Forum: Wirtschaft
Gesetzeslücke: Amazon beschäftigt massenhaft Arbeitslose ohne Vergütung

Eine Gesetzeslücke macht es möglich: Amazon beschäftigt nach Informationen des SPIEGEL Tausende Arbeitslose, die zuvor eine sogenannte "Maßnahme zur Aktivierung und berufliche Eingliederung" absolvieren müssen. Die Arbeitsagentur spricht von einem Fehler, "der korrigiert werden muss".

Seite 9 von 29
Mustermann 27.11.2011, 16:10
80. Ach das ist berühmte Marktwirtschaft?

Zitat von whocaresbutyou
. Also verleiht die BAA Arbeitskräfte an Amazon, die können flexibler arbeiten, billiger anbieten, der Kunde spart Geld und trägt die Kosten dafür über die Steuer. .Wer deshalb jetzt nicht mehr bei Amazon kauft zahlt trotzdem und ist somit finanziell der Verlierer. Willkommen in der Marktwirtschaft. ..
Komisch der Nobelpreisträger und Wirtschaftswissenschaftler James K. Galbraith sieht das im Gespräch mit Stefan Fuchs ganz anders.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wkawollek 27.11.2011, 16:12
81. Was heisst hier Lücke?

Ich wundere mich - alle,die auf der Geiz ist Geil Welle reiten und kein 'Schnäppchen' auslassen,müssten doch informiert sein.
In diesem Land gibt es sicherlich Menschen,die nicht zu ihrem Vergnügen jeden Cent umdrehen. Alle anderen 'Normalos' - die gibt es ja auch noch - sind Heuchler.
Mich dabei eingeschlossen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
_zaphod_beeblebrox 27.11.2011, 16:12
82. es gibt keine gesetzeslücke !

lch frage mich langsam, wieso man ständig behauptet, amazon würde eine gesetzeslücke ausnutzen? das impliziert nämlich, dass der gesetzgeber-ohne absicht-gehandelt hätte. dabei war es doch das erklärte ziel der politik, leute in arbeit zu bringen. von existenzsichernder vollzeitarbeit war da nie die rede !
war und ist es nicht so, dass der sozial ist, der arbeit schafft? nein, so hieß es früher. heute heißt es: sozial ist das, was arbeit schafft.
als unternehmer in deutschland braucht man schon lange keine vollzeitarbeitskräfte mehr einstellen. wofür die herrschaften unternehmer, in den ländern in denen ein gesetzlicher mindestohn gilt, für etliche jahre einsitzen müßten, wird in deutschland als große innovation verkauft. deutschland ist und war das einzige land, dass vehement die einführung eines flächendeckenden niedriglohn-sektors forderte.
in keinem anderen eu-land kann man nachvollziehen, wieso man in deutschland die sozialkassen auf diese art ausbluten lässt. natürlich mit dem hintergedanken, dass man die leute dann anschließend auf die "eigenverantwortung" verweist.

solche worte wie "eigenverantwortung" und "unternehmerisches risiko" kommen im unternehmer-schlaraffenland gar nicht mehr vor. warum soll ein unternehmen wie "amazon" die gesetzlichen regelungen nicht gebrauchen, die ja "amazon" gar nicht zu verantworten hat ?
welchen anreiz hat ein unternehmer, bezahlte kräfte einzustellen, wenn der staat einem die leute kostenlos "aufdrängt"? wie unabhängig waren denn, die vorort anwesenden beamteten bzw beamtengleichgestellten mitarbeiter der jobcenter? deren interesse bestand doch nur darin, leute bei amazon einen vertrag "aufzunötigen" oder sie gleich zu sanktionieren. ein witz das behauptet wurde, die vorstellung bei "amazon" wäre freiwillig. den mitarbeitern der jobcenter war ja auch egal, ob sie die leute bei amazon unterbrachten oder per sanktion aus der arbeitslosen-statistik streichen konnten. im ganzen system hartz4, hat man übrigens auf jedwede kontrollinstanzen verzichtet. beim zuständigen ministerium, von fr v/d leyen, dreht sich sowieso alles nur darum, jeden monat "zurechtgelogene" arbeitslosenzahlen präsentieren zu können.
tja und dafür ist "amazon" so gut oder schlecht wie jedes andere unternehmen, dass mit dazu beiträgt, dass der steuerzahler schwachsinn mit seinen steuergeldern finanziert und ihm das ganze dann als "unfall" verkauft wird.......

Beitrag melden Antworten / Zitieren
manitoba 27.11.2011, 16:14
83. .

Zitat von whocaresbutyou
jopp... und? gehen wir mal vereinfacht davon aus, dass ein Arbeitsloser Geld vom Staat bezieht, ohne dafür zu arbeiten und dass Amazon saisonbedingt stoßweise Bedarf an Arbeitskräften hat. Also verleiht die BAA Arbeitskräfte an Amazon, die können flexibler arbeiten, billiger anbieten, der Kunde spart Geld und trägt die Kosten dafür über die Steuer. Quasi wie Payback, nur ohne Karte. Wer deshalb jetzt nicht mehr bei Amazon kauft zahlt trotzdem und ist somit finanziell der Verlierer. Willkommen in der Marktwirtschaft.
Ihr Zynismus ist bemerkenswert.
Das Jobcenter ist keine Leihbude, wäre es eine, könnte man die anderen 7000 Sklavenhalterfirmen schließen.
Im übrigen gibt es noch das Lohnabstandsgebot im SGB. Die Zwangsverpflichteten sollten demnach wenigstens wie 1-Euro-Jobber gestellt werden, was aber wiederum vom Gesetz untersagt wird, da Amazon kaum als gemeinnützig durchgehen wird.
Sie können es drehen, wie sie wollen, die Praxis bleibt gesetzeswidrig.
Weil es aber viele machen, Zalando u.a. auch, und sich damit die Statistiken schönschreiben lassen, wird nichts unternommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Reinhard.aus.Bayern 27.11.2011, 16:17
84. Die juristische Lage beim Praktikum

Wenn die Arbeitsleistung gegenüber dem Ausbildungszweck überwiegt, kann die Verpflichtung des Arbeitgebers bestehen, einem als Praktikant Beschäftigten Lohn als Arbeitnehmer nachzuzahlen. Dies kann einem jetzt veröffentlichtem Urteil des Arbeitsgerichts Kiel entnommen werden (ArbG Kiel v. 19.11.2008, Az.: 4 Ca 1187d/08).

Gerade beim Googeln im Netz gefunden.
http://www.anwalt.de/rechtstipps/pra...ng_002933.html

Wenn da also kein Ausbildungszweck da ist, oder der Ausbildungszweck im Hintergrund ist, dann hat der Praktikant das Recht auf marktgerechte Entlohnung.

So. Heisst, diejenigen, die den Job bei Amazon als Praktikum absolvierten, haben das Recht auf Nachzahlung für die geleistete Arbeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ArnoNyhm1984 27.11.2011, 16:22
85. Feudalismus reloaded

Zitat von TheBlind
Was ist daran so schlimm? Es ist politisch gewollt
Eben. Und genau das ist das Schlimme!
Letztlich sind wir wieder im Feudalismus des 18. Jahrhunderts angelangt: Menschen verdingen sich als Tagelöhner zu miesesten Bedingungen bei grossen Unternehmen, die daraus fette Gewinne ziehen und sich einen feuchten Kehricht um ihre soziale Verantwortung scheren.
Ja, es ist legal, aber es gibt einen feinen Unterschied zwischen "legal" und "legitim". Und es wird wie anno 1789 Zeit, dass der heutige "dritte Stand" sich wieder erhebt und diesem neuerlichen elenden Feudalismus ein Ende bereitet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mr. XXX 27.11.2011, 16:28
86. Freier (Arbeits-) Markt..

Zitat von Bolli
Könnte man dann sagen: 'Amazon beschäftigt Zwangsarbeiter'?
Der Arbeitsmarkt in D. ist im marktwirtschaftlichen Sinne, wo sich also die "Nachfrager" und die "Anbieter" (von Arbeitskraft) als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe begegnen und den ihren jeweiligen (Markt-) Interessen entsprechenden Preis für den Produktionsfaktor "Arbeit" (=Entlohnung) aushandeln, kein freier Markt mehr.
"Friß oder stirb" ist die Verhandlungsposition des "Anbieters" und der "Nachfrager" -eingebunden in Sachzwänge der lobby-gesteuerten Gesetzgebung- kann darauf eben nur mit "gefressen oder gestorben" reagieren. Der unfreie Arbeitsmarkt als ein Teil der Export-Erfolgsgeschichte der Deutschland AG, die aber bei näherer Betrachtung nichts anderes bedeuetet, als Export des Wohlstandes für die unteren 2/3 der Gesellschaft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MatzeH 27.11.2011, 16:35
87. Augenwischerei

Zitat von Tolotos
Das Problem sind die Politiker, die diese Gesetze machen. [...]
Nein, nein und nochmals nein. Offensichtlich können Politiker und die verschiedenen Ministerien keine Gesetze mehr machen, die wir 'Otto-Normal-Menschen' als gerecht empfinden. Es wird immer komplexer, es gibt immer mehr Sonderregelungen, etc, etc.
Um hier eine Änderung herbeizuführen, sind wir Verbraucher gefragt. D.h. aber auch, dass wir Verbraucher einen erheblichen Teil der Verantwortung selbst übernehmen müssen und nicht immer auf 'die Politiker' oder 'die Politik' abschieben können. Das ist nämlich viel zu bequem.

Es wird sich nichts ändern, wenn wir nicht selbst aktiv werden. Dann sind auch solche Verhaltensweise der Firmen, die hier im Artikel beschrieben werden, wirtschaftlich nicht mehr interessant, Lobbyisten hin, Politiker her.

Und die Leute, die immer sagen, dass Unternehmen in einer Marktwirtschaft so agieren müssten, werden auch sehr schnell verstummen. Es ist nämlich Marktwirtschaft in reiner Form, wenn niemand mehr Produkte kauft, die nicht nach bestimmten Standards hergestellt werden -- egal ob nach technischen, wirtschaftlichen, umweltschutztechnischen oder eben auch sozialen.

Aber wir Verbraucher müssen uns dazu endlich unserer Macht bewusst werden, auch wenn deren Ausübung manchmal ein wenig unbequem sein sollte...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
saddamatus 27.11.2011, 16:35
88. Haaach wie schmunzelig

Zitat von whocaresbutyou
jopp... und? Also verleiht die BAA Arbeitskräfte an Amazon, die können flexibler arbeiten, billiger anbieten, der Kunde spart Geld und trägt die Kosten dafür über die Steuer. Quasi wie Payback, nur ohne Karte. Wer deshalb jetzt nicht mehr bei Amazon kauft zahlt trotzdem und ist somit finanziell der Verlierer. Willkommen in der Marktwirtschaft.
Immer diese Wirtschafts-"Versteher" die schon von Milchmädchenrechnungen überfordert wären.

Amazon lässt sich die Abarbeitung des Stossgeschäftes von uns bezahlen. Der Staat subventioniert dieses Unternehmen, während reguläre Händler, die sich keine "Gesetzeslücken" kaufen können, dadurch ruiniert werden.

Deren Mitarbeiter werden arbeitslos, dürfen dann auch von unserem Steuer-Geld kostenlos bei Amazon schuften und helfen die nächsten regulären Händler zu ruinieren.

Zeitgleich steigen zwangsläufig die Lohnkosten der verbleibenden, anachronistischerweise nicht so verfahrenden Arbeitgeber und ihre Wettbewerbsfähigkeit sinkt.
Nächste Insolvenz- und Entlassungswelle.

Mit Steuergeldern die Konkurrenz plattmachen und sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse konkurrenzunfähig machen, da schmunzelt die INSM-Fraktion im Forum, mit ihren Helden von Clement über Merz bis zu Brüderle.

Dekadenz, Abt. spätrömisch

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whocaresbutyou 27.11.2011, 16:37
89. Titel aberkannt

Zitat von zarathustra-4
War aber zu vermuten im real existierenden Kapitalismus. - Wer beim Weihnachtseinkauf sozial verantwortlich handeln will, sollte seine Geschenke vielleicht doch besser beim örtlichen Fachhandel oder bei anderen Versandhändlern einkaufen!
... wo im Einzelhandel ordentlich angestellte Aushilfen zu außertariflichen Hungerlöhnen im Weihnachtsgeschäft noch 70 Wochenstunden leisten müssen, damit die mit den "Großen" mithalten können...

wenn`s denn mal immer so einfach wäre...

Er dürfte auch nichts von UPS oder FedEx liefern lassen, keine Konsumelektronik kaufen, die in China hergestellt wird, nur FairTrade-Lebensmittel verwenden, müsste sich bei jedem Kauf über die gesamte Warenkette informieren...

Otto Normalverbraucher hat in der Regel weder Zeit noch Geld für sowas übrig. Da wird soziale Verantwortung mangels Masse schnell zum Eigentor.

Amazon spart mir in der Woche zwei bis drei Stunden Zeit und Nerven, die ich bei meiner Familie besser investieren kann. Dass dafür eventuell ein Arbeitsloser, der von meinen Steuern unterstützt wird, an weihnachten mal ein paar Kartons packen muss, macht mir da keine schlaflose Nacht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 9 von 29