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Geldpolitik: Angriff auf die Notenbanken
Thomas Lohnes/ Getty Images

Euro, Dollar und Co. werden von unabhängigen Notenbanken gemanagt - das ist eine Säule unserer Wirtschaftsordnung. Doch die Fundamente bröckeln. Schuld daran sind auch die Notenbanken selbst.

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arikimau 27.10.2019, 16:13
1. Nicht sehr demokratisch

Ich finde die Illusion das ein paar Weise darüber entwcheiden sollten was mit unserem Geld passiert, dem Volk gegenüber unverschämt. Es ist eine elitäre Selbstüberschätzung zu glauben, dass die Menschen zu dumm sein die richtigen Entscheidungen in der Geldpolitik zu treffen.

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spontanhv 27.10.2019, 16:37
2. Wirtschaftswachstum

Herr Müller hat ein Dogma der politischen Steuerung der Notenbanken vergessen, das Streben nach ewigem Wirtschaftswachstum.

Wenn die Notenbanken, wie die EZB, eine Inflationsrate von - sagen wir mal - 2% anstreben, bedeutet das zunächst eine Geldentwertung. Dieses wird durch die Maßnahme des Gelddruckens für billige Kredite erreicht, die einer Rezession vorbeugen sollen.

Und, das Ziel eines Kredites ist, außer dem Konsum immer Investitionen zu ermöglichen. Die Investitionen wiederum können zum Ersatz verschlissener Produktionsausrüstung oder der Ausweitung für effektivere Maschinen und Märkte dienen, das heißt Wirtschaftswachstum.

So weit ist ja alles in Ordnung, wenn da nur nicht die Geldentwertung wäre, wo die Gläubiger ihr Vermögen schwinden sehen, und es kein ewiges Wirtschaftswachstum gibt.
Bäume wachsen auch nicht in den Himmel. Für die EZB gilt dieser Satz anscheinend aber nicht.

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speziellesachen 27.10.2019, 16:39
3. Tolle Analyse - aber Bitcoin vergessen

Alles wahr und richtig und Grund zur Sorge - aber statt makroprudentiellen Debatten von Experten der new monetary theory vorauszuahnen könnten wir auch einfach alle mit den Füssen abstimmen und diesem System den Nährboden entziehen, indem wir jeden Gehaltsscheck zum Teil in Bitcoin anlegen - für mindestens 10 Jahre

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PriseSalz 27.10.2019, 16:40
4. Staatsschulden ist der falsche Weg!

Die Zinsen, Herr Müller, sind nur ein Aspekt der Verschuldung, das Kapital muss in jedem Fall zurückgezahlt werden. Und warum soll die öffentliche Hand dürfen was den Bürgern verboten ist: Schulden im Namen der Kinder zu machen? Und nennen Sie mir doch mal bitte eine umfangreiche 'Zukunftsinvestition', deren Nettoerträge das Kapital abwerfen und die nicht aus Steueraufkommen oder Inflation stammen - da dürfen die Bürger nämlich gleich zwei mal zahlen. Schaut man sich mal in der Welt um geht es den Staaten am besten, die die niedrigsten Staatsverschuldungen haben. Das war vor 2000 Jahren so, das ist heute noch so.

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cucaracho_enojado 27.10.2019, 16:48
5. @1arikimau: Nicht sehr realistisch ...

"Nicht sehr demokratisch. Ich finde die Illusion das ein paar Weise darüber entwcheiden sollten was mit unserem Geld passiert, dem Volk gegenüber unverschämt. Es ist eine elitäre Selbstüberschätzung zu glauben, dass die Menschen zu dumm sein die richtigen Entscheidungen in der Geldpolitik zu treffen." - Was befähigt 'Menschen' ihrer Meinung nach zu "Entscheidungen in der Geldpolitik"? :-D (Mit Verlaub: Keine 10 Prozent könnten auch nur annähernd definieren, was 'Geldpolitik' überhaupt ist.) PS: Seit wann ist 'Geld' demokratisch? (Ja, es mehren sich die Zeichen, daß unser Wirtschaftssystem nicht mit unserem Gesellschaftsystem kompatibel ist ... ;-D )

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frank1980 27.10.2019, 16:57
6. Ich kann es nicht mehr höhren

diese neue Idee "Macht mehr Schulden" nur weil man momentan keine Zinsen bezahlen muss soll man die Staatsschulden also auf 80, 100, 200? % steigern ?
Was soll das bringen ? Ein Überschuss an Geld bewirkt immer auch das Geld nicht effizient eingesetzt wird.
Und das Thema keine Inflation, das sollte man mal jemandem sagen der eine Wohnung kaufen möchte oder neu Mieten muss. Neubau Vermietung für kalt 15 € / m² in der Einflugschneise in einer Stadt mit

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quark2@mailinator.com 27.10.2019, 17:03
7.

Die US-amerikanische FED als "unabhängige Notenbank" zu bezeichnen, ist schon eher ein Witz. Jemand hat mal gesagt (war es Henry Ford ?), daß es morgen einen Aufstand gäbe, wenn die Menschen begreifen würden, wie das Geldwesen wirklich funktioniert. Man kann sich das von Volker Pispers auf YouTube erklären lassen. Der Hauptskandal ist, daß Staaten sich bei Privatbanken verschulden müssen, die damit die Lizenz zum Gelddrucken haben. Na wie gesagt, YouTube bietet dazu eine Menge Aufklärung und glücklich macht das nicht. Es läuft darauf raus, daß diejenigen, die eh schon viel haben, was dazu bekommen und die anderen es abarbeiten müssen. Wie immer.

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cucaracho_enojado 27.10.2019, 17:09
8. @2spontanhv: Verquert umgekehrt?

"... ein Dogma der politischen Steuerung der Notenbanken vergessen, das Streben nach ewigem Wirtschaftswachstum. Wenn die Notenbanken, wie die EZB, eine Inflationsrate von - sagen wir mal - 2% anstreben, bedeutet das zunächst eine Geldentwertung. Dieses wird durch die Maßnahme des Gelddruckens für billige Kredite erreicht, die einer Rezession vorbeugen sollen. Und, das Ziel ..." Ihre Wachstumskritik in allen Ehren: Wenn die EZB eine BEGRENZUNG auf MAXIMAL 2 Prozent Inflation anstrebt, bedeutet das WENIGER Geldentwertung. Und damit fällt auch der 'Rest' Ihrer Theorie. Und für 'müde' Inflationsraten von 2 bis 6 Prozent braucht es auch keine 'Ausuferndes Wachstum'-Theorien, daß schaffen die Anbieter schon ganz alleine mittels Gewinnmaximierung, das regelt 'der Markt' ... :-D

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4711_please 27.10.2019, 17:10
9. Unabhängigkeit von was?

Die Frage ist doch, von wem oder was die Zentralbanken unabhängig oder abhängig sind oder sein sollen. Die Maxime geht davon aus, sie solle von der Politik unabhängig sein, um Inflation und übertreibende Märkte zu regulieren. Doch unabhängig von der Politik bedeutet das nicht auch Abhängigkeit vom Finanzsystem? Das war ja ein Problem der Finanzkrise, dass die Notenbanken ihr Monitoring ausgesourct haben und sich deshalb von Interessen abhängig gemacht haben, die einem Crash Vorschub leisteten. Japan als Beispiel hat eine enorme Staatsverschuldung, doch irgendwie hat die Finanzpolitik es geschafft zu deflationieren, weshalb die Geldpolitik das staatliche Schuldgeld häppchenweise eliminieren kann, ohne lehrbuchartige Inflation. Ähnliches vollzieht sich ja auch in Europa. Im Unterschied zur japanischen oder us-amerikanischen Geldpolitik werden die Schulden nicht eliminiert, sondern nur gehalten. Vielleicht ein Fehler? Wen interessiert schon eine Notenbankbilanz? Den Märkten scheint es egal, ob eliminiert wird oder gehalten. Generell müsste angesichts der Probleme des 21. Jahrhunderts ein Bewusstsein auch bei der Finanz- und Geldpolitik vorhanden sein, dass alles irdische endlich ist und dass diese Erkenntnisse zu einer Veränderung führen sollten. Ich halte da die Umstellung auf Vollgeld für ein Mittel, um ein Handeln im Bewusstsein hinsichtlich der Grenzen des Wachstums zu ermöglichen. In meiner Phantasie wäre eine solche Notenbank gänzlich unabhängig, von Politik, von Eliten, von Banken, von Märkten.

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