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Fusion mit britischem Konkurrenten: Bertelsmann schmiedet weltgrößten Buchverlag
DPA

Es ist eine Ehe unter Giganten: Bertelsmann schafft zusammen mit dem Konkurrenten Penguin den weltgrößten Buchverlag: Der Gütersloher Konzern legt seine Tochter Random House mit dem britischen Traditionsverlag zusammen. Das Geschäft dürfte Medienmogul Rupert Murdoch verärgern.

Europa! 29.10.2012, 09:40
1. Die Buchbranche rückt zusammen

Zitat von sysop
Es ist eine Ehe unter Giganten: Bertelsmann schafft zusammen mit dem Konkurrenten Penguin den weltgrößten Buchverlag: Der Gütersloher Konzern legt seine Tochter Random House mit dem britischen Traditionsverlag zusammen. Das Geschäft dürfte Medienmogul Rupert Murdoch verärgern.
Dieser Zusammenschluss ist ein historisches Symbol. Einerseits kann man sich freuen, dass diese beiden Buchgiganten zusammenrücken, andererseits fragt man sich: Ist der Raum für das Buch schon so klein? Ist das Ende der Gutenberg-Galaxis so nahe?

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caecilia_metella 29.10.2012, 09:49
2. Jetzt wird es doch überschaubar

Egal, was man liest, überall RTL-Niveau.

Danke auch für die Information.

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sr11 29.10.2012, 09:52
3. Neue Buch Ordnung

Zitat von sysop
Es ist eine Ehe unter Giganten: Bertelsmann schafft zusammen mit dem Konkurrenten Penguin den weltgrößten Buchverlag: Der Gütersloher Konzern legt seine Tochter Random House mit dem britischen Traditionsverlag zusammen. Das Geschäft dürfte Medienmogul Rupert Murdoch verärgern.

Warum erinnert mich das irgendwie an Gleichschaltung?

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janne2109 29.10.2012, 10:01
4. .......

Zitat von Europa!
Dieser Zusammenschluss ist ein historisches Symbol. Einerseits kann man sich freuen, dass diese beiden Buchgiganten zusammenrücken, andererseits fragt man sich: Ist der Raum für das Buch schon so klein? Ist das Ende der Gutenberg-Galaxis so nahe?
Hmmm, was ist daran Historisch?? Ich persönlich mag diese Zusammenschlüsse von Giganten nicht. Er ist immer für den Verbraucher zum Nachteil, auch wenn sich dieser erst nach einiger Zeit zeigt.

Ja- der Raum wird für das gedruckte Buch kleiner und kleiner. Das finde ich sehr schade. Aber Stillstand bedeutet ja wohl Rückschritt und dazu gehört bald wohl auch das Buch.

(die Möbelindustrie wird umdenken müssen und Bücherregale aus dem Programm nehmen, dafür einen prominenten Platz für den Kindle bereit stellen, dann kann die Wohnung auch etwas kleiner sein, was auch seinen Vorteil hat, denn die Mieten sind ja bald nicht mehr zu bezahlen, grins ?).

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albertdasschaf 29.10.2012, 10:17
5. Gleichschaltung!

Wer sich da freut hat das Spiel nucht durchschaut. Presse,Banken, Medizin, Unternehmen, Handel alles und alle fusionieren bis am Ende nur noch Einer übrig bleibt der dann alles und alle beherrscht.
Schöne neue Welt!
Blofeld gewinnt am Ende doch, da kann auch James nichts dran ändern. Außer . . .?

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W. Robert 29.10.2012, 11:46
6. Auf der Strecke

Der Buchmarkt konzentriert sich in naher Zukunft wohl eher auf den Markt der Geburtstags-Schinken aus der „Bestsellerliste“, während dich die Literaturszene immer mehr auf das Internet und auf e-Books zurückzieht. Hier macht der deutsche Buchhandel praktisch alles falsch, und überlässt Amazon und ähnlichen Gemischwarenläden den Umsatz. Aber auch der geht in den Keller, weil man mit einer Konzern-Agenda nun mal keine lebendige Kulturszene erhalten kann.

Das läuft ähnlich wie in der deutschen Musikszene, die praktisch auch schon neutralisiert ist. Diesen ekannten Irrweg geht man aber weiter, weil die Großverlage längst in der Hand von Mischkonzernen sind, die sich die ihnen genehme Literatur mehr oder weniger als Hobby halten. Zudem, wo bleibt die finanzkräftige Mittelschicht, die sich früher die Regale mit Büchern vollgestell hat? Vermutlich auf der Strecke.

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albert schulz 29.10.2012, 19:49
7. Die Entwicklung ist nicht umkehrbar

Zitat von W. Robert
Der Buchmarkt konzentriert sich in naher Zukunft wohl eher auf den Markt der Geburtstags-Schinken aus der „Bestsellerliste“, während dich die Literaturszene immer mehr auf das Internet und auf e-Books zurückzieht. ...
Konzentration aufs Geschäft, wie überall. Die Verlage machen das seit zig Jahren, egal ob Druck oder Vertrieb, Werbung oder Informationsbeschaffung, und auch die Texte werden mehrfach verwertet. Die vergleichsweise teuren Schreiberlinge wurden längst outgesorct. Man wird ihnen vermutlich raten, demnächst ihre Bleibe in Afrika oder Asien zu suchen, wo der Unterhalt noch bezahlbar ist, wenn sie die Hälfte verdienen. Aber nur für ein paar Jahre. Dann wird sich das schriftliche Gerümpel selbst erledigt haben. Man kann seit Jahren beobachten, daß die Verblödung ganz massiv begünstigt wird, egal ob durch Zeitschriften oder Bücher, Fernsehen oder elektronischen Krimskrams, auch durch die unüberschaubare Masse an Angeboten, die sich gar nicht mehr vergleichen oder werten lassen. Die Presse macht es, als Lakai der jeweiligen Hersteller, die ordentlich löhnen müssen. Der Werteverfall ist allgemein und nicht aufzuhalten. Und das verspürt man sehr deutlich gerade bei Finanzimperien wie Bertelsmann und seinen Ablegern.

(Vergleicht man Auflage und Umsatz, so kommt man übrigens zu dem Schluß, daß Taschen-bücher im englischen Sprachraum nur ein Drittel dessen kosten wie hierzulande.)

Die Konzentration (nhd. Marktbereinigung) hat auch ganz herzerquickende Folgen. So geht etwa der Umsatzanteil der Buchhändler seit Jahren kontinuierlich zurück, sie gehen reihenweise pleite, und die Ketten übernehmen das Geschäft. Und bereits deren Auslagen sind zum Kotzen, ganz zu schweigen von den Regalen. Sie sind häufig mit Verlagen verbandelt und gleichzeitig Lageristen, also Zwischenhändler, haben also den gesamten Vertriebsweg in der Hand. Und damit den Preis. Die Eigentümerstruktur ist ein nahezu perfektes Abbild ökonomischer Machtverhältnisse: Kirchen, Stiftungen, Banken. Thalia, Weltbild, Mayersche.

Wikipedia: „Ein weiterer Kritikpunkt sind Versuche Thalias, durch Angriffe auf die Buchpreisbindung die Margen der kleineren verbleibenden Buchhandlungen zu drücken und diese so aus dem Markt zu drängen.“

Noch ein Interview, das nicht so ganz stubenrein ist, der Optimismus ist dem Merkantilismus geschuldet:

Großfusion bei Buchverlagen - "Die Buchbranche ist aufgewacht"
Interview: "Die Buchbranche ist aufgewacht" | tagesschau.de

"Zu Random House gehören zahlreiche kleinere Unterverlage, beispielsweise Heyne, btb oder Goldmann.

Viele der klassischen deutschen Verlagsnamen, Rowohlt, Fischer, Kiepenheuer & Witsch, gehören zum Holtzbrink-Konzern.

Nur ganz wenige deutsche Verlage sind frei von solchen Konzernen, der CH Beck-Verlag beispielsweise, der Wagenbach-Verlag oder der Hanser-Verlag."

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thomas-w-schmidt 14.02.2013, 19:17
8. Und die ausländischen Lizenzen?

Inlandautoren/Autorinnen, die sich über Jahre redlich bemühten, ihre Werke in die Regale zu bringen, kennen die Strategie eines solchen Verlages aus dem Effeff. Das sind vor allem Schreiber, die keinen "großen Namen" haben, in Eingangslektoraten ad Akta gelegt werden und deshalb nicht aufs Trapez kommen.
Neulich bekam ich eine Mail von einem Groß-Verlag: „Leider passt Thema nicht in unser Programm – nach Prüfung Ihres Textes.“ Der Verlag will also 50 Seiten Textprobe und Exposé quasi über Nacht gelesen haben.
Autoren kassieren Absagen en masse. Gut wäre, mal den Prozentsatz bisher angekaufter ausländischer Lizenzen anzuführen. Auch Literaturagenturen angeln fleißig Autoren z. B. aus den Staaten - wenn es nur irgendwie möglich ist. Viele Möchtegern-Agenturen haben den Dreh noch nicht raus – Gott sein Dank! Aber: Eine Mio. Manuskripte liegt auf Eis.
Auch Lit.-Agenten gehen ins Aus, wenn Publikumsverlage lieber Lizenzen unter Vertrag nehmen.
Übersetzen ins Deutsche: Keine leichte Kür und der Übersetzer muss schriftstellerisches Talent besitzen. Bluttriefende Action, trashig geschrieben, soll das Holterdipolter im Ausdruck wettmachen? Dabei sind solche Themen abgedroschener denn je. 160 (!)-Seiten-Acton-Lektüre findet man zurzeit in Regalen der Buchhandlungen.
Die Lektoratsarbeit bei Manuskripten weniger bekannter Inland-Autoren ließe sich durchaus rechen. Auch ihre Bücher verkaufen sich und wecken Leserinteressen, vor allem bei brandneuen Themen: Lit.: "Antiquitätenmarder ... noch lebe ich!" oder "Das Gold der Sierra Nevada".
Wenn weniger bekannte Autoren in bekannten Publikumsverlagen Fuß fassten, würden auch sie sich gut verkaufen - schon der Verlagsname bringt´s. Kunden, die mit einem Packen Bücher aus der Buchhandlung kamen, habe ich oft angesprochen. Ich fragte, ob sie die Autoren kennen. „Ganz und gar nicht!“, so die Antwort. „Random, Rowohlt, Piper etc. hat immer gute Sachen auf Lager. Da interessiert mich nicht, ob ich einen „Newcomer“ lese!“

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