Forum: Wirtschaft
Finanzstatistik: Topverdiener zahlen die Hälfte der Einkommensteuer

Die Reichen sind dem Finanzminister die liebsten Kunden: Die bestverdienenden zehn Prozent der Steuerpflichtigen bestreiten mehr als die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Die Ärmsten überweisen dem Finanzamt dagegen verschwindend wenig.

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JaIchBinEs 10.10.2007, 12:43
1. Das ist in einem Sozialstaat ..

Zitat von sysop
Die Reichen sind dem Finanzminister die liebsten Kunden: Die bestverdienenden zehn Prozent der Steuerpflichtigen bestreiten mehr als die Hälfte des Einkommensteueraufkommens. Die Ärmsten überweisen dem Finanzamt dagegen verschwindend wenig.
... gut und gerecht.

Tom

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Bernd Klehn 10.10.2007, 13:01
2. Arbeitnehmer - die wahre Unterschicht

Das System ist vollkommen in Ordnung. Hier tragen die starken Schultern wirklich mehr. Kirchhoff wollte das falsche System reformieren. Nicht die Lohn-/Einkommenssteuer stellen die Verhältnisse auf den Kopf sondern die Sozialabgaben. Hier gibt es keinen Freibetrag, keine Progression sondern eine Höchstbegrenzung. Deswegen tragen trotz alledem die mittleren und unteren Einkommen die Hauptlast. Siehe Analyse "Arbeitnehmer - die wahre Unterschicht Von Michael Sauga"

Vorwurf an den Spiegel:
Journalismus sollte in der Lage sein Nachrichten in einen Zusammenhang zu stellen und nicht durch scheinbar "widersprüchliche" Einzelnachrichten alle verwirren und sich selber konterkarieren

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Schneemann_ 10.10.2007, 13:02
3. 8000 und nicht 11000

Nach der Datensammlung zur Steuerpolitik haben die unteren 20% der Einkommensteuerpflichtigen bis zu 8.100€ an Einkünften und nicht 11.000€; die liegen also praktisch alle am oder unter dem Existenzminimum. Was wunder da dort keine Einkommensteuer bezahlt wird.

Übrigens sind die allerreichsten Einkommensbezieher in der Einkommensteuer kaum erfasst, weil die ihre Kapitaleinkünfte alle über AGs oder GmbHs oder dergleichen beziehen oder diese als Unternehmensgewinne in die Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer gar nicht einfließen.

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nillivanmilli 10.10.2007, 13:04
4. Hätten Sie dem Professor aus Heidelberg...

.... gefolgt, wäre dies noch extremer, da wesentlich mehr der Geringverdiener völlig steuerfrei blieben. (Selbst die Krankenschwester hätte profitiert).

Doch so viel "Gerechtigkeit" ist dem Lügenbaron aus Hannover dann doch unheimlich gewesen.

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Schneemann_ 10.10.2007, 13:22
5. Und falsche Zahlen

Zitat von Bernd Klehn
Vorwurf an den Spiegel: Journalismus sollte in der Lage sein Nachrichten in einen Zusammenhang zu stellen und nicht durch scheinbar "widersprüchliche" Einzelnachrichten alle verwirren und sich selber konterkarieren

So sehe ich es ... und er sollte sauber umgehen mit den Zahlen - es sind sogar die untersten 25% der Steuerpflichtigen (nicht 20%), die 0,1% an der Einkommensteuer tragen (die untersten 20% tragen praktisch nichts dazu bei) und bis zu 11.100€ verdienen!

By the way - dieses untere Viertel hat auch nur 2,3% des Gesamtbetrags aller Einkünfte, und würde man die besonder Reichen, die praktisch keinerlei Einkommensteuer zahlen, hinzuzählen, läge dieser Anteil noch weit niedriger. Der andere große Steuerblock ist die Umsatzsteuer, und die wird dann fast proportional zu den Ausgaben entrichtet.

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Bernd Klehn 10.10.2007, 14:27
6. Öffentliche Finanzen

Um noch mal eins klarzustellen:

Von den öffentlichen Finanzen von 1000Milliarden werden nur 195Milliarden durch Einkommens-/Lohnsteuer, aber 400Milliarden durch Sozialabgaben bestritten. Und diese 400Milliarden werden fast ausschließlich von den unteren und mittleren Einkommensschichten der Arbeitnehmer aufgebracht.

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aliconrad 10.10.2007, 15:18
7. Willkommen im Reich der Statistik!

Eine schöne statistische Zahl, muss man schon sagen. Sieht nach gesellschaftlicher Gerechtigkeit aus. Zumindest ist noch kein Besserverdiener verhungert. Aber was sagt uns diese Zahl nun wirklich? Nichts! Zumindest nicht viel. Die Steuerbelastung der Haushalte ergibt sich aus vielen direkten und indirekten Steuern und Abgaben. Beispiel: Einkommenschwache Haushalte konsumieren im Verhältnis zum Einkommen mehr als Besserverdienende (siehe Konsumquote). Man wird man schnell feststellen, dass 1 EUR Steuereinnahmen von 30 Millionen Geringverdienern (30 Mio EUR) mehr ist als 10 EUR von 500.000 Besserverdienern (5 Mio EUR). Gerade die Haushalte mit wenig Einkommen sind daher für die Volkswirtschaft, und auch für den Fiskus, sehr viel wichtiger sind als es die Zahl zur Einkommenssteuer auf den ersten Blick aussagt. Und noch etwas! Raucher, die mehr als 3 Schachteln am Tag rauchen, bekommen keinen Lungenkrebs! Statistisch bewiesen! Hintergrund: Sie sterben vorher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viel Spaß mit Statistik!

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daten-terrier 10.10.2007, 15:59
8. Statistiken zur Steuerbelastung

Zitat von aliconrad
Beispiel: Einkommenschwache Haushalte konsumieren im Verhältnis zum Einkommen mehr als Besserverdienende (siehe Konsumquote) ... Viel Spaß mit Statistik.
Diese nicht durch Statistiken belegte Konsumquote mag stimmen, sie sagt aber nichts über die Konsum-Steuer-Belastung der oberen Einkommen.
Zitat von aliconrad
Die Steuerbelastung der Haushalte ergibt sich aus vielen direkten und indirekten Steuern und Abgaben.
Genau, aber ohne Statistiken bleibt obiges unbelegtes Beispiel tendanziöse Meinungsmache.
Zu den Gesamtsteuern gab es eine Schätzung hier im SPON-Forum an anderer Stelle.Die oberen 10%Einkommensbezieher zahlen ungefähr 20% der Umsatzsteuern, und insgesamt rund EIN DRITTEL aller Steuern.also merklich überproportional.
Zitat von daten-terrier
..Der Schlüssel zu einer änhnlichen Verteilungsuntersuchung wie bei der Lohn- und Einkommenssteuer sind Angaben zum Haushaltsnettoeinkommen. Die findet man in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe EVS2003 . Zur Mehrwertsteuer nach Haushaltsnetto-Einkommen gibt es ein DIW-Papier , Gegner dieses Ergebnisses können fast beliebig an den Eingangsgrössen herummäkeln. Aber die grobe Richtung dürfte wohl stimmen. ....... Damit ergibt sich für die oberen 10% Einkommen folgende Belastung am gesamten Steueraufkommen 1. von fast 40% nämlich Lohn- und Einkommenssteuer über die Hälfte also über 20% Gesamt 2. von den 30% Mehrwertsteuer vielleicht ein Fünftel also noch mal 6% 3. und von den restlichen 30% (u.a. Kfz, Mineralöl, Gewerbe u.a.) vielleicht noch mal ein Drittel also noch mal 10%.

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Steve Holmes 10.10.2007, 16:03
9. No taxation without representation

Daß ein großer Teil der Bevölkerung nur minimal zur Finanzierung des Gemeinwesens beträgt ist nicht bedenklich. Einem Nackten kann man nicht in die Tasche fassen. Hinzu kommen noch die Vielen, die überhaupt kein Einkommen haben, also nicht steuerpflichtig sind und vom Staat nur kassieren. Bedenklich ist jedoch, wenn diese Bevölkerungsgruppe die gleichen Wahlrechte hat, wie die, die für die Zeche auch aufkommen muß.

Man kann leicht Forderungen stellen, wenn man für die Erfüllung nicht gerade stehen muß. Die amerikanische Revolution startete mit dem Slogan: "No taxation without representation." Man kann das natürlich auch umdrehen und sagen: "No representation without taxation." In Bayern sagt man sinngemäß: "Wer zahlt schafft an."

Ich sehe hier eine Gerechtigkeitslücke und will mich selber gar nicht ausnehmen. Ich lebe schon seit vielen Jahren nicht mehr in Deutschland und zahle in Deutschland keine Steuern, habe aber noch volles Wahlrecht. "Gastarbeiter' die in Deutschland leben und Steuern zahlen, dürfen aber nicht mitbestimmen.

Sollte sich die Gesellschaft künftig nicht viel stärker als eine Gemeinschaft der Steuerzahler verstehen? Meine Kinder gehen in Budapest ganz selbstverständlich auf eine deutsche Schule. Auf einer ungarischen könnten sie wegen Sprachproblemen nie mitkommen. Aber warum gibt es keine türkischen Schulen in Kreuzberg? Zig-tausend Türken zahlen dort Steuern.

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