Forum: Wirtschaft
Geldpolitik: EZB verlangt höhere Strafzinsen von Banken
Boris Roessler / DPA

Erstmals seit dreieinhalb Jahren hat die Europäische Zentralbank einen wichtigen Zinssatz verändert. Banken müssen auf ihr überschüssiges Geld künftig 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen. Zudem sollen neue Anleihekäufe starten.

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MikeRubato 12.09.2019, 14:24
1. Neues Narrativ

Seit eingen Tagen wird in den Medien ja ein neues Narrativ verbreitet (schon aufgefallen?): Gar nicht die EZB sei schuld an den niedrigen Zinsen, auch nicht die Südländer, die mit ihrer undisziplinierten Schuldenpolitik die EZB zu Niedrigzinsen und Anleihekäufen zwingen, um Staatspleiten zu verhindern. Nein, der (deutsche) Sparer ist schuld, denn er spart zu viel fürs Alter an, dadurch gibt es zuviel Geld anzulegen, und dadurch sinkt der Zins! Gar nicht so dumm argumentiert, schöne Erzählung. Aber: hat man nicht seitens der Politik die umlagefinanzierte Rente geschleift und alle ermahnt, genau diese Eigenvorsorge zu betreiben? Hat die Politik nicht die Bürger in langfristige Riesterverträge gelockt, die jetzt nur noch Geldverbrenner sind? kannte man diesen angeblichen Zusammenhang etwa nicht (Dummheit), oder hat man die Bürger bewusst getäuscht (Dreistigkeit)? Im nächsten Schritt werden jetzt, mit dem neuen Narrativ, die Bürger in Aktienanlagen gedrängt, dies übrigens kurz vor einer Rezession. Das Ergebnis kann man sich vorstellen, viele unbedarfte Anleger werden viel Geld verlieren. Und bei Direktversicherungen hat man nachträglich die Pflicht zur Zahlung der vollen (15%) KV-Beiträge geschaffen, Merkel hat sich kürzlich persönlich dafür eingesetzt, dass dies entgegen einem CDU-Parteitagsbeschluss doch nicht korrigiert wird. Fazit. Die Politk tut alles, um die private Alterssicherung der Bürger zu entwerten, und der Bürger lässt sich das klaglos gefallen. Gibt ja auch so schöne Erzählungen dazu!

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hannesmann 12.09.2019, 14:27
2.

Eigentlich hätte die Überschrift lauten müssen "Dümmer geht Immer". Bei einer aktuellen Überschussliquidität von ca. 2 Billionen Euro sollen nun weitere 20 Mrd. pro Monat was bringen? Der Geldmarkt ist bereits überschwemmt und das Geld wandert erneut nur in die Finanzmärkte. Der Verbraucher sieht hiervon nichts.

Und immer wieder dieses dümmliche Argument das damit die Kreditvergabe angeregt werden soll. Die Kosten der Banken steigen weiter, die Verzinsung des einzusetzenden Eigenkapitals bei der Kreditvergabe reduziert sich weiter und die Kreditsumme verschwindet nicht sondern wandert als "Schwarzer Peter" nur von einer Bank zur anderen. Dümmer geht eben immer.

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rudi_ralala 12.09.2019, 14:31
3.

Gott sei Dank, die Aktienjunkies und die Immobilienhaie bekommen wieder regelmässig ihren Stoff. Mal sehen wie lange die Party mit solchen Taschenspielertricks noch am Laufen gehalten werden kann. Leute kauft Gold, was kommt wird furchtbar.
Die EZW will mit dem Abzug von Geld aus der Wirtschaft (-0,5 Negativzinsen) die Konjunktur anfeuern. Die haben immer noch nicht bemerkt, dass die Märkte gesättigt sind
Wie bekoppt muss man dafür sein?
Selbst J. M. Keynes würde sich im Grab umdrehen, wenn er das mitbekommen würde.

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tumtum 12.09.2019, 14:32
4. Was ich als Bank machen würde...

Ich hoffe der EZB ist schon klar (oder gibt es Regulierungen?), dass die Banken mitnichten das Geld an die Kunden bzw. Kreditnehmer weiter gibt, sondern von dem EZB-Geld dann auf dem Aktienmarkt zuschlägt? Die Renditen sind einfach höher. Das Kartenhaus wackelt...

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hagebut 12.09.2019, 14:32
5. Ein paar MIssverständnisse von dpa

1. Die Geldpolitik der EZB wird im EZB-Rat gemacht. Dort hat der EZB-Präsident keine Richtlinienkompetenz wie z.B. der deutsche Bundeskanzler im Bundeskabinett. Dort wird abgestimmt. Der EZB-Präsident hat also eher die Aufgabe wie ein deutscher Bundespräsident.

"Draghis designierte Nachfolgerin, die Französin Christine Lagarde, hat bereits deutlich gemacht, dass sie eine sehr lockere Geldpolitik für absehbare Zeit für nötig hält. "

Das ist so nicht ganz richtig. Lagarde hat klargemacht, dass sie in dieser Hinsicht mit dem EZB-Rat übereinstimmt. Etwas anderes bleibt ihr auch nicht übrig.

2. "Die Strafzinsen sollen die Banken dazu zu bewegen, ihr Geld lieber für Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu verwenden, anstatt es bei der EZB zu parken. So soll die Wirtschaft stärker in Schwung kommen und damit auch die Inflation steigen."

Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

a) Die Banken des ESZB (= Europäisches System der Zentralbanken) können sich in Gesamtheit von den negativen Einlagenzinsen gar nicht befreien. Die können maximal den Schwarzen Peter (= das Geld) von sich wegschieben und wegen des Clearings (= gleichzeitige Gegenüberweisung) das auch nur sehr begrenzt.

b) Die Kreditnachfrage ist nicht zinselastisch. D.h. sinkt der Zins, dann hat das keine höhere Kreditnachfrage zur Folge. Normalerweise sollte man etwas anderes vermuten, was aber mit den empirischen Daten nicht nachweisbar ist. So stieg z.B. die Sparquote der deutschen Haushalte, trotz Nullzinsen. Zieht man von der Kreditnachfrage die tatsächliche Inflationsrate ab und den Sondereffekt der Wohnungsnot in Deutschland, tut sich hier auch nichts. Damit können die Banken nicht mehr Kredite herauslegen, zumal bei den eindeutigen Vorgaben des Kreditwesengesetzes und BASEL III.

3. Was die dpa nicht weiß und die EZB auch niemals sagen würde: Die Kombination von negativen Einlagensatz, Anleihekäufe und Nullleitzinsen, drängt dazu das Geld im Ausland anzulegen. Hier bietet sich z.B. und vor allem die USA mit ihren höheren Zinsen an. Dies Geld drückt den Außenwert des Euros oder kommt gleich nachfragwirksam wieder in die Eurozone zurück. Das ist im Moment noch das Einzige womit wir uns halbwegs über Wasser halten.

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Havel Pavel 12.09.2019, 14:34
6. Gewählte Regierung halt, die meisten wollen es so!

Zitat von MikeRubato
Seit eingen Tagen wird in den Medien ja ein neues Narrativ verbreitet (schon aufgefallen?): Gar nicht die EZB sei schuld an den niedrigen Zinsen, auch nicht die Südländer, die mit ihrer undisziplinierten Schuldenpolitik die EZB zu Niedrigzinsen und Anleihekäufen zwingen, um Staatspleiten zu verhindern. Nein, der (deutsche) Sparer ist schuld, denn er spart zu viel fürs Alter an, dadurch gibt es zuviel Geld anzulegen, und dadurch sinkt der Zins! Gar nicht so dumm argumentiert, schöne Erzählung. Aber: hat man nicht seitens der Politik die umlagefinanzierte Rente geschleift und alle ermahnt, genau diese Eigenvorsorge zu betreiben? Hat die Politik nicht die Bürger in langfristige Riesterverträge gelockt, die jetzt nur noch Geldverbrenner sind? kannte man diesen angeblichen Zusammenhang etwa nicht (Dummheit), oder hat man die Bürger bewusst getäuscht (Dreistigkeit)? Im nächsten Schritt werden jetzt, mit dem neuen Narrativ, die Bürger in Aktienanlagen gedrängt, dies übrigens kurz vor einer Rezession. Das Ergebnis kann man sich vorstellen, viele unbedarfte Anleger werden viel Geld verlieren. Und bei Direktversicherungen hat man nachträglich die Pflicht zur Zahlung der vollen (15%) KV-Beiträge geschaffen, Merkel hat sich kürzlich persönlich dafür eingesetzt, dass dies entgegen einem CDU-Parteitagsbeschluss doch nicht korrigiert wird. Fazit. Die Politk tut alles, um die private Alterssicherung der Bürger zu entwerten, und der Bürger lässt sich das klaglos gefallen. Gibt ja auch so schöne Erzählungen dazu!
Aber genau die Regierung und Politik haben doch die meisten Wähler für sich gewählt, so ist es nun mal in einer Demokratie! Hauptsache die Pensionen sind sicher, als Beamter kann man ja jedes beliebige Darlehen aufnehmen und ist froh dies fast für Nullzinsen zu erhalten. Ist doch eine tolle Sache, was kostet die Welt?

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m.s.schneider 12.09.2019, 14:36
7.

Dann lasst uns so langsam mal an die Automaten gehen und schauen, wie viel Bargeld überhaupt noch da ist. Denn warum sollte ich irgendjemandem Geld leihen, der daraus WENIGER macht?!

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binnenfuchs 12.09.2019, 14:42
8. Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Wenn man als Zentralbank merkt, dass die angewendeten Instrumente nicht zum Erfolg führen, dann.. verstärkt man den Einsatz der nicht-funktionierenden Elemente? Müssen sich Zentralbanken nicht irgendwann einmal für den Schaden rechtfertigen, den sie verursachen? Niedrigzinsen haben zu heftigen Blasen am Immobilien- und Aktienmarkt geführt, Risiken werden mangels Zinsindikator völlig falsch bewertet. Unternehmen werden vom Markt nicht mehr gefordert, dank billiger Zinsen besteht kein Zwang zu Innovation und Optimierung, nachteilige Strukturen bleiben erhalten, der bequeme Weg in die trügerisch risikolose Verschuldung erspart Reformen und selbstkritisches Hinterfragen der eigenen Prozesse. Nichts ist umsonst, die grosse Rechnung werden wir irgendwann präsentiert bekommen.

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hefe21 12.09.2019, 14:44
9. In der Strafzinskolonie

"Die Strafzinsen sollen die Banken dazu zu bewegen, ihr Geld lieber für Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu verwenden, anstatt es bei der EZB zu parken."

Der Satz ist einerseits ganz brauchbar, weil er den "Spargeldleugner" entgegenwirkt, die jenseits der irdischen Wirklichkeit halluzinieren, Banken würden das bei ihnen abgelieferte Geld der Kunden nicht zur Mobilmachung von Neukreditzuteilungen verwenden.

Gleichzeitig ist er natürlich auch wahnsinning, sollte die EZB damit bewusst insinuieren, mit einer Neukreditvergabe würde sich an den Guthaben bei ihr etwas ändern. Schon gar nicht werden sie sich dadurch verringern, dafür sorgt sie aber ohnehin selbst durch den als Negativzins getarnten volkswirtschaftlichen Kapitalschnitt.
Die Frage, warum sie gleichzeitig mit dem angedachten Anleihekauf aber die Guthaben wieder auffettet, wird man letztlich vor keinem Verwaltungs- oder sonstigen Appellationsgericht der Welt klären können. Das kann wohl nur vor dem großen universellen Narrengericht verhandelt werden.

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