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FDP-Gesundheitsminister: Bahr will private Krankenversicherer für alle öffnen
DPA

Der Gesundheitsminister will das Geschäft der privaten Krankenversicherer deutlich ausweiten. Daniel Bahrs Idee: Künftig sollen sich alle Bürger privat versichern können und ihre Rechnungen zunächst selbst zahlen. Die Union reagiert mit Spott.

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platin-iridium 28.08.2013, 14:43
420.

Zitat von MutzurLücke
...aber das hat nichts mit der sozialen Herkunft des "menschlichen Risikos" zu tun, sondern nur mit dem Risiko und seinen rechnerischen Kosten.
Was - Stichwort Krankenversicherung - untrennbar miteinander verbunden ist.

Wenn die Beiträge mehr als die Hälfte des monatlichen Grundeinkommens übersteigen - und das ist bei so manchem, chronisch kranken Ruheständler der Fall - dann wird der soziale Standard ein Thema.
Zitat von
Als Bismarck die Krankenversicherung einführte, bestanden ihre Leistungen zu 90% aus Krankengeldzahlungen, waren also abhängig vom Einkommen des Kranken.
Eben. Es ging darum, soziale Härten auszugleichen.

Zitat von
...oder in den Basistarif der PKV gehen - auch mit Kontrahierungszwang.
Hmhm. Klar. Dann falle ich mit dem Motorrad auf die Fresse - womöglich noch durch einen unverschuldeten Unfall, werde zwischen Bike und Leitplanke ein paar Meter mitgeschleift - Folge:
Milzruptur, multiple innere Verletzungen - und darf dann in Vorleistung treten. Sie sind nicht zufällig Vertreter eines solchen Unternehmens?
Zitat von
Und das gefällt all Jenen (fernab von irgendwelchen Lobbyinteressen), für die das Wort "Zwang" eine grundsätzlich negative Konotation hat.
Es gibt keinen Zwang. Man ist nicht gezwungen, sich krankenzuversichern. Es gibt Beamte, die versichern sich überhaupt nicht. Weder GKV noch PKV. Wenn Sie den Arbeitgeberanteil bemäkeln - was die Motivation vieler ist - dann ist das Ihr Problem. Je nach Branche riskiert so mancher Versicherte auch seine Gesundheit. Für den Betrieb.

Zitat von
Aber ob sie bei Ihnen ihr Geld wert wäre, werden Sie nie herausfinden, wenn Sie sich den Versuch gar nicht erst leisten (können).
Falsch. Ich WILL es nicht. Weil mir die ewige Rennerei um Belege und anderen Quatsch einfach zu aufwendig ist. Zeit, Sie verstehen?

Zitat von
Sie wissen nicht, ob Ihr angeblich so parolenaffiner Gegenüber tatsächlich nicht nachgedacht hat, bevor er sich der genannten These anschloss.
Ich lese auch Postings außerhalb dieses Stranges. Meine Vermutung, daß mancher - auch vielleicht dieser User - dem Motto "Privat ist besser als Staat" anhängt, wird durch diese Postings hier erneut bestätigt.

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MutzurLücke 28.08.2013, 18:21
421.

Zitat von platin-iridium
Was - Stichwort Krankenversicherung - untrennbar miteinander verbunden ist...
Manche Menschen sind arm und krank, Andere sind arm und gesund, wieder Andere sind reich und krank. Viel zu zahlen haben immer nur die (potenziell) Kranken, unabhängig vom Einkommen. Dass das auch mal Arme trifft, macht aus der Risikoberechnung noch lange kein Werkzeug zur gezielten sozialen Auslese.

Zitat von
Eben. Es ging darum, soziale Härten auszugleichen.
"Versichern", nicht "ausgleichen". Deshalb waren anfangs auch nur die Arbeiter pflichtversichert. Die Sozialversicherung als Umverteilungsvehikel zwischen Menschen mit verschieden hohen Einkünften war nicht Teil des Konzepts.

Zitat von
Hmhm. Klar. Dann falle ich mit dem Motorrad auf die Fresse - ... - Folge: Milzruptur, multiple innere Verletzungen - und darf dann in Vorleistung treten.
Das mit der Vorleistung bei Kostenerstattungstarifen ist Quatsch. Das muss nur, wer die Einreichung der Rechnung bei der Versicherung verbummelt oder versäumt, mit dem behandelnden Arzt/Krankenhaus ein entsprechendes Zahlungsziel auszumachen. In aller Regel ist keine Vorleistung nötig (zumal eine echte "Vorleistung" ohnehin hieße, dass Sie die Behandlung zahlen müssten, bevor irgendwer auch nur einen Finger für Sie rührt).

Davon abgesehen gibt es da - meines Wissens - keinen Unterschied zwischen Basistarif und normaler Privatversicherung. Ich habe mir das aber auch noch nicht im Detail angeschaut.

Zitat von
Sie sind nicht zufällig Vertreter eines solchen Unternehmens?
Und zack, wieder mal persönlich geworden. Können Sie sich nicht vorstellen, dass jemand anderer Meinung als Sie ist, ohne zwangsläufig entweder des Denkens nicht mächtig zu sein oder dunkle Absichten zu verfolgen?

Zitat von
Es gibt keinen Zwang. Man ist nicht gezwungen, sich krankenzuversichern. Es gibt Beamte,...
... aber auch nur die. Pflichtversicherte kommen gar nicht drum herum, und auch für die Privaten gilt seit der letzten "Reform" unter Ulla Schmidt die Versicherungspflicht. Bei einer Bürgerversicherung oder ähnlichem wäre die Alle erfassende Versicherungspflicht sogar ein tragendes Element des Systems.

Zitat von
Falsch. Ich WILL es nicht...
Wichtig ist, dass Sie die Entscheidung selbst treffen können. Eine Ein-Klassen-Medizin hieße, dass es genau eine Behandlungsqualität für Alle gäbe, egal was die wollten und was sie dafür willens oder in der Lage wären zu zahlen. Und das ist ein unerfüllbarer Wunschtraum:

Entweder man versucht, Allen Alles zu ermöglichen - das wäre nicht bezahlbar. Oder man macht Abstriche und bietet nur das, was notwendig ist (Wofür? Zum Nichtsofortjämmerlichabkratzen, oder darf's auch mehr sein?), total sicher wirkt (total sicher git's nicht) und eine "vertretbare" Kosten-Nutzen-Relation (gemäß Daumenpeilung nach Kassenlage) hat. Dann können sich Einige leisten, zu diesem "vernünftig" für Alle geschnürten Sparpaket weitere Leistungen aus dem eigenen Säckel dazu zu kaufen (wenn sie wollen), und Andere können das nicht (obwohl sie vielleicht möchten) - halt Mehrklassenmedizin.

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lassebela22 29.08.2013, 09:36
422.

[QUOTE=MutzurLücke;13594817]Manche Menschen sind arm und krank, Andere sind arm und gesund, wieder Andere sind reich und krank. Viel zu zahlen haben immer nur die (potenziell) Kranken, unabhängig vom Einkommen. Dass das auch mal Arme trifft, macht aus der Risikoberechnung noch lange kein Werkzeug zur gezielten sozialen Auslese.
Nein? wie würden Sie es denn dann nennen, wenn Arme eben einfach
nicht wirklich gute Gesundheitsversorgung bekommen, reiche aber schon?

[QUOTE=MutzurLücke;13594817]"Versichern", nicht "ausgleichen". Deshalb waren anfangs auch nur die Arbeiter pflichtversichert. Die Sozialversicherung als Umverteilungsvehikel zwischen Menschen mit verschieden hohen Einkünften war nicht Teil des Konzepts.
es geht doch überhaupt nicht um Umverteilung, sondern darum, dass ALLE nach ihren Möglichkeiten einzahlen und ALLE in Sicherheit guter Versorgung sind. Ich bin übrigens auch nicht dafür Reiche von der Behandlung auszuschließen.. ;-)

[QUOTE=MutzurLücke;13594817]Das mit der Vorleistung bei Kostenerstattungstarifen ist Quatsch. Das muss nur, wer die Einreichung der Rechnung bei der Versicherung verbummelt oder versäumt, mit dem behandelnden Arzt/Krankenhaus ein entsprechendes Zahlungsziel auszumachen. In aller Regel ist keine Vorleistung nötig (zumal eine echte "Vorleistung" ohnehin hieße, dass Sie die Behandlung zahlen müssten, bevor irgendwer auch nur einen Finger für Sie rührt).

Falsch! Ich BIN privat versichert und meine Kasse braucht mitunter viele Wochen bis zur Erstattung, da kommen bei einer Operation gerne mal 4-5.000,-€ zusammen. ( so erlebt!) Mit Artrose gesegnet habe ich häufig vierstellige Aussenstände TROTZ schneller Einreichung. Zinsen zählen für die Privaten eben auch. Ich muss auch als Privatpatient häufiger einschreiten, weil die Ärzte sich die Jobs zuschieben (Wenn man laut wird, reicht die Kernspinn (á 700,- € ) von vor 6 Monaten eben auch noch und wenn ich den Zahnarzt wechsle will der neue mich sofort von oben bis untern Röntgen...


[QUOTE=MutzurLücke;13594817]Wichtig ist, dass Sie die Entscheidung selbst treffen können. Eine Ein-Klassen-Medizin hieße, dass es genau eine Behandlungsqualität für Alle gäbe, egal was die wollten und was sie dafür willens oder in der Lage wären zu zahlen. Und das ist ein unerfüllbarer Wunschtraum:

Wieder falsch. Eine Kasse in die ALLE einzahlen, kann gute Leistungen für ALLE finanzieren. Es wäre aber einfach mal vorbei mit Faktor 3,5 etc. merkwürdigerweise sind alle meine Gebrechen plötzlich ganz besonders schwierig, seitdem ich PKV Patient bin.

Darüber hinaus spricht doch nichts dagegen für diejenigen, die gerne Ihr Arztgespräch an einem Besprechungstisch jenseits der 20.000,-€ führen (ich hab den konkret vor Augen) Zusatzversicherungen anzubieten. Da bin ich bei Ihnen, aber die Polemik es gibt entweder alles für alle oder Sterbehilfe und dazwischen lässt sich nichts sauber abschätzen ist doch wirklich platt.

Fazit, wenn alle zusammenhalten und man gemeinsam Wildwuchs im Pharmabereich eindämmt, dann kann jeder gut versorgt werden. Und sich Luxus zu gönnen, sollte nicht verboten werden.

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Berliner42 29.08.2013, 12:09
423.

Zitat von speeceburger
Nur zum Erkenntnisgewinn: der Gesetzgeber zwingt niemanden (in Worten: NIEMANDEN) in die PKV!
na aber sicher doch. Er tut das mit überteuerten Beiträgen. 340 € für eine Person selbst bei geringem Einkommen. Da kann sich nicht jeder die GKV leisten.

Zitat von
Auch nicht den kleinen...schluchz...Selbständigen. Ach, und fragen Sie doch mal was dieser "kleine Selbständige" in der GKV zahlt. Wissen Sie das?
Siehe oben und damit eben ein Vielfaches von dem, was ein angesteller Geringverdiener zahlt.

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Berliner42 29.08.2013, 12:09
424.

Zitat von sewagner
Natürlich müssten auch noch einige Änderungen beim Thema Antrag und Vertragsabschluss vorgenommen werden, damit die PKV sich nicht grundsätzlich allen (schlechten) Risiken verschließen kann und gerade existenzielle Risiken immer mitversichert sind. Letztlich ist jede Versicherung eine "Solidargemeinschaft".
Dann dürfte der Steuerzuschuß aber nicht mehr nur an die GKV gehen.

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Berliner42 29.08.2013, 12:14
425.

Zitat von bauklotzstauner
...sagt einer, der die Zusammenhänge wirklich nicht kapiert hat....
ach so, na dann schauen wir mal nach, was Sie verstehen....

Zitat von
Der "Kunde" zählt nichts! Denn alle Unternehmen arbeiten nach demselben Schema. Wechselt ein unzufriedener Kunde von A nach B, wechselt gleichzeitig einer von B nach A. Im besten Fall von Mediamarkt zu Saturn, wenn sie den Scherz verstehen....
großartiges Beispiel. Man kann aber auch zu Amazon oder irgendeinem ebay-Shop wechseln. Gerade im Einzelhandel gibt es so viel Konkurrenz, daß man als Kunde eine sehr starke Position hat. Schlechtes Beispiel also.

Zitat von
Apropos Wechsel: In der privaten Krankenversicherung ist der nicht vorgesehen. Die Versicherung darf nämlich die von den Beiträgen bezahlten Rückstellungen behalten, womit der "Kunde" schon nach wenigen Jahren praktisch nicht mehr zur Konkurrenz wechseln kann. Aber gut, daß Sie sich auch mal zu Wort gemeldet haben!
Das wurde vor ein paar Jahren geändert. Die Rückstellungen können seitdem mitgenommen werden. Also bitte erst mal selber informieren, bevor man anderen vorwirft, Zusammenhänge nicht zu kapieren.

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ihawk 29.08.2013, 14:57
426. FDP - wählbar

Zitat von speeceburger
...und wie oft haben Sie denn schon die FDP gewählt? ;o)
Als die FDP m.E. noch wählbar war ... und von intelligenten, verantwortungsvollen Menschen geführt wurde. Das moralische Ende kam m.E. nach dem Rücktritt von Hans-Dietrich Genscher. Ich empfand die FDP bis dahin ein angenehm lästiges Regulativ zu den selbstherrlichen "großen" Parteien.

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dierki 29.08.2013, 16:37
427. Das ist richtig - im Krankenhaus!

Zitat von u.loose
vorstrecken... Man tritt das Inkasso einfach an das Krankenhaus ab und die rechnen direkt mit de PKV ab.
Aber versuchen Sie das mal mit einem Medikament für 5.000,00 € in der Apotheke oder bei Ihrem Zahnarzt für Zahnersatz.

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Berliner42 29.08.2013, 19:22
428.

Zitat von dierki
Aber versuchen Sie das mal mit einem Medikament für 5.000,00 € in der Apotheke oder bei Ihrem Zahnarzt für Zahnersatz.
Das geht mit Kostenvoranschlag.

Man kann aber sicher auch noch abwegigere Beispiele konstruieren, nur um was dagegen zu sagen. Komischerweise wird diese Kreativität bei der Kritik dann aber rein gar nicht auf die Nachteile des jetzigen Verfahrens angewendet.

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