Forum: Wirtschaft
Fruchtlose Förderung: Jobcenter sollen fast 100 Millionen Euro verpulvert haben
DPA

Es ist eine ungewöhnlich scharfe Rüge: Der Bundesrechnungshof wirft den Jobcentern vor, Fördermittel für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in zweifelhafte Maßnahmen zu stecken. Die Kosten trägt am Ende der Steuerzahler.

Seite 11 von 35
Astorek86 22.12.2015, 13:01
100.

Ach nee, darauf ist ja noch niemand vorher gekommen...

In meinem Fall war es so, dass ich eine Ausbildung als Fachinformatiker erfolgreich abschließen, aber daraufhin trotz natürlich längerer Vorbereitung vor Ausbildungsende keine Stelle finden konnte - ich leider unter psychischen Erkrankungen (u.a. Soziale Phobie, Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung), die zu Ausbildungsbeginn und auch währenddessen noch nicht bekannt waren, mir aber Probleme beim Selbstmarketing bescherten obwohl ich fachlich liefern konnte. Ohne meine psychischen Probleme vollständig erörtern zu wollen (damit könnte ich einen ebenso langen Beitrag schreiben, weil die Thematik ansich auch noch mit Vorurteilen in der Gesellschaft besetzt ist), konnte ich mich auch beim Jobcenter nicht durchsetzen und wurde - das ist kein Witz! - zu Computergrundkursen geschickt! Was zur Hölle hat ein vollständig ausgebildeter Fachinformatiker dort verloren? Eine Bitte, stattdessen für die weitere berufliche Laufbahn wirklich nützliche Zertifikate und Weiterbildungen erwerben zu wollen, wurde mit den Worten "führen wir nicht, wird also auch nicht bezahlt" abgeschmettert (und ich war - muss ich fairerweise erwähnen - schlicht nicht in der Lage, Widerworte fallen zu lassen). Aha, aber ein für mich völlig nutzloser Computergrundkurs, der zudem noch 3 Monate dauert und ebenfalls vom Jobcenter finanziert wird, macht dem Jobcenter nichts aus... Ging wohl wirklich nur darum, mich mit dem einfachsten Weg aus der Statistik rauszuhalten. Ob es einem Arbeitslosen was bringt, steht auf einem völlig anderen Blatt...

Ende vom Lied ist übrigens, dass ich meine psychisch bedingten Einschränkungen (u.a. dank stationärer Therapie) mittlerweile gut im Griff habe und seit drei Jahren bei einem Arbeitgeber untergebracht bin, der Vollzeitbeschäftigung anbietet. Vor ca. drei Monaten wurde mein zweiter befristeter Vertrag mit einem unbefristeten Vertrag ausgetauscht... Und ich kann garnicht beschreiben, wie froh ich bin, vom Jobcenter nichts mehr zu hören...

Beitrag melden
Izmir..Übül 22.12.2015, 13:03
101.

Zitat von Skorpion-4411
Niedriglohn-Arbeitsplätze, wo gibt es die noch? Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass es in Deutschland so gut wie keine Niedriglohn-Arbeitsplätze mehr gibt. Der Niedriglohn liegt per Nahles-Gesetz bei 8,50 € Std.
An allen Ecken und Enden, da auch 8,50 €/h immer noch ein Niedriglohn sind, der selbst bei einer lückenlosen Erwerbsbiographie noch nicht einmal zu Rentenansprüchen über dem Grundsicherungsniveau ausreicht. Dazu müsste er mindesten bei 10,50 €/h liegen.

Beitrag melden
realsatiren 22.12.2015, 13:03
102. Eigene Erfahrung

Als Arbeitgeber übernehme ich immer wieder Langzeitarbeitslose in befristete und auch unbefristete Arbeitsverhältnisse. Über einen längeren Zeitraum bleiben die Arbeitnehmer "Aufstocker". Wenn ich dann sehe, was sich Job-Center gegenüber den Arbeitnehmern "leisten" und herausnehmen bin ich über die Inkompetenz, die unfassbare Bürokratie dieser Behörde erschüttert. Massnahmen gehen unendlich weit an der Notwendigkeit vorbei (Holzschnitzen als Qualifizierungsmassnahme für eine Mitt-Dreißigerin!!!!!). Als Privatunternehmen wären Job-Center und auch Agentur für Arbeit schon längst Geschichte... Aber so lange unsere Politiker ausschließlich mit theoretischem Wissen glänzen, jeden Praxisbezug vermissen lassen, wird sich daran nichts ändern.

Beitrag melden
sheep-de100fn205 22.12.2015, 13:04
103. Gerade vor kurzem erlebt

Ich bin momentan ALG2 Bezieher und liege meinem mittlerweile vierten Sachbearbeiter in den Ohren, dass ich bereit zu einer Umschulung oder Weiterbildung wäre, in einem Beruf der eine Perspektive (über Mindestlohn oder Zeitarbeit) ermöglicht oder wo Fachkräftemangel (z.B.Kranken- Altenpfleger)besteht. Stattdessen wurde ich in eine drei monatige ABM Maßnahme gesteckt wo ich lernen soll wie man Bewerbungen schreibt um nicht in der Arbeitslosen Statistik zu erscheinen. Als ich fragte warum dafür Geld ausgegeben wird, aber nicht in was Sinnvolles investiert wird wurde mir nur gesagt "Sie besitzen bereits eine Ausbildung" (die ist von 2002 und nichts mehr Wert ohne Berufserfahrung). Meiner Ansicht nach besteht da zwingend Handlungsbedarf.

Beitrag melden
abby_thur 22.12.2015, 13:04
104.

Zitat von Nizzre
Im Gegenteil, ich habe mit meinem Mann gemeinsam Zeiten von Arbeitslosigkeit in seinem und in meinem "normalen" Beruf (und wir sind beide akademisch gebildet) durch Niedriglohnjobs ohne staatliche Zuwendungen durchgestanden. Wir haben bis spät in die Nacht Heimarbeit für 3-4 Euro/Stunde pro Nase im Bereich der Drucksachenkonfektionierung gemacht. Auf Dreischicht in Druckereien gearbeitet. Pizza ausgefahren, Werbeflyer in Briefkästen gestopft bei Wind und Wetter und andere "entwürdigende" Jobs. Weil die echte "Entwürdigung" aus unserer Sicht der Weg zum Amt ist. Denn der heisst: Ich gebe auf! Ich kann mich und meine Kinder nicht selbst ernähren. Ich weiß, inzwischen hat sich in der Gesellschaft die Meinung durchgesetzt, das nach dem Motto zu sehen "Das steht mir/uns zu" Aber das stimmt meiner Meinung nach nicht. ZUSTEHEN tut einem gesunden, arbeitsfähigen Menschen das Recht sich einen Job zu suchen. "Bedürftig" sind nur Menschen die - aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie kranke Angehörige/Säuglinge betreuen müssen - keine Möglichkeit zum Broterwerb haben.
Völlig falsch gepolt!

Nur weil Sie sich ausnutzen ahben lassen dürfen Sie das nicht von anderen erwarten.
Anderen ist ihre Lebenszeit nämlich etwas mehr wert. Und sei es nur, dass man sie frei gestalten kann.

Beitrag melden
spon_3055608 22.12.2015, 13:06
105. mit vollen Händen!

Merkel selbst ist doch das beste Beispiel für hirnlose Steuergeldvernichtung in größten Maßstab,- siehe Sicherheitskonferenz in Elmau. Die Zahlen schwanken zwischen 300 u. 360 Million,- für 3 Tage!
Geld rausschmeißen schafft selbst noch ein Grenzdebiler ohne Physikstudium. Es sinvoll zu verwenden kann ernorm schwierg sein,- offensichtlich viel zu schwierig für die Merkel-Regierung.

Beitrag melden
Fuscipes 22.12.2015, 13:07
106.

Tolles System mit dem man sich Arbeitslosigkeit wegkaufen kann, "zwei Jobcenter hätten Arbeitgebern unterm Strich sogar mehr Geld gezahlt als diese dem vermittelten Hartz-IV-Empfänger an Lohn", hört sich nach einem ganz neuen Geschäftsmodell an...

Beitrag melden
pilatus0381 22.12.2015, 13:07
107.

Zitat von EvenD
...... doch tatsächlich der Preis dafür: 1800€ für EINE Woche rumsitzen und Dinge tun, die ich a) längst kann und b) nicht brauchen werden. Und das mit dem "nur" rumsitzen ist nicht übertrieben. Erster Tag: Papierkram erledigen. Das heißt, 6 Stunden mit Anderen in einem Raum sitzen und warten, das die Leutchen da uns 5 Zettel unterschreiben lassen. In dem Kurs waren ungefähr 20 Leute. Geld verbrennen leicht gemacht.
Das sind die Auswüchse der von einem Mitforisten bereits benannten Betreuungsindustrie, die unter dem Wohlwollen und der Förderung der linken Parteien - die generieren nämlich ihre Wähler daraus - längst sozialistische Planwirtschaftsmaße angenommen hat und öffentliche Kohle wie nichts verbrennt. na vielleicht platzt dieses Modell ja bald...!

Beitrag melden
Skorpion-4411 22.12.2015, 13:08
108. Nur 100 Millionen,

Entweder muss der Spiegel nochmasl nach recherchieren oder der Bundesrechnungshof liegt deutlich daneben.

Die 100 Millionen "Fehlförderung" von s.g. Arbeitsmarktprojekten sollten vielleicht je Bundesland oder besser je lokaler Arbeitsagentur gerechnet werden.

Die in diesem Thread beschriebene Förderpraxis der Agenturen sind wörtlich zu nehmen.

Die 100 Millionen sind nun wirklich keine Aufregung wert, verglichen mit dem "BER" in Berlin, "Philharmonie" Hamburg, oder dem "Nürburgring" (nur 500 Millionen Verlust)

Beitrag melden
spigalli 22.12.2015, 13:11
109.

Zitat von jens.kramer
Problemeatisch ist eher der Wettbewerbsvorteil eines Unternehmers, der geförderte Arbeitslose einstellt: Er kann preisgünstiger kalkulieren.
...und damit die Marktpreise drücken, so dass seine Wettbewerber ebenfalls die Löhne drücken müssen.

So geht das wenn man auf kurzfristige Profite seiner Klientel schaut...da fällt mir gleich die Parabel angeblich aus Tibet ein, bei der der alte Mann seinen Enkel zum Salz kaufen schickt und der glaubt, besonders schlau gewesen zu sein, weil er einen Rabatt herausgehandelt hat.

Beitrag melden
Seite 11 von 35
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!