Forum: Wirtschaft
Gemeinsame Währung: Die wahre Krise

Alle reden über die Flüchtlingsmisere - dabei ist die viel größere Krise Europas längst nicht ausgestanden: Noch immer funktioniert die gemeinsame Währung Euro nicht. Und schuld sind die Deutschen.

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christiewarwel 13.11.2015, 14:58
20. Euro

Ganz einfach.
Den Euro behalten und die DM wieder einführen (genau so wie sie konzipiert war), als unabhängige, offiziell akzeptierte Währung in Deutschland.
Danach kommt sozusagen die Abstimmung mit dem Bankkonto.

Das Exportargument ist mir übrigends zu oberflächlich, der tatsächliche Warenwert hat nichts mit dem Währungskurs zu tun, hier werden nur Ungleichgewichte hin und her geschoben wie auf einem Rangierbahnhof. Die DM war bekannt als solide Währung, trotzdem war Deutschland Exportweltmeister: Teuer, ja, aber das Beste, was man für Geld kaufen konnte. Um diesen Zustand zu halten, hätte man allerdings Forschung und Bildung in diesem Land in den letzten Jahrzehnten nicht derart gegen die Wand fahren dürfen. Da geht es mit dem Exportieren jetzt halt nur noch im "Ausverkaufsmodus".

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rdexter 13.11.2015, 14:59
21.

Zitat von Ossifriese
Mag der Euro ein Fehler gewesen sein - jetzt haben wir ihn, und auch wir kommen aus der Nummer nicht einfach raus. Das hat der Münchau genau richtig erkannt. Vor allem auch, dass zur Zeit ein Verschleppen der inner- (und außer-) europäischen Finanzkrise stattfindet. Wenn sich nicht bald die Spitzen der Euroländer zusammensetzen und so etwas wie einen Finanzausgleich, oder auch eine Transferunion genannt, schaffen, bricht der Laden wirklich implosiv auseinander (man beachte den Widerspruch, aber genau das wird passieren). Und dann wird's in der BRD ganz dunkel!
Ich möchte aber nicht, dass Geld dauerhaft aus Deutschland in andere Länder transferiert wird. Dazu ist auch die Bundesregierung nicht legitimiert.

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deufin 13.11.2015, 15:04
22. Nationalstaaten oder Staatenbund...

Das Problem am Euro ist, daß er eine Währung für viele verschiedene Nationalstaaten bildet, anstatt eine Währung für einen Staatenbund zu sein.

Wenn der Euro funktionieren soll, dann braucht man gleiche Bedingungen, genauer gesagt, eine einheitliche Fiskal-, Wirtschafts-, Aussen- und Sozial-Politik in den "Bundesstaaten" der EU.
Dazu müsste man dann aber jegliche Macht nach Brüssel abgeben und die dortigen Politiker direkt wählen und das will sogut wie kein EU-Land.

Ohne die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa, und damit die Übernahme des US-amerkanischen Modells funktioniert es eben nicht.
In der Bundesrepublik Deutschland ist es nicht anders, hier gibt es auch eine zentrale Regierung.

Die Vereinigten Staaten von Europa wird man aber nie formen können, da es zwischen den einzelnen Nationalstaaten alleine schon aufgrund der unterschiedlichen Sprachen und der teils stark unterschiedlichen Kultur zu keiner Einigung kommt.
In den USA hat das nur funktioniert, weil es dort keine frühere Historie gab.

Ich plädiere daher schon seit langem von einer Abkehr des Euro und der EU im allgemeinen und zu einer Rückkehr zum Modell der EG.
Die große europäische Idee ist zwar schön, kann aber nicht funktionieren.

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ackergold 13.11.2015, 15:04
23.

Zitat von indiansummer63110
Seit 2005 ist durch Altkanzler Schröder allseits bekannt: "Sie kanns nicht".
Ja, aber Schröder konnte es auch nicht und Kohl schon gar nicht.


Das haben wir nun davon, dass wir die Staatsämter den durch und durch korrupten Parteien überlassen.

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filimou 13.11.2015, 15:05
24. Ist denn ein Inflationswettlauf besser?

Die Südländer haben seit jeher eine andere Mentalität was die Inflation betrifft, als die Nordländer, insbesondere Deutschland. Bei einer einheitlichen Währung laufen über kurz über lang die Lohn/Stückkosten auseinander. Klar, dass dann die stabilen Länder beim Export besser abschneiden. Es ist also ziemlich wirr, wenn man Deutschland deswegen Vorwürfe macht. Da ein Gleichklang bei den Länder niemals erreichbar ist, muss die einheitliche Währung wieder abgeschafft werden, weil dann die Weichwährungsländer über Wechselkursanpassungen ihre Exportfähigkeit verbessern können.

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fat_bob_ger 13.11.2015, 15:05
25. Schaffung des Euros = grundsätzliches Problem

Deutschland musste als Zeichen des guten Willens die DM als Währung im Rahmen der Wiedervereinigung aufgeben. Die Franzosen/Italiener haben dabei nicht bedacht, dass sie dann in die direkte Konkurrenz zur dt. Industrie geraten (keine Abwertung der eigenen Währung möglich). Seit ´Bildung des Zollvereines 1871? weist Deutschland eine bessere industrielle Entwicklung als alle anderen EU Länder auf. Auch zwei verlorene Weltkriege konnten dies nicht verhindern. Jetzt haben wir den Salat! Italien/Frankreich/GB und der Rest der EU sind innerhalb der Weltwirtschaft mit ihrem Preis/Leistungsgefüge einfach nicht konkurrenzfähig und werden es auch nie wieder werden, da es ihnen an Innovationskraft fehlt. (Das Problem sind nicht fehlende Ideen, sondern mangelhafte Umsetzung) Wären sie es, müssten sie ihren außereuropäischen Export deutlich steigern, da der Euro deutlich an Wert verloren hat. Dies ist überhaupt nicht gelungen. Fassen wir zusammen: Im gegenwärtigen Zustand sind die frz./it./engl. Wirtschaft weder innnerhalb der EU noch in der Weltwirtschaft voll konkurrenzfähig. Dieses Problem kann durch Währungsreformen abgemildert, aber nicht gelöst werden. US Investoren haben sich beispielsweise geweigert, in Frankreich zu investieren, weil sie die dortigen Gewerkschaften und das dortige Produktivitätslevel für ein Wirtschaftshemmnis halten. Fazit: Was soll A. Merkel tun, wenn Frankreich und Italien ihre Probleme nur halbherzig angehen und statt dessen auf Hilfe durch die EZB hoffen? Am Beispiel Lufthansa sieht man sehr gut, wie sich strukturelle Mängel auswirken können. Wenn es LH nicht gelingt ihre Kostenstrukturen an die internationalen GEgebenheiten anzupassen,wird es eben in 20 Jahren keine LH mehr geben. Zum Glück gibt es noch die Air France, die vorher von der asiatischen Konkurrenz und Ryan Air abgeschlachtet werden wird.

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Liberalitärer 13.11.2015, 15:06
26. Wechselkurs

Zitat von wunni2010
Nach ihrem VW Desaster letzte Woche zeigen sie heute dass sie auch anders können ! Ich stimme ihnen in vielen Punkten zu , der deutsche Exportüberschuss ist ein Beweis für die Vitalität der deutsche Volkswirtschaft . Wir alle sollten stolz drauf sein !
Dann sein Sie stolz darauf. Münchau hat Recht, das Problem wird man lösen, wohl nicht von deutscher Seite, aber andere werden aus dem Euro austreten und dann regelt das der Wechselkurs.

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muellerthomas 13.11.2015, 15:07
27.

Zitat von cato.
Der Deutsche Exportüberschuss ist kein Problem, sondern eine Konstante seit Gründung Deutschlands 1871 und lediglich durch 2 Weltkriege unterbrochen ...
In den 1990er Jahren bis 2001 wies Deutschland ein Leistungsbilanzdefizit auf und der durchschnittliche Saldo lag von 1971 bis 2001 bei +0,6%. Überschüsse wie seit 2003/04 sind historisch ohne Beispiel und keineswegs eine Konstante.

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wilam 13.11.2015, 15:08
28. der Kardinalfehler

ist doch, dass wir eine eurpäische Familie sind, in der jedes Kind eine Kreditkarte für freien und unbegrenzten Einkauf hat.

Etwas tiefer gefasst, ist ja die Währung ein entscheidender wenn auch immaterieller Teil des eh schon riskanten Organisationagraades, der unseren Ressourcenstreom sichert. Dessen Fall wird uns hier das Chaos der Weimarer Republik bescheren - und das bei der verdoppelten Dichte und mit zahllosen kasernierten Flüchtlingen. Sehr beruhigend.

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aufdenpunktgebracht 13.11.2015, 15:08
29. Das Ende des Euros?

Das Problem des Euros ist vor allem Deutschland, da gebe ich Ihnen recht. Undzwar aus folgendem Grund: Vielen Deutschen ist die Nationalstaatlichkeit peinlich, oder sogar ein ideologisches "no go". Deshalb wird in Deutschland der Patriotismus auf die europäische Ebene gehoben. Damit fühlt man sich wohl. Aber man überfordert die anderen Europäer, die keine Schwierigkeiten mit ihrem Nationalstaat haben. Die fühlen sich bevormundet mit den deutsche Europa-Patriotismus.

Wenn es nach mir ginge, wäre ein europäischer Gesamtstaat genau das Richtige - aber aus besagten Gründen. Das ist auf kurze und mittelfristige Sicht nicht hinzubekommen, da macht kein andere Staat mit. Das sieht man aktuell besonders gut. Auch in der Flüchtlingskrise fühlt sich der Rest Europas von Deutschland überfordert. Doch zurück zum Euro: Ohne einen europäischen Staat ist die Gemeischaftswährung nicht viel wert und schaft sogar nur noch mehr Probleme über die Zeit. Das Ende des Euros?

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