Forum: Wirtschaft
Geschenk aus China zum 200. Geburtstag: Ein Mega-Marx für Trier
REUTERS

Ein fünfeinhalb Meter hohes Denkmal von Karl Marx gehört nun zum Stadtbild von Trier. Das Geschenk aus China wurde anlässlich des 200. Geburtstags des Ökonomen enthüllt - und sorgt nicht nur für Begeisterung.

Seite 1 von 4
marialeidenberg 05.05.2018, 15:24
1. Hätten die Stadtväter nicht eine Bürgerbefragung

zu diesem 'Geschenk' im Allgemeinen und dem Aufstellungsort im Besonderen abhalten können? Immerhin gehört die Stadt - wenn überhaupt jemandem - den Bürgern; auf keinen Fall jedoch der Sozialistischen Internationalen.

In der klassischen Antike hieß es "Hüte Dich vor den Kretern wenn sie Geschenke bringen"; man könnte es neu auf 'Chinesen' prägen, nicht nur in Trier.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ontologix II 05.05.2018, 15:51
2. Zwei große Deutsche zu Hause nicht willkommen

In Wuppertal steht schon länger ein Engels an der Stelle des zerstörten und nicht wieder aufgebauten Geburtshauses. (Gleich neben dem Theater, an dem Pina Bausch wirkte).
Ich wollte Freunden in Schweden eine Engels-Postkarte schicken, fand aber keine. In den meisten Zeitschriftenläden wusste man gar nicht, wer Engels ist. Ein deutscher Zeitungshändler knurrte nur: "Wir wollen keine Kommunisten hier." Meine Antwort, Engels sei doch eigentlich Kapitalist gewesen, gefiel ihm gar nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
aurichter 05.05.2018, 16:00
3. #1

Nun ja, wenn das so ist, dann können wir auch noch etwas intensiver über verschiedene Kirchenglocken debattieren. KM ist zumindest direkt nicht für kriegerische Auseinandersetzungen verantwortlich. Kann man es nicht hinnehmen als einfache Huldigung an den Mann und seiner Geburtsstadt? Es gibt in diesen 200 Jahren mehr Figuren, die weniger Beachtung verdient hätten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Darl 05.05.2018, 16:20
4.

Zitat von marialeidenberg
zu diesem 'Geschenk' im Allgemeinen und dem Aufstellungsort im Besonderen abhalten können? Immerhin gehört die Stadt - wenn überhaupt jemandem - den Bürgern; auf keinen Fall jedoch der Sozialistischen Internationalen. In der klassischen Antike hieß es "Hüte Dich vor den Kretern wenn sie Geschenke bringen"; man könnte es neu auf 'Chinesen' prägen, nicht nur in Trier.
Als (ehemaliger) Trierer kann ich ihnen sagen das so eine Befragung auch zu keinem Ergebniss gekommen wäre. Man hat auf der einen Seite eine recht linke Studentenstadt und auf der anderen Seite einen recht konservativen Bischofsitz. Trier ist da wirklich eine Stadt der Gegensätze. Sieht man auch an der Uni. Viele Studenten wollen sie in "Karl-Marx Universität" umbenennen während sich die Verwaltung dagegen sträubt. Auch darf man nicht vergessen das neben der Uni der größte Wirtschaftszweig von Trier die Touristik ist von denen ein sehr großer Anteil aus China kommt. Und hier ist auch eine andere Sache. Zwar veinnahmt die (wie sie es nennen) "Sozialistische Internationale" Marx gerne für sich man darf aber auch nicht vergessen das Marx für viele politische Strömungen als Vordenker gilt. Seien es nun Kommunisten im Extremen oder auch Sozialdemokraten. Sozialliberale und teilweise sogar heutige konservative Partein. Selbst unsere soziale Martwirtschaft mit Arbeiterrechten und Sozialer absischerung lassen sich zum Teil auf Marx zurückführen. Und ich denke es schadet den Extremen wie Stalinisten, Maoisten und weitere mehr wen wir anfangen ihnen die Deutungshoheit über Marx abzunehmen anstatt ihn ins Giftschränkchen zu packen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Anthrophilus 05.05.2018, 16:36
5. Zur Freude der chinesischen Besucher des Denkmals ...

... sollte man ein paar kleine Portrait-Fotos (Drucke) mit dem Dalai Lama an den Sockel kleben - am besten rundum, oder größere Poster
mit Dalai Lama in der nächsten Umgebung - und wenn dann die ersten rotchinesischen Reisegruppen kommen, mit genügend Videokameras bereitstehen, die Reaktion aufzunehmen - das wäre ein Spaß, ein trauriger ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mpitt 05.05.2018, 16:38
6. Kritische Auseinandersetzung

Man kann sich mit dem Werk von Marx kritisch auseinandersetzen, das wäre zum 200. Geburtstag auch angebracht. Ob allerdings dieses Monstrum als Symbol eines längst vergessen geglaubten Personenkults hierzu taugt, muß mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
josifi 05.05.2018, 16:58
7.

Zitat von Ontologix II
Meine Antwort, Engels sei doch eigentlich Kapitalist gewesen, gefiel ihm gar nicht.
Stimmt auch nicht. Außer Sie meinen den Vater von Friedrich Engels.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
h.weidmann 05.05.2018, 17:03
8.

Es gibt schon sehr lange eine Karl-Marx-Straße in Trier (die mit dem Rotlichtmilieu), das Museum im Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße und seit einigen Wochen Karl Marx als Ampelmännchen an einigen Fußgängerampeln. Die Trierer nahmen und nehmen das alles sehr gelassen hin.
Wir machen uns jetzt auf noch mehr Touristen aus China gefasst. Na und? Die tun hier keinem was zuleide und sind sehr schnell wieder weg.
Ach ja, das sind diejenigen Chinesen, die genug Kapital haben, um sich die Reise leisten zu können. Viele von denen reisen nämlich nicht exklusiv nach Trier, sondern machen nur einen Abstecher auf ihrer Rundreise durch Europa.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
knok 05.05.2018, 17:04
9.

Das Problem liegt ja in erster Linie darin, dass die chinesische Regierung noch weiter weg von Marx' Ideen handelt als die unsere. Dass sie ihn trotzdem noch als Vorbild sieht, ist irgendwie heuchlerisch. Was die Aussagen von Frau Wagenknecht angeht, so hat sie Recht, mit dem feinen Unterschied, dass der Sozialismus als solcher keine Gewalt beinhaltet, das Christentum aber per Definition intolerant sein muss.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4