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Friedhöfe in der Krise: "Der Gräberkult ist überholt"
Jens Büttner/ DPA

Gestorben wird immer. Doch im klassischen Erdgrab auf Friedhöfen lassen sich weniger Menschen bestatten. Für Kommunen wird das mitunter teuer - auch weil sie aktuelle Trends teils verschlafen haben.

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jujo 29.10.2019, 08:27
1. ...

Ich werde mich nicht traditionell bestatten lassen.
Dennoch bin ich für die Erhaltung, vor allem, der innerstädtischen Friedhöfe als Oasen der Ruhe, des Abschaltens.
Dem Erhalt und Existens von Natur in der Steinwüste. Den Kommunen, dem Bürger sollte es Wert sein dieses zu erhalten.

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harald441 29.10.2019, 08:27
2. Ursache für den neuen,

weil bequemen Gräber"kult" ist m. E. die Faulheit der nächsten Angehörigen gepaart mit eienr guten Portion Lieblosigkeit gegenüber den Eltern und Großeltern, denen man ja schließlich sein Leben verdankt. "Omas gesparte Geld" wird gerne genommen, aber daß daraus auch gewisse Pflichten erwachsen, ist offenbar immer Wenigeren klar.
Klar ist natürlich auch, daß ein gepflegtes Grab etwas für die pflegenden Angehörigen ist, die darunter Liegenden haben nichts mehr davon. Meine Frau und ich können der Enrfernung wegen nur einmal im Jahr das Elterngrab besuchen. Aber es befriedigt uns ungemein, wenn wir das Grab wieder aufgeräumt und ggflls. neu und besser bepflanzt haben, so daß es hernach wieder schön aussieht. Schön für uns und schön auch für die anderen Friedhofsbesucher, von denen die meisten unsere verstorbenen Eltern kannten.
Und, übrigens: Die Fahrtkosten mitsamt einer mehrtägigen Übernachtung, die ja auch ein wenig Urlaub für uns ist, bezahlen wir im Grunde genommen vom ererbten Geld - und auch dafür sind wir dankbar.

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berthadammertz 29.10.2019, 08:28
3. Markt geht über alles ...

Ach, ich dachte immer, es bestände eine Bestattungspflicht und Sargpflicht. Letzteres entbehrt bei Feuerbestattungen nicht einer gewissen Komik: Ein Sarg für 24 Stunden. Ein tolles Geschäftsmodell. neulich sprach der Kabarettist Christoph Sieber von dem Kampf Markt gegen Demokratie, den diese schon längst verloren hat. Vielleicht der letzte Kampf: Markt gegen Sterben, Tod etc. Wetten - den gewinnt der Markt auch.

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wo_st 29.10.2019, 08:32
4.

Seit mindestens 20 Jahren ist die Veränderung vorhanden und deutlich sichtbar.

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Pfaffenwinkel 29.10.2019, 08:33
5. Es gibt immer weniger Großfamilien,

die in einem Ort leben und ein Familiengrab haben. Heute leben die Familienangehörigen in aller Welt, das erschwert die Grabpflege der Hinterbliebenen. Das pflegeleichte Urnengrab, wo auch immer, ist die einzige Lösung.

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fredotorpedo 29.10.2019, 08:35
6. Große Friedhöfe sind wie große Parkanlagen

Parkanlagen gehören zu jeder Stadt dazu und müssen komplett ohne Zuschüsse finanziert werden. Bei Friedhofsanlagen wird ein großer Teil der Kosten durch Gebühren erbracht.
Für mich ist ein Gang über den Friedhof Balsam für die Seele, es ist ein Ort der Selbstbesinnung und darauf, wie endlich doch alles in unserem Leben ist. Solche Orte gibt es in der Hektik der Großstädte viel zu wenig und sie müssen deshalb gepflegt und erhalten werden.
Vielleicht sollte man große Friedhöfe deshalb auch stärker für Besucher öffnen, die genau solche Orte zur Besinnung suchen und nicht nur den Besuchern der Gräber vorbehalten. Dazu würde dann auch gehören, mehr Bänke aufzustellen und auf die Schönheit des Friedhofes aufmaerksam zu machen.

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burlei 29.10.2019, 08:38
7. Vor zwei Jahren ...

... nach dem Tod meiner Ehefrau stand ich vor der Frage kommunaler Friedhof oder Alternative. Auf den Friedhöfen in unserer Gegend wird ein regelrechter Vorgarten-Kult betrieben, der Wettbewerb "Wer hat das schönste Grab" läuft auf vollen Touren. Die Trauer um den Verstorbenen spielt keine Rolle mehr, wenn sich der deutsche Spießbürger darüber aufregen kann, dass der Nachbar ein paar abgefallene Blätter auf dem Grab noch nicht entfernt, die Büsche nicht hübsch beschnitten, den Weg nicht geharkt hat. Auf den Gräbern der Feuerbestattung (50x50 cm, 25 Jahre für 950 Euro), dicht an dicht gesetzt wie die Wohnungen in Plattenbausiedlungen quetschen sich Blumen, Sträucher, Figürchen, Lampen, Steine, ausreichend für eine Fläche von 10 qm. Alles schön ordentlich, alles schön deutsch, alles schön vorhersehbar. Man findet alles, nur keine Trauer um den Verstorbenen.

Aus all diesen Gründen habe ich mich für den Friedwald entschieden. Hier findet kein Wettbewerb statt, hier ist man im Wald. Gräber sieht man nicht, eine winzige Plakette an einem Baum reicht aus, hier kann man um seinen Angehörigen trauern. Sogar in Ruhe, denn man wird weder von knatternden Laubsaugern (grade in dieser Jahreszeit) noch von Menschenmasse gestört. Und wenn die Kosten doch interessieren? Eine Grabstelle für 40 Jahre an einer Buche oder Eiche kostet 400, die Urne (ökologisch abbaubar) etwa 120, die Gebühren liegen bei 250 Euro. Dazu natürlich die Kosten des Bestattungsunternehmens.

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hansa54 29.10.2019, 08:39
8. Früher gehörte es sich,

auf dem Friedhof ruhig bzw. leise unterwegs zu sein. Schon wegen der Stimmung dort (Trauer, Gedenken usw.) und anderen Besuchern/Trauernden. Heute wird man in nicht wenigen Fällen von Laubbläsern und Rasentraktoren mit Verbrennungsmotor und entsprechendem Geräuschpegel "begrüßt"! "Krachpegel" wäre hier aber der treffendere Begriff. Dies betrifft leider nicht nur Einzelfälleund und zeigt mir, daß man hier wohl doch in erster Linie den betriebswirtschaftlichen Aspekt im Auge hat. Ist für mich kein Anlaß, dieser Form der "Ruhe in Frieden" den Vorrang einzuräumen.

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zia-zaruba 29.10.2019, 08:41
9. sehr geehrte Mit Foristen

Friedhöfe sind auch Orte, wo Ruhe ist. Manche gehen da hin, einfach mal in der Stille zu sein. Vielleicht ist das sogar ein wichtigerer Grund Friedhöfe zu erhalten.

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