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GDL-Chef Weselsky: Unbeugsam, unkorrumpierbar, unbelehrbar
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Fast alle sind gegen ihn: Arbeitgeber, Politiker, Bahnkunden und sogar andere Gewerkschafter. Doch das ficht Claus Weselsky nicht an. Der Chef der Lokführergewerkschaft scheint an der Phalanx seiner Gegner sogar zu wachsen.

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elikey01 07.11.2014, 19:03
300.

Zitat von Quaddel
Ich habe einige Streiks in Frankreich erlebt. Und die Solidarität, mit der die Streikenden unterstützt wurden. Wenn z.B. die Bauern in Montpellier Streik ankündigen, gehen alle in Deckung. Zu recht! Ohne Gemaule, wie unbequem das doch jetzt für den Einzelnen ist. Streik ist ein legiimes Mittel, um Forderungen durchzusetzen. Wie kann man nur freiwillig fordern, dieses Recht aufzugeben? Es gibt genügend Länder, in denen Menschen dafür hingerichtet oder eingesperrt werden. Ja, es ist für uns alle unbequem. Aber wir reden hier von vier Tagen. Wie klein sollen wir uns denn bitte noch alle machen, damit die Konzerne ihre Profite weiterhin einstreichen, Steuern legal verschieben und Vorstände noch gigantischere Summen einstreichen. Wir sollen die Zeche zahlen und die Klappe halten? Ich danke Herrn Weselsky für seine Standhaftigkeit. Ich muss ihn nicht mögen. Aber ich habe größten Respekt vor seiner Geradlinigkeit.
Und es ist vor allem das EINZIGE Mittel im Kampf um Arbeitnehmerrechte und Arbeitslöhne.

Hätte es diese gewerkschaftl. Kämpfer nicht gegeben, würden Unternehmer in DEU (bzw. im Westen) womöglich auch heute noch Zustände wie in Bangladesh leben wollen.

Nicht von Ungefähr wurden Gewerkschafter vor hundert Jahren im wahrsten Sinne des Wortes "tödlich" bekämpft - warum und von wem wohl für welche Interessen?

Sicher können sich Gewerkschaften niemals mit ihren Gesamtpaket-Forderungen zu Beginn der jeweiligen Tarifverhandlungen in Gänze durchsetzen, sowie auch die minimalen Arbeitgeberangebote meist auf einem bewusst zu niedrigen Level angesetzt werden.

Doch die Gewerkschaftsbosse klüngeln in Hinterzimmern nicht selten mit den Wirtschaftsbossen und so sehen dann auch die Abschlüsse aus, die dann vollmundig von jeder Seite als Erfolg skandiert werden.

Doch doch, Weselsky soll sich treu bleiben; er befindet sich mit dem GG im Einklang (s.a. z.B. Marburger Bund), also im Recht und eine freiheitliche Demokratie muss das aushalten, so sehr nicht wenige Menschen erhebliche Unannehmlichkeiten (nicht tedoch lebensbedrohlich!) in Kauf nehmen müssen.
Es gab im Übrigen hierzulande schon sehr viel längere Streiks; insg. wird in DEU weder unverhältnismäßig viel noch mit utopischen Forderungen gestreikt.

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jrcom 08.11.2014, 17:28
301. Kein Personenproblem

Hier geht es nicht um eine Person, sondern um ein systemisches Problem: Wir haben konkurrierende Gewerkschaften und einen Betrieb, der eigentlich nicht unbedingt privatisiert gehört, da er für die Öffentlichkeit zu wichtig ist. Wenn man ihn aber privatisiert, muss man auch Streiks zulassen. Verschiedene Gewerkschaften sind legitim, weil jeder Arbeitnehmer sich organisieren darf, wie er Lust hat und wie es ihm am vorteilhaftesten erscheint. Man kann nicht generell nur der größten Gewerkschaft Streikrecht zuerkennen, weil sich sonst das System der konkurrierenden Gewerkschaften erledigt hat: die kleinere wäre entmachtet. Deshalb kann man der GDL nicht das Streikrecht für die Zugbegleiter wegnehmen, obwohl "nur" 30% von ihnen bei der GDL organisiert sind. Man hätte dann - wenn auch nur berufsgruppenspezifisch - Einheitsgewerkschaften wie in der DDR. Will man das? Dagegen spricht einiges, jedenfalls die gegenwärtige Gesetzeslage. Soweit einiges von dem, was durch das Blätterrauschen an konkreten Informationen (!, rar gesäht heutzutage) bei mir angekommen ist.

Jedenfalls hat das alles nichts mit der Starrhalsigkeit von Herrn Weselsky zu tun, sondern mit einem systematischen Problem. Was soll er denn machen? Den 30% bei ihm organisierten Zugbegleitern ihr Mitgliedsheft mit einem warmen Abschiedswort in die Hand drücken?

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Achmuth_I 09.11.2014, 09:18
302. Macht er doch gar nicht...

Zitat von crazy_swayze
Im Recht ja. Aber ist es auch richtig? Wenn eine überwiegende Mehrheit der Zugbegleiter überhaupt nicht in der GDL organisiert sind, warum soll dann Herr Weselsky für sie mitverhandeln?...
...er verhandelt nur für diejenigen, welche in der GDL organisiert sind.

Nichtgewerkschaftsmitglieder können sich auch nicht einfach an den Streik anhängen - es sei denn sie terten als Tarifpartei für sich selbst auf und verhandeln auch einen eigenen Tarif.

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hubert59 11.11.2014, 22:28
303. Alle auf Weselsky

Leider gibt es in Deutschland nur noch wenige Funktionäre mit Rückrat. Weselsky ist einer. Wenn ich sehe wie die Presse sich auf ihn einschießt wird mir schlecht. Man könnte meinen die Presse würde sich um jeden sorgen der zu spät zur Arbeit kommt. Fakt ist das sich die Presse vor den Karren der Wirtschaftsbosse spannen lässt. Das ist nicht nur sehr ungerecht gegenüber den Bahnern die nur ihr Streikrecht wahrnehmen, sondern auch gefährlich für die Demokratie. Wenn ich lese wie sich die Wirtschaftsbosse aufregen was das alles kostet, wird mir noch übler. Wenn sie sich ihre Millionen Gehälter zuschustern sind sie nicht so sensibel. Fakt ist das der deutsche Arbeiter immer mehr über den Tisch gezogen wird. Ich wäre froh wenn es mehr Wiselskys geben würde. Vor allen bei den Zeitungsverlagen. Dann würden sie ihre Zeitungsausträger die 6 Nächte die Woche bei Wind und Wetter die Zeitungen austragen, wenigsten den Mindestlohn ab 1.01. 2015 bezahlen. Aber darüber liest man gar nichts in den Zeitungen. Wenn es keine Weselskys mehr gibt, können sich die Bosse die Taschen noch voller machen auf Kosten der Arbeitnehmer.

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Luna-lucia 11.11.2014, 22:33
304. durch diese miese Handlungsweise

dieses DLG Chefs, gehen der bahn 100derte Millionen an Euros verloren! Dieses Geld sollte besser in renovierungsbedürftigen Brücken, Schienen, und anderem Eisenbahnzubehör, verwendet werden. Passiert dann was, dann sollte die Bahn dies aber auch auf das fehlende Geld, wegen der Streiks, teilweise zurückführen dürfen!

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smokiebrandy 12.11.2014, 00:13
305. Wer als Arbeitnehmer...

...abhängig beschäftigt ist sollte stolz sein auf das Rückgrat dieser Gewerkschaft, die sich nicht durch kostenlose Puffbesuche korrumpieren lässt...
Es gibt überhaupt keine Frage darüber ob die Forderung der GDL berechtigt ist oder nicht...es ist ihr grundgesetzmäßig verbrieftes Recht!
Natürlich tut das auch Leuten weh...muss es auch.
Natürlich sind Kunden betroffen...und Vorstandsgehälter und Boni sind in Gefahr...gut so!
Hier wird aber eine Grundsatzentscheidung für alle Gewerkschaften ausgefochten...wer soll das tun wenn nicht die GDL ?
Die Gewerkschaftsbosse bei VW oder im öffentlichen Dienst?
Die Anfeindungen gegen den demokratisch gewählten Chef dieser Gewerkschaft sind vor allem eine Reaktion der betroffenen Führungsriegen in Politik und Wirtschaft.
Mit einer solidarischen Reaktion in den Medien wäre das Verständnis der betroffenen Fahrgäste eine ganz andere...

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martin.rohn01 01.05.2015, 09:27
306. Bahnstreik

Wann verstehen die Lockführer endlich, dass man diesen Menschen nur noch in die Wüste schicken kann. Ihm geht es einzig und allein um seinen Machterhalt, nichts weiter. Hoffentlich beeilt sich die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf. Dann ist dieser Querulant und Geiselnehmer abgemeldet.

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brasilpe 05.05.2015, 11:20
307. Das ist richtig, was Sie sagen.

Zitat von Vex
Eigentlich hat er doch genau das Rückgrat das wir mal gerne bei unseren Politikern sehen würden die alle einknicken und immer den aller schelchtesten Deal für den Steuerzahler aushandeln. Ich kann den Streik völlig vestehn nach dem was ich gelesen habe verdienen Lokführer im Verhältniss zu anderen Facharbeitern relativ wenig. Überhaupt müssten vielleicht auch andere Branchen den Umweg der Streiks gehen um die Managergehälter und Aktiengewinne wieder zu drosseln ....
Aber darum geht es bei dem Streik ja gar nicht.

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crissi.deamonia 07.05.2015, 09:55
308.

Zitat von stauner
Mir geht das Gestänkere von euch langsam auf die Nerven. Die Lockführer haben meine volle Unterstützung. Warum? Bis in die 80er waren Lockführer Beamte und bekamen guten Lohn. Dann kamen die Spezis in Bonn auf die Idee, die Bahn müsse privatisiert werden. Auch Nahles war damals dafür! Sie nahmen den Bahnern den Beamtenstatus und seither haben die genausowenig Lohnsteigerungen bekommen, wie der Rest von uns. Ein Lockführer mit 20 Jahren Berufserfahrung und zwei Kindern bekommt etwa 1700 Euro Brutto. Ich finde es völlig richtig, dass sie Streiken. Wer jetzt über "Verhältnismäßigkeiten" motzt, ist schlichtweg zu jung sich an die grossen Streiks in den 70er und 80er von den Metallern zu erinnern. Seither haben die Gewerkschaften jeden Mist geschluckt und mitgemacht. Entweder durfte der Aufschwung nicht gefährdet werden oder wegen der Krise abwechselnd mussten wir alle auf jede Reallohnsteigerung in den letzten 20 Jahren verzichten. Die Privatisierer bekommen jetzt, was sie selber angerichtet haben. Es ist unglaublich, dass jetzt ein Grundrecht eingeschränkt werden soll, weil eine Gewerkschaft sich erfolgreich wehrt. Wir sollten nicht über die Bahner schimpfen, sondern sie zu einem Vorbild für uns machen, ich denke viele die über Streiks schimpfen, tun das nur aus Neid vor einem erfolgreichen Arbeitskampf, den sie selber nie erleben durften.
Die Streiks der Metaller haben nicht ein ganzes Land quasi in Geiselhaft genommen, und dazu hauptsächlich der Industrie, nicht aber dem Privatmenschen geschadet!

Ich kenne Menschen in der Probezeit, die ihren Job wegen dem Streik verloren haben!

Das was Weselski veranstaltet ist Erpressung und keine Tarifverhandlung mehr "Entweder ihr macht genau was ich will, oder wir streiken weiter"

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