Forum: Wirtschaft
Folgen der Landflucht: Russlands sterbende Dörfer
Liza Zhakova & Dima Zharov

Die Russen Soja und Alexej sind die letzten ihrer Art: Alle anderen Einwohner sind weggezogen aus ihrem Dorf. In Teilen Zentralrusslands haben die Menschen ein Drittel aller Siedlungen aufgegeben. Warum?

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spmc-12355639674612 29.12.2017, 23:14
20. Putin ist schuld, klar!

Zitat von DerNachfrager
Wenn das ganze Land von den Rohstoffexporten einer Handvoll Großkonzerne (Gazprom etc.) abhängt weil die flächendeckende Konsum- und Investitionsgüterindustrie vernachlässigt wurde und sich infolgedessen auch kein Mittelstand bilden konnte (oder wer schafft wohl die Arbeitsplätze auf der schwäbischen Alb ?) dann gibt es auch keine Wirtschaft die dahin geht wo die Menschen sind...das schafft dann noch nicht mal der Kommandostaat. Das wäre übrigens auch ein schöner Test für Deutschland: Wenn Siemens die erste neue Fabrik im Vogtland, in der Uckermark oder im Saarland eröffnet weil es da genügend Personal gibt, DANN haben wir wirklich einen Fachkräftemangel !
Die Schuld - mal wieder - Putin in die Schuhe zu schieben, ist Unsinn! Woran soll er denn sonst noch schuld sein?
Schauen Sie sich doch einfach einmal die Graphiken im Artikel an und sie werden sehen, dass das Problem nicht Putin heißt, sondern Industrialisierung. In den letzten Jahren - also unter Putins Herrschaft - hat die Landflucht ja eher stagniert. Das Problem so kleiner Dörfer ist schon immer gewesen, dass sie sich von den dort geborenen Kindern erhalten, diejenigen, die dort keinen Job finden, aber abwandern. Aber zu wenige ziehen freiwillig in ein kleines Dorf und so nimmt die Bevölkerung allmählich ab. Rund um die größeren Städte mag es etwas besser aussehen, aber es sind dieselben Effekte, die z. B. Leipzig wachsen lassen, das Umland jedoch langsam entvölkern.

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räbbi 29.12.2017, 23:14
21.

Naja, wie im Artikel auch erwähnt ist dieses Land einfach - Verzeihung - scheisse groß.
10 Minuten zum Supermarkt fahren is ja OK, aber bei 10 Stunden wirds dann auf die Dauer doch nervig.

Es macht für die Menschen einfach Sinn, sich ein bisschen mehr zusammen zu rotten. Egal ob es jetzt der Arbeits-, der Heirats- oder der Wochenmarkt ist. Am Ars** der Welt bist du halt am Ars** der Welt.
...und nur von der Scholle leben war vielleicht vor 100 Jahren noch OK, aber heute ist es eben nur so halbtoll.

Auf einen Fliegenschiss wie Deutschland kann man da vielleicht mit volkswirtschaftlichen Programmen halbwegs und mehr schlecht als recht mit viel Geld gegensteuern, aber Russland ist...naja siehe oben.

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fixik 29.12.2017, 23:20
22.

Ich muss hier aber über Holzhütten etwas klar stellen. Holz ist wahrscheinlich das beste Baumaterial was es gibt. Es hat seine kleine Macken, wie alles andere auch, aber gerade für Sibirische Dörfer ist Holz das beste Baumaterial. Holz ist leicht zu verarbeiten, umweltschonend und kaum etwas hält das Haus so warm wie Holz. Zumal man Häuser daraus baut, was die Natur lokal an Rohstoffen bietet. Und auch hier bietet sich in Sibirien in erster Linie Holz an.

Würde man in Russland versuchen die Dörfer zu erhalten in dem man viel Geld reinstecken würde. Selbstverständlich würde man einige Häuser abreisen und neue bauen. Ich glaube aber kaum, dass das Baumaterial Holz hier dann in Frage gestellt würde. Die meisten Neubauten wären weiterhin aus Holz, weil es nun mal am Meisten Sinn macht.

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Eddy_Duane 29.12.2017, 23:47
23.

Zitat von hugahuga
Wer hätte das gedacht? Da ist es in Russland ja fast so wie in - Deutschland. Sterbende Dörfer, keine Infrastruktur, keine Arbeit, keine jungen Leute Sie hätten sich erst einmal bei uns umsehen sollen, werter Herr Bidder. Oder waren's die Spesen, oder die Ideologie?
"Sterbende Dörfer, keine Infrastruktur, keine Arbeit, keine jungen Leute."

Unfug, aber sowas von! Ich arbeite und lebe in einer kleinen Gemeinde am Niederrhein und kann Ihnen versichern, dass es immer mehr junge Leute und vor allem Familien ins Grüne zieht. Arbeitsstellen und -möglichkeiten mögen zwar vermehrt in der Stadt vorhanden sein, aber das Leben an sich ist in wesentlich kleineren Orten erstrebenswerter.

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kumi-ori 29.12.2017, 23:49
24.

Zitat von fritze_bollmann
Viel kritischer sieht die Situation allerdings noch im fernen Osten aus die Russen treibt die Sorge des illegalen Einsickern der Chinesen in das "entvölkerte" Land, trotz Grenzsicherung. Diese Probleme haben wir ja nicht. Wir haben ja keine Grenzsicherung und die Chinesen sind auch weit weg...
Ich habe dazu mal einen langen Bericht im Fernsehen gesehen und hatte nicht den Eindruck, dass die Russen in Sibirien wegen der chinesischen Einwanderer in Sorge geräten. Im Gegenteil. Die Chinesen brinngen moderne Technologie und Know how mit und schließen Sibirien an die puliserende chinesiche Wirtschaft an. Vielleicht ist das für Ost- und Zentralrussland die Zukunft?

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ray8 30.12.2017, 00:06
25.

Natürlich macht es wenig Sinn, in diesem Riesenreich noch für das letzte Dorf eine Infrastruktur vorzuhalten. Ich halte es schon in Deutschland für fragwürdig, jeden Bauernhof ans Breitbandnetz anschließen zu wollen. Aber es ist halt grad so viel Geld im System, daß auch so ein Irrsinn finanzierbar ist. Putin hat null Strategie für die Zeit nach dem Öl. És ist ihm egal. Dann werden die Russen in ihre Dörfer zurückkehren müssen und Kartoffeln anbauen, während Putins Mafia die letzten Reichtümer in Monaco und der Karibik verprassen.

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hansriedl 30.12.2017, 00:11
26. Traditionelle Fachwerkhäuser,

glückliche Hühner, ein beschauliches Leben im Grünen – dieses Klischee bestimmt noch oft die Vorstellungen vom typisch deutschen Dorf. Doch die Idylle bröckelt: Deutschlands Dörfer verwaisen und vergreisen. Viele Orte kämpfen um ihre Existenz.
Wenn der letzte Laden geht...
Arbeitsplätze außerhalb, Supermärkte auf der grünen Wiese – diese Entwicklung führte bei fast alle Dörfern zum gleichen Problem: Die ursprüngliche Infrastruktur der Orte wurde kaum noch genutzt. Nacheinander schlossen Bäcker, Metzger, Lebensmittelläden, Gaststätten und Bankfilialen. Doch für viele Orte kamen außer dem Verschwinden der Landwirtschaft noch weitere Probleme hinzu.

Nur die Alten bleiben, einen alten Baum pflanzt man nicht um.

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GoaSkin 30.12.2017, 00:14
27. Was ist denn so schlimm daran, nicht gebrauchte Dörfer aufzugeben?

Für Natur und Umwelt ist es ohnehin fraglich, ob der Mensch wirklich überall leben muss. Und wenn der Mensch manche Landstriche auch nicht mehr braucht, dann soll sie sich eben die Natur zurück holen. Es ist eine kluge Entscheidung, unnötige Dörfer freiwillig aufzugeben. Nur sollte man sie auch entsiegeln und renaturalisieren.

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Liberalitärer 30.12.2017, 00:31
28. Take a seat

Zitat von hugahuga
Wer hätte das gedacht? Da ist es in Russland ja fast so wie in - Deutschland. Sterbende Dörfer, keine Infrastruktur, keine Arbeit, keine jungen Leute Sie hätten sich erst einmal bei uns umsehen sollen, werter Herr Bidder. Oder waren's die Spesen, oder die Ideologie?
Wir stehen natürlich alle ins eins, das Geld ist unser, denn wir kämpfen dafür. Wen interessiert der Rest? Islamisten schlagen wir und dem Rest ficken wir. We are the Sacons.

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bssh 30.12.2017, 00:44
29.

Zitat von fritze_bollmann
Ja und im Land Brandenburg sitzen derzeit auch wieder die "sozialistischen Optimierer" in der Regierung. Sie wollen unbedingt eine nutzlose Kreisreform durchsetzen, die den Bürgern längere Wege zu den Behörden verordnet .
"sozialistische Optimierer" sind in Deutschland wohl nirgendwo in der Regierung, aber solche "Optimierer", die aus welchen Gründen auch immer, Sterbehilfe für das Land leisten, gibt es leider überall.
Ich lebe in Schleswig.Holstein, die letzte Kreisreform hatten wir in den 70ern, die zum Teil zu recht großen Kreisen führte. Ob das nun mehr Vor- oder mehr Nachteile hatte, kann ich nicht beurteilen. Aber seit damals, was aber wohl mehr mit der Wirtschaft als mit der Reform zu tun hat, verschwanden erst die vielen Meiereien, und damit ein wichtiger Teil des Lebens auf dem Land. Dann hat man Schritt für Schritt praktisch alle kleinen Schulen dichtgemacht. Egal wie modern und und kinderfreundlich diese Grundschulen auch waren, man hat von oben verordnet, dass sie zu teuer und zu ineffizient seien. Also baut man lieber neue, große Zentralschulen in den Zentralorten, nimmt damit bewusst in Kauf, vermutlich ist es auch so gewollt, dass
die Menschen mit Kindern gleich in diese größeren Orte ziehen, weil man damit den Kindern lange Fahrten erspart, dort dann auch bessere Infrastruktur usw. alles vor Ort ist. Nachbargemeinden schließen sich mit diesen Zentralgemeinden zusammen und geben ihre Jahrhunderte währenden Selbständigkeit ab, wie ich gerade in der direkten Nachbarschaft mehrfach beobachten kann.
Arbeit gibt es auf den Dörfern immer weniger. Das Handwerk zieht sich seit Jahrzehnten immer weiter zurück. Die Dorfkrüge als früherer Mittelpunkt der Gemeinden existieren kaum noch, Läden sind zum großen Teil verschwunden. Ohne Auto geht praktisch nichts mehr, weil alles immer mehr zentralisiert wird und dementsprechend immer weiter weg ist. Dass ebenso die Gerichte, Polizei usw. immer weiter aus der Fläche verschwunden ist, genau wie Kliniken uvm. passt doch ins Bild.
Es scheint gewollt zu sein, denn letztlich wird nichts dagegen unternommen, im Gegenteil wird diese Zentralisierung mit Geld gefördert, dass am Ende einige große Zentren übrig bleiben mit städtischem und nicht mehr dörflichem Charakter, während die eigentlichen oft viele Jahrhunderte alten Dörfer nur noch zu Schlafdörfern und Randbereiche der Zentren werden, in denen nur noch einige Alte, sehr Heimatverbundene und landflüchtige Städter mehr schlafen als leben. Da ich nunmal zu diesen Heimatverbundenen gehörige harre ich hier aus und sterbe vermutlich eher als dass ich noch schnelles Internet erlebe, auf das ich dank Merkels Versprechen schon seit 10 Jahren warte ;-)
Ach ja: dass Hebammen und Geburtsstationen und Kinderkliniken fast verschwunden sind werden wohl auch nur böswillige als Sterbehilfe bezeichnen.

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