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Geschenke von Pharmafirmen: Kassen fordern Haftstrafen für korrupte Ärzte
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Die Krankenkassen erhöhen beim Thema Ärztekorruption den Druck auf die Bundesregierung. Bis zu drei Jahre Haft soll es für Mediziner geben, die Geschenke von Pharmafirmen annehmen. Die CDU zeigt sich aufgeschlossen.

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Katzenliebhaber 03.01.2013, 22:19
90.

Zitat von Neuer Debattierer
Ein überlegenswerter Vorschlag.
Auf dem Rezept muss stehen:
>>Vorschlag von Arzt sowieso.<<
Ausgabe durch Apotheken oder gerne was anderes (DM oder so) nach Überprüfung durch den medizinischen Dienst der Kassen.
Ja, das wäre korrekt.

Und würde sowas von Kosten sparen. Denn die Kassen sorgen ihrerseits für sogn. Rabattverträge ;)

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tina.bankhol 03.01.2013, 22:35
91. Vor der eigenen Türe kehren

Bevor die Kassen mit "Dreck" schmeißen sollten die mal ihre eigenen
Strukturen und Gehaltsmodelle überarbeiten.
Ungelernte Sachbearbeiter werden auf Versicherte losgelassen, Auszu-
bildende erhalten völlig überhöhte Bezüge und Führungsmitglieder sacken kaum nachvollziehbare Prämien ein. Da sollte mal jemand ein Auge drauf hhaben.
Da regt mich "ne Packung Pralinen" oder was auch immer für meinen
Hausarzt echt weniger auf.

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Neuer Debattierer 03.01.2013, 23:01
92.

Zitat von Katzenliebhaber
Aber dann die Verantwortung den Kassen! Auch die Apotheker liefern dann nur noch den Wirkstoff aus. Evtl. Unverträglichkeiten können ja in einem Extrasatz auf dem Rezept erwähnt werden, ebenso die Empfehlungen des jeweiligen Arztes. Die Verantwortung wird aber komplett an die Kassen, die ja im Sinne der Patienten die Rezeptverordnungen bezahlen, übergeben. Evtl. werden Rezepte mit Zusatzangaben dann nicht sofort ausgegeben, es wird erst mit dem Kassen verhandelt. Man will ja kostenmäßig keine Fehler machen. Geil. Sorry, das Wort fällt mir hier gerade ein. Zumal ich nach wie vor auf die Unterstützung der Kassen zur Durchsetzung der Verordnung von rabattierten Medikamenten warte. O-Ton Kasse: Ihr Arzt muss nur das aut idem Kreuz setzen..... Bitte sofort die Verordnung von Wirkstoffen, mit abgegebener Verantwortung!
Uiih, solch heftige Reaktionen kenne ich bisher in erster Linie von Vertretern der Ärzteschaft. Sofort das Kind mit dem Bade auszuschütten ...

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trebbien 04.01.2013, 00:28
93. Schluck und Jau im Krankenhaus.

Seit Bismarck sind die Entgelte für ärztliche Behandlung und Arzneimittel gesetzlich und vertraglich geregelt. Seit dieser Zeit verwaltet und verbucht die Krankenkasse diese Gelder. Rund 130 Jahre später hatten Bismarcks Erben dieses System ruiniert. Da machten sie die Buchhalter zu Königen und baten sie, für die Kanken und Gebrechlichen zu sorgen. Als erstes schafften sie die Krankheit ab und nannten sich deshalb auch nicht mehr Kranken-, sondern Gesundheitskasse. Als nächstes hielten sie den Apotheker für überflüssig: Sie sorgten zusammen mit dem Arzt für ewige Gesundheit in ihrem Volk. Doch so gut das auch klappte - es klappte immer noch nicht so gut wie das Addieren der endlosen Zahlenkolonnen, das sie sogar im Kopf konnten, ohne sich bei den tausenden Positionen auch nur einmal zu verrechnen. Da fiel ihnen ein, das sie jemanden vergessen hatten: Die junge Pharmaindustrie. Die war ihnen noch nicht untertan. "Es muss etwas geschehen!" Sagten sie, und es geschah etwas: Sie kündigten ein "gentlemen agreement" nach dem anderen auf, das sie mit dem Arzt und der jungen Pharmaindustrie vereinbart hatten, als sie noch Buchhalter waren. Erst merkten es die Ärzte, die plötzlich Kriminelle waren. Dann das ewige Volk. Nur die Erben Bismarcks merkten nichts, denn sie sollten nichts merken. Dafür sorgte die Gesundheitskasse. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.

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Katzenliebhaber 04.01.2013, 21:00
94.

Zitat von Neuer Debattierer
Uiih, solch heftige Reaktionen kenne ich bisher in erster Linie von Vertretern der Ärzteschaft.
Dank Praxissoftware erkennen wir normalerweise sofort, welche Kasse für welches Medikament Rabattverträge geschlossen hat und klicken die entspr. Medikamente an.
Auch heute musste ich wieder bei einzelnen Patienten auf deren Wunsch ein aut idem Kreuzchen setzen, damit nicht die rabattierten Medikamente ausgegeben werden. Von wegen Aufzahlung zum Wunschpräparat, wie von der Politik gewünscht. Die Patienten sind gut informiert, unterstützt durch ihre Krankenkasse.
Und machen wir das nicht, dann rufen die Apotheken an und fragen, ob wir im Nachhinein das aut idem setzen, denn in den Apotheken gehen die Diskussionen weiter.
Zum Glück sind das wenige Patienten, aber die reichen für Ärger.
Zitat von Neuer Debattierer
Sofort das Kind mit dem Bade auszuschütten ...
Ok, was schlagen Sie vor?
Wirkstoff aufs Rezept, die rabattierten Medikamente bzw. preiswerten Varianten werden durch die Apotheke ausgegeben.
Unverträglichkeiten, wie zB bekannte allergische Reaktionen auf einen Wirkstoff können ja mit dem Zusatz cave versehen werden. Wie sieht es mit den Hilfsstoffen aus?
Umstellung auf neue Medikamente, für die es noch keine Rabattverträge bzw. preiswerte Angebote gibt, nur nach Vorabgenehmigung durch die Krankenkasse?

Niemand will das Kind mit dem Bade ausschütten. Nennen Sie einfach umsetzbare Vorschläge, dann können wir diskutieren.

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Katzenliebhaber 04.01.2013, 21:11
95.

Vielleicht noch ein kleines Beispiel zu Rabattverträgen.
Gestern wurde ein Antibiotikum verordnet, 20 Tbl (gängige Verordnungsgröße, gibt es von allen Firmen). Das rabattierte Medikament einer Krankenkasse hat aber die Packungsgröße 24 Tbl, warum? 4 Tbl zum Wegwerfen?

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Neuer Debattierer 06.01.2013, 21:00
96.

Zitat von Katzenliebhaber
Vielleicht noch ein kleines Beispiel zu Rabattverträgen. Gestern wurde ein Antibiotikum verordnet, 20 Tbl (gängige Verordnungsgröße, gibt es von allen Firmen). Das rabattierte Medikament einer Krankenkasse hat aber die Packungsgröße 24 Tbl, warum? 4 Tbl zum Wegwerfen?
Dazu kann ich nichts sagen. Aber sollte die 24er Packungsgröße unsinnig sein, sollte man das der betreffenden Krankenkasse mal sagen:-)

Insgesamt sehe ich bei den Rabattverträgen keinen Änderungsbedarf. Viele Apotheker scheuen keinen Beratungsaufwand, wenn es darum geht, ein teureres OTC-Präparat zu verkaufen. Diese Mühe kann man ihm und auch dem Arzt bei Rabattmedikamenten ebenfalls zumuten. Erstens gelten die Verträge zwei Jahre, so dass nicht jeder Patient ständig vor einem Präparatewechsel steht wie bei der Regelung, die ohne Rabattverträge greift: Dann muss der Apotheker nämlich eines der drei preisgünstigsten Generika ausgeben. Und zweitens sollte die Finanzierbarkeit der GKV diese Mühe schon wert sein. Oder sollen wir weiterhin überhöhte Medikamentenpreise mit Beitragsgeldern bezahlen?

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Katzenliebhaber 07.01.2013, 21:40
97.

Zitat von Neuer Debattierer
Dazu kann ich nichts sagen. Aber sollte die 24er Packungsgröße unsinnig sein, sollte man das der betreffenden Krankenkasse mal sagen:-)
Das erledigen hoffentlich die Apotheker ;)

Zitat von Neuer Debattierer
Insgesamt sehe ich bei den Rabattverträgen keinen Änderungsbedarf.
Ich schon. Ich hätte gerne eine Preisangabe auch in den Praxen, wie bei allen anderen Medikamenten. Habe nämlich gehört, dass in Einzelfällen die rabattierten Medikamente teurer sind als die anderer Hersteller.
Zitat von Neuer Debattierer
Oder sollen wir weiterhin überhöhte Medikamentenpreise mit Beitragsgeldern bezahlen?
Natürlich nicht, aber warum muss jede Kasse im stillen Kämmerlein verhandeln, das wäre sicherlich auch kassenübergreifend möglich. So könnte der Preis für ein Medikament samt allen Anbietern gedrückt werden. Sozusagen ein verhandelter Richtpreis.
Warum sollen nur große Kassen günstige Preise aushandeln können (das geht ja über eine zugesicherte Anzahl von Abnahme eines Medikamentes)

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Neuer Debattierer 08.01.2013, 23:04
98.

Zitat von Katzenliebhaber
Das erledigen hoffentlich die Apotheker ;) Ich schon. Ich hätte gerne eine Preisangabe auch in den Praxen, wie bei allen anderen Medikamenten. Habe nämlich gehört, dass in Einzelfällen die rabattierten Medikamente teurer sind als die anderer Hersteller.
Warum wollen Sie, dass sich die Ärzte mit der Preispolitik und dem Verhandlungsgeschick der einzelnen Kassen beschäftigen sollen, während Sie gleichzeitig dafür plädieren, dass Ärzte nur noch den Wirkstoff verschreiben?

Zitat von Katzenliebhaber
Natürlich nicht, aber warum muss jede Kasse im stillen Kämmerlein verhandeln, das wäre sicherlich auch kassenübergreifend möglich. So könnte der Preis für ein Medikament samt allen Anbietern gedrückt werden. Sozusagen ein verhandelter Richtpreis. Warum sollen nur große Kassen günstige Preise aushandeln können (das geht ja über eine zugesicherte Anzahl von Abnahme eines Medikamentes)
Diesen Weg geht die GKV seit dem AMNOG bei neuen, patentgeschützten Arzneimitteln. Die Kassen verhandeln ja gar nicht im stillen Kämmerlein. Es handelt sich um EU-weite Ausschreibungen, wie sie bei allen Projekten von öffentlich-rechtlichen Auftraggebern üblich sind. Und dass ein Pharmahersteller seiner Konkurrenz nicht so gerne die tatsächlichen Rabatte nennen will, halte ich für verständlich.

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Katzenliebhaber 09.01.2013, 19:20
99.

Zitat von Neuer Debattierer
Warum wollen Sie, dass sich die Ärzte mit der Preispolitik und dem Verhandlungsgeschick der einzelnen Kassen beschäftigen sollen
Die Ärzte sollen günstige Medikamente verordnen, folglich sucht man beim Rezeptieren eines Medikamentes über Preisvergleich nach einem preiswerten Produkt. Bei rabattierten Medikamenten sind keine Preise angegeben. Manchmal gibt es von einer Kasse für ein Medikament gleich mehrere Rabattverträge, da würden mich dann schon die Preisunterschiede interessieren. Rein aus persönlichem Interesse will ich auch die Preise für die rabattierten Medikamente kennen, damit ich die Ersparnis nachvollziehen kann. Schließlich sparen wir mit der Suche nach preiswerten Medikamenten Ausgaben für die Kassen.
In den Apotheken können die Preise ja auch eingesehen werden, Aufzahlungen müssen ja errechenbar sein..


Zitat von Neuer Debattierer
Diesen Weg geht die GKV seit dem AMNOG bei neuen, patentgeschützten Arzneimitteln. Die Kassen verhandeln ja gar nicht im stillen Kämmerlein. Es handelt sich um EU-weite Ausschreibungen, wie sie bei allen Projekten von öffentlich-rechtlichen Auftraggebern üblich sind. Und dass ein Pharmahersteller seiner Konkurrenz nicht so gerne die tatsächlichen Rabatte nennen will, halte ich für verständlich.
Wären alle Preise öffentlich, könnten andere Hersteller ihre Preise ebenfalls reduzieren. Natürlich würden dann nicht mehr die garantierten Mengen für einzelne Hersteller eingehalten werden, weil die Patienten auswählen könnten. Das wäre der Pferdefuß für die Verhandlungen, zugegeben.
Es ist aber auch nicht nachvollziehbar, warum jede Kasse Einzelverhandlungen führt. Ein Zusammenschluss der Kassen könnte meiner Meinung nach viel effektivere Preisnachlässe erzielen, vor allem bei den häufig verschriebenen Medikamenten. Was bei neuen und patentgeschützten Medikamenten möglich ist ließe sich sicherlich auf andere Medikamente erweitern.
Gibt es in anderen Ländern auch Rabattverträge? Oder haben sich dort andere Maßnahmen bewährt? Immerhin sind viele Medikamente in anderen Ländern preiswerter. Wie gehen dort die Pharmafirmen mit der Preisgestaltung um?

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