Forum: Wirtschaft
Gesetzeslücke: Amazon beschäftigt massenhaft Arbeitslose ohne Vergütung

Eine Gesetzeslücke macht es möglich: Amazon beschäftigt nach Informationen des SPIEGEL Tausende Arbeitslose, die zuvor eine sogenannte "Maßnahme zur Aktivierung und berufliche Eingliederung" absolvieren müssen. Die Arbeitsagentur spricht von einem Fehler, "der korrigiert werden muss".

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Reinhard.aus.Bayern 27.11.2011, 20:16
170. Das Sozialgesetzbuch - aber auch das Arbeitsrecht!

Nochmal, ich hatte das schon früher geschrieben, und das hat nichts mit dem SGB zu tun, sondern mit dem Arbeitsrecht:

Wer ein Praktikum ableistet, bei dem nicht der Ausbildungszweck im Vordergrund steht, sondern die Arbeit, der hat ein Recht auf marktüblichen Lohn. Und damit auch das Recht auf Lohn-Nachforderung für das bereits geleistete Praktikum.

So, und hier bei Amazon ganze ZWEI Wochen Einarbeitungszeit?
Und reine Ausbildung?

Da möchte ich doch mal diejenigen zu Wort kommen lassen, die dort bei Amazon gearbeitet haben.

Und diese Praktikums-Krankheit zieht sich ja durch alle Gesellschaftsschichten, ob Student oder Arbeitsloser, und da gibts Mißbrauch, fortgesetzt, ohne Ende! Ein Praktikant raus, der nächste macht an der gleichen Stelle weiter.

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Bergkamener 27.11.2011, 20:17
171. Nein,

Zitat von Altesocke
Warum fiel das jetzt auf? Hat der Sachbearbeiter evtl. gewechselt?
Es fiel auf, weil ein Arbeitsloser sich mit Öffentlichkeit und mit Hilfe des Erwerbslosen Forum gegen diese Praxis gewehrt hat.

Ich war einer der Teilnehmer einer Infoveranstaltung bei AMAZON Werne am 27.09.2011.

Hier hieß es jeder Bezieher von ALG1 und ALG2 muß zunächst ein unentgeltliches Praktikum absolvieren. Jeder, Qualifikation, Dauer Arbeitslosigkeit usw. egal, Hauptsache ALG1 oder ALG2. Befristeter Vertrag bis 31.12.2011.

Also habe ich es im Erwerbslosenforum veröffentlicht und nach und nach, zunächst am ca. 09.10.2011 und dann nochmal am 25.-27.10.2011 Presse, Fernsehsender und viele weitere Institutionen per E-Mail mit "Beweisen" angeschrieben.

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saddamatus 27.11.2011, 20:26
172. Mutig

Zitat von amgitsnops
Kleinklein macht auch Mist. Auf meiner Liste stehen Schlecker, Nokia, ....
Siemens nicht vergessen bitte. Sonst fördern sie nur die Kunstfertigkeit in der Verarschung der Öffentlichkeit.
Sich jetzt nur auf Amazon einzuschiessen, wäre auch zu kurz gesprungen. Ich wüsste schon wirklich gerne, wer das alles sonst noch macht. Das allerdings werden wir wohl nie erfahren.
[/QUOTE]

Zitat von amgitsnops
Abgesehen davon gab es ein Urteil des BVerfG zum Existenzminimum, da hätte ich die Strafanzeige wegen verfassungsfeindlicher und grundgesetzwidriger Umtriebe gegen den Mitarbeiter der argen Arge schon in der Tasche, so er mich denn mit angedrohten Repressalien zur Sklavenarbeit schicken wollte. Geht nicht, gibts nicht. Name? Danke, in die Strafanzeige eingefügt, unterzeichnet, eingetütet und abgeschickt.
Verstehe ich sie richtig? Sie würden gegen die geltende Rechtslage Strafanzeige stellen? Na dann viel Glück.
Gerade für H4-Armutsbetroffene sicher locker aus der Portokasse zu zahlen, der dafür erforderliche Rechtsanwalt.

Machen wir uns nichts vor:
Mit denen wird umgesprungen wie mit Rechtlosen. Und das entspricht dem realen politischen Auftrag an die Sozial-Behörden, wie er sich aus der Gesetzgebung ergibt.

Prekäre Rechtlose: Ohne diese Klasse funktioniert die Marktwirtschaft der Neo-Ordoliberalen nicht mal in der eigenen Theorie.

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max-mustermann 27.11.2011, 20:27
173. schon komisch

da prügeln alle auf Amazon ein dabei ist der eigentlich Schuldige die Politik die solche Praktiken Gesetzlich erlaubt nur um die Arbeitslosenstatistik weiter zu schönen.
Ich empfinde es auch als unmöglich was Amazon hier treibt aber solange es nicht verboten ist kann mann ihnen keinen Vorwurf machen. Das ist halt der sog. "freie Markt" den alle sonst so toll finden und der eben alles tut solange ihn der Gesetzgeber nicht in die Schranken weißt.

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inci 27.11.2011, 20:32
174. oooo

Zitat von amgitsnops
Kleinklein macht auch Mist. Auf meiner Liste stehen Schlecker, Nokia, Elektrolux, DeuBa, uswusf. Jetzt auch Amazon. Diese Liste verlässt ein Unternehmen NUR durch Konkurs, Basta. Weitere Nennungen sind erwünscht und werden durchgeführt.
hier noch ein paar beispiele für ihre negativliste:

KiK
H&M
fast alle baumärkte
lidl

für ihre positivliste fällt mir auf anhieb nur ein unternehmen ein

dm


Zitat von amgitsnops
Abgesehen davon gab es ein Urteil des BVerfG zum Existenzminimum, da hätte ich die Strafanzeige wegen verfassungsfeindlicher und grundgesetzwidriger Umtriebe gegen den Mitarbeiter der argen Arge schon in der Tasche, so er mich denn mit angedrohten Repressalien zur Sklavenarbeit schicken wollte. Geht nicht, gibts nicht. Name? Danke, in die Strafanzeige eingefügt, unterzeichnet, eingetütet und abgeschickt. Das mit der Strafanzeige wäre für den betreffenden Mitarbeiter/Sklavenhändler der weitaus beste Weg.
ich denke, in diesem fall ist das durchaus als schwarzarbeit zu werten. meiner meinung nach könnte jeder, der die geschichte gelesen hat, den oder die artikel ausdrucken, und an den zoll senden. verbunden mit einer strafanzeige wg. schwarzarbeit und hinterziehung von sozialabgaben.

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Nania 27.11.2011, 20:34
175. +

Zitat von MatzeH
Und sie schreiben von Ihrem 'letzten MP3 Player'. Daher nehme ich an, dass sie mehrere besessen haben. Und da stelle ich mir schon die Frage, ob Sie die wirklich alle brauchten. Aber darüber maße ich mir kein Urteil an.

Stimmt, mein erster MP3-Player war von Kaufland und hat ganze sieben Jahre gehalten. Dann war er kaputt. Und auch wenn ich ihn nicht zum Überleben brauche.... dafür brauche ich auch keinen Computer, keine Pflanzen und meine Violine erst recht nicht.
Das Argument zieht so also nicht.

Darüber hinaus ist es doch so: Tante-Emma Läden wurden irgendwann von Discount-Märkten verdrängt. Eisschränke vom Kühlschrank, das Faxgerät wird vermutlich bald von der E-Mail verdrängt worden sein und so weiter.
Buchhändler wurden aber nicht durch Leihbibliotheken in die Pleite getrieben und das Kino auch nicht durch VHS-Kassetten.

Ich möchte nur als Kunde nicht 20 Euro mehr für miserablen Service zahlen. Nein, danke.

Wenn ich Beratung brauche, gehe ich gerne in das entsprechende Geschäfte (habe ich z.B. bei unserem Fotoapparat gemacht) und lasse mich beraten. Wenn die das Gerät dann auch da haben, wird das auch für 20 Euro mehr mitgenommen. Aber nicht, wenn mir außer einer mürrischen Verkäuferin und schlechten Umtauschbedingungen (konnte eine CD mal nicht umtauschen, weil die Verschweißung geöffnet war - tja, nur ohne die zu öffnen hätte ich NICHT bemerkt, dass die CD darin schlichtweg fehlte), nichts darüber hinaus geboten wird.

Zudem ist es auch so, dass man auf Amazon viele Sachen bekommt, die man sonst nur schwerlich bekommt - weil speziell. Dazu gehören bestimmte Kleidungsstücke, Schmuck und Sachen, für die man in Spezialgeschäfte muss, die gar nicht in jedem Ort vorhanden sind.

Der Versandhandel wird sich nicht mehr bekämpfen lassen. Aber er wird auch nicht für den Niedergang des Einzelhandels sorgen.

Boykottaufrufe lösen im Übrigen weder das Problem, noch sind sie ernsthaft sinnvoll.
Denn man sollte nicht vergessen, dass Amazon vielen Leuten legale Arbeitsplätze bietet, die genauso ihren Job verlieren würden, würde Amazon pleite gehen. Es ist etwas einfach, immer zum Boykott aufzurufen, weil einem ein Aspekt nicht gefällt.

Hier IN DIESEM SPEZIELLEN PUNKT muss aber der Staat eingreifen. Denn weder ist Amazon das einzige Unternehmen, das so was macht, noch ist es illegal. Erst wenn es illegal ist, ist es wirklich verwerflich - oder wenn es sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Beides ist nicht der Fall.

Da kann man auch dazu aufrufen, Supermärkte zu boykottieren, weil sie die kleinen Läden in die Pleite treiben.

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AllesGrau 27.11.2011, 20:36
176. Bei der CDU ...

Man kann sicherlich argumentieren, dass das Gesetz - wie so
viele andere auch - trotz so vieler Anwälte in der
Regierung wieder einmal handwerklich miserabel ist - oder
gerade drum!
Die mehrfache Einarbeitung von Arbeitslosen im gleichen
Unternehmen erscheint anrüchig, ist sie aber nicht!
Nehmen sie nur die CDU. Die drehen ihr Fähnchen so
schnell nach dem Wind (Atomkraft, Mindestlohn, etc),
da brauchen ja selbst Parteimitglieder und Regierungs-
angehörige alle 2 Monate eine Einarbeitungswoche, um
auf dem Laufenden zu sein.

Eine wiederholte 14-tägige Einarbeitung nach 3 Monaten
ist in vielen Branchen und Firmen ja schon zwingend
notwendig, um den Anschluss nicht zu verlieren.
Wer hat wen gekauft (VW, Porsche, BMW, Mini, usw).
Welche Technologie ist erwünscht, welche nicht.
Zahlen die Kunden in Euro, in DM oder mit Geldkarte
und welche Kreditkarten werden gerade akzeptiert?

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manitoba 27.11.2011, 20:47
177. .

Zitat von Nania
Hier IN DIESEM SPEZIELLEN PUNKT muss aber der Staat eingreifen. Denn weder ist Amazon das einzige Unternehmen, das so was macht, noch ist es illegal. Erst wenn es illegal ist, ist es wirklich verwerflich - oder wenn es sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Beides ist nicht der Fall.
Sie reden Unsinn. Natürlich ist es illegal. Diese 2 Wochen unbezahlte Arbeit verstoßen gegen das SGB (Lohnabstandsgebot) und gegen das Arbeitsrecht, weil gearbeitet und nicht ausgebildet wird.
Faktisch sind diese unbezahlten Praktika Schwarzarbeit.
Dass Sie Sich rühmen, davon zu proftieren, ist...(zensiert).

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saddamatus 27.11.2011, 20:50
178. Zur Klärung...

Erstmal mein Glückwunsch zum Mut zur Notwehr und zu der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit.

Das wurde offiziell also nicht mal als "Wiedereingliederungsmaßnahme" deklariert? Auch nicht im AG/AN-Vertrag?

Und dennoch hat die Behörde Druckmittel wie Leistungskürzung eingesetzt?

Wisen Sie, ob das rechtlich anfechtbar ist? Oder hat die Behörde rechtlich sogar zu so was die Berechtigung? (Also letztlich AN-Überlassung ohne Bezahlung durch AG und für AN?)


Zitat von Bergkamener
Ich war einer der Teilnehmer einer Infoveranstaltung bei AMAZON Werne am 27.09.2011. Hier hieß es jeder Bezieher von ALG1 und ALG2 muß zunächst ein unentgeltliches Praktikum absolvieren. Jeder, Qualifikation, Dauer Arbeitslosigkeit usw. egal, Hauptsache ALG1 oder ALG2. Befristeter Vertrag bis 31.12.2011. Also habe ich es im Erwerbslosenforum veröffentlicht und nach und nach, zunächst am ca. 09.10.2011 und dann nochmal am 25.-27.10.2011 Presse, Fernsehsender und viele weitere Institutionen per E-Mail mit "Beweisen" angeschrieben.

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_zaphod_beeblebrox 27.11.2011, 20:53
179. lesen ist ein dreiklang aus 1.)lesen 2.)erfassen3.)verstehen

Zitat von brasilpe
Sie argumentieren in aller Breite am Thema vorbei. Es geht allein darum, daß schon einmal eingewiesene Leute bei erneuter Anstellung ein zweites Mal unbezahlt "eingewiesen" werden. Das allein ist die Sauerei.
achso, dann veranlassen sie doch bitte, dass der thread-titel geändert wird. bis jetzt heißt er nämlich:
"Gesetzeslücke: Amazon beschäftigt massenhaft Arbeitslose ohne Vergütung"

da sthet kein wort davon, dass "amazon" leute doppelt- und dreifach für lau arbeiten läßt

ihre visionen von der sozialen marktwirtschaft können sie sich auch gleich abschminken. es gibt statt soziale marktwirtschaft, eine neue soziale marktwirtschaft. da werden sie wahrscheinlich völlig überfordert sein, was das sein soll. ich sage es ihnen: es bedeutet völligen marktradikalismus. die daseinsvorsorge übernehmen privatunternehmen, die gespickt sind mit ausgelagertem politiker-sondermüll.
den unterschied merkt man aber nur, wenn man selbst in einem rechts- u. sozialstaat lebt.

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