Forum: Wirtschaft
Finanzkrise: Iren fürchten die Schuldenschmach

Dejà-vu in Dublin: Lange zierten sich die Iren, Geld der EU-Partner anzunehmen - genau wie die Griechen. Plötzlich will sich das hochverschuldete Land doch helfen lassen - genau wie die Griechen.*Droht der EU ein zweites Schuldendesaster? Es gibt Parallelen, aber auch entscheidende Unterschiede.

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Michael Giertz 18.11.2010, 14:22
100. Finanzsystem leicht erklärt

Zitat von E.Cartman
Das ist ja auch so in etwa geplant. Was der Bundesregierung aber jetzt anscheinend aufgefallen ist, ist dass die öffentliche Ankündigung das zu planen denselben Effekt hat wie ein sofort dahingehend .....
Hmm, nein diese Theorie kann ich so nicht unterschreiben, ganz falsch ist die aber nicht.

Es ist etwas ganz anderes. Etwas, was eigentlich jedem, der ein bisschen Ahnung vom Finanzwesen hat, auffallen müsste, ich stoß mal absichtlich diese Leute mit der Frage auf das Problem:
An WEM verdient eine Bank MEHR?
(A) an einem Kunden, der einige zehntausend Euro auf einem Konto hat?
(B) an einem Kunden, der einige zehntausend Euro Kredit aufgenommen hat?
(C) an einem Kunden, der so viele Schulden angehäuft hat, dass er nur gerade so die Zinsen tilgen kann?


Die Antwort ist denkbar einfach: es ist "C". Ein Kunde, der derart viele Schulden hat, dass er seine Schuldenlast nicht tilgen aber die Schuldzinsen bedienen kann, ist der ideale Kunde. Die Bank musste ihm lediglich ein bisschen Geld vorschießen, hat aber bei beispielsweise 9% Schuldzinsen nach ca 11 Jahren das Geld zurückbekommen ohne dass der Schuldenberg geringer geworden ist; die Zinslast bleibt.

Genau andersrum ist es beim Kunden "A". Ein Kunde, der Geld bei der Bank hat ist eigentlich jemand, bei dem die Bank "Schulden" hat - sie muss ihm Zinsen zahlen und zwar solange, bis er das Geld vom Konto runternimmt. Kunde "A" wird aber einfach die Zinsen auf's Konto legen, damit wächst mit jeder Zinszahlung die "Schuldenlast" für die Bank. Klar, die Gesetzmäßigkeiten sind etwas anders, die Bank macht ja immernoch die Spielregeln und nicht der Kunde, die Bank spekuliert auch mit dem Geld, aber in etwa kann man das vergleichen.

Kunde "B" ist auch nicht so toll für eine Bank: erst pumpt er Geld und dann zahlt er es auch noch pünktlich zurück; mehr als den geplanten Gewinn in Form von Zinsen kann die Bank nicht einstreichen, überdies ist danach der Kunde weg und kommt vielleicht nie wieder ...

Und so ungefähr ist das mit den Staaten, nur in viel größerem Maßstab. Es ist für die Banken einfach sinnvoller, den EU-Mitgliedsstaaten Gelder für den Rettungsfonds zu geben, weil das Geld ja in Form von Krediten ausgegeben wird. Diese Kredite haben natürlich Zinsen ... die wollen bedient werden. Im Prinzip wird mit dem Rettungsfonds nichts anderes getan, als dass ein Schuldner Kredite aufnehmen muss, um seine Kreditzinsen zu bezahlen - der Schuldenberg wächst und die Schuldzinsen gleich mit. Mal sehen, wie lang es dauert bis Griechenland oder Irland wieder frisches Geld brauchen, um die nächsten Schuldzinsen zu bezahlen ...

So funktioniert das. Und deswegen ist gar nicht gewollt, dass Griechenland oder Irland bankrott gehen und Insolvenz beantragen müssen, weil dann die Gläubiger (die Banken) nahezu alles verlieren würden.

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Silverhair 24.11.2010, 11:57
101. Staaten und gemeinschaftstrukturen braucht es

Zitat von Michael Kastner
Nein, rechtlich gesehen sind Steuern kein Diebstahl, sondern Erpressung. Genau gesagt: Schutzgelderpressung. Womit wir beim Punkt wären: Natürlich behauptet der Staat, er biete für die Steuern eine Leistung. Das aber behauptet die Mafia auch, wenn sie Schutzgeld erpreßt. ... ...
Sie machen es sich etwas "viel zu einfach" - weil sie die Realität vollkommen ausblenden!

Wenn jemand ein Brötchenhaben will, dann findet er zur Zeit einen "Überfluss" - oder anders gesagt, würden Preise gezahlt die aus Angebot und Nachfrage sich bestimmen würden wären inzwischen ALLE Bauern und Bäcker pleite!

Volkswirtschaften die einen "Mangel an Gütern" haben, da findet sich "Angebot und Nachfrage" aber wo das "Angebot" grösser ist als die Nachfrage "Luxus-Gesellschaft" dort würden die Preise so schnell sinken das für keinen mehr etwas an "Gewinn" übrig bleibt!

Und natürlich "finanziert" keiner Eine Brücke oder Strasse mal so eben - die wollen dann Zoll - und das funktioniert äussserst schlecht wie man in staaten die sowas haben sehen kann - die gehen nämlich gerade pleite (Portugal+Spannien).

Fragen sie mal einen "Hausbauer" ob er gerne die Erschließungskosten eines Wohngebietes zahlen will - niente .. die Strasse vor der Haustür will man, aber nichts dafür zahlen - die Folge wäre schnell das wieder Schlammstraßen mit "Stückchen Asphalt zwischendrin" entstehen.

Dieser Schwachsinn von "Angebot und Nachfrage regeln die Preise" ist schlichterdings nonsens - hat noch nie funktioniert, und wird auch nie funktioneren - weil die Realität dem nicht entspricht!

Somalia ist ein sehr "reales Beispiel" dafür wie ein Staat aussieht der "schlichterdings" nicht existiert und Steuern erhebt - Haiti ebenso nachdem das Erdbegen die "Staatsstrukturen" schlichtweg hinweggefegt hat. Es ist eine "grad am unteren Lebenslevel liegende Gesellschaft" - keine wo noch "Schicke Vorstadt häuschen etwas zählen".

Moderene Massengesellschaften, in denen Schlichtweg Maschinen und Computer die "Arbeit" machen, der Rest sich in "Dienstleistungen" ergeht - die brauchen schlicht solche oft erstmal unsinnigen "Verwaltugnsysteme" aber ohne sie gäbe es schlichtweg überhaupt nichts mehr was Geld und Arbeit und Wirtschaft zusammenhält!

Gemeinschaftsstrukturen senken die "Realkosten" für alle gewaltig - die Aufteilung in Gemeinschaftsaufgaben hat sich deshalb ja seit Jahrtausenden durchgesetzt - und nicht die Raubtiervorstellungen eines "Priv. Kapitalismus".

Lange bevor "Geld" überhaupt erfunden wurde gab es Städte, gab es Verwaltung, gab es zentrale Strukturen - ohne das entstehen schlichtweg einfach keine Städte. Alleine die "MÜllentsorgung" - die "Schei...." ist da schon wichtig - ansonsten gibts es schlichtweg blitzschnell "Pest und Colera" und unzählige Krankheiten!
Klar "wollen will keiner die Zahlen", aber ohne das würde man auch schnell verrecken .. und das will eben auch keiner!

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