Forum: Wirtschaft
Freiberufler im Altenheim: Phantome der Pflege

Sie springen ein, wenn das System versagt - und tauchen in kaum einer Statistik auf: Immer mehr hochqualifizierte Pfleger arbeiten freiberuflich. Der Job ist hart, häufige Wechsel normal, doch die Patienten profitieren. Die Geschichte von Frau B., die durch einen Selbständigen ins Leben zurückfand.

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JaguarCat 14.09.2011, 11:19
20. Einkommensverhältnis

Zitat von blue0711
Um wirklich mindestens gleich gut dazustehen, müsste man [als Selbständiger] bei einem Nettogehalt von 1500 Euro mindestens 2700 Euro Brutto einnehmen, um in derselben Höhe wie als AN Sozialbeiträge leisten zu könnnen. ... Dazu kommmen noch ... Wer da also unter 25 Euro die Stunde arbeitet, verschenkt sich ja eigentlich.
Mit 25 Euro wäre man ja bei normaler Arbeitszeit schon bei 4500 Euro brutto, nicht bei 2700 Euro brutto! Mit den im Artikel zitierten 240-Stunden-Monaten käme der Selbständige sogar auf 6000 Euro brutto!

Nein, so viel verdienen die sicher nicht, und das brauchen sie auch nicht. Sie sollten zum Beispiel die steuerlichen Vorteile gegenrechnen, die der Selbständige hat: Ein normaler Arbeitnehmer bekommt 30 Cent Pendlerpauschale pro Doppelkilometer (Hin- und Rückfahrt zählen als eine Fahrt), ein Selbständiger 30 Cent pro echten Kilometer (Hin- und Rückfahrt getrennt gerechnet) oder alternativ die tatsächlichlich angefallenen Kfz-Kosten (inklusive Abschreibung, Reparaturen, Benzin, Reifen etc. pp.), sollten diese höher sein. Zudem kann man sich die 19% Umsatzsteuer für alle Anschaffungen wie Dienstkleidung, Diensthandy (man muss ja schließlich erreichbar sein, wenn man kurzfristig gerufen wird!) oder Auto (beim Auto nur, wenn man nicht die 30-Cent-Pauschale wählt) vom Finanzamt wiederholen.

Klar ist für einen Pfleger, wie auch für die meisten anderen Arbeitenden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Diese ist aber auch beim angestellten Pfleger nicht inklusive. Krankentagegeld der gesetzlichen Krankenkasse gibt es maximal ein Jahr. Insofern dürfen Sie die BU beim selbständigen Pfleger nicht als nötiges Extra-Einkommen rechnen.


Jag

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blue0711 14.09.2011, 11:44
21. ..

Zitat von JaguarCat
Sie sollten zum Beispiel die steuerlichen Vorteile gegenrechnen, die der Selbständige hat:
You made my day. ;-) Selten so gelacht. Klischees sollte man überprüfen, bevor man sie anbringt.
Heilberufe und ähnliche Tätigkeiten sind umsatzsteuerbefreit. Mit dem USt wiederholen hat sichs also.
Die Kilometergeschichte ist pippifax.
Die BU kostet aufgrund der Wechseltätigkeit einiges mehr als für einen Angestellten.
Und die Haftpflicht gibts auch nicht für einen 1000er im Jahr, die kostet einiges mehr.

Die Stunden dürfen sie auch nicht so rechnen, denn dann müssten sie einen ebenso überarbeiteten AN dagegensetzen.
Mit 240 Stunden brauchen sie natürlich nicht in eine Altersvorsorge investieren. Die erleben sie dann eh nicht.
Sowas ist nicht Selbtständigkeit, sondern Selbstmord auf Raten.
Btw steckt da eine schöne Falle für die Heime drinnen: Ein völlig überarbeiteter Pfleger, der Fehler macht, haftet natürlich erstmal selbst. Strafbar ist aber auch das Heim, denn die dürften ihn dann garnicht erst ran lassen (Fürsorgepflicht aus dem Heimbetreuungsvertrag).
Also nix mit Arbeitszeit braucht uns nicht zu interessieren. Wer Kenntnis von der Überarbeitung hat, sitzt mit im Boot.

Die fragliche Scheinselbstständigkeit ist dazu dann nur noch ne vergleichweise kleine Zeibombe. Da dürfen die Heime wahrscheinliche auf politisch gewollte Duldung vertrauen.

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kritischer.blick 14.09.2011, 11:55
22. Rechnen für Anfänger!

Zitat von JaguarCat
Mit 25 Euro wäre man ja bei normaler Arbeitszeit schon bei 4500 Euro brutto, nicht bei 2700 Euro brutto! Mit den im Artikel zitierten 240-Stunden-Monaten käme der Selbständige sogar auf 6000 Euro.....
Vielleicht sollten Sie sich mal darüber informieren, in welcher Höhe Sozialabgaben fällig werden.
Die zahlt ein Selbstständiger selbst. 19,9 % RV, 14,9 % KV, dazu Haftpflicht, Unfallversicherung ... . Als Selbstständiger haben Sie logischerweise keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub.

So, nun rechnen Sie mit bitte nochmal vor, inwiefern das die lächerliche Pendlerpauschale aufwiegen kann.

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antilobby 14.09.2011, 12:04
23.

Zitat von pettermaennchen
warum geht es in berlin nicht ? frage ich mich, was bezwecken die kassen ?
Um den Zeitarbeitsfirmen eine lukrative Daseinsberechtigung zu verschaffen?

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gunman 14.09.2011, 12:28
24. 10 Jahre alt

Zitat von blue0711
... Die fragliche Scheinselbstständigkeit ist dazu dann nur noch ne vergleichweise kleine Zeibombe. Da dürfen die Heime wahrscheinliche auf politisch gewollte Duldung vertrauen.
Das Gesetz gegen Scheinselbstständigkeit ist 10 Jahre alt.

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czarpeter 14.09.2011, 12:36
25. Unfug

Zitat von gunman
Pssst ... nicht die Poilitik darauf aufmerksam machen, dass etwas funktioniert, sonst wird das "reguliert" und Schluß ist mit Lustig.
Sie gehen wahrscheinlich davon aus, dass der Staat sich immerzu Regeln ausdenkt, um seine Buerger zu veraergern? Ich brauche mir doch nur kurz Gedanken machen wie sich sowas weiter entwickelt, irgandwann sind dann alle Pflegekeafte selbststaendig mit der Konsequenz, dass sich bis auf das Lebensminimum herunterkonkurriert wird. Diese Entwicklung hat sich bspw. bei Kurierfahrern, die fast alle selbststaendig sind schon laengst realisiert. Und ob permanent Doppelschichten so das gelbe vom Ei aus gesellschatlicher Sicht sind, sei einmal dahingestellt. KLar Arbeitgeber finden sowas toll, aber da keine Zahlen genannt wurden, laesst sich nicht beurteilen, wie profitabel so eine Konstruktion ist. Und wehe der wird mal langfristig krank, dann wird es naemlcih lustig. Arbeitsschutzghesetze haben schon was fuer sich und machen auch Sinn.

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siegeline 14.09.2011, 14:25
26. Fragen über Fragen

Ein merkwürdiger Artikel, aus meiner Sicht unausgegoren, widersprüchlich, schlecht recherchiert und vermutlich ohne
Hintergrundwissen geschrieben.

Einerseits heißt es, der Job des Freiberuflers (dürfen sich Pflegekräfte so ohne Weiteres als Freiberufler bezeichnen?)
sei hart, gleichzeitig wird behauptet, es sei für viele immer erstrebenswerter, so zu arbeiten, ohne klare Vorteile benennen zu können.

Leiharbeit in der Pflege gilt unter Experten als äußerst ungut, weil die Pflegenden feste Bezugspersonen brauchen - gerade für demenziell Erkrankte ist der ständige Personalwechsel extrem belastend - und weil man, je besser man den Patienten kennt, umso besser pflegen kann. Andererseits ist ein Leiharbeiter immer noch besser als wenn gar kein Pfleger zur Verfügung stände. Leiharbeit dürfte vor allem die Folge viel zu dünner Personaldecken und hoher Krankenstände sein, die wiederum Folge schlechter Arbeitsbedingungen sind.

Grotesk finde ich, mit dem dargestellten Beispiel den Eindruck zu erwecken, Pflegekräfte als "Freiberufler" seien zu besonderen Wohltaten für die zu Pflegenden fähig und könnten leisten, was festangestellte Pflegekräfte nicht leisten könnten. An keiner Stelle wird deutlich, dass der genannte "Freiberufler" etwas geleistet hätte, das ihm nur aufgrund seiner "Freiberuflichkeit" möglich war und wieso das nicht genausogut eine festangestellte engagierte Kraft hätte leisten können.

Wieso der "Freiberufler" ständig in neuen Heimen Dienst schieben muss, um dem Verdacht der Scheinselbständigkeit vorzubeugen, obwohl doch die Heime gar nicht seine unmittelbaren Auftraggeber sind, sondern Auftraggeber seiner Leihfirma, leuchtet mir nicht ein.

Endgültig verwirrt ist man, wenn im fliegenden Wechsel
einmal vom "Freiberufler", dann vom "Leiharbeiter" die Rede ist. Was denn nun? Da gibt es doch wohl einen Unterschied!

In dem ohnehin knappen Artikel zum Thema Leiharbeit in der Pflege auch noch einen Nebenkriegsschauplatz (gute Pflege führt zu niedrigerer Pflegestufe) zu eröffnen, halte ich ebenfalls für verfehlt. Aber die Zeilen müssen ja irgendwie gefüllt sein.

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misterpresident75 14.09.2011, 15:37
27. Was für ein bescheuerter Artikel!

Ich kann es echt nicht mehr hören (lesen), wie der Beruf der Altenpflege ständig in der Öffentlichkeit deformiert wird.
Selbständige Altenpfleger, dass soll wohl ein Witz sein. Den selbständigen Altenpfleger möchte ich mal erleben, der es zur Rente schafft. Die durchschnittliche Verweildauer in diesem Beruf beträgt nicht mal 7 Jahre. Dann sind diese Leute offen.
Ich habe 11 Jahre durchgehalten mit dem Ergebnis: Rücken kaputt, Schulter kaputt und Knie kaputt.
Jetzt stehe ich kurz davor mein Pflegewissenschaftsstudium abzuschließen und werde in Zukunft die nächsten Pflegegenerationen unterrichten.

Wir haben dieses Jahr das "Jahr der Pflege". Hat das schon jemand von ihnen mitbekommen? Ich merke kaum etwas in den Medien davon. Dabei ist Pflege und gerade die Altenpflege ein Thema, dass uns alle angeht. Denn wir alle werden irgendwann einmal alt und krank sein und nicht jeder wird dann den Luxus haben noch zu Hause von seiner Familie versorgt zu werden.
Wie wäre es mal damit, den Beruf des/der Altenpfegers/Altenpflegerin positiv zu bestärken? So wie man es kürzlich mit den Landärzten getan hat. Diese sollen jetzt mit mehr Geld geködert werden. Kapiert denn niemand das Pflege = Arbeit am Menschen von Menschen ist?
Es wird Zeit diesem harten Beruf endlich den Respekt entgegen zu bringen, den er verdient. Damit meine ich auch den finanziellen Aspekt. Es will nämlich keiner mehr diesen tollen Beruf lernen und dann werden wir in 20 Jahren und weniger ein echtes Problem haben. Vielleicht sollten wir jetzt schon einmal alle mandarin(chinesisch) lernen, damit wir unsere späteren Pflegekräfte verstehen können.

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granado 14.09.2011, 22:01
28. Scheinselbständigkeit

Zitat von gunman
Das Gesetz gegen Scheinselbstständigkeit ist 10 Jahre alt.
Die Kriterien von 1999 sind längst wieder verstümmelt - § 7 SGB IV (Gemeinsame Vorschriften Sozialversicherung).

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blue0711 15.09.2011, 00:09
29. ..

Zitat von granado
Die Kriterien von 1999 sind längst wieder verstümmelt - § 7 SGB IV (Gemeinsame Vorschriften Sozialversicherung).
Alleine schon der erste Absatz bereitet bei einem Altenpfleger im Pflegeheim Kopfzerbrechen:
Zitat von
Anhaltspunkte für eine Beschäftigung sind eine Tätigkeit nach Weisungen und eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation des Weisungsgebers
Trifft nämlich beides zu.

So verstümmelt finde ich das nicht.

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