Forum: Wirtschaft
Gefälschte Umfragen: Die Macht der Marktforscher
Max Heber/DER SPIEGEL

Einige deutsche Marktforschungsinstitute manipulieren nach SPIEGEL-Informationen im großen Stil ihre Umfragen. Doch wie wichtig ist die Branche überhaupt? Und wie beeinflusst sie unsere Entscheidungen?

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ntfl 01.02.2018, 06:45
1. Überraschend?

Doch nicht wirklich! Und auch bei politischen Umfragen wird es nicht viel anders sein, weil entsprechend "angepasste" Zahlen natürlich die Meinungsbildung von Unentschlossenen sehr beeinflussen!

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astrolenni 01.02.2018, 06:59
2. Preis des Interviews

Wenn 18,6 Mio Interviews pro (Werk-)Tag durchgeführt werden, sind das schon 4,6 Mrd pro Jahr. Bei einem Branchenumsatz von 2,6 Mrd ? bleiben etwa 50 Cent pro Interview. Wie sollen da die 4-8? aus dem Hauptartikel gezahlt werden?
Schon das muss einen stutzig machen...

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mr_mitty 01.02.2018, 07:04
3. Hab ich selbst als „Proband“ erlebt

Nicht als Krebsparient, aber für Lebensmittel. Ich sollte Joghurt testen. Ehrliche Antworten durfte ich nicht geben. „Das schmeckt mir nicht.“ - „Dann sagen Sie wenigstens, dass es außergewöhnlich schmeckt“. Ich bekam Antwortmöglichkeiten vorgegeben, die einfach nicht passten. Oder sie versuchten mich dazu zu überreden, in mein Protokoll erwas Gegenteiliges einzutragen. Irgendwann bin ich aufgestanden und einfach gegangen, es war zu dämlich. Seitdem trau ich keiner Umfrage mehr. Tester bin ich geworden, indem ich mich auf der Flaniermeile einer großen deutschen Stadt aus Neugier hab überreden lassen, einfach mal als Tester eines Joghurts einer renommierten Firma an einer Marktforschungsumfrage teilzunehmen. Die Belohnung sollten eine kleine Aufwandsentschädigung und ein paar Gratisprodukte sein. Nie wieder lasse ich mich auf so etwas ein und den Joghurt esse ich auch nicht mehr.

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chronoc 01.02.2018, 07:23
4. Nein, wirklich??

Als Teilnehmer dieser seltsamen, längst bröckelnden Mischung aus Kapitalismus und Sozialwesen bin ich höchst amüsiert, wenn die Medien wieder einmal feststellt, das Unternehmen nicht sauber arbeiten. Es ist der Standard für ein gewinnorientiertes Unternehmen, zu hintergehen, zu vertuschen und zu verstecken. Wir sind umgeben von all dem Betrug. Man kann wahllos in eine Datenbank aller Unternehmen greifen und wir immer fündig werden. Im Kleinen wie im Großen. Wie wäre es denn, wenn wir aufhören, uns temporär aufzuregen und anfangen, hart durchzugreifen? Oder ist es etwa gewollt, dass wir uns mürbe gemacht, nur müde aufregen, damit es erst keine großen Kreise zieht? Dann gehen das Leben und der Betrug munter weiter.

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Papazaca 01.02.2018, 08:01
5. Gute Recherche. Kann alles bestätigen!

Habe während meines Studiums viel in der MaFo (Marktforschung gearbeitet. Schon damals zeichnete sich das alles ab. Zu schlechte Bezahlung, schwierige Quoten (der berühmte einarmige Marlbororaucher), bestimmte Ergebnisse, die Kunde der brauchte etc. Ich will jetzt nicht alles aufzählen, SPON hat ja sehr gut recherchiert.

Trotzdem hätte ich den Unterschied zwischen quantitativer MaFo (....Erbsen zählen....) und qualitativer MaFo (Interviews, Gruppendiskussionen, Car-Clinics, Workshops) besser heraus gestellt.
Ja, auf dieser Grundlage läuft auch viel in unserer Politik. Jetzt können wir auch besser verstehen, warum Merkel, die sich oft der MaFo bedient, ab und zu einen Fehler macht: Da haben sich dann wieder mal ein paar Leute verzählt (oder sogar Ergebnisse erfunden?)

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Kommentator123456 01.02.2018, 13:09
6. Bei den Wahlumfragen ...

habe ich mich auch schon lange gefragt, wie es sein kann dass von einer ganzen Reihe von Instituten im Wochentakt mehrere Tausend Personen befragt werden, aber ich niemanden kenne, der jemals befragt wurde.
Das geht nur, wenn entweder immer die gleichen Personen befragt würden, was die statistische Validität in Frage stellen würde, oder, was wohl wahrscheinlicher erscheint, dass die Umfragen gar nicht durchgeführt werden - ob das die Institute nun wissen oder nicht.

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hefe21 01.02.2018, 13:10
7. Umfragetief

Letztlich wird das keine Aufregung verursachen, da diese Branche ohnehin weitesgehend selbstreferenziell arbeitet. Ein Aspekt der ganzen Markterfassungsindustrie wurde ohnehin nicht angesprochen: das Problem der Spiegelungen in den Spiegelungen der Spiegelungen.... Will heissen, eine Tendenz einer Umfrage beeinflusst alleine durch ihre Veröffentlichung die nächste usw.. Gut zu beobachten am Politbarometer.
Das setzt sich dann so in den Köpfen fest, dass z. B. beim Auto des Jahres gerne Modelle genannt werden, die noch kaum oder gar nicht auf dem Markt sind. Da das alles aber eh kein Mensch mehr ernst nimmt, bleibt nur die Tatsache, dass das trotzdem von allen Konsumenten finanziert wird/werden muss. Ist halt, wie auch die Analystenbranche, inzwischen ein nicht unbeträchtlicher Wirtschaftsfaktor, denn man nicht so leicht los wird.

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tobaka 01.02.2018, 13:28
8.

Zitat von astrolenni
Wenn 18,6 Mio Interviews pro (Werk-)Tag durchgeführt werden, sind das schon 4,6 Mrd pro Jahr. Bei einem Branchenumsatz von 2,6 Mrd ? bleiben etwa 50 Cent pro Interview. Wie sollen da die 4-8? aus dem Hauptartikel gezahlt werden? Schon das muss einen stutzig machen...
Die 18,6 Mio Interviews beziehen sich aufs ganze Jahr! Wie im Artikel zitiert, sind das ca. 50.000 Interviews / Tag

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Ein_denkender_Querulant 01.02.2018, 13:30
9. Wissenschaft versus Werbung

Wer sich fundiert informieren will, liest wissenschaftliche Studien, die es über online Bibliotheken mit etwas Recherche Aufwand zu allen relevanten Themen gibt. Die Betonung liegt auf "relevant". "Marktforschung" gibt es grob in drei Kategorien.

- Von Firmen selber für den eigenen Gebrauch erstellt und nicht veröffentlich taugen sehr viele und haben annähernd wissenschaftlichen Charakter.

- Von öffentlicher Hand oder unabhängigen Vereinigungen finanziert und mit transparenter Methode mag es hier und da ganz passable Ergebnisse geben, z.B. zum Wahlverhalten der Bevölkerung

- Und zum Schluss die Gruppe der "Untersuchungen", die nichts weiter als die Legitimation für minderwertige Produkte sein soll.

Wenn man schon liest "42% der Testkandidaten waren mit der Hautverbesserung zufrieden", dann sollte man nur herzhaft lachen und die "Studie" beiseite legen. Es sind Werbeblätter wie die Apothekenumschau, es sind Kosmetikumfragen etc. die nur so vor hanebüchenem Blödsinn strotzen.

Leider wird in der Medizin und Pharmakologie an vielen Stellen unsauber gearbeitet. Da hört der Spaß auf und an dem Punkt müssten Verantwortliche erheblich umfassender zur Verantwortung gezogen werden. Wenn ich den Aufwand sehen, mit dem Tests in der Automobilbranche durchgeführt werden, kann ich über Untersuchungen im Gesundheitsbereich aufgrund massiver methodischer Fehler in der Regel nur müde lächeln. Und ja, auch Abgasuntersuchungen sind sämtlich transparent und hochwertig durchgeführt worden, nur sind die Gesetze schwammig und gegen kriminellen Betrug hilft keine noch so gute Methode

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