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Geflügelfleisch: Antibiotikaresistente Keime auf jedem zweiten Discounter-Hähnchen
DPA

Die Zahl antibiotikaresistenter Keime wächst, auch bei Lebensmitteln. Ein Test von Germanwatch zeigt: Auf jeder zweiten Probe von Hähnchenfleisch aus dem Discounter sind resistente Erreger zu finden.

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7eggert 17.04.2019, 09:53
110.

Zitat von immerfroh
Verschwenderischer Massenkonsum zum Billigstpreis braucht Massentierhaltung. Man muss keine Veggiedays einlegen, um verantwortungsvoller mit dem Rohstoff Fleisch umzugehen. Dass sich eine Minderheit keine besseren, dann auch etwas teureren Nahrungsmittel leisten kann, wird leider als billiges Feigenblatt benutzt, um diese Tierhaltung zu rechtfertigen.
Wenn ich eine Million pro Kilo Fleisch ausgeben könnte, so würde die Erde davon keinen Millimeter größer. Ich könnte höchstens Ihnen die Lebensmittel wegkaufen.

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hup 17.04.2019, 10:24
111. Ich verstehe den Einwand nicht.

Zitat von Katzazi
Ah ja. Weil irgendetwas anderes (Bio-Getreideprodukte) möglicherweise (Quelle?) schlechter ist, ist es egal, wenn konventionelles Hühnerfleisch nahezu durchgängig belastet ist? Irgendwie entgeht mir da die Logik. Alles, was verkauft wird sollte nicht belastet sein. (Abgesehen davon, dass es gerade bei Geflügelfleisch auch andere Gründe für Kaufentscheidungen geben kann, die so nicht unbedingt vergleichbar bei Getreideprodukten vorkommen.)
Wo schrieb ich, dass die Belastung egal ist? Meine Meinung dazu ist, dass es erprobte Methoden gibt das Geflügel vor dem Verpacken zu entkeimen (siehe "Chlorhähnchen" & Bestrahlung) und dass wir diese anwenden sollten.
Was die "Bio"-Produkte angeht, den Punkt habe ich eingeführt weil hier ein Scheingegensatz aufgemacht wird. "Bio" ist nicht automatisch qualitativ besser, sondern auch nur dann wenn die Kette von der Erzeugung bis auf den Teller unbelastet ist - was sie nicht automatisch ist. "Bio" ist also kein Automatismus für "unbelastet" oder ohne Keime.
Der Teufel steckt im Detail und ich bin immer dafür etwas nicht fundamental sondern konkret zu diskutieren. Gibt es ein Problem? Wenn ja wie kann man es pragmatisch abstellen? Problem gelöst.

Man muss nicht immer einen fundamentalen Grabenkrieg beginnen von "Bio wie aus dem Kinderbuch" vs. "böser böser massenproduzierender Kapitalismus". Das ist eine Diskussion, die wir uns ohnehin nur aus einer Position des Wohlstands heraus leisten können. 100% Bio kann und wird die Welt nicht ernähren, auch wenn man selbst immer brav im Hofladen einkaufen geht und nie Plastiktüten benutzt.

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Simmentaler 18.04.2019, 16:10
112. @hup

Zitat von hup
Wo schrieb ich, dass die Belastung egal ist? Meine Meinung dazu ist, dass es erprobte Methoden gibt das Geflügel vor dem Verpacken zu entkeimen (siehe "Chlorhähnchen" & Bestrahlung) und dass wir diese anwenden sollten. Was die "Bio"-Produkte angeht, den Punkt habe ich eingeführt weil hier ein Scheingegensatz aufgemacht wird. "Bio" ist nicht automatisch qualitativ besser, sondern auch nur dann wenn die Kette von der Erzeugung bis auf den Teller unbelastet ist - was sie nicht automatisch ist. "Bio" ist also kein Automatismus für "unbelastet" oder ohne Keime. Der Teufel steckt im Detail und ich bin immer dafür etwas nicht fundamental sondern konkret zu diskutieren. Gibt es ein Problem? Wenn ja wie kann man es pragmatisch abstellen? Problem gelöst. Man muss nicht immer einen fundamentalen Grabenkrieg beginnen von "Bio wie aus dem Kinderbuch" vs. "böser böser massenproduzierender Kapitalismus". Das ist eine Diskussion, die wir uns ohnehin nur aus einer Position des Wohlstands heraus leisten können. 100% Bio kann und wird die Welt nicht ernähren, auch wenn man selbst immer brav im Hofladen einkaufen geht und nie Plastiktüten benutzt.
Sie haben absolut recht. Zu den Reserveantibiotika möchte ich nochmals anmerken, dass die Einordnung des Colistin als "Reserveantibiotikum" eine ganz neue Idee ist (https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Colistin_1385). Das Colistin ist ein 50er-Jahre-Antibiotikum mit derart miesen pharmakokinetischen und toxikologischen Eigenschaften, dass man es der Tiermedizin gerne überlassen hat. Da aber zuletzt aus Kostengründen keine neuen AB mehr auf den Markt kamen, muss man sich beim (zwangsläufigen!) Auftreten von Reserven inzwischen wieder auf solch alten Plunder besinnen. Wenn die WHO bzw. die EU der Meinung sind, dass es aus der Tierhaltung raus soll, gerne. Und bitte auch bei anderen Produktionsfaktoren vergleichbare Voraussetzungen schaffen.
Was die richtigen "Reserveantibiotika" angeht, nämlich die neu entwickelten und sparsam einzusetzenden (Cephalosporine ab 3. Generation, Carbapeneme, Fluorchinolone): Hier ist der Verbrauch in D in der Humanmedizin schon 2017 über 10 mal so hoch wie in der Tiermedizin gewesen (https://www.wir-sind-tierarzt.de/2017/12/human-oder-tiermedizin-wer-verordnet-mehr-antibiotika/). Da wir seit 2018 eine Antibiogrammpflicht für diese Wirkstoffe haben, ist der Verbrauch nochmals deutlich zurückgegangen. Ausser den Fluorchinolonen beim Geflügel spielen die wirklichen "Reserveantibiotika" bereits heute in der Tierhaltung praktisch keine Rolle mehr. Wenn wir sie ganz verbieten, wird eben z.B. die eine oder andere Kuh mehr an Euterentzündung sterben, aber wir können anschliessend ja wieder eine neue Sau durch´s Dorf treiben... Hauptsache, die richtigen Leute haben ein gutes Gewissen und sind mit sich selbst darüber im Reinen, dass die Anderen Schuld sind.

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eo no 20.04.2019, 11:11
113. Vorsicht bei der Zubereitung von Geflügel - lange bekannt

Es gibt Handschuhe - die man benutzt und weg wirft.
Die man anlegt, ehe man die Packung öffnet bzw. ehe man rohes Fleisch anfasst.
Die Würze macht man vorher fertig.
Ich persönlich überbrühe mit kochendem Wasser - auf einem Teller in der Spüle - jedes Geflügel - sehr vorsichtig.
Dann mit Haushaltsrollenpapier abtrocknen, marinieren - und in die Pfanne oder Backofen.
Gefährlich kann es für den Verbraucher werden, wenn Erreger über kleinste Wunden in den Körper eindringen.
Wir kommen ja schon vorbelastet und insofern auch immun gegen vieles auf die Welt.
Es gibt absolut nichts was nicht in irgendeiner Weise mit irgendwas belastet ist und sei es aus dem Kosmos.
Aus atomaren Versuchen, Unfällen ... Es gilt sich gesund zu halten. d.h. wenn z.B. Impfungen gegen Masern
seit 1970 empfohlen werden, dann würde ich das auch tun. - Doch so wie die meisten mit ihrem Leben, ihrer Gesundheit umgehen, da müssen eben auch Mast- und Schlachtbetriebe sehen, wie sie zurecht kommen.
Denn essen wollen wir ja. Und was wäre die Alternative? Massennotschlachtungen und geschlossene Betriebe.
Kontrollen sind angeraten. - Bio und natürliches Wachsen lassen - ach wirklich? So schizophren wie wir sind,
hagelte es dann von Massenklagen wegen krähender Hähne und gackernden Hühnern - und mühenden Kühen und bimmelnden Kuhglocken. - Bis jetzt urteilen Gerichte noch vernünftig. Aber was wenn es Viele sind?
Und sich nur aus Chemie zu ernähren, dürfte für unseren Organismus noch lange Zeit auch nicht gesünder sein.

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