Forum: Wirtschaft
Fruchtlose Förderung: Jobcenter sollen fast 100 Millionen Euro verpulvert haben
DPA

Es ist eine ungewöhnlich scharfe Rüge: Der Bundesrechnungshof wirft den Jobcentern vor, Fördermittel für die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen in zweifelhafte Maßnahmen zu stecken. Die Kosten trägt am Ende der Steuerzahler.

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eggie 22.12.2015, 12:30
70.

"Einige Arbeitgeber haben laut Bundesrechnungshof sogar doppelt abkassiert. Sie hätten zusätzlich zum Lohnzuschuss noch Mittel der Bundesländer oder Kommunen angezapft, heißt es laut "SZ" in dem Abschlussbericht. Zwei Jobcenter hätten Arbeitgebern unterm Strich sogar mehr Geld gezahlt als diese dem vermittelten Hartz-IV-Empfänger an Lohn".

Das Problem sind weniger die Jobcenter, die offenbar wirklich versuchen, die Leute in Lohn und Brot zu bekommen. Nein, das Problem sind die Arbeitgeber, die massiv und offensichtlich betrügen. Aber natürlich hat der SPIEGEL ein Herz für sie

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fuffel 22.12.2015, 12:31
71. klingt

Zitat von Nizzre
Unser Sozialsystem geht davon aus, dass Menschen in Arbeit GEBRACHT werden müssen. Das ist schlichtweg falsch. Nicht das Sozialsystem muss jemanden "in Arbeit bringen", sondern jeder Erwerbsfähige muss sich um jede mögliche Arbeit BEMÜHEN. Vom Sozialsytem unterstützt werden sollten nur Menschen, die aufgrund von Krankheit, Alter, Gebrechen - ganz gleich ob physisch oder psychisch - nicht in der Lage sind zu arbeiten. Für alle anderen sollte es lediglich dann Zuschüsse geben, wenn sie aufgrund fehlender Qualifikation gezwungen sind, im Niedriglohnsektor zu arbeiten. Die Arbeit muss Voraussetzung für aufstockende Lohnersatzleistungen sein. Nicht, wie heute, das Zubrot. Wir haben in unserem Sozialsystem im Moment leider eine Umkehrung der Sinnhaftigkeit. Jeder Arbeitslose kann sich überlegen, ob es sich "lohnt" zu arbeiten. Je mehr Kinder, umso höher muss das theoretische Gehalt sein, damit es sich "lohnt". Das ist paradox und pervers. Arbeit muss immer zwingend die Grundlage der Existenz sein. Und es stimmt nicht, dass es keine Arbeit gibt. Es gibt nur Arbeit, die sich für viele subjektiv nicht lohnt. Die wird dann von Zuwanderern erbracht. Weil sich da das "lohnen" anders rechnet als für Ansässige mit Vollversorgung für die ganze Familie.
ersteinmal schlüssig.

Hat aber ein paar Pferdefüsse. Der Arbeitsmarkt ist ein Markt. Was passiert also, wenn wir einer Seite (Nachfrage/AN) Zwänge auferlegen?

Der Mindestlohn reicht doch zu rein gar nichts, was volkswirtschaftlich wünschenswert wäre. 0 Familie, 0 Altersvorsorge, 0 Teilhabe, 0 Nachhaltigkeit (Energie, fairer Handel, Umweltschutz, Sozialstandards)

Wir müssten also auch beim Angebot (AG) deutlich eingreifen und so funktioniert unser Wirtschaftsystem gar nicht.

Kann doch z.B. nicht sein, das ein Unternehmen lauter Aufstocker beschäftigt und sich damit eine goldene Nase verdient.

Die ganze Arbeitnehmerüberlassung ist aus dem Ruder gelaufen. Für die Flexibilität zahlen diejenigen, die flexibel bleiben müssen.

Wäre schön, wäre Arbeit das was sich lohnt

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Harald Schmitt 22.12.2015, 12:32
72. Statistiken schönen

das passiert doch nur, weil Menschen in Bildungsmaßnahmen aus der Statistik verschwinden.
Die Maßnahmen werden ja nicht nach Erfolg ausgewählt und es gibt ganze Wirtschaftszweige, die daran ganz gut verdienen ohne wirklich etwas zu verbessern.
Richtige Ausbildungen werden ja nicht gefördert aber das zehnte Bewerbungstraining schon! Man sollte mal die Ziele überdenken anstatt einfach Geld für sinnfreie MAßnahemn rauszuwerfen.

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Hamberliner 22.12.2015, 12:32
73. Auf das Schicksal der Betroffenen kommt es an. Nicht auf stupide Statistik.

Ich erwirtschafte überdurchschnittlich Steuern, kenne aber auch das Schicksal der Langzeiterwerbslosigkeit aus eigener Erfahrung. Da der Bundesrechnungshof meint, in meinem Namen zu sprechen, möchte ich klarstellen: Bei schuldlos Langzeiterwerbslosen, die sich für eine hohe Qualifikation aufgeopfert haben, beispielsweise indem sie in einem erwerbsorientierten MINT-Fach promoviert haben, ist die Förderung auch dann keine Geldverschwendung, wenn der Arbeitsvertrag mit der Förderung endet. Die Betroffenen haben wenigstens vorübergehend wieder das Gefühl, gebraucht zu werden, sie können wenigstens ein bisschen ihr tiefrot überzogenes Konto auffüllen, sie können wenigstens einmal Weihnachten feiern anstatt den Selbstmord in Betracht zu ziehen. Das finanziere ich gern als Steuerzahler.

Mit den anderen, den Unqualifizierten, die sich nie Mühe gegeben haben, sind die Langzeiterwerbslosen nämlich nicht zu 100% identisch.

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Zeus Weinstein 22.12.2015, 12:32
74. In meinem...

Fall konnten weder Arbeitsagentur noch Jobcenter Hilfestellung bei der Jobsuche leisten. Man bekommt immer gesagt, dass mehr Eigeninitiative erbracht werden soll. Angebotsvermittlung? Fehlanzeige! Weiterbildung? Hätte man machen sollen, als man noch in Lohn und Brot stand! Stattdessen wird empfohlen private Jobvermittler zu nutzen. Dennoch wird ständig mit Kürzung der Leistungen gedroht, wenn man nicht nach ihrer Pfeife tanzt.
Auf der anderen Seite liest man täglich, dass soundsoviele Arbeitskräfte fehlen, besonders im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle. Entscheidet sich nun eine Kommune in diesem Bereich neue Stellen zu schaffen(Lokalmeldung), werden diese nirgends ausgeschrieben. Auch über Jobcenter und Arbeitsagentur ist diesbezüglich keine Information zu bekommen. Das ganze ist sehr frustrierend.

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Zeus Weinstein 22.12.2015, 12:34
75. In meinem...

Fall konnten weder Arbeitsagentur noch Jobcenter Hilfestellung bei der Jobsuche leisten. Man bekommt immer gesagt, dass mehr Eigeninitiative erbracht werden soll. Angebotsvermittlung? Fehlanzeige! Weiterbildung? Hätte man machen sollen, als man noch in Lohn und Brot stand! Stattdessen wird empfohlen private Jobvermittler zu nutzen. Dennoch wird ständig mit Kürzung der Leistungen gedroht, wenn man nicht nach ihrer Pfeife tanzt.
Auf der anderen Seite liest man täglich, dass soundsoviele Arbeitskräfte fehlen, besonders im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle. Entscheidet sich nun eine Kommune in diesem Bereich neue Stellen zu schaffen(Lokalmeldung), werden diese nirgends ausgeschrieben. Auch über Jobcenter und Arbeitsagentur ist diesbezüglich keine Information zu bekommen. Das ganze ist sehr frustrierend.

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Nizzre 22.12.2015, 12:35
76. Völlig falsch geraten!

Zitat von Rammsteiner73
Bei allem Respekt vor Ihnen als Mensch... SO wie Sie das schreiben, waren Sie oder Ihr Umfeld noch nie in einer solchen Situation! Nur deshalb mangelt es Ihnen durchschaubar an Empathie und Realitätssinn... Sie sollten zu einem Thema , von dem Sie nicht die nötige Sachkenntnis besitzen, vielleicht besser Nix schreiben, statt einfach irgend etwas völlig Falsches.... Vielen Dank und herzliche Grüße.
Im Gegenteil, ich habe mit meinem Mann gemeinsam Zeiten von Arbeitslosigkeit in seinem und in meinem "normalen" Beruf (und wir sind beide akademisch gebildet) durch Niedriglohnjobs ohne staatliche Zuwendungen durchgestanden.

Wir haben bis spät in die Nacht Heimarbeit für 3-4 Euro/Stunde pro Nase im Bereich der Drucksachenkonfektionierung gemacht. Auf Dreischicht in Druckereien gearbeitet. Pizza ausgefahren, Werbeflyer in Briefkästen gestopft bei Wind und Wetter und andere "entwürdigende" Jobs.

Weil die echte "Entwürdigung" aus unserer Sicht der Weg zum Amt ist. Denn der heisst: Ich gebe auf! Ich kann mich und meine Kinder nicht selbst ernähren.

Ich weiß, inzwischen hat sich in der Gesellschaft die Meinung durchgesetzt, das nach dem Motto zu sehen "Das steht mir/uns zu"

Aber das stimmt meiner Meinung nach nicht. ZUSTEHEN tut einem gesunden, arbeitsfähigen Menschen das Recht sich einen Job zu suchen.
"Bedürftig" sind nur Menschen die - aus gesundheitlichen Gründen oder weil sie kranke Angehörige/Säuglinge betreuen müssen - keine Möglichkeit zum Broterwerb haben.

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Skorpion-4411 22.12.2015, 12:37
77. Rechnungshof vergisst politische Ziesetzungen der Förderpraxis

Ich war seinerzeit Geschäftsführer eines Sozialverbandes.

Die Mitarbeiter des Jobcenters hatten den Auftrag (politischen Auftrag von Schröder) die Hartzler in Fördermaßnahmen z.B. 1€ - Jobs unterzubringen; völlig egal was es kostete.
Träger die irgendwelche Phantasieprojekte mit förderfähigem und wohlklingendem Namen erfanden konnten fast verlangen was sie wollten, 250 - bis 500 € pauschal + die "Sachkosten) gab es von der Arge je 1€-Jober je Monat. Je begrenzter die Vermittlungsfähigkeit des 1€-Jobers war um so höher war die Förderungs-begleitprämie für den Maßnahmeträger.
Z.B. bei "Alkoholsucht" (Definition Trägersache!) war die Vermittlungsfähigkeit für mindestens 9 Monate deutlich eingeschränkt, was dem Träger ein gutes Einkommen bescherte. Lange Wartezeiten bei den fachlichen Suchtbehandlungsstellen sicherten ebenfalls gute Trägereinnahmen.

Die Jobcenter wußten, dass viele "Trägerprojekte" für eine Unterbringung der 1€-Jober in den regellären s.g. 1. Arbeitsmarkt völlig unnütz waren.
Wenn die die 6 oder 9 Monate Förderzeit rum waren, wurde halt verlängert; dann in ein Projekt mit anderem förderfähigem Namen jedoch beim gleichen Träger.
Insbesondere s.g. "Bildungsträger" verdienten sich mit ihren s.g. Bildungsprogrammmen ala "Bewerbungstraining" eine goldene Nase.
Träger erhielten Vermittlungsprämien für die Vermittlung auf einen Arbeitsplatz in den 1.Arbeitsmarkt, auch wenn dieser Arbeitsplatz - lt. Beschäftigungsförderungsgessetz - so gut wie immer befristet wurde.

Vielfach endete die Beschäftigung schon während der Probezeit (nach 2 Wochen).

Diese ganze Förderpolitik der Schröder-Bundesregierung wurde noch flankiert durch den "Europäischen Sozialfonds" mit einem riesigen Antrags- und "Kontrollverwaltungsaufwand".

Der Erfolg der Maßnahmen wurde daran gemessen, wenn die statistische Zahl der Hartz4-Empfänger sank, da die Leute in den Maßnahmen nicht mehr als arbeitslos zählten.
Kommunen (Bauhöfe) wurden gedrängt 1€-Jober einzustellen, obwohl diese "Projekte" überhaupt keine "Merkmale der Zusätzlichkeit" hatten und auch das kommunale "Führungspersonal"
enteder nicht vorhanden oder völlig ungeeignet war die neuen "Mitarbeiter" anzuleiten und einzusetzten. usw. usw. Ich könnte Seitenlang berichten.

Wenn nun der Bundesrechnungshof großspurig daher kommt und diese "Mißstände" anprangert hat er einerseits Recht, anderseits übersieht er gefissentlich die seinerzeitige politisch gewollten Zielsetzungen mit vorrauseilendem Gehorsam der lokalen ARGEN mit ihrem Führungsperonal, "Jobvermittlern" um ja die politischen Vorgaben zu erfüllen.

Ich denke viele Arbeitslose, die durch solche "Förderprogramme" geschleust wurden, sind heute noch in Hartz-4 beheimatet und haben sich darin eingerichtet.

Die aktuelle Zahl der Arbeitslosen entpricht so ziemlich der wissentschaftlich fundierten Prognose des "Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung" vorgestellt Ende der 90er Jahre in Erfurt anlässlich einer Fachtagung.

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Morgul 22.12.2015, 12:42
78. Quatsch

Das ist doch sinnloser Quatsch einer Behörde (Rechnungshof). Ein Langzeitarbeitsloser muß sich erst wieder an Arbeit gewöhnen. Dies tut er mit diesen Maßnahmen. Er ist danach wieder vermittelbarer.
Und auch logisch, daß Unternehmen diese Situation schamlos ausnutzen, denen meines Erachtens nach gehörig auf die Finger geklopft gehört.
Stichproben schön und gut, aber von einer teuren (!) Behörde erwarte ich ein "denken der gesamten Kausalkette".

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eswirdbesser 22.12.2015, 12:43
79. Der Bundesrechnungshof hat falsche Prämissen

Die "verpulverten" Mittel machen doch Sinn:
- Die Arbeitgeber werden subventioniert
- Der Arbeitssuchende hat eine Zeit lang einen Job
- Die Massnahmenträger, alles Firmen in denen Menschen Jobs haben,, profitieren davon.
Dieses Ziel, Vollbeschäftigung, ist ein Politisches. Das hat nur wenig mit dem Markt zu tun. Dies war schon in den 1980zigern so, die Situation ist soweit unverändert. Der Einfluss der Politik wird da überschätzt. Und mit den heutigen, durchneoliberlisierten Politikern aller Parteien, na, da soll sich dies ändern ? Bald kommt der Weihnachtsmann, wer glaubt an den ?

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