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Geflügelfleisch: Antibiotikaresistente Keime auf jedem zweiten Discounter-Hähnchen
DPA

Die Zahl antibiotikaresistenter Keime wächst, auch bei Lebensmitteln. Ein Test von Germanwatch zeigt: Auf jeder zweiten Probe von Hähnchenfleisch aus dem Discounter sind resistente Erreger zu finden.

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Simmentaler 16.04.2019, 18:08
100.

Zitat von permissiveactionlink
Homo sapiens ist omnivor. Das bedeutet aber nicht, dass er schon immer von riesigen Fleischportionen gelebt hat, wie wir heute. Ursprünglich fing er wohl zunächst damit an, sich an dem zu bedienen was andere Raubtiere übrigließen. Selbst Schimpansen fressen nur gelegentlich Fleisch. Unsere Evolution machte nicht deshalb einen Sprung nach vorne, weil plötzlich Fleisch unser Gemüse wurde, sondern weil wir das Kochen lernten ! Im übrigen gilt das mit der Omnivorie auch nicht ausnahmslos : In vielen armen Gegenden der Welt ernähren sich die Menschen problemlos von Getreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Und werden dabei alt. Mexikaner ernähren sich von Tortillas und Bohnen, Äthiopier von Fladenbrot und Linsen. Die durchschnittlich ältesten Vegetarier leben u.a. auf Okinawa und Sardinien. Fleisch ist wie elektrischer Strom eine besonders teure, veredelte und schwierig zu produzierende Energieform, die, obwohl immer mehr Begehrlichkeiten weckend, und immer mehr Schäden und Ungerechtigkeiten verursachend, eigentlich gar nicht benötigt wird. (Der Veredelunggrad von Hühnerfleisch ist noch verhältnismäßig günstig gegenüber Schwein und besonders Rind) Die Behauptung, Fleisch sei für uns ein Stück Lebenskraft, ist eine Erfindung der Fleischindustrie und Werbung, die erst nach dem 2 Weltkrieg rasant gewachsen sind. Der Raubbau an der Natur (für den Anbau von Futtermitteln), Pestizideinsatz, Wasserverbrauch, ethische Aspekte bei der Tierhaltung und -qual, medizinische Probleme der Konsumenten, Antibiotikaresistenzen, Gülleproblematik, usw., usw. Und all das, obwohl wir eigentlich gar keine Tiere töten und essen müssten, um uns gesund zu ernähren !
....übrigens wird auch beim Gemüseanbau gedüngt. Sie finden dort zuverlässig sehr hohe Nitratwerte, ganz ohne Gülle und Massentierhaltung. Spricht nur keiner darüber, weil keiner sein Feindbild bedienen kann.

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remedias.cortes 16.04.2019, 19:08
101.

Zitat von M. Michaelis
Massenersorgung braucht Massentierhaltung. Deutschland hat 80 Mio Einwohner.
Massenkonsum braucht Massentierhaltung. Bei zwei Veggie- Tagen in der Woche könnte man die 80 Mio Einwphner mit Bio ernähren.

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permissiveactionlink 16.04.2019, 19:15
102. #98,100 Simmentaler

Wir drehen uns etwas im Kreis und reden aneinander vorbei. Also : Wir stimmen darin überein, dass Resistenzen dort vermehrt auftreten sollten, wo Antbiotika exzessiv verwendet werden. Sie stellen dazu fest : Das ist bevorzugt in der Medizin und in Kliniken der Fall, wo resistente Erreger gute Proliferationsmöglichkeiten besitzen. Und weniger in der Massentierhaltung, wo diese Antibiotika nicht mehr so häufig zum Einsatz kommen (sollten). So weit so gut. Das passt aber nicht zu den Ergebnissen : Diese besagen ja eindeutig, dass in der Massentierhaltung von Geflügel ein deutlich höherer Anteil an Tieren kontaminiert ist im Vergleich zu Kleinerzeugern und Biohöfen. Genau das ist aber paradox : Denn in allen Betrieben arbeiten Menschen, und die betrachten Sie doch als Kontaminationsquelle von resistenten Keimen, die ursprünglich Kliniken entstammen, oder wenigstens Patienten, die mit Antibiotika therapiert werden. Bei nahezu allen Antibiotika, und Bakterien die problemlos auf Standartmedien kultivierbar sind, gibt es standartisierte Hemmhoftests, mit denen Resistenzen gegen nahezu jedes Antibiotikum in kürzester Zeit (36 h) nachweisbar sind. Dass dabei steril gearbeitet werden nuss, um Fremdkontaminationen auszuschließen, versteht sich bei der Arbeit an einer Impfbank von selbst. Zu den Feindbildern : Ich kann nicht behaupten, ich hätte gar keine, aber Carnivoren und Veterinäre gehören nicht zu den Zielgruppen. Allerdings sollte ihnen schon klar sein, dass bei den momentan extrem hohen Zahlen an Tieren in der Massentierhaltung das gallopierende Problem des "Ausscheidungsrecyclings" durch das Düngen von Mangold oder Möhrchen nicht lösbar ist, und Leguminosen wie Linsen zudem gar keinen Stickstoffdünger benötigen. ;-)

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PeterCollignon 16.04.2019, 20:39
103. Nur Idioten essen Fleisch roh.

Für die Verbraucher ist das also kein Problem, da bei über 40 Grad Bakterien sterben.
Ein Tatar vom Metzger ist ein Genuss.
Auch am Plage de L'Esquinade kann man Tartar problemlos genießen.

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avakin 16.04.2019, 21:06
104. Hallo:::...

Bin Vegetarier seit 40 Tagen. Überlege nach der Fastenzeit auch das zu bleiben.

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Bernd.Brincken 16.04.2019, 21:24
105. Immunsystem

Zitat von Katzazi
[Resistent sind diese Keime nur gegen Antibiotika - aber nicht gegen das menschliche Immunsystem] Ah ja und alle Menschen deren Immunsystem angeschlagen ist sind egal? Da ist es ok, wenn es nochmal schwieriger wird, diese zu behandeln?
Nein, das ist nicht okay - diese Schlußfolgerung ist nicht meine sondern Ihre Idee.
Wenn es nach mir geht, sollten Antibiotika in der Tierzucht komplett verboten sein. Es findet dann eine Selektion bei den _Tieren_ statt, wer das stärkere Immunsystem hat.
Darauf stiegen die Fleischpreise etwas - aber das wäre IMO nicht nur hinnehmbar, sondern wünschenswert.

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Simmentaler 16.04.2019, 23:56
106. @permissiveactionlink

Bei den Resistenztests gibt es selbst innerhalb des von Ihnen beschriebenen Agargel-Diffusionsverfahrens im Grenzbereich deutliche Unterschiede zwischen Laboren und sogar zwischen einzelnen Untersuchern. Wenn Keim x bei einem Hemmhof von 10mm von Untersucher A als resistent beschrieben wird, heißt das keineswegs, dass Untersucher B das auch tun würde, wenn diese 10mm der Grenzbereich sind - ist ohnehin Definitionssache. Bei der präzisieren Bestimmung mit Mikrotiterplatten erhält man genauere Angaben über die Sensitivität - aber es handelt sich immer noch ausschließlich um Aussagen über das Verhalten in vitro und nicht über die Verhältnisse im Körper. Da sind Gewebeverteilungen viel entscheidender als zwei mm Hemmhof, die über resistent oder nicht resistent urteilen sollen. Klares schwarzweiß gibt es hier oft nicht. Aber das nur am Rande, wie gesagt, nichts gegen AB-Reduktion in der Tierhaltung. Und die Carbapenemresistenzen glaube ich erst, wenn das bestätigt und klar dokumentiert ist, und dann muss man die Ursachen suchen. Ich glaube - sollten die Ergebnisse stimmen - eher an eine Kontamination nach dem Schlachten.
Stimmt übrigens, dass Leguminosen keine Stickstoffdünger brauchen. Aber auch dieser Stickstoff ist auswaschbar und zudem nicht dasselbe Futter wie Mais, Gerste oder Raps. Nitrat entsteht aufgrund von Vogel- oder Hundekot ebenso wie durch Mineraldüngung beim Gemüse ebenso wie durch Auswaschen von Rasendünger ebenso wie durch Gülle. Bei uns im Kreis gibt es die höchsten Nitratwerte im Einzugsgebiet von Wasservögeln und beim Gemüseanbau, während es gülleverursacht fast überall geringe Werte gibt. Also bitte genauer hinschauen, die Biologie lässt sich nicht auf ideologisch oder mediendidaktisch genehme Vierminuten-Texte eindampfen.
Und noch eins: In der Nutztierhaltung hat sich die Vermeidung von Infektionen als preiswerter als deren Therapie erwiesen. Wenn man die vorangehenden Ursachen in den Griff kriegt, benötigt man keine AB mehr. Da geht der Weg schon lange hin - wir arbeiten heute hauptsächlich mit Epidemiologie, Impfung, Zucht, Haltung und Fütterung.

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tomblu 17.04.2019, 04:49
107.

Die Regeln der FDA wurden 2017 in der Tat verschaerft. In den USA ist "bio" alles was "USDA Organic" gekennzeichnet ist. Verschiedene "Bio"-Guetesiegel gibt es nicht wirklich (zumindest sind mir noch keine begegnet). Alles was als "organic" gekennzeichnet ist, unterliegt den selben Bedingungen.

Bezueglich Gefluegel sind Antibiotica nicht pauschal verbannt. Antibiotica, die auch bei Menschen angewandt werden, waren schon immer Tabu.

Gefluegel as als "organic" gekennzeichnet ist, darf in der Tat nicht mehr mit Antibiotica behandelt werden, mit einer Ausnahme: Solange es noch nicht geschluepft ist, oder am Tag des Schluepfens. Ist aber das Gefluegel zudem noch damit beworben, "niemals mit Antibiotica behandelt" worden zu sein, so ist auch diese eine Ausnahme nicht zulaessig.

Allgemein gilt seit 2017, dass Gefluegel das als "niemals mit Antibiotica behandelt" gekennzeichnet ist, auch tatsaechlich niemals behandelt worden sein darf. Das gilt sowohl fuer "organic" und "konventionelles" Gefluegel. Davor kamen die Hersteller mit solchen Falschaussagen ungeschoren davon. Gefluegel, das z.B. wegen Krankheit einmal entsprechend mit Antibiotica behandelt wurde, darf also nicht mehr mit so einer Kennzeichnung versehen werden.

Sehr haeufig wird auch konventionell gehaltenes mit "niemals mit Antibiotica behandelt" beworben, was zumindest seit 2017 nun auch der Wahrheit entsprechen muss.

Ein Artikel, der ein bisschen mehr ins Detail gibt (aber auch nicht alles abdeckt): https://www.consumerreports.org/overuse-of-antibiotics/what-no-antibiotic-claims-really-mean/

Und Gefluegel und Schwein darf schon seit geraumer Zeit nicht mit Hormonen behandelt werden, egal ob "organic" oder nicht. Allerdings darf man auch nicht mehr behaupten, dass solches Fleisch "hormonfrei" waere, denn sowas gibt es einfach nicht. Das gleiche gilt auch fuer Milch, hormonfreie Milch existiert nicht, wohl aber Milch, die von Kuehen stammt, die nicht mit Hormonen behandelt wurden (Stichwort: rBST).

Ob nun Deutschland besser oder schlechter als die USA sind in dieser Hinsicht, kann ich nicht beurteilen. Ich verstehe allerdings auch nicht die seltsame Debatte um die "Chlorhuenchen". Einmal im Schwimmbad ein bisschen Wasser versehentlich verschlucken, da bekommt man sicherlich eine vielfach hoehere Dosis ab als jegliche Rueckstaende, die vielleicht am Fleisch noch zu finden sein koennten. Ich habe bisher noch nie auch nur im entferntesten einen Chlorgeruch feststellen koennen, und schmecken schon gleich gar nicht.

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tueftler 17.04.2019, 07:49
108.

Zitat von mhwse
um sich gesund zu ernähren .. So erstaunlich es klingt: (Bio/Vollwert Bauern-)Brot (vom Vortag) Erdnussbutter + Marmelade + ein Apfel tun es auch. Kostet wenig - verlängert das Leben drastisch.
Und für diese Behauptung würde ich gerne den statistischen Nachweis sehen. Ansonsten kommt Ihnen das Leben bei dieser Ernährung mit hoher Wahrscheinlichkeit nur länger vor.

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immerfroh 17.04.2019, 08:05
109.

Zitat von remedias.cortes
Massenkonsum braucht Massentierhaltung. Bei zwei Veggie- Tagen in der Woche könnte man die 80 Mio Einwphner mit Bio ernähren.
Verschwenderischer Massenkonsum zum Billigstpreis braucht Massentierhaltung. Man muss keine Veggiedays einlegen, um verantwortungsvoller mit dem Rohstoff Fleisch umzugehen.
Dass sich eine Minderheit keine besseren, dann auch etwas teureren Nahrungsmittel leisten kann, wird leider als billiges Feigenblatt benutzt, um diese Tierhaltung zu rechtfertigen.

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