Forum: Wirtschaft
Gehaltsexzesse in Vorständen: Abkassieren zu Machtpreisen

Deutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse.

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Hovac 04.04.2011, 21:01
110. Wahrnehmung

Zitat von AMC
Besuchen Sie eine Realschule, machen Sie eine handwerkliche Ausbildung, arbeiten Sie 10 Jahre erfolgreich im Betrieb/gründen Sie eine kleine Firma und die 60k im jahr kommen wie selbst. Von der fixen Idee zu studieren (vielleicht etwas schwereres als ein Diplom in vergleichender Filmwissenschaft/Afrikanische-Gesichtsmasken-des-19Jhrs., z.B. ein MINT-Fach(!)) und Sie müssten sich schon dumm anstellen, um nach 10 Jahren in einem x-beliebigen Konzern keine 70-80k als popeliger Projektleiter (z.B. bei Siemens) zu verdienen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich die Gehaltslüge in Deutschland schon gehört habe (ok, wir sind ja eh das Land der Jammerer und Nörgler, alle haben zu wenig, die anderen haben immer zuviel blabla). Im Spiegel-Forum mag es traditionell stark links-geprägte, eher am unteren Ende der Gehalts-/Beschäftigungsbereiche orientiere Foristen geben, aber ich kenne genug ehemalige Mitschüler, die den Realschulweg gegangen sind, Papas Handwerksbutze übernommen, oder studiert haben und eben genau jene Gehälter kassieren. Wobei, ich weiß doch genau, wie Sie jetzt kontern: Alles Lügner und Geschichten vom Hörensagen... ;)
Zahlen die den Mitarbeitern in ihrer Handwerksbutze auch 60k, bekommen die Teammitglieder das auch? Müssten Sie um auf die 80% zu kommen. Was ist mit den Putzkräften die nachher die Büros des Teams reinigen, den Mitarbeitern in der Kantine, dem Busfahrer oder Tankstellenwart der einenm den Arbeitsweg ermöglicht. Sie vergessen auch das die Schichten nicht so durchläßig sind wie man glaubt, man umgibt sich unbewußt schon hauptsächlich mit seinesgleichen.

Ihre Autowahrnehmung liegt an etwas anderem, sehen sie sich mal den Anteil an Privatverkäufen von BMW an. Das kann sich neu fast niemand mehr leisten. Die Masse wird zu 50-60% des Neupreises nach einem Firmenbesitz an Private verkauft. Und da einige sich gar kein Auto mehr leisten können verschwinden die ganz günstigen aus dem Straßenbild. Eine sichtbare Form der Einkommensschere.

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alpha0711 04.04.2011, 21:07
111. ...

Zitat von carlosowas
Die meisten Forumsteilnehmer sehen das genau so wie ich. Das einzige was mich tröstet, ist, dass es schon immer so auf der Welt war. Früher hießen die nicht Vorstand, Banker und so, sondern Könige, Grafen, Bischöfe und so.
Es gab auch eine Epoche in denen es die "Guillotine" auf dem Marktplatz noch gab. Schon möglich das es eine Zeit geben wird wo diese wieder den Weg vom Museum dort hin findet.

Allerdings solange in D (Europa) noch niemand hungern muss ist die Gefahr für ein bestimmtes Klientel relativ gering.

Kopflos vor lauter Gier ist die angesprochene Gruppe von Leuten ja schon.Es sind in der Tat diese Leute welche den sozialen Frieden in D aufs Spiel setzen (mit der breiten Unterstützung unserer Politiker die dabei kräftig mitkassieren)

Viel kassieren - keine Verantwortung - fürs Versagen noch eine Extraboni


nur ein Beispiel von vielen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...752972,00.html

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gonzago.mabuse 04.04.2011, 21:18
112. Neofeudalismus

Zitat von Michael Giertz
Ich will's mal so ausdrücken: die meisten unserer gesellschaftlichen Probleme entstehen auch, weil wir uns so einen "Kult", solch eine "wirtschaftliche Elite" leisten und auch alles Erdenkliche unternehmen, damit uns dieser "Kult", diese "Elite" erhalten bleibt. Das fängt damit an, dass unsere Eliten sich von den sozialen Verpflichtungen befreien können und endet irgendwo auch in einem "Personenkult". ... Um aber die "alte Elite", welche sich nicht durch Leistung sondern allein Kungelei und Günstlingswirtschaft selbst erhält abschaffen zu können müssten die wirklichen Leistungsträger in der Gesellschaft davon überzeugt werden, dass keine Leistung der Welt zur Spitze führen kann, sondern allein Geburts- und Hausrecht. Also eigentlich wie vor 100 Jahren, als es noch den Adel gab.
Nennt sich postdemokratischer Kapitalfeudalismus. Genau da bewegt sich unsere Gesellschaft gerade hin. Und da sich heutzutage ausser ein paar esoterischen Geschichtsforschern kaum mehr jemand für mittelalterliche Gesellschaftsformen interessiert fällt dieser Wandel, und die frappierenden Parallelen, auch fast keinem auf.

Persönlich würde ich, wenn ich die Möglichkeiten hätte das System so auszupressen wie diese Leute, ganz genau so handeln - schliesslich ist es ja nicht verboten, also kann es auch nicht unethisch sein (oder so).

Und neu ist es auch nicht:
Zitat von Charles Wang
The benchmark was met in 1998, and the three executives combined received nearly $1 billion in Computer Associates stock with Wang himself netting $700 million;
Das Problem ist nicht das wegdriften nach "oben" der selbsternannten Eliten und deren Abkopplung von der Restgesellschaft, sondern das - davon unabhängige - Absinken des ganzen Rests.

Man vergleiche dazu nur die Abgabenlast (und verbleibende reale Kaufkraft) beim Durchschnittseinkommen 1970 und 2010.

Für die Mehrheit gibt es in diesem System mittelfristig nur noch eine gesellschaftliche Richtung: Nach unten! Spätestens wenn man in der Altersarmut ankommt.

g.m

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Tolotos 04.04.2011, 21:20
113. Moderne Wegelagerei in demokratischem Gewand!

Zitat von sysop
Deutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse.
Es handelt sich nicht um eine Leistungsgesellschaft, sondern um moderne Wegelagerei. Die Top-Manager haben den unmittelbarsten Zugriff auf die Wertschöpfung ihrer Mitarbeiter, und nutzen ihn, um deren Leistung als die eigene zu vermarkten.

Hilfreich ist ihnen dabei sicher auch die Eigenart der deutschen sogenannte Demokratie, die für ihre Volksvertreter das Recht zur Käuflichkeit als legalen Besitzstand hütet. (Z. B. Spiegel 51/2008 S. 44)
Quelle: SPIEGEL ONLINE: KORRUPTION - Dankeschön erlaubt!

So wird sichergestellt, dass diese Spitzeneinkünfte parteiübergreifenden exklusiven Einfluss auf die Politik gewähren. Da kann das ganze populistische Wählerprekariat protestieren, so viel es will.

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Arktuss 04.04.2011, 21:23
114. ...

Zitat von AMC
Ich habe hier gerade Ihren Beitrag vorgelesen (alles IT-ler, oder Akademiker mit MINT-Ausbildung), 30k im Jahr? Dafür stehen wir morgens nicht mal mehr auf. ;)
Zitat von AMC
P.S. Das Zauberwort heißt: Leistungsorientierte Bezahlung. ;) Und damit ist nicht die Arbeitszeit/Leistung im Beruf, sondern der Schwierigkeitsgrad des Berufsbildes und der Weg dorthin gemeint. Studieren Sie doch mal klassische Informatik und ich kann Ihnen versprechen, dass Ihnen selbst mit einem Bachelor etwa 40k im Jahr angeboten werden. (Bei 35-37.5 Std./Woche nach Vertrag, Realarbeitszeit ist immer höher.) Die andere Alternative ist ein solides Handwerk. Kenne genug Handwerker die sehr hübsch verdienen, ganz klassisch mit einem kleinem Betrieb und ein, zwei Gesellen. Dies geht ja auch ohne Studium und die haben auch keinen Grund zu klagen. P.S. Ich bin 31 Jahre alt und stamme aus einem "bildungsfernen Elternhaus", verdiene 72k im Jahr, habe mehrmals (verschiedene) MINT-Fächer als eigenständiges Studium studiert. Hab einfach mal eigene Leistung erbracht, Realschule -> Gymnasium -> x-mal Studium und schwupps passt es auch mit dem Gehalt. Freunde von mir haben den anderen Weg gewählt und verdienen teils deutlich mehr als ich. Die haben Realschule -> Lehre -> Techniker + Fortbildungen gemacht (teils völlig privat) und sind nach 10 Jahren harter Arbeit Projektmanager geworden, mit 30 Jahren. (Heizungs- und Lüftungsbau) Die verdienen Geld, dass mir die Ohren schlackern.... Also, immer an die eigene Nase fassen und nicht nur neidisch nach "oben" schauen. Wer Leistung bringt und was auf dem Kasten hat, bekommt auch was dafür.

Ich bin 29, aus einem nicht Bildungsfernen Elternhaus, ich habe meine Abitur gemacht und nach langer Krankheit eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler und bin seit 5 Jahren in dem Bereich tätig (C#) und mittlerweile komme ich auf 25200,- Brutto Jahreslohn, bei einer 42 Stunden Woche und abgegoltenen Überstunden. Die Stelle habe ich durch einen Headhunter bekommen, gefordert hatte ich eigentlich 36k, aber das wollte keiner bezahlen.

Nicht überall ist es so wie bei Ihnen in Ihrer heilen Welt, aber glauben Sie mir, ich wäre froh wenn es denn so wäre.

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Arktuss 04.04.2011, 21:27
115. ...

Zitat von masc672
Vorgaben: Vater (25000 Euro Brutto/Jahr), Frau (kein Einkommen) und 6 jähriges Kind. Arbeitsplatz liegt ca. (damit es für Sie leichter ist) 10 km weg. Miete (suchen Sie sich eine Stadt aus). Und nun rechnen Sie mal los. Und dann verraten Sie mir warum der mann nicht lieber H4 nehmen sollte.
Also ich hab hier in der Region Stuttgart ein Bruttojahreslohn von 25200,- € und komme damit recht gut klar. Sicher sind da keine großen Sprünge drin, aber ich habe auch meine zwei Zimmer Wohnung und wenn ich sparsam einkaufe hab ich von meinen 1350,- Netto auch noch 250,-€ übrig.

Wenn ich jetzt von Steuerklasse 3 und Kindergeld ausgehe, dann sind das 1780,-€ Haushaltseinkommen, das rechnet sich gegenüber Hartz IV aber deutlich. Wenn man es davon nicht schafft die Familie zu ernähren hat man vielleicht zu große Ansprüche.

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sophica 04.04.2011, 21:27
116. Angestellter Lehrer TV-L^2

Zitat von meinefresse
Gut versteckter Zynismus? Wer soll bitte 60k verdienen? Beamte ab höherer Dienst, verheiratet mit Kindern. Hoch spezialisierte, gesuchte Arbeiter. Politiker und "Führungspersonal". Wer noch? Krankenschwestern, Polizisten, Arbeiter, Handwerker, Landwirte, Krankenhausärzte, Angestellte? Schätze grob, dass mindestens 80% 60k Brutto sind.
Zur Ergänzung: ein angestellter Lehrer mit 1. und 2. Staatsexamen hat ein Einstiegsgehalt von etwa 3000 / Monat, das macht 36.000 € im Jahr brutto und im übrigen Bildungsbereich (private Träger) hat man gerade den Mindeslohn eingeführt - nicht ohne Grund!!!!

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Michael Giertz 04.04.2011, 21:27
117. Recht und Gerechtigkeit

Zitat von tapuzim
Die Tageszeitung "Sydsvenskan" hatte am Sonntag unter Verweis auf Bilanzangaben des Konzerns von den üppigen Abfindungen berichtet. So erhielt der frühere Chef von Vattenfall Europe, Hans-Jürgen Cramer, nach lediglich fünf Monaten im Amt 2008 eine Abfindung von 2,3 Millionen Euro. 2007 war Cramers Vorgänger Klaus Rauscher mit 5,5 Millionen abgefunden worden – er hatte seinen Posten nach zahlreichen Pannen in den Atomreaktoren Brunsbüttel und Krümmel räumen müssen.
Ich hab's ja schonmal angedeutet: wir leisten uns eine "Elite", die wir uns eigentlich nicht leisten können (sollten).

Wenn ein Top-Manager versagt, bekommt er noch eine dicke Abfindung. Dazu muss er nicht mal was geleistet haben, es steht so im Vertrag. Der von Ihnen erwähnte Herr Cramer jedenfalls dürfte kaum etwas geleistet haben in den fünf Monaten - aber offenbar war diese Leistung immernoch dicke 2,3 Millionen Euro wert. Dafür müsste ein Normalverdiener mit 30.000 Euro Bruttojahreseinkommen immerhin 76,7 Jahre arbeiten gehen - und dürfte keine Steuern bezahlen und auch keinen Euro für Kleidung, Essen, Miete & co ausgeben.

Wenn dagegen ein Angestellter "Mist baut", ist die Kündigung oftmals nicht weit. Abfindung? Gibt's nicht. Die gibt's nur mit einem Aufhebungsvertrag und setzt irgendwie voraus, dass sich beide Vertragspartner gütlich geeinigt haben. Bei 'ner fristlosen Kündigung ist nix mehr mit "gütlich".

Wieso bekommt also ein Top-Manager, der "Mist gebaut" und mit Sicherheit einen wirtschaflich viel bedeutenderen Schaden angerichtet hat noch eine Abfindung, während die Bulettenmopsende Sekretärin ohne großes Federlesen fristlos auf die Straße gesetzt werden kann?

Recht? Gerechtigkeit? Sind offenbar zwei paar Schuhe.

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gutefisch 04.04.2011, 21:46
118. !!!

Zitat von sysop
Deutschlands Top-Managern kennen bei ihren Gehältern kein Halten: Der Abstand zum Einkommen gewöhnlicher Arbeitnehmer wird immer größer. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Grund für die Bonusexzesse sind äußerst fragwürdige Machtverhältnisse.
Ich finde die Neiddebatte einfach zum kotzen, ihr macht noch so lange bis uns alle Leistungsträger verlassen. Dann werdet ihr aber sehen, dann gibt keinen mehr der euch sagt das ihr Gehaltsverzicht leisten müßt. Dann geht alles den bach runter, ihr werdet schon sehen!!!

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gutefisch 04.04.2011, 21:52
119. !!

Zitat von rmuekno
und was macht der Staat sieht zu und wirft das Geld des Steuerzahlers mit vollen Händen weiter raus. Mir wegen können die soviel verdienen wie sie wollen, wenn sie für Fehlverhalten auch entsprechend haftbar gemacht werden. Abder da sieht es anders aus entweder werden sie noch belohnt oder müssen nur Peanuts zahlen, siehe aktuell Telekom oder Siemens Korruptionsskandal
Ja jeder kann soviel verdienen wie er will und genau da ist das Problem, diese herrschaften verdienen das gerld nicht sonder nehmen es sich einfach

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