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Geprellte Minijobber: Was tun, wenn der Mindestlohn verweigert wird?
DPA

Viele Minijobber verdienen weniger als den Mindestlohn, obwohl er ihnen zusteht. Doch Betroffene können sich wehren. Der Überblick.

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elCaputo 01.02.2017, 09:40
1. Ach wenn doch nur...

Alle Tipps, wie man sich gegen die Nichtzahlung des Mindestlohnes wehren kann, wären obsolet, wenn es politisch ein ernsthaftes Interesse am Mindestlohn und ähnlich gelagerten Regelungen zum Schutz von Arbeitnehmern gegen Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber gäbe.
Es wäre ein Leichtes Konventionalstrafen in empfindlicher Höhe gegen Arbeitgeber zu verhängen, die nachweislich den Mindestlohn nicht zahlen, die Überstunden unvergolten lassen, die das Arbeitszeitgesetz ignorieren und dergleichen mehr. Dafür müsste man nur eine schlagkräftige Behörde schaffen, die sich über die zu erwartenden Millionen aus den Konventionalstrafen mehr als nur selber tragen würde. Aber hätte hätte ...

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dr.eldontyrell 01.02.2017, 09:48
2. Arbeitgebern,

deren Geschäftsmodell auf Bezahlung von Mickerlöhnen basiert, sollte die Bude geschlossen werden.
Und klar, der aufstockende Hartz4 Empfänger, der Zeitarbeiter und die alleinerziehende Mutter haben den finanziellen Background und die mentale Kraft, gegen so einen Ausbeuter in den Rechtsstreit zu treten. Die sind mit überleben beschäftigt, und am Ende des Geldes ist noch Monat übrig.
Was wurde aus dem Lohnabstandsgebot? Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass Menschen, die 40h die Woche arbeiten davon weder normal leben können (leben, nicht nur essen, hausen, arbeiten) noch auf eine faire Rente jenseits der Armutsgrenze hoffen dürfen. Eine Schande.

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w.moritz 01.02.2017, 09:52
3. Die Unterschreitung des Mindestlohnes,

ist ein klarer Rechtsbruch und sollte per Anzeige strafrechtlich verfolgt werden. Aber das Gesetz ist von
den Politiker so gemacht, dass derjenige der diesen Mindestlohn nicht zahlt auch nix zu befürchten
hat. Als Vorbild für dieses Ausbeutertum dient doch die politische Riege im Bundestag und der EU,
da dort die eigenen Gesetze unterlaufen werden. Aber das ist ja auch so gedacht von denen
da oben, denn mit den Bonzen darf man es sich nicht verscherzen, mit den Arbeitern und Angestellten
schon.
W.Moritz, Worms

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Negira 01.02.2017, 09:53
4.

Meine Schwester hat in der Übergangszeit von Studium zum Beruf in einer Bäckerei gearbeitet.
Beliebter Trick. Die Bäckerei hat bis 18 Uhr geöffnet und bis 18 Uhr wird bezahlt. Danach muss aber noch alles aufgeräumt werden. Dauer pro Tag mindestens 30 min. ; also im Monat rund 10 Stunden. Wenn man das bei 50 MItarbeiter macht, lohnt sich das....(das wären rund 4000 € eingespart)
Sie hat sich durchgesetzt, weil sie auf den Job ja nicht angewiesen war, aber bei ihren Kolleginnen wurde das Spiel natürlich so weitergetrieben.

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Backs 01.02.2017, 09:55
5. Gut, dass Sie darauf hinweisen

Schliesslich betrifft das einen Gutteil ihrer neuen Leser-Klientel. :-)

Was ich allerdings vermisse ist Ihre Aufklärung darüber, dass in Deutschland von allen Industrieländern die Arbeitnehmer (und Rentner) die geringste Kaufkraft haben und dass seit 1980 die Löhnen real auf dem gleichen Niveau geblieben sind. Diese Anmerkung sei gestattet: während der Spiegel im Niveau seit dieser Zeit regelrecht abgestürzt ist. Und auch die Politik.

1980 wäre keiner auf den Gedanken gekommen, Mindestlohn zu fordern. Weil unterbezahlten Arbeitskräfte sich sofort einen besser zahlenden Arbeitgeber gesucht hätten. Mindestlöhne haben auch keinen humanen Hintergrund. Sondern damit wollte "der Staat" die Sozialhilfe für Aufstocker einsparen. Mit dem Ergebnis, dass heute durch Sozialabgaben und Steuerpflicht Mindestlöhner häufig weniger in der Tasche haben als vorher.

1980 wurde die beste Sozialpolitik betrieben: "Wohnstand für Alle" die daran teilnehmen wollten und bereit waren zu schaffen.

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ahartmann 01.02.2017, 09:58
6. Bester Tipp:

Einfach den Arbeitgeber wechseln.

Dieser Tipp ist besonders hilfreich in Verbindung mit beruflicher Weiterbildung sowie dem erwerben/ erneuern/ erhalten von Qualifizierungen.

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Pela1961 01.02.2017, 10:08
7. Arbeitgeber,

die den Mindestlohn nicht zahlen, sollten sofort empfindlich bestraft werden. Das wäre schnell zu erledigen. Aber wenn man schon anderthalb Jahre braucht, um den Straftatbestand der "Majestätsbeleidigung" abzuschaffen, wird das wohl frühestens im nächsten Jahrhundert möglich sein.
Eine andere Sache ist in meinen Augen ebenfalls überfällig. Gibt es einen Grund dafür, warum bei Prozessen vor dem Arbeitsgericht jeder seine Prozeßkosten selbst zahlen muss?
Bei allen anderen Gerichten wird selbstverständlich die Kostenlast dem aufgebürdet, der den Prozeß verliert. Das ist ein wichtiger Grund, warum viele den Gang vor das Gericht scheuen, obwohl sie zu 100 % im Recht sind. Eine Neuregelung, die ja nicht mehr als eine Anpassung an alle anderen Rechtsstreitigkeiten wäre, ist mehr als dringend nötig.

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cs01 01.02.2017, 10:19
8. Richtigstellung

Im Falle einer Klage zahlt man seinen Anwalt nicht vorerst, sondern in der ersten Instanz auf jeden fall, unabhängig vom Ausgang der Klage. Ist eine Besonderheit des Arbeitsrecht, im gegensatz zum allgemeinen Zivilrecht. Also ohne RSV oder Gewerkschaft ist es oft ein Nullsummensoiel.

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Crom 01.02.2017, 10:28
9.

Zitat von Backs
Was ich allerdings vermisse ist Ihre Aufklärung darüber, dass in Deutschland von allen Industrieländern die Arbeitnehmer (und Rentner) die geringste Kaufkraft haben und dass seit 1980 die Löhnen real auf dem gleichen Niveau geblieben sind. Diese Anmerkung sei gestattet: während der Spiegel im Niveau seit dieser Zeit regelrecht abgestürzt ist. Und auch die Politik.
Quelle für Ihre Behauptung?

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