Forum: Wirtschaft
Geringer Verdienst: Teilzeit treibt viele Frauen in die Armut
dapd

Die Zahl der Frauen mit Job steigt, doch jede elfte gilt als armutsgefährdet. Der Grund: Viele verdienen trotz Vollzeit zu wenig - und immer mehr arbeiten nur Teilzeit.

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foomen 02.03.2015, 10:50
50. Wichtig

Wichtig ist doch, den Frauen klar zu machen: wenn Ihr darauf verzichtet, einen gut bezahlten Beruf zu erlernen und dann auch Vollzeit zu arbeiten, werdet Ihr die Verliererinnen sein.
Alles ist gut, so lange der Mann gut verdient, die Ehe in Takt bleibt. Aber was ist bei Arbeitslosigkeit des Mannes, bei Scheidung? Das sind ja keine seltenen Fälle.
Der Mann findet eher neue Arbeit, aber wer jahrelang Teilzeit gearbeitet hat, hat kaum Chance, wieder in den alten Vollzeitjob zurückzugehen - wenn man denn überhaupt genug Wert auf eine gute Ausbildung gelegt hatte.

Probleme, die man für überwunden gehalten hatte. Emanzipation, Gleichberechtigung scheint vielfach falsch verstanden zu werden, Mädchen werden wieder zur Abhängigkeit erzogen - mit großen Ansprüchen allerdings.

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ketzer2000 02.03.2015, 10:58
51. Klassische Rollenaufteilung

Ich bin in den 60'er und 70'er Jahre groß geworden. Mein Vater war derjenige, der alleine die Brötchen verdient hat. Meine Mutter war zu Hause und hat ihre 3 Kinder versorgt. Das hat gereicht, um Urlaub zu machen, die Kinder haben alle einen schulischen Abschluß, Studium, Ausbildung und Haus.
Heute scheint das klassische Rollenbild nicht mehr auszureichen. Das hat m.E. auch weniger mit der Emanzipation, sondern mit der gesellschaftlichen Entwicklung und den Ellenbogen zu tun. Unternehmensgewinn bzw. Einkommen aus Kapital steigt und Einkommen aus Arbeitskraft sinkt, die Arbeitnehmer partizipieren nicht an der Vermögensentwicklung.
Die Generation meines Vaters ist mit überwiegend fetten Renten und 55 aus dem Arbeitsleben ausgeschieden auch gerade wegen der Betriebsrenten. Offensichtlich kann man heute froh sein, wenn man durch seine Renteneinzahlungen ein halbwegs vernünftiges Alterseinkommen mit 70+ hat. Die Liste der unzulänglichkeiten kann man beliebig fortsetzen mit Schule, Infrastruktur, Gesundheit etc.. Offensichtlich läßt sich heute ein Gemeinwesen und Mindesteonkommen für Arbeit nicht mehr finanzieren, da sich die Steuer- und Sozialveranlagung in Richtung der Arbeitnehmer verschoben hat.

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Hanz Gruber 02.03.2015, 11:00
52. Mehr Arbeitnehmer, weniger Gehalt

Die Entwicklung ist doch normal. Noch vor knapp 30 Jahren haben die meisten West Mütter maximal eine Ausbildung absolviert und sich danach ausschließlich um den Haushalt gekümmert. Da war auf dem Arbeitsmarkt natürlich ein echter Mangel an Arbeitskraft, was sich entsprechend in den Gehältern der Männer ausdrückte. Als Mann alleine die Familie durchzufüttern war kein Problem.
Heute wo die Frauen selbstständiger werden und gerne selber arbeiten, haben wir eher einen Arbeitsstellen Mangel und dieser drückt sich auch entsprechend auf die Gehälter aus. Das Mann eine Familie heute nicht mehr alleine versorgen kann, ist dem Umstand geschuldet das Frauen in den Arbeitsmarkt drängen.

Auf der einen Seite haben Frauen dadurch nun mehr Freiheiten und sind nicht mehr vom Mann abhängig aber auf der anderen Seite müssen viele Frauen nun VZ oder TZ arbeiten damit man sich das Leben noch leisten kann.
Je weniger AN es auf dem Markt gibt, desto besser wird bezahlt, desto mehr Macht hat der einzelne AN und desto sicherer ist der Arbeitsplatz.
Alles hat seine Vor- und Nachteile ;-)

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orthos 02.03.2015, 11:07
53. Kein Einzelschicksal!

Zitat von ansiba
Inzwischen geschieden, hat der Mann fast die Hälfte der Rentensprüche der Frau aus 15 Jahren Ehe bekommen, weil er wenig in eine gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Macht für sie 250 Euro weniger Rente. Die eigentlich guten Rentenansprüche, die vor der Ehe erworben wurden, werden nun von Jahr zu Jahr schmaler, weil sie zwar freiwillig weiter in die gesetzliche RV einzahlt, aber das Beitragsniveau entsprechend gesunken ist. Ein Einzelschicksal? Mag sein.
Das ist mitnichten ein Einzelschicksal.
Bloß sind es in der Regel Männer, die Renteneinbußen bekommen. Aber das ist ja nicht so schlimm, nicht wahr? ...
Da kommt dann nocheinmal Unterhalt dazu.

Von daher ein schönes Beispiel für Gleichstellung. Die macht nicht immer alles für alle besser.
Trotzdem bin ich dafür.

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skorpianne 02.03.2015, 11:13
54. Mangel?

Zitat von Celestine
Meine Tochter hat im Januar ihren Uni-Abschluss gemacht: Fachbereich Psychologie. Weil es in Deutschland einen Mangel an Psychologen gibt, denkt man: Jobsuche, kein Problem! Doch auch in dem Bereich gibt es zu einem erheblichen Teil nur noch Angebote an halben und 65% Stellen. Dafür studiert man Jahre lang, ein Großteil hat entweder Bafög- oder Studienkredit-Schulden, dann bekommt nur noch die Hälfte vom bisher üblichen Anfangsgehalt. An der Uni arbeitet kein Absolvent mehr, der noch etwas von sich hält. Die Lehrkräfte knapsen dort fast ausnahmslos nur noch auf dem Aufstocker-Niveau. Bald wird das Studieren wohl zum Luxus der Eliten, die den Eltern an der Tasche liegen können. Und noch mal als Ergänzung, was hier nicht erwähnt wird: Griechenland wird nach wie vor nicht gerettet. Die Euro-Zone hat sich die faulen Kredite aufgehalst, welche in den Boomjahren aus Hype und entsprechenden Fehleinvestitionen entstanden sind, weil gewisse Banken ja systemrelevant sind und too big to fail ... Na ja, von jenen Schulden bekommt der von den Amerikanern dominierte IWF (einziges Veto-Recht liegt bei USA) als erstes sein Geld zurück, die braven Europäer haben's ja so dicke ...
Es gibt ein Mangel an Psychtherapeuten, nicht an Psychologen.
Als Ergänzung: in Griechenland wurde der Wirtschaftswachstum lange staatlich subventioniert. Das Geld lieh sich der Staat von den Banken. Hätte man die Gläubiger der Banken (nicht die Banken) nicht gerettet, wäre Griechenland bankrott und die Bevölkerung noch ärmer dran, weil sie dann alle ihr Erspartes verloren hätten. Noch handelt es sich "nur" um Bürgschaften, wenn Griechenland es schafft, verliert der Steuerzahler, dessen Ersparnisse ja auch gerettet wurden, vermutlich nicht die ganze Summe. Wir sollten der neuen Regierung die Daumen drücken.

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skorpianne 02.03.2015, 11:15
55. Ironie?

Zitat von pathobserver
Nur Geld regiert die Welt - Wenn man den Leuten wie früher in den 80, 90 gute gerechte Löhne zahlen würde - könnten einige wenige nicht so schnell zu Multimillionären ähem -Millardären werden. Ein Millionär ist ja nichts mehr. Lobbieisten es geschafft die Unternhemen global ziemlich steuerfrei zu halten und gleichzeitig die Löhne zu drückeninWiso
In welcher Realität wurden denn pauschal "in den 80,90" "gute,gerechte" Löhne gezahlt? Es gab zu den Zeiten noch viel mehr Hilfsarbeiter, due sehr wenig verdient haben.

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specialsymbol 02.03.2015, 11:15
56. Was soll das Beschweren?

Die Frauen sollten lieber froh sein arbeiten zu können. Schließlich war dies das erklärte Ziel der Frauenrechtler.

Jeder Siebtklässler kann erklären: wenn doppelt so viele Leute die gleiche Arbeit machen wollen, dann wird die Arbeitskraft auf einmal nur halb so wertvoll.

Wenn jeder Elternteil nur noch halb so viel verdient, müssen beide Elternteile arbeiten gehen - so wird die Emanzipation zum gesellschaftlichen Imperativ, vor allem für die Unterschicht.

Besser hätte man es nicht planen können - und die Wirtschaft profitiert auch!

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Hanz Gruber 02.03.2015, 11:16
57.

Zitat von foomen
Der Mann findet eher neue Arbeit, aber wer jahrelang Teilzeit gearbeitet hat, hat kaum Chance, wieder in den alten Vollzeitjob zurückzugehen - wenn man denn überhaupt genug Wert auf eine gute Ausbildung gelegt hatte.
Das ist das Problem der Frauen selbst, wenn ein Mädel mit gutem Abi dann Zahnarzthelferin, Einzellhandelskauffrau oder Friseuse wird, ist das Ihre Entscheidung. Viele Mädchen nehmen in vollem Bewusstsein eine Ausbildung an, wo schon vorher klar ist das man niemals in diesem Beruf eine Familie damit ernähren kann.
Frauen werden nicht von der Gesellschaft in eine Rolle gedrückt, oder in der Ausbildung (Schulisch/Beruflich) vernachlässigt, es sind die eigenen Entscheidungen die dazu führen.
Wer in DE viel Geld verdienen will muss etwas Studieren/ eine Ausbildung machen die evtl. keinen Spaß machen und alles auf seine Karriere auslegen. 40 Stundenwoche ohne Überstunden? Damit erreicht man nie einen Leitenden Posten. Nicht am Wochenende arbeiten, E-Mails von zuhause beantworten? Dann bekommt halt der Kollege die Beförderung. Anstatt von 6:30 - 19 Uhr im Büro sitzen, lieber die Kinder zur Schule oder ins Bett bringen? Mit dieser Einstellung macht man keine Karriere.

Karriere zu machen und richtig viele Geld zu verdienen, bedeutet sehr viel aufzugeben. Für Familie, Kinder, Freizeit ist da wenig Platz. Kaum eine Frau will diesen Weg gehen, aber von vielen Männern wird das quasi noch gefordert.
Wie deine Frau muss arbeiten, reicht das Geld von dir nicht aus?

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wiese 02.03.2015, 11:27
58. Selbst-Ausbeutung

Generell ist es Frauen kaum möglich voll arbeiten zu gehen und Familie und Wohnung oder Haus einigermaßen in Schuss zu halten. Zumindest ist dies so, solange die Kinder klein und meist noch häufig krank sind. Selbst wenn der Mann tatkräftig mit im Alltag anpackt, was ich den meisten Vätern unterstelle, sind die Belastungsgrenzen für Mütter schnell überstiegen, sobald mehr als ein Kind vorhanden ist. Wenn ein Kind fiebrig im Bett liegt, sagt keine Mutter, dass ihr die Karriere wichtiger ist. Leider wird dieser Fakt der emotionalen Wärme und Intelligenz in der breiten Gesellschaft kaum wahrgenommen oder auch nur in irgendeiner Weise anerkannt. Ich denke, die meisten Mütter entscheiden bewusst und richtig, auch wenn sie ggf. Nachteile in Kauf nehmen müssen. Das sollte die Gesellschaft anerkennen.

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Celestine 02.03.2015, 11:38
59.

Zitat von skorpianne
Es gibt ein Mangel an Psychtherapeuten, nicht an Psychologen.
Kein Wunder, denn diese müssen nach dem langen Studium noch einmal eine dreijährige Ausbildung machen, während derer sie nach Kräften zwar schon als Therapeuten eingesetzt werden, aber die Ausbildung trotzdem noch finanzieren müssen. Dafür sind angehende Therapeuten hier in Hamburg schon mal auf die Straße gegangen, um gegen den Missbrauch der Arbeitskraft der angehenden Therapeuten zu demonstrieren. Jetzt gab es ein Gerichtsurteil, laut welchem einer auszubildenden Therapeutin, die de facto in die Therapiearbeit als volle Arbeitskraft integriert war, das entsprechende Gehalt zugesprochen wurde. Von einer Ausbildung kann dann keine Rede sein, und das ist keine Ausnahme. Diejenigen, deren finanzielle Möglichkeiten nicht ausreichen, um die Zusatzausbildung zu finanzieren, haben schlechte Karten, obwohl sie schon ein Vollstudium vorzuweisen haben.

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