Forum: Wirtschaft
Gefälschte Umfragen: Das Märchen von den schwarzen Schafen
Max Heber/DER SPIEGEL

In der Marktforschungsbranche werden Umfragen manipuliert - seit Jahren. Das ist für unsere Gesellschaft brandgefährlich.

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ancoats 02.02.2018, 13:38
20.

Pfuscherei in der Marktforschung ist nicht die Ausnahme, sondern endemisch, und dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zwei davon kommen hier in der bisherigen Debatte ein bisschen zu kurz. Es wurde zwar schon ein paar Mal gesagt, aber ich sag es dennoch auch noch einmal: Es gibt eine (mindestens implizite) Komplizenschaft zwischen Auftraggebern und Marktforschern, nämlich dergestalt, dass erstere nicht bereit sind, diese Dienstleistung auch nur annähernd adäquat zu bezahlen und letzere sich kollektiv darauf einlassen, deswegen gegen fundamentale professionelle Standards ihres ureigensten Kompetenzbereichs zu verstoßen. So müssten z.B. methodisch sauber und seriös durchgeführte, repräsentative Telefonumfragen mit einer Fallzahl von ab n = 1.000 real einen hohen 5-stelligen, wenn nicht sogar 6-stelligen Betrag kosten - sind aber auf dem Markt durchgehend für weitaus weniger zu haben. Das geht nur mit "Fummeln", und das weiß jeder. Eher noch trübseliger (und das kam hier noch kaum zur Sprache) sieht es im Bereich der sog. qualitativen Marktforschung (Fokusgruppen o.ä.) aus. Die Rekrutierung von Teilnehmer/innen für solche Studien ist extrem schwierig und aufwändig - wenn denn methodisch ordnungsgemäß durchgeführt -, die Moderation solcher Fokusgruppen sehr anspruchsvoll und eine entsprechende spezielle Ausbildung erfordernd. Tatsächlich aber tummeln sich hier aber auf dem Markt Myriaden selbsternannter "Experten" mit "tiefenpsychologischem" oder sonst einem irgendwie fancy klingenden Ansatz, die gerne nur für ein schlappe 100er Euronen pro Gruppe irgendein Geschwafel mit irgendwelchen "Probanden" unklarer Provenienz abliefern.
Und das führt zu meinem zweiten Punkt. Vielleicht wissen es sehr viele Beteiligten auch einfach nicht besser - weil sie nämlich allesamt nicht wirklich auch nur einen blassen Dunst von Methodik, Statistik und Datenanalyse haben. Die Ausbildung in diesem Bereich ist nämlich - vorsichtig formuliert - oftmals suboptimal, und selbst in einschlägigen Studiengängen obendrein nicht mal überall obligatorisch. In Bachelorzeiten schon mal gar nicht.

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pelegrino 02.02.2018, 13:39
21. Wer sollte fuer so etwas wohl bezahlen?

Na der der die Ergebnis haben moechte. Genau in der Form exakt "die" Ergebnisse. Wer eine Umfrage in Auftrag gibt hat im allgemeinen recht konkrete Vorstellungen wie das Ergebnis aussehen soll. Man stelle sich vor, der Branchenverband einer immerhin rund 10 Prozent der damals arbeitenden Bevoelkerung beschaeftigenden Branche haette bei einem fuehrenden Marktforschungsinstitut eine Studie in Auftrag gegeben deren Ergebnis der Branche der Textilhersteller binnen 5 Jahren vorhersagt - es sei denn man sei zu einschneidenden Veraenderungen bei Produktion wie Produktpalette bereit. Eine solche Umfrage gab es in den siebzigern des vergangenen Jahrhunderts - ganz ohne fakende EDV - basiert auf klassischen qualitativen Umfragen. Die Branche "gab" es (und natuerlich gibt sie heute noch allerdings zur Marginalitaet eingedampft) das Marktforschungsinstitut gibt's immer noch (es ist nach wie vor fuehrend).
Ich selbst habe in den vergangenen Jahren (fuer ein Institut einer deutschen Universitaet) eine nicht kommerzielle Studie in zwei Entwicklungslaendern angefertigt - und dafuer heftigste Kritik von Seiten der Auftraggeber erhalten - wobei ganz klar auf die erhaltenen Ergebnisse veriwesen wurde. Diese seien zu detailiert und zudem neagtiv was den Blick auf die Realitaet in den untersuchten Regionen und die Chancern der Entwicklungspolitik angehe. Man wollte den Text auf quasi 50 Prozent eindampfen (was die Auswertung der Interviews anging war man besonders an Streichungen interessiert). Schwer wog aber auch, dass die Niederschrift der in der Studie enthaltenen Aussagen nicht dem derzeitigen Sprachmodus entsprachen.

Interessanterweise sind die zustaendigen Regierungen durchaus an deren Inhalten interessiert weshalb diese derzeit in den Landessprachen in deren Administration verteilt wird (bezahlt). Im Ergebnis bedeutet das, dass auch im akademischen Bereich an einer angepassten "zeitgemaessen" Sprache deutlich mehr Interesse besteht als an den der Realitaet wenigstens nahekommenden Inhalten.

Zum guten Schluss: haette man Frau Clinton oder Frau Merkel oder gar Herrn Gabriel erjklaert, dass und weshalb ihre Wahlergebnisse ein Desaster wuerde so haette man...? Richtig! Man haette einen anderen Projektleiter fuer die Studien gesucht, denn auch in Demokratien wird immer am liebsten der Bote gemeuchelt. Also ihr JUngs von Allensbach, GfK und wie ihr alle heisst: weiterluegen. Denn wie heisst es so schoen: die Menschheit will betrogen sein...

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Fußballfan123 02.02.2018, 13:45
22. Qualitätsfragen stellen sich überall

1. (Sehr) Wenig zahlen, viel bekommen ist ein Widerspruch in sich. Da sollte man sich als Auftraggeber auch hinterfragen (wie auch jeder Konsument bei seinen Kaufentscheidungen). 2. Nicht alles und jeder ist zu befragen. Auch hier sollte man als Auftraggeber vorher nachdenken - und als Institut auch einmal ablehnen. 3. Beim Fragebogen gilt "weniger ist mehr". Sprich: Kurzer Fragebogen, konkrete Fragen, einfache ("leichte") Sprache und knackige Skalen, der Unterschied zwischen 6 und 7 in der Antwort bei einer 10-er Skala ist i.d.R. Zufall. So etwas wie die NPS-Frage ist einfach nur Unsinn ("mit welcher Wahrscheinlichkeit würden Sie ... empfehlen, Skala von 0-10). Und zu all' der Kritik am Datensammeln: Im Gegensatz zu Amazon, Facebook, Google & Co. interessiert keine Einzelperson, in der Marktforschung wird der Datenschutz noch beachtet. Und Marktforschung ist keine Werbung, gute Marktforschung hilft auch den Verbrauchern!
Übrigens: Fehlende Sorgfalt und mögliche bewusste Fälschungen gibt es auch bei Journalisten.
Verfasser: Marktforscher – mit langer Erfahrung, betrieblich und großes Marktforschungsinstitut

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Tavlaret 02.02.2018, 13:56
23. Wahlumfragen schlchter als früher

Wahlumfragen gibt es inzwischen täglich und die Ergebnisse werden immer schlechter. Ein korrekte Zufallsauswahl ist großartig. Das war früher deutschlandweit möglich, da es in jedem Haushalt ein Telefon gab und befragte man noch den Erwachsenen, der zuletzt Geburtstag hatte (nicht den, der als erster ans Telefon geht), kam man auf Zehntel an Wahlergebnisse heran. Heute ist das ungleich schwieriger, da das Festnetz out ist und man keine Telefonlisten der Mobilfunknummern hat, von geographischer Verteilung ganz zu schweigen. so müssen Institute gewichten, Quotenstichproben nehmen etc. - das ist alles weniger genau.
Trotzdem, wenn Interviews korrekt durchgeführt werden bekommt man Ergebnisse, die Aussagekraft haben. Leider ist finanziell nicht viel zu holen, deshalb sind Probanden kaum bezahlbar.
Die Löhne sind natürlich auch schlecht, meist sind Schüler und Studenten die Interviewer - und da die, die nichts Besseres finden. Häufig sitzt der Interviewer auch in Thailand, Indien oder Marokko, da kann man in Deutschland schwer konkurrieren.

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ohminus 02.02.2018, 14:16
24.

Zitat von michelinmännchen
sind in der Regel nicht die Institute, die mehrheitlich sehr seriöse Arbeit leisten. Es gibt Beispiele zu hauf, in denen die Ergebnisberichte manipuliert werden. Hier kommt der Druck häufig von den Auftraggebern, da sich die Verantwortlichen in den Unternehmen für schlechtere Ergebnisse des eigenen Handelns rechtfertigen müssen und so die Institute anweisen, bestimmte Datensätze zu entfernen.
Es ist schon reichlich dreist, den Autor des Artikels als Lügner hinzustellen und auch die anderen Artikel in der Serie schlicht zu ignorieren, weil sie nicht in die eigene Ideologie passen.

Es geht bei Marktforschungsstudien überwiegend nicht darum, die Ergebnisse des Handelns zu rechtfertigen, sondern das Handeln vorab zu planen. Ein Unternehmen, das seinen Markt nicht kennt, wird kaum erfolgreich sein. Deswegen zeigen die Artikel ja mehrere Beispiele, dass Auftraggeber aus allen Wolken fallen bzw. über Ungereimtheiten, die Manipulationen nahelegen, keineswegs begeistert sind ("Der Kunde kocht!").
Dass man als Endverbraucher im wesentlichen Marktforschungsstudien sieht, die zu Werbezwecken gemacht wurden, ist trivial. Diejenigen, die zu Planungszwecken gemacht werden, kommen ja nicht an die Öffentlichkeit. Wenn man sich schon einen Vorteil vor der Konkurrenz verschafft hat, indem man sich Wissen über den Markt angeeignet hat, wird man den Teufel tun und das an die große Glocke hängen, damit jeder Mitbewerber auf den Zug aufspringt.

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dieter-ploetze 02.02.2018, 14:23
25. @ 18 muellerthomas gewichtung und manipulation

Zitat von muellerthomas
Aber genau das ist doch tatsächlich die eigentliche Arbeit der Institute. Wir wissen doch, dass die Rohdaten meist wenig mit der Realität zu tun haben. Schauen Sie sich bei Wahlumfragen mal die Rohdaten und die gewichteten Daten und dann die tatsächlichen Ergebnisse an. Ein gutes Institut zeichnet sich dadurch aus, die Gewichtung regelmäßig gut anzupassen.
Sie schreiben, das sei die eigentliche arbeit der instutute. stimmt.
das heisst aber, genau genommen, manipulation ist die eigentliche arbeit der institute. denn anders kann man gewichtung kaum nennen.
es betrifft ja nicht nur wahlumfragen, diese sind doch die minderheit der umfragen. der ehrlichkeit halber sollten die gewichtungskriterien
offengelegt werden. am besten noch beispielhaft eine gegenueberstellung der roh- und der gewichteten daten. statt dessen
erwecken die institute den eindruck wissenschaftlicher arbeit und
das nun ist es gewiss nicht.

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dingstabumsta 02.02.2018, 14:26
26. Umfragen sind.....

....nichts anderes als ein Druckmittel aufzubauen, der keiner ist! Mir war es schon länger klar, dass solche Umfragen seriös sind, dass stellt sich alleine schon deswegen dar, wie die Fragen gestellt sind, die kein wenn und aber vorsahen! Es ist erschreckend mit anzusehen, wie leicht sich Politik und Gesellschaft manipulieren durch solche Umfragen lassen. Vielleicht sind solche manipulierte Umfragen an einer jahrezehnten langen verfehlten sozial Politik schuld? Unter dem Motto wir werden etwas ohne Kommentar in den Raum, und warten ab was zurück kommt, gewürzt mit eben solchen Umfragen wo man nur im Grunde mit dem Kopf schütteln kann, konnte nur so etwas wie Hartz 4 entstehen, könnte nur ein Mindestdumpinglohn von 8,87 Euro entstehen und vor allem eine FlexiRente die letztendlich nur ein Strohhalm sein wird, dass viele Rentner nicht verhungern müssen. Unsere Politiker zeichnen sich durch Inkompetents aus, die mittlerweile nur noch durch exsessiven Lobbyismus funktioniert, die eben nicht das Wohl des Volkes im Auge haben, sondern nur die einer kleinen elitären Gesellschaft...denn die sind es die solche Umfragen finanzieren! Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem in Sachen gesellschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit und ein großes Problem der gerechten Vermögensumverteilung, welches da ist, aber schon beim Thema Rente scheitert. Ich vertraue weiterhin nur noch meinem Bauchgefühl, denn Umfragen sind wie Statistiken.... Unglaubwürdig!

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wamserjens 02.02.2018, 14:55
27. Wer hätte das gedacht

Ach was....!? Meinungsumfragen bilden nicht die Realität ab? Ein hochkomplexer Vorgang wie die Willensbildung von Menschen lässt sich nicht mit ein paar simplen Fragebögen vorhersagen? Verrückt. Was kommt als nächstes? Wahlversprechen sind nicht mehr verlässlich? Beängstigend....

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widaman 02.02.2018, 15:18
28. Man kann es nicht mehr hören

(Meinungs-)Umfragen, Studien, angebliche Forschungsergebnisse, Statistiken, man kann es nicht mehr hören.

Bei Studien kommt in der Regel nur das raus, was der Auftraggeber beauftragt hat, unpassende Ergebnisse werden frisiert oder gestrichen, hinreichend bekannt und allgemeiner Usus.
Bei angeblichen Forschungsarbeiten, Doktor-Arbeiten usw. ist ja hinlänglich bekannt, dass eine nicht unerhebliche Dunkelziffer Fake-Forschung verbreitet. Angebliche Ergebnisse werden schön gedeutet und die Community nickt noch dazu. Die Kunst dabei ist, sich nicht erwischen zu lassen - wie Karl Theodor v. Guttenberg
Bei Statistiken ist hinlänglich bekannt, dass bei Shit- In immer Shit-Out herauskommt, passend dazu der Kommentar von Churchill. Die Mathematik kann nichts dafür. Der Mensch dahinter betrügt. Darum immer alte lateinische Grundsatz "cui bono" -- wem nütztes.
Und Umfrageergebnisse sind doch nur was für Gutgläubige oder Dumme, die hinters Licht geführt werden wollen. Bei Wahlumfragen kann man ja wegen der absoluten Überprüfbarkeit höchstens im Vorfeld schummeln und manipulieren. Dagegen sind wegen mangelnder Messkriterien das Gros der anderen Umfragen einfach nur Fake-News, die ganz bestimmte (gesellschafts-)politische oder auch banale finanzielle Aspekte verfolgen.

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fdb 02.02.2018, 18:08
29. Waaaas?

"Das ist risikoreich, denn es bedroht die Demokratie." Können Sie bitte noch ein wenig dicker auftragen...

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