Forum: Wirtschaft
Gesetzentwurf: Nahles will Leiharbeit ein bisschen begrenzen
REUTERS

Leiharbeiter fühlen sich oft wie Arbeitnehmer zweiter Klasse. Arbeitsministerin Nahles will solche Beschäftigungsverhältnisse daher nun auf 18 Monate begrenzen - aber nur dort, wo kein Tarifvertrag gilt.

Seite 1 von 3
ärgerhochzwei 16.11.2015, 16:16
1. WischiWaschi

Tarifgebundenheit liegt jawohl bei den meisten Leiharbeitern vor. Auch wenn die Arbeitnehmer noch nie etwas von einen Gewerkschaftsvertreter oder so gesehen oder gehört haben. Also mal wieder ein Gesetzt was völlig für die Tonne ist, aber man hat ja etwas getan. Natürlich, tut ja aber dem Geldadel auch nicht weh. Kann man von der SPD noch mehr erwarten??

Beitrag melden
Felix HAW 16.11.2015, 16:27
2. Stimmt

Es stimmt, Werkverträge werden flächendeckend eingesetzt um Tätigkeiten, auch viele die bislang zu 100% firmenintern durchgeführt wurden, um Kosten zu sparen.
Die Leiharbeit ist dabei eine Zwischenlösung. Sie ist preislich zwischen fester Beschäftigung und Werkverträgen anzusiedeln. Die Leistung ist aber i.d.R. effektiver. Dennoch haben viele deutsche Unternehmen seit längerem Angst vor dem neuen Gesetz und wandeln flächendeckend LAK in Werkverträge. Die Verlierer sind dabei natürlich die Arbeitnehmer, die dadurch weniger verdienen und mehr arbeiten müssen.

Überhaupt: es ist jetzt schon verboten, dass die selben Personen im Werkvertrag einer Tätigkeit nachgehen, die sie vorher als LAK ausgeführt haben. Die Realität sieht aber anders, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Stichwort verkappte Leiharbeit.
Hier ist der Gesetzgeber gefragt sich darum zu kümmern dass dies unterbunden wird. Und die Unternehmen müssen endlich den Anstand haben und die Leiharbeit dafür zu nutzen wofür sie gedacht ist: zum Abfangen von Auftragsspitzen.

Bei einem europäischen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche gibt es nicht wenige, die 5 oder gar 10 Jahre im operativen Geschäft arbeiten, oder besser gesagt gearbeitet haben. Denn die meisten von Ihnen "durften" in den vergangenen 1 1/2 Jahren aus den schon genannten Gründen ihre Koffer packen. Ersetzt wurden sie durch Werkpakete oder durch LAK mit - welch Überraschung - auf 12 oder 18 Monate befristete Leiharbeitsvereinbarungen.

Beitrag melden
itzig 16.11.2015, 16:28
3.

bringen wir das Ganze in den Zusammenhang, dass bereits die meisten Zeitarbeitsfirmen unter dem Deckmantel der Zeitarbeitstarifverträge anzufinden sind ... mal wieder ein glatter Schuss daneben!

Beitrag melden
bernd.stromberg 16.11.2015, 16:47
4.

Zitat von Felix HAW
Und die Unternehmen müssen endlich den Anstand haben und die Leiharbeit dafür zu nutzen wofür sie gedacht ist: zum Abfangen von Auftragsspitzen. Bei einem europäischen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche gibt es nicht wenige, die 5 oder gar 10 Jahre im operativen Geschäft arbeiten, oder besser gesagt gearbeitet haben. Denn die meisten von Ihnen "durften" in den vergangenen 1 1/2 Jahren aus den schon genannten Gründen ihre Koffer packen. Ersetzt wurden sie durch Werkpakete oder durch LAK mit - welch Überraschung - auf 12 oder 18 Monate befristete Leiharbeitsvereinbarungen.
Frage: welches Interesse sollte ein Unternehmen daran haben, Leiharbeiter für etwas anderes zu nutzen als zum Abfangen von Auftragsspitzen?

Leiharbeiter kosten der Firma insgesamt mehr Geld - weil sie bezahlt werden müssen wie Festangestellte, aber zusätzlich noch das Honorar an die Zeitarbeitsfirma dazukommen.

Zusätzlich liegt es in der Natur der Sache dass ein Festangestellter eine höhere Identifikation mit dem eigenen Unternehmen aufweist, als ein Externer.

Schließlich kostet es ein Unternehmen einfach einen nicht zu unterschätzenden Betrag einen neuen Mitarbeiter zu suchen und einzuarbeiten.
Welchen Vorteil soll es also haben Leiharbeiter für 12-18 Monate anzustellen?

Der Unternehmer müsste - aus reinem Selbstinteresse - bescheuert sein, wenn er da grundsätzlich einen Leiharbeiter vorzöge, wie Sie es suggerieren.

Das ist nicht kurzfristig billiger und vor allem langfristig nicht.

Beitrag melden
pace335 16.11.2015, 16:47
5.

Hab ich eigentlich auch im umgekehrten Fall das Recht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, wenn mein Leiharbeiterkollege der neben mir im Büro sitzt und die gleiche Arbeit wie ich macht mehr verdient wie ich als Festangestellter der schon 10 Jahre diese Arbeit für das Unternehmen leiste? Es handelt sich dabei um ein Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeiter, das allerdings aus dem Arbeitnehmerverbund vor mehr als 10 Jahren ausgetreten ist und somit bezahlt wie es gerade Laune hat, idR. 30% unter Tarif.

Beitrag melden
FocusTurnier 16.11.2015, 17:09
6. Nicht nur dort

Zitat von Felix HAW
Bei einem europäischen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche gibt es nicht wenige, die 5 oder gar 10 Jahre im operativen Geschäft arbeiten, oder besser gesagt gearbeitet haben. Denn die meisten von Ihnen "durften" in den vergangenen 1 1/2 Jahren aus den schon genannten Gründen ihre Koffer packen. Ersetzt wurden sie durch Werkpakete oder durch LAK mit - welch Überraschung - auf 12 oder 18 Monate befristete Leiharbeitsvereinbarungen.
Diese Vorgehensweise finden Sie zB in der gesamten deutschen Automobilindustrie wieder. Weder Daimler, noch der VW-Konzern mit seinen Marken noch BMW verzichten auf den großflächigen Einsatz dieses Instruments. In Forschung/Entwicklung genauso wie in der Produktion.

Beitrag melden
FocusTurnier 16.11.2015, 17:15
7. Sie bekommen die gleiche Bezahlung....

Zitat von pace335
Hab ich eigentlich auch im umgekehrten Fall das Recht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, wenn mein Leiharbeiterkollege der neben mir im Büro sitzt und die gleiche Arbeit wie ich macht mehr verdient wie ich als Festangestellter der schon 10 Jahre diese Arbeit für das Unternehmen leiste? Es handelt sich dabei um ein Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeiter, das allerdings aus dem Arbeitnehmerverbund vor mehr als 10 Jahren ausgetreten ist und somit bezahlt wie es gerade Laune hat, idR. 30% unter Tarif.
....wenn Sie sich auch für eine "Laufbahn" im Leiharbeitsgeschäft entscheiden. Für dieses Plus an Gehalt muss dann der externe Kollege für seine noch unsicherere Zukunft vorsorgen. Denn er ist es, der bei Konjunkturproblemen als Erster ganz sang- und klanglos das Unternehmen verläßt. Ist ja schließlich nur ein Externer......
In den Niederlanden ist es mWn sogar gesetzlich geregelt, daß externe Kräfte einen bis zu 25% höheren Verdienst haben müssen. Und ich finde das auch richtig so - Flexibilität muss man sich bezahlen lassen. In Deutschland ist diese Kultur noch nicht angekommen. Hier stecken sich die Leiharbeitsbuden sehr viel Geld in die eigenen Taschen.

Beitrag melden
nureinbenutzername 16.11.2015, 17:19
8. Geht es nur um Leiharbeit?

Frau Nahles möchte Gutes für Leiharbeiter? Schlimmer ist, dass Sie alle Freiberufler, Selbständige insbesondere die Beratungsbranche unter Generalverdacht stellt. Denn auch diese Berufsgruppe arbeitet mit Werkverträgen. Hintergrund drüften doch wieder die maroden Sozialkassen sein?

Beitrag melden
echobravo 16.11.2015, 17:20
9. @4.

Das ist Unsinn. Ein Ingenieur kostet als Leiharbeiter gerade mal 5000? im JAHR mehr. Das ist bedingt durch das deutlich geringere Gehalt. Rest kriegt die Leihbude.

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!