Forum: Wirtschaft
Gen-Kartoffel Amflora: Die Knolle, die keiner braucht

Deutschland streitet über grüne Gentechnik, am Konflikt um die BASF-Kartoffel Amflora wird das besonders deutlich. Jan Willmroth hat zwei Bauern besucht. Der eine gründete die erste "gentechnikfreie Region", der andere fuhr gerade die einzige deutsche Amflora-Ernte ein.

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fordp 06.10.2010, 11:56
30. wenn ich nicht ganz falsch informiert bin,

Zitat von Trivalent
Und was lernen wir daraus? Das größte Problem in der dritten Welt ist nicht das Materielle, sondern gerade bei der Landbevölkerung mangelndes Wissen und Bildung. Und zwar in den entscheidenden Zusammenhängen. Was war z. B. die genossenschaftliche Idee eines Raiffeisen wert für die Bauern? Das ist mit Geld gar nicht bezahlbar!
gibt es doch auch mir raiffeisen einige probleme, da die nicht nur das saatgut und die spritzmittel liefern, sondern auch kreditgeber sind und die abhängikeit der bauern verstärken und zementieren.
genau dieses system wird durch die patente der gentechnik noch ausgebaut.

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StellaVella 06.10.2010, 12:40
31. Giftigkeit

Zitat von fordp
... und zuletzt: ein schlamm der mir die haut verätzt, kann doch wohl als giftig bezeichnet werden oder würden sie diesen schlamm trinken ?
Man kann auch Natronlauge trinken, in Massen und verdünnt. Die Dosis macht's, Kollege.
Den Schlamm würde ich zwar nicht trinken (schmeckt wahrscheinlich etwas nussig), aber ihn als Gift zu bezeichnen, nur weil der pH > 7 ist, geht zu weit und riecht nach Panikmache.
Dafür braucht's dann schon R23-28.

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Riff 06.10.2010, 12:53
32. stark, Stärke, Amflora

Zitat von StellaVella
Man kann auch Natronlauge trinken, ....
Schon recht.
Nur müssen wir irgendwie die Kurve vom Salmiak-Lutschbonbon zurück zur Amflora-Kartoffel kriegen, nicht?
Vielleicht mit dem Hinweis, dass Kartoffelstärke (egal von welcher Kartoffelsorte) jedenfalls bestimmt nicht giftig ist?
Ich würde jedenfalls Kartoffelpuffer aus Amflora bedenkenlos essen. Sogar wenn das Apfelmus oben drauf keine Antikrebskerne mehr enthält.
Mittagszeit!

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fordp 06.10.2010, 13:00
33. ok, ich bin kein chemiker ...

Zitat von StellaVella
Man kann auch Natronlauge trinken, in Massen und verdünnt. Die Dosis macht's, Kollege. Den Schlamm würde ich zwar nicht trinken (schmeckt wahrscheinlich etwas nussig), aber ihn als Gift zu bezeichnen, nur weil der pH > 7 ist, geht zu weit und riecht nach Panikmache. Dafür braucht's dann schon R23-28.
...aber den menschen vor ort hat es doch die haut verätzt und die räumungskräfte tragen einen vollschutzanzug und die anwohner werden gewarnt den schlamm nicht ohne handschuhe zu berühren ?
man kann natürlich in ganz geringen dosierungen auch arsen zu sich nehmen. dashalb bleibt es aber doch ein gift, oder ?

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fordp 06.10.2010, 13:07
34. ein wenig vom thema abgekommen ,stimmt. aber...

Zitat von Riff
Schon recht. Nur müssen wir irgendwie die Kurve vom Salmiak-Lutschbonbon zurück zur Amflora-Kartoffel kriegen, nicht? Vielleicht mit dem Hinweis, dass Kartoffelstärke (egal von welcher Kartoffelsorte) jedenfalls bestimmt nicht giftig ist? Ich würde jedenfalls Kartoffelpuffer aus Amflora bedenkenlos essen. Sogar wenn das Apfelmus oben drauf keine Antikrebskerne mehr enthält. Mittagszeit!
die amflora-kartoffel ist doch gar nicht als nahrungsmittel entwickelt worden.
wikipedia sagt dazu :
"Amflora, die auf Stärkebildung optimiert wurde, ist essbar, aber aufgrund ihres hohen Stärkegehalts so mehlig kochend, dass sie für den Verzehr nicht geeignet ist."

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MatthyK 06.10.2010, 13:12
35. Es geht um neue Geschäftsmodelle, nicht um Verbesserungen in der Landwirtschaft

Gentechnisch veränderte Sorten haben gegenüber herkömmlich gezüchteten nicht solche großartigen Vorteile, wie es die Hersteller verheißen. Meist ist das Gegenteil der Fall, denn diese Sorten haben nicht den harten Auswahlprozess durchgemacht, den eine natürliche Selektion unter praktischen Bedingungen bewirkt. Selbst dann, wenn die versprochenen Vorteile auch tatsächlich vorhanden sind, sind sie im Vergleich zu den potentiellen Risiken (bestimmte Schädlinge, nicht optimale Wachstumsbedingungen, usw.) zu gering.

Der Grund, warum diese Technologie trotzdem mit aller Macht in den Markt gedrückt werden soll, liegt in der Art der Kontrolle, die der Saatguthersteller über seine Kunden - die Bauern - erlangen kann. Anders als man vielleicht denkt, dient die größte Zahl der vorgenommenen Erbgutänderungen nicht der Verbesserung des Produktes hin zu bestimmten, gewollten Eigenschaften, sondern der Verhinderung von Nachbau. Manchmal sind die genetisch vorgenommenen Änderungen auch lediglich eine Art Markierung, die sich der Saatguthersteller patentieren lässt und anhand deren er mögliche Vertragsverletzungen verfolgen lassen kann.

Mögliche biologische und gesundheitliche Risiken sind lediglich die Kollateralschäden dieses Geschäftsmodelles.

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Celegorm 06.10.2010, 13:22
36. ...

Zitat von fordp
man kann natürlich in ganz geringen dosierungen auch arsen zu sich nehmen. dashalb bleibt es aber doch ein gift, oder ?
Jein. Worauf StellaVella vermutlich hinaus wollte ist, dass letztlich eigentlich jeder Stoff eine gewisse Toxizität aufweist und ab einer entsprechenden Dosierung schädlich oder gar letal wirken kann. Die Bezeichnung "Gift" ist deshalb eigentlich eine willkürliche Abgrenzung, die i.d.R. alles beinhaltet, was für uns Menschen in geringer Dosis eine Giftwirkung aufweist. Aber das ist selbst intraspezifisch unterschiedlich, erst recht interspezifisch. Was für uns giftig ist kann für andere Lebewesen unproblematisch sein oder sogar die Lebensgrundlage darstellen. Und: Viele Stoffe sind diesbezüglich überaus ambivalent, will heissen, was in einer gewissen Menge essentiell ist kann in höherer Dosierung durchaus toxisch werden, beispielsweise diverse Vitamine. Giftigkeit ist also durchaus relativ und sollte deshalb nur mit Vorsicht verwendet werden. Allerdings wird halt gerade in Bezug auf Agrarprodukte immer wieder haltlose Polemik damit betrieben.

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Riff 06.10.2010, 13:39
37. Neee, wat is dies Kartöffelschen mehlisch. Da biste ja gleich pappsatt

Zitat von fordp
die amflora-kartoffel ist doch gar nicht als nahrungsmittel entwickelt worden. ...ufgrund ihres hohen Stärkegehalts so mehlig kochend, dass sie für den Verzehr nicht geeignet ist."
Auch recht.
Der kochende Riesenschnauzer vom Zett-Deh-Eff würde vielleicht sagen: "Ihh, bäh, nähh, dieset Kartöffelschen schmeckt aber jar nich jut. Oder was meinst du, Johann?"
Davon iset aber noch nich jiftig.
Würde halt vielleicht ein bißchen pappig schmecken.
Aber, wie du anmerkst, ist die Sorte dafür nicht gezüchtet.
Futtermais kannste übrigens auch nicht als Gemüse essen. Wird aber trotzdem angebaut. Als Viehfutter.

Und Sauerklee kannste auch nicht essen. Wird aber angebaut. Als Gründungung.

Etc.
pp.

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Celegorm 06.10.2010, 13:44
38. ...

Zitat von MatthyK
Gentechnisch veränderte Sorten haben gegenüber herkömmlich gezüchteten nicht solche großartigen Vorteile, wie es die Hersteller verheißen. Meist ist das Gegenteil der Fall, denn diese Sorten haben nicht den harten Auswahlprozess durchgemacht, den eine natürliche Selektion unter praktischen Bedingungen bewirkt.
Was für eine "natürliche Selektion"? Zucht impliziert ja gerade eine Selektion durch den Menschen, d.h. dass die gewünschten Eigenschaften selektioniert werden. Die generell häufig in einem Kontrast zu dem stehen, was für eine natürliche Population vorteilhaft wäre. Weshalb etwa Agrarpflanzen eigentlich per se anfällig sind, gefördert noch durch den monokulturellen Anbau. Mit Gentechnik oder nicht hat das letztlich nichts zu tun, denn gerade solche Probleme sind halt eben ein universeller Bestandteil der landwirtschaftlichen Domestizierung. Gentechnik ist dabei lediglich ein Instrument, welches eine gezieltere Veränderung von Merkmalen oder das einschleusen artfremder Gene erleichtert. Das Prinzip bleibt letztlich aber gleich.

Dass in der Diskussion trotzdem immer so getan wird als wären wir direkt von Jägern und Sammlern zu GVO gesprungen scheint darum nur absurd. Das ist verquere Naturromantik, die nichts mit der Realität zu tun hat.

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Riff 06.10.2010, 13:47
39. Man muss seine Argumente schon richtig selektieren

Zitat von MatthyK
... Meist ist das Gegenteil der Fall, denn diese Sorten haben nicht den harten Auswahlprozess durchgemacht, den eine natürliche Selektion unter praktischen Bedingungen bewirkt. ....
Keine (!) gezüchtete Nutzpflanzensorte hat "den harten Auswahlprozess durchgemacht, den eine natürliche Selektion unter praktischen Bedingungen bewirkt."
Keine.

Alle Nutzpflanzensorten sind durch künstliche Zuchtwahl (artifizielle Selektion) des Zäüchters entstanden. da is' nix mit "natürlicher Selektion".

Nutzplanzen stehen auf dem Acker. In Reih und Glied. Da herrscht kein "harter Auswahlprozess durch natürliche Selektion". Da herrscht Selektion durch Hacke und Pflug.

Der deutsche Kartoffelacker ist kein Urwald.

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