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Gabriel verkündet Durchbruch: Tengelmann auf jeden Fall vielleicht gerettet
DPA

Sigmar Gabriel erklärt die Jobs von 15.000 Mitarbeitern bei Kaiser's Tengelmann für gerettet. Edeka übernimmt die Kette, muss aber Berliner Filialen an Rewe weiterreichen. Wichtige Details sind allerdings noch offen, der Preis zum Beispiel.

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spigalli 31.10.2016, 18:08
1. Ja, nee, iss klar!

Alle Probleme sind vom Tisch, das Kartellamt hat nix mehr dagegen, Gewerkschaften und alle anderen sind auch einverstanden. Bloss Details, was jetzt genau, GEENAU(!), im Sinne der Marktvorherrschaft und Arbeitnehmerrechte vereinbart wurde, die werden nicht veröffentlicht.

Wenn ich sowas höre, dann habe ich immer den Verdacht, dass da irgendwas hin- und her geschoben wurde - vielleicht noch jemand ein bischen - sagen wir mal: - von den Vorteilen überzeugt. Und niemand kann mehr etwas gegen irgendetwas haben, weil ja alles geheim ist.
Das wäre noch gut gegangen, als das noch eine rein privatwirtschaftliche Sache war - mittlerweile ist das aber bereits zum öffentlichen Interesse mutiert, und spätestens dann, muss auch "die Öffentlichkeit" zustimmen, bevor irgendjemand behaupten kann, dass irgnedetwas gelöst ist. Und: nein, Siggi ist nicht die Öffentlichkeit - in dieser Angelegenheit traue ich unserer Verwaltung und der EU und den Gerichten da mehr "im Sinne des Volkes" zu als einem Politiker, der zumindest 1 persönliches Interesse an der Situation hat: Sich damit für den Wahlkampf aufhübschen zu wollen

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otto_lustig 31.10.2016, 18:14
2. Was ist mit Woolworth?

Tengelmann hat einen Anteil von 30 Prozent und es gibt mehr als 100 Filialen in Deutschland.

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laufwumf 31.10.2016, 18:27
3. Da stinkt was, Herr Minister.

Eigenartig, irgendwie hat man bei fast allem, was unser Wirtschaftsminister zu dieser Filetierung von Kaiser's-Tengelmann äußert, das ungute Gefühl, dass Herr Gabriel glaubt, es sei genug die interessierte Öffentlichkeit nur mit einem Scheibchen von der Wahrheit abzuspeisen. Sieben Jahre Arbeitsplatzsicherheit für alle Beschäftigten? Wie soll das gelingen, wenn etliche Filialen sich an inzwischen ungünstig und daher unattraktiv gewordenen Standorten befinden und die Kundschaft nun mal nicht ausreicht um Gewinne oder wenigstens keine Verluste zu erwirtschaften? Wir erinnern uns an die seinerzeitige großartige Rettung des Bauunternehmens Holzmann: Ach, damals verkündete Kanzler Schröder vollmundig, dass jetzt alles gut sei, die Arbeitsplätze sicher und ein vielversprechender Neustart dem Unternehmen bevorstehe. Einige von uns können sich entsinnen, was dann schließlich wirklich aus Holzmann wurde: es verschwand - tausende Mitarbeiter arbeitslos machend - de facto im Orkus.

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spon-facebook-1293013983 31.10.2016, 18:43
4. @Otto_lustig

Was soll mit Woolworth sein? Der Kaiser's Tengelmann ist nicht der Tengelmann-Konzern und Woolworth hat mit dem Deal nichts zu tun. Die bleiben bei der Tengelmann Unternehmensgruppe bzw. bei Kik, wenn ich das richtig überblicke. Davon ab ist das eh eine ganz andere Branche als "Supermarkt".

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Das Pferd 31.10.2016, 19:05
5.

Zitat von laufwumf
......................Einige von uns können sich entsinnen, was dann schließlich wirklich aus Holzmann wurde: es verschwand - tausende Mitarbeiter arbeitslos machend - de facto im Orkus.
nun, es sieht nicht so aus, daß REWE oder EDEKA verschwinden, in sofern ist die Lage anders.

15000 AP sind das eine, niemand sagt aber ob nicht wo anderes im Handel entlassen oder - unauffälliger- weniger eingestellt wird.

Ich behaupte, daß der Unterschied zwischen den Szenario wie es sich jetzt darstellt und einer wilden Zerschlagung von Tengelmann nicht 15000 Arbeitsplätze im Handel beträgt. Per Saldo vielleicht eine kleine vierstellige Zahl verbleibender Unterschied in 5 Jahren. Aber nicht geschaffene Stellen produzieren keine hässlichen Bilder, ein paar tausend Kündigungen kurz vor Weihnachten schon.

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InesH 31.10.2016, 19:16
6.

Zitat von laufwumf
Sieben Jahre Arbeitsplatzsicherheit für alle Beschäftigten?
Genau lesen :)
Das steht was von BIS zu sieben Jahren.
Wenn nur ein einziger Beschäftigter genau diese 7 Jahre weiterbeschäftigt wird - ist das Versprechen erfüllt.
Die anderen gehen dann halt nach einem, zwei oder drei Jahren. Die meisten werden nach der Anstandsfrist von einem Jahr dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen.

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palef 31.10.2016, 19:23
7. ...das wird dem Gabriel...

...noch auf die Füße fallen...zumal wenn Schröder mit von der Partie war...zwei Jahre gebe ich dem Deal...

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Das Pferd 31.10.2016, 19:39
8.

Zitat von InesH
Genau lesen :) Das steht was von BIS zu sieben Jahren. Wenn nur ein einziger Beschäftigter genau diese 7 Jahre weiterbeschäftigt wird - ist das Versprechen erfüllt. Die anderen gehen dann halt nach einem, zwei oder drei Jahren. Die meisten werden nach der Anstandsfrist von einem Jahr dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen.
Klar. langfristig hängt die Frage, wie viele auskömmliche Jobs es bei Vollsortiment-Supermärkten gibt daran, was die Kunden da an Geld lassen. Und ich behaupte mal, wenn an meinen Kaisers (Berlin) nächstes Jahr ein REWE-Schild hängt, lasse ich ziemlich genau so viel Geld da. Vielleicht ein bisschen weniger, wenn ich mich an neue Marken gewöhnen muß, also die Routine gebrochen wird, stelle ich vielleicht fest, daß manches auch beim Discounter OK ist.
Es wäre also höchst verwunderlich, wenn sich der Jobsaldo in 5 Jahren mit oder ohne diese Einigung stark unterscheiden würde.

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laotao 31.10.2016, 19:45
9. Die Grundsätze und Prinipien der Neuen Sozialen Marktwirtschaft

implizieren ganz unausweichlich jene Formatierung der Beschäftigungsbedingungen, die auf eine erneut Reduzierng der Einkünfte und eine Erhöhung des Leistungssolls hinauslaufen. Immerhin ist das System in seiner Endphase auf den vollkommenen Vermögenstransfer aus der Massenbevölkerung auf die Konten der Investitionskapitaleigner programmiert.
Zynisch geschrieben, heisst dieses System: Die Endlösung der Humankapitalkostenfrage.
Und wer das nicht verstehen kann, der sollte unbedingt nachstende Dokumente studieren, die so etwas wie die Bibelseiten der neuen Geldherrschaftsdiktatur sind:
•Kapur, Ajay, Niall Macleod, Narendra Singh: “Plutonomy: Buying Luxury, Explaining Global Imbalances”, Citigroup, Equity Strategy, Industry Note:, 16. Oktober 2005.
•Kapur, Ajay, Niall Macleod, Narendra Singh: “Revisiting Plutonomy: The Rich Getting Richer”, Citigroup, Equity Strategy, Industry Note:, 5. März 2006.
•Kapur, Ajay et al.: “The Plutonomy Symposium – Rising Tides Lifting Yachts”, Citigroup, Equity Strategy, The Global Investigator, 29. September 2006.
•Kapur, Ajay, Ritesh Samadhiya und Umesha de Silva: “Piketty and Plutonomy: The Revenge of Inequality”, Equity Strategy | Global Emerging Markets, Bank of America Merrill Lynch, 30. Mai 2014.

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