siemens.

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Kaffee Wien 05.07.2014, 19:13
52. Tja, und warum sind die Preise nicht kostendeckend?

Zitat von frank1980
gestiegene Energiekosten werden sicherlich auch vorgebracht. Andererseits muss hierzu auch sagen: Die Preise der Bahn sind nicht kostendeckend. Nur durch viele Milliarden aus dem Bundeshaushalt für den Bau, Unterhalt von Bahngleisen und die Bereitstellung des Nahverkehrs, wird künstlich ein positives Betriebsergebnis der Bahn AG erzeugt.
Weil Jahr für Jahr die GDL "Mehr Geld!" schreit. Wir erinnern uns an die GDL-Forderung nach 30% mehr Lohn für Zuglenker. Die gierigen Schreihälse von der GDL sind ein Grund, dass die Bahn bezuschusst werden muss. Imgrunde könnten die Züge ohne Lenker fahren. Doch die GDL meint, dass die Vollversorgung von Knöpfendrückern mit Fantasielöhnen belohnt werden muss. Solange sich da nichts ändert, wird die Bahn finanzielle Probleme haben.

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jojocw 05.07.2014, 19:20
53. u.a. Gründe

Zitat von Wilder Eber
Ich weiss aus gut informierter Quelle dass Suizide einen erheblichen Anteil an den Verspätungen bei der Bahn haben.
Habe kürzlich auch von einem Vielfahrer gehört, dass z.Bsp. auf der Strecke Freiburg-Basel im Schnitt ca. 40 Mal im Jahr der ICE "ausfällt".
Und zwar wegen Suizid-Versuchen von Kranken einer an der Strecke liegenden psychiatrischen Klink.

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genugistgenug 05.07.2014, 19:26
54.

Zitat von Kaffee Wien
Die "Probleme" sind relativ leicht zu beheben! 1. Mehr qualifiziertes (!) Personal 2. Mehr Service (hängt mit 1. zusammen!) 3. Mehr Züge 4. Längere Züge 5. Mehr Augenmerk auf das Schienennetz..........
das scheitert bereits bei 1.
Denn der Fisch stinkt immer vom Kopf her, dann dürfen die Mitarbeiter nicht höher qualifiziert sein wie die Häuptlinge, also selbsterklärend ;-)

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whocaresbutyou 05.07.2014, 19:28
55. frustriertes Bodenpersonal hat einen Grund...

Zitat von quadraginti
... Leider waren die Leute da so inkompetent, dass die Anträge in Einzelumschläge gepackt wurden, ...Als ich mich ..beschwerte hießt es, ich könne die Anträge ja nochmal ausfüllen. Das Wort Entschuldigung kannte man dort wohl nicht Der Kunde wirtd von der Bahn nicht ignoriert (damit könnte man ja noch leben), nein: Der
Da ich aus einem (anderen) ehemaligen Staatsbetrieb komme, kann ich ihnen eines sagen:

Sie werden nicht bekämpft.

Das Bodenpersonal dieser Betriebe, dass vom angepissten Kunden pauschal als Unternehmen identifiziert wird, hat in der Regel das Problem, dass es genau weiß, woran es krankt, es aber in diesem Riesenhaufen kein Schwein interessiert.

Und dann stehen sie Tag für Tag an einem Tresen und kriegen die Ohren voll für Dinge, die sie ganz leicht abstellen könnten, wenn man sie nur ließe.

Irgendwann hat auch der freundlichste Mensch einfach die Schnauze voll, pauschal für jedes Problem eines Unternehmens den Kopf hin zu halten, das sich einen Scheißdreck um ihn schert.

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aqua-vitae 05.07.2014, 19:43
56. Lächerlich

Es gibt nicht mal ernstzunehmende Statisken, wie viele Züge tatsächlich pünktlich unterwegs sind. Meiner Erfahrung nach sind es unter 5%. Ich bin fünf Jahre jeden Tag (ca. 350 Tage im Jahr) von Freiburg aus mit der Regionalbahn zur Arbeit gefahren, zwei Stationen. 2012 und 2013 habe ich Buch geführt, in beiden Jahren war die Zahl der Züge, die mit weniger als einer Minute Verspätung ankamen, einstellig. Dieses "94 % unter 6 Minuten Verspätung" ist für sich allein schon eine derart hanebüchene Unverschämtheit, dass ich kaum ertragen kann, dies zu lesen, ohne meinen Computer vor lauter Wut gegen die Wand zu schleudern.

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whocaresbutyou 05.07.2014, 19:51
57. Fantasielöhne bei Zugführern?

Zitat von Kaffee Wien
Weil Jahr für Jahr die GDL "Mehr Geld!" schreit. Wir erinnern uns an die GDL-Forderung nach 30% mehr Lohn für Zuglenker. Die gierigen Schreihälse von der GDL sind ein Grund, dass die Bahn bezuschusst werden muss. Imgrunde könnten die Züge ohne Lenker fahren. Doch die GDL meint, dass die Vollversorgung von Knöpfendrückern mit Fantasielöhnen belohnt werden muss. Solange sich da nichts ändert, wird die Bahn finanzielle Probleme haben.
Eine solche Menge Unsinn in derart kompakter Form ist schon bemerkenswert.

Die Forderung der GDL bezog sich auf die Löhne von Konkurrenzunternehmen der Bahn, die angeblich 30% weniger zahlen sollen als die Bahn.

Die Zugführer der Bahn wiederum liegen laut Medienberichten mit 2700 Euro (also 32.000 Euro brutto/Jahr) relativ genau im Schnitt ihrer Berufsgruppe und der Gruppe "gleichwertig Qualifizierter" und damit bei etwas über 80% des deutschen Durchschnittseinkommens.

Ich weiß ja nicht, was SIE so verdienen, aber ein Fantasiegehalt sieht für mich anders aus.

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hjm 05.07.2014, 19:57
58.

Zitat von frank1980
Nur durch viele Milliarden aus dem Bundeshaushalt für den Bau, Unterhalt von Bahngleisen und die Bereitstellung des Nahverkehrs, wird künstlich ein positives Betriebsergebnis der Bahn AG erzeugt.
Es wird nicht „künstlich ein positives Betriebsergebnis erzeugt“, sondern die Bundesländer kaufen bei der DB (oder einer anderen Bahn, je nach dem, wer die Ausschreibung gewinnt) eine Dienstleistung „Regionalverkehr“ ein und zahlen dafür.

Wenn Bundestagsabgeordnete dienstlich Briefe verschicken und das Porto dafür aus der Staatskasse kommt, sagt ja auch keiner, das diene dazu, bei der Post „künstlich ein positives Betriebsergebnis zu erzeugen“

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germanico 05.07.2014, 20:35
59. peinlich

Das Problem bei der Bahn ist eine Mischung aus Unterinvestitionen gekoppelt mit Pampigkeit. Um auf eine Puenktlichkeitsrate von 94 Prozent muss man die Statistik ganz schoen frisieren. Meine persoenliche Verspaetungsrate auf Fernstrecken lag in den letzten 3 Monaten locker bei 50 Prozent, mit Verspaetungen von 1 bis 4 Std. Manchmal durch Unwetterfolgen oder sogenannten Personenschaeden, aber haeufiger hausgemacht durch Bauarbeiten auf der Strecke und technische Pannen. Und dann die Pampigkeiten. Neulich drohte der ICE mit einer Verspaetung von mehr als einer Stunde am Zielort anzukommen. Um einmal mehr Entsschaedigungszahlungen zu verhindern, raste der Zug mit mehr als 200 Sache auf Frankfurt zu und kam tatsaechlich mit 59 Minuten Verspaetung an. Triumphierend verweigerte mit der Schaffner das Regressformular. Nur ein Monopolist kann sich so einen Kundenservice leisten, jedes andere Unternehmen waere laengst aus dem Markt.

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