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Faktencheck: Kann man den Tagebau Hambach stilllegen?
DPA

Umweltschützer fordern die weitgehende Stilllegung des Tagebaus Hambach, um einen angrenzenden Wald zu retten. Wäre das technisch möglich? Und was würde es kosten? Der Check.

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hru 18.09.2018, 19:04
20.

Zitat von Aquifex
Dass es immernoch Leute gibt, die DAS nicht verstanden haben... Was da Exportiert wird, sind die Stromspitze die auflaufen, wenn die erneuerbaren Energien durch viel Sonne und viel WInd Energiemengen leifern, die niemand abnehmen kann. Fossile-Kraftwerke, die bis dahin den Strom geliefert haben, der eben nicht von EE kam, können nicht schnell genug runter gefahren werden. Das sind die SPitzen, die exportiert werden. Wenn Sie die speichern könnten, könnten wir sofort(!) einen Großteil der fossielen Stromerzeugung einmotten. Solange wir das nicht können müssen wir - wegen(!) der Erneuerbaren - sowohl mit fossielen Stromerzeugern alsauch mit signifikanten Exporten ins Ausland leben. Das wird sogar noch mehr, wenn EE weiter ausgebaut wird. Das ist kein Lobby-Sprech, das ist Physik.
Das stimmt leider so nicht. Wir exportieren jeden Tag Strom, tagsüber, nachts, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Nur morgens und abends kommen wir mal zum Import (vermutlich weil dann die österreichische Wasserkraft mal liefern darf). Aber auch beileibe nicht jeden Tag.

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nixblicker00 18.09.2018, 19:07
21. 3 Mrd. Umsatz pro Jahr sind Peanuts

Umsatz ist nicht gleich Gewinn. So'n bisschen was kostet es schon auch, so ein Kraftwerk und den Tagebau zu betreiben. Da müsste man mal etwas tiefer in die Bilanzen schauen und man würde - oh Wunder - vermutlich feststellen, dass ohne Schönrechnen von den 3 Mrd. Umsatz pro Jahr nur paar Krümmelchen übrig bleiben. Sagen wir mal großzügig 1 Mrd pro Jahr, inklusive auch der Kosten, um zumindest einige der Kraftwerke als Bereitschaftsreserve betriebsbereit zu halten.

Wenn Herr Hofreiter streiten will, wird das nix. Man sollte das Büschelchen Geld einfach in die Hand nehmen und bei RWE auf den Tisch legen. OK, jedes Jahr aufs neue für eine vernünftige Abschreibungszeit. Das sind winzige Kosten im Vergleich zu anderen Positionen im Staatshaushalt, die eine relativ große Wirkung entfalten.

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litholas 18.09.2018, 20:03
22.

Zitat von stefan.p1
Das Neurath und Niederaußen so wichtig für das deutsche Stromnetz sind hätte ich nicht erwartet. ...
Sind sie ja auch nicht.

Mit dem Kernenergieausstieg 2022 könnten sie nochmal wichtiger werden. Es wurde ja rechtzeitig versäumt, die für EE nötigen Gaskraftwerke und Steinkohle/Müllheizkraftwerke zu bauen. Fühlten sich weder schwarz-gelb noch schwarz-rot für zuständig; RWE, EnBW, EOn und Vattenfall schon gar nicht. Desgleichen beim Netzausbau.

Man KÖNNTE(!) die alten Teile Niederaussem, Neurath und Jänschwalde abschalten, aber dann bräuchte man bis 2022 etwa 9GW neue Gaskraftwerke und Heizkraftwerke.

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ulmer_optimist 18.09.2018, 20:05
23. Ausstieg

Wäre der Atomausstieg nicht so ungeplant verlaufen und hätte man vor 20 Jahren mit dem Kyoto-Protokoll, übrigens unter der Bundesumweltministerin Merkel, den CO2-Ausstieg ernsthaft geplant und umgesetzt, dann hätten wir längst keine Probleme mehr, weder mit Kohlekraftwerken noch mit KFZ-CO2. So aber werden Alternative Energien an vielen Stellen genauso blockiert und Frau Merkel ist zwar groß in unüberlegten Entscheidungen, aber dann passiert nichts mehr, um sie umzusetzen.

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jovanni 18.09.2018, 20:09
24. Das ist kein Faktencheck

Es ist doch sehr verdächtig, dass der "Faktencheck", den nahe liegendsten Kompromissvorschlag verschweigt: Hambach nicht ganz zu schließen, sondern zumindest vorläufig die Seite mit dem wertvollen Restwald zu schonen. Denn offensichtlich gibt es vorerst an anderen Rändern genug abzubaggern. Und es wäre wirklich idiotisch, diese ökologische wertvolle Primärwald-Insel zu zerstören, bevor die Kohlekommission geklärt hat, wie der Kohle-Ausstieg überhaupt ausehen wird. Ferner sollte man in die Kostenkalkulation auch die ungeheuren Folgekosten der Kohleverstromung einrechnen, sowohl die viele Milliarden teure Rekulturvierung der Region als auch die Gesundheitsschäden der zweit- und drittgrößen Drechschleudern Europas. Auch mit den Arbeitsplätzen wird hier die Panikmache der Kohlelobby übernommen, anstatt den längst fälligen Umbau der Region z.B: zu einer Hightech-/ Neue-Energie-Zentrum einzukalkulieren. Also Spiegel-Redaktion, was soll das? Da gab es doch schon wesentlich seriösere Artikel als diesen sogenannten "Faktencheck".
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_fossilen_Kraftwerken_in_der_Europäischen _Union_mit_der_höchsten_Kohlenstoffdioxidemission

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litholas 18.09.2018, 20:24
25.

Zitat von KingTut
... was sagen jene Spiegel-Leser dazu, die sich mit großer Mehrheit für einen Ausbau unserer Autobahnen ausgesprochen haben: http://www.spiegel.de/wirtschaft/deutsche-wollen-mehr-autobahnen-umfrage-a-1094311.html Die interaktive Karte zeigt zu meinem Entsetzen, dass größtenteils 80 % der befragten Spiegel-Leser für mehr Autobahnen gestimmt haben, also die unwiderbringliche Zerstörung von Natur. Zumal es hier um wesentlich größere Flächen als beim Braunkohletagebau geht, was ja nur ein vorübergehender Eingriff ist. Habe ich nicht Recht, wenn ich mich darüber echauffiere, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird?
Ein besserer Verkehrsfluss ist halt dringend benötigt. Sehr viel Lebenszeit und auch Benzin wird beim Im-Stau-stehen verschwendet.

Dafür werden allerdings nicht notwändigerweise konventionelle Autobahnen benötigt. Die sind nur die billigste Verfahrensweise.

Alternativen wären mehrgeschossige Autobahnen, unterirdische Autobahnen (Mit dem Vorteil dass es dort kein Wetter gibt, die Fahrbahn also kaum erodiert) für E-PKW, und ein Fernreise-Radwegenetz, auf dem mit entsprechenden Fahrrädern eine Reisegeschwindigkeit von 40km/h möglich wäre, bei gleichzeitiger gesundheitsfördernder Bewegung.

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litholas 18.09.2018, 20:28
26.

Zitat von Aquifex
... Was da Exportiert wird, sind die Stromspitze die auflaufen, wenn die erneuerbaren Energien durch viel Sonne und viel WInd Energiemengen leifern, die niemand abnehmen kann. Fossile-Kraftwerke, die bis dahin den Strom geliefert haben, der eben nicht von EE kam, können nicht schnell genug runter gefahren werden. ...
Nein, das stimmt nicht. Mit 7GW Braunkohlekraftwerken weniger könnte trotzdem noch der gesamte Strombedarf gedeckt werden. Vermutlich sogar mit 10GW weniger. Erst bei Abschalten der letzten 12GW Kernkraft bis 2022 wirds dann eng.

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KaWeGoe 18.09.2018, 20:34
27. Zählt das UN-Klimaschutzabkommen von Paris gar nichts ?

Die Regierung unterzeichnet munter Verpflichtungen und schert sich anschließend einen (Braunkohle)-Dreck um deren Einhaltung !

Nach seriösen Berechnungen von Prof. Dr. Rahmstorf hat jeder Deutsche ab dem 01.01.2017 durchschnittlich noch ein CO2-Emissionsbudget von 100 Tonnen, wenn wir unsere Verpflichtungen einhalten möchten. Momentan emittiert jeder Deutsche durchschnittlich 8,9 to CO2 / Jahr.
Das bedeutet, dass wir am 31.12.2017 unsere fossilen CO2-Emissionen schagartig einstellen. Das wäre natürlich eine wirtschaftliche Katastrophe, die niemand ernsthaft heraufbeschwören sollte.

Ein Autor, der seine Leser ernsthaft informieren möchte, sollte hierauf hinweisen, wenn er seine tollen Milliarden-Euro-Rechnungen aufstellt.

Der Preis auf der anderen Seite ist eine verbrannte Welt für unsere Kinder !

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Dr. Horstmann 18.09.2018, 20:34
28. Wirtschaftlichkeit

Den geschätzten Umsatz als Maß für die Wirtschaftlichkeit zu nehmen, halte ich auch für zu kurz gesprungen.
1. relevant wäre der entgangene Gewinn. RWE hatte 2017 eine Umsatzrendite von 4,3 %. Das wären also 123 Mio EUR. Hört sich schon deutlich anders an als 3 Mrd.
2. Vor einigen Tagen war auf SPON ein Bericht, dass Aufgrund der Preissteigerung der CO2-Zertifikate Braunkohlestrom droht, generell unwirtschaftlich zu sein. Wäre dumm, wenn man jetzt abholzt und in wenigen Jahren deswegen doch abgeschaltet wird

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anonguest 18.09.2018, 20:38
29. Man stelle sich vor...

Die Bäume dort sind über 300 Jahre alt.
D.h. sie leben (ja, auch Pflanzen sind Lebewesen) dort schon seit einer Zeit, da wusste der gemeine Mensch noch gar nicht, dass es so etwas wie elektrische Ladungsträger gibt, geschweige denn, wie man sie technisch nutzt.

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