Forum: Wirtschaft
Geplantes Volksbegehren in Berlin: Was würde die Enteignung von Immobilienkonzernen b
Felipe Trueba/EPA-EFE/REX

Die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen enteignen" startet in Berlin ein Experiment. Ziel ist es, Großvermieter zu enteignen. Ein Segen aus Sicht der Befürworter - aber eine Katastrophe, warnen die Kritiker.

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bernie86 06.04.2019, 15:44
50. Ich habe es die Tage zwar schon gelesen,

aber hier passt es ganz gut - die Berliner Regierung verwaltet bestenfalls, lässt sich schlimmstenfalls treiben, statt zu regieren.
Zum Verständnis - Enteignung heißt nicht, dass die Eigentümer leer ausgehen, es bedeutet dass ein Angebot zum Verkauf gemacht wird, das nicht abgelehnt werden kann. Das wurde bereits thematisiert, als im Stadtrand Gartenlauben und Gewerbeflächen erst enteignet und dann in Wohnfläche umdeklariert werden sollten - den Eigentümern wurden zwischen 50 und 70 Prozent des Marktwertes geboten (bei nicht-Verkauf droht der Klageweg). Einer der Eigentümer bot sogar an, die Hälfte der Fläche für Wohnraum zu nutzen, selbst zu bebauen und den Mietspiegel zu garantieren, auf die andere Hälfte sollten dann Supermarkt, Apotheke und Co.

Jetzt mögen die Sozialromantiker gerne lamentieren, dass der auch nur seine Rendite sieht, aber bleiben wir mal realistisch:
- die Enteignung schafft für mögliche Investoren ein Klima der Unsicherheit
- letzte Woche hieß es noch, dass weniger als 50% der öffentlichen Bauaufträge in Berlin vergeben werden, weil sich Unternehmen nicht auf sie bewerben würden (Hauptgrund - Zahlungsmoral der öffentlichen Hand); ein privater Bauherr hat das Problem nicht, legt seine deutlich höheren Kosten dann aber auf die Nachnutzer um
- je mehr Forderungen/ Bedingungen Investoren auferlegt werden, desto größer der Bogen, den sie um Berlin machen - täte ich auch, wenn ich überall investieren könnte und andere Projekte mehr Rendite bei weniger Stress versprechen.

Hier fehlt mir der mahnende Herr Lindner, der die Aktivisten daran erinnert, dass das Feld den Profis überlassen werden soll... so wie zu Zeiten der schwarz-gelben Koalition unter Diepgen und Landowsky.

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zensurgegner2016 06.04.2019, 15:46
51.

Wer für eine 100m² Wohnung 1000 Euro bezahlen will, dem sollte klar sein, dass dann der Vermieter 800 Euro im Monat Gewinn erwirtschaftet
Sind grob 9600 Euro im Jahr
In 30 Jahren 288.000 Euro

Und welcher Investor investiert für einen Neubau grob 500.000 Euro, wenn er in 30 Jahren 288.000 erwirtschaftet

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wasistlosnix 06.04.2019, 15:48
52. Baukosten vs. Grundstück

Die Entstehungskosten für eine Wohnung auf dem flachen Land oder in der Großstadt sind unwesentlich für den Mietpreisunterschied. Der Preistreiber sind die Grundstückspreise.
Das eine Enteignung nichts ändert wurde schon mehrfach erwähnt. Es müsste der Grund und Boden enteignet werden und mit langfristigen Pachtverträgen ausgestattet werden und natürlich viel mehr Wohnraum gebaut werden. Dann könnte wohnen wieder bezahlbar werden.

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hannesmann 06.04.2019, 15:48
53.

Das Problem in Berlin ist doch nicht das es nicht genug Wohnungen gibt. Die 3 Hauptgründe sind doch 1. spekulativer Leerstand. Es ist eben lukrativer Wohnungen leerstehen zu lassen für einen späteren Verkauf als sie zu vermieten. 2. Zweit- und Drittwohnungen der Reichen und Schönen die sich hiermit schmücken. 3. Ferienwohnungen.
Nur wenn man hier ansetzt kann man etwas erreichen.

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pracz 06.04.2019, 15:51
54. Die Berliner

Eine kleine und laute Minderheit glaubt einen Weg gefunden zu haben wie ihre (und nur ihre!) Mieten nicht steigen sollen, auf Kosten des Steuerzahlers. Einzige Unterschied zu DDR wäre, dass in diesem Fall der Steuerzahler zahlungsfähig ist. Für mich ist das der Prüffall. Ich habe mit meinem Unternehmen gerade Berlin verlassen, warum auch wohl? Wenn es wirklich zu Enteignungen kommen sollte (was ich allerdings nicht glaube), werde ich meine beiden Wohnungen in Berlin verkaufen und werde diese Stadt nie wieder betreten. Außerdem werde ich eine Initiative gründen um das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland dahingehend zu ändern, dass man zahlungsunfähige und notorisch unbelehrbare Bundesländer aus der Bundesrepublik ausschließen kann. Dann können die Berliner, unter sich geblieben, machen was sie wollen: Die Stadt ummauern, Häuser enteignen, die Diktatur des Proletariats einführen, und so viele Flughäfen bauen, wie sie wollen.

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5b- 06.04.2019, 15:55
55. Ineffektiv

Enteignen ist teuer. Die Unternehmen werden sich relativ gut wehren um den Preis in die Höhe treiben. Was gekauft wird ist die Hoffnung, dass die Mühen für niedrige Mieten sorgen. Es gibt keine neuen Wohnungen.
In Stuttgart, da wo man relativ viel Platz zu verteilen hat, wenn die oberirdischen Gleise weg sind, ja da werden Büro- und Premiumladenflächen gebaut.
Soll man lieber das Geld in öffentliche Wohnungsbaugesellschaften stecken, die neue Wohnung produzieren. Man könnte auch allen Berlinern mehr Gehalt zukommen lassen, damit sie kein Geld verlieren.
Wenn man neue Gesetze erstellt, dann doch welche, die dafür sorgen, dass die Preise niedrig bleiben. Wenn man die Wohnungsheuschrecken stärker reglementiert, könnte man sie dazu zwingen den Mietern bessere Konditionen zu schaffen. Wenn man enteignet, sorgt man dafür, dass die Gesellschaften einen guten Preis für die Wohnungen bekommen. Der Steuerzahler zahlt also drauf. Nur mit Regeln kann man wirtschaftliche Gier zügeln.

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brooklyner 06.04.2019, 15:56
56.

Zitat von 2undvierzig
"Auch jemand mit 5000 Euro im Monat muss sich in Berlin fragen, wie lange er sich die Miete noch leisten kann" Sinnvollerweise sagt man 1/3 Miete, 1/3 Rücklagen/Sparen, 1/3 Leben. Bei 5.000€/Monat sind das 1.667€ bei einer Miete von 10€ (Siehe oben) sind das warm ca. 15€ - dafür kann man satte 110m² mieten - Wo bitte ist das Problem?
Ich stimme Ihnen durchaus zu, nur sieht es in Berlin folgendermassen aus: Diese Fantasiepreise von 10€ pro m2 aus dem Mietspiegel sind völliger Schmarrn. Wir haben schon 2005, als wir noch zur Miete wohnten, 14€ kalt für eine Altbauwohnung ohne Balkon aber in schöner Lage gezahlt. Dann das Problem, dass es für jede Wohnung wahnsinnig viele Interessenten gibt, so dass man irgendwann frustriert aufgibt. Selbst wenn man übermässig viel für die Miete berappen wollte, findet man eben nichts. Ich habe das vor 12 Jahren kommen sehen, habe lange rumgerechnet und zähneknischend einen 4% Kredit für einen Dachstuhl aufgenommen und diesen ausgebaut. 10 Jahre nur für diesen Kredit zu arbeiten und sich vieles lieber nicht mehr zu leisten, wäre auch nicht jedermanns Sache. Aber heute nach der letzten Rate bin ich heilfroh, dies damals gemacht zu haben, aber meine Verachtung für die Banker ist sicher nicht gesunken. Haben die sich das Geld ja gratis von der EZB geholt und dann fett abgesahnt. Dass die Bude mittlerweile mehr als das Doppelte wert ist, dafür kann ich nichts, es beruhigt mich aber ungemein. Aber sehen wir Mal, was die Grundsteuerreform für Nettigkeiten bringt.

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jkbremen 06.04.2019, 15:57
57. Sehr gut

Enteignung und ab in städtischen Besitz.
Am Beispiel Wien orientieren.
Dort gehören 30% der Wohnungen der Stadt und das dämpft das Mietniveau.
Was in Wien geht, geht auch in Berlin.

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drui 06.04.2019, 16:02
58. Blödsinn

"Denn Investoren würden die Stadt schon deshalb meiden, weil dem Enteignungsgesetz Jahre der Unsicherheit folgen würden."

Wenn mit "Investoren" die drei großen Miethaie gemeint sind, auf die das Volksbegehren zutrifft (Besitz von mehr als 3000 Wohnungen in Berlin), mag das stimmen, es soll aber auch noch ein paar (Tausend) mehr Investoren geben, die es absolut überhaupt nicht stört.

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trimedial 06.04.2019, 16:06
59. Grund und Boden ist ein besonderer Stoff...

... der nicht vermehrt werden kann - so wenig wie Luft und Wasser - und aus diesem Grund sollten diese dem "normalen" Wirtschaftskreislauf entzogen werden, indem Grund und Boden potenziell allen gehört. Es kann ja wohl nicht sein, dass die meisten Menschen bereits nach Geburt nur die Möglichkeit haben, auf Grundflächen herumzukrabbeln, für die sie permanent zahlungspflichtig sind und aus diesem Grund jederzeit vertrieben werden können. Mein Vorschlag: jeder kann entsprechend seinen finanziellen Möglichkeiten so viel Grund und Boden erwerben, wie er will und diesen der Gesellschaft für eine Gebühr zur Verfügung stellen. Nur eines dürfte er nicht: den erworbenen Grund und Boden jemals an seine Nachkommen oder sonstwen vererben. Sobald jemand stirbt, fällt der Grund und Boden automatisch an die Gemeinschaft zurück. Mit anderen Worten: alles klar, einfach, nachvollziehbar und übersichtlich.

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