Forum: Wirtschaft
Gesetzliche Krankenversicherung: Immer mehr Versicherte schulden Kassen Beiträge
DPA

Die Zahl der Bürger ohne Krankenversicherung sinkt - doch die scheinbar positive Entwicklung hat auch ihre Kehrseite: Immer mehr Versicherte können ihre Beiträge nicht zahlen. Einem Zeitungsbericht zufolge stiegen die Außenstände in einem Jahr um 55 Prozent.

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roterwildfang 21.08.2012, 12:15
100. Schweizer Modell

Warum kann man nicht z.B. das Schweizer Modell einer Grundversicherung in Form einer Franchise-Versicherung mit frei wählbaren Selbstbehalt bis zu einer Obergrenze einführen. Wer z.B. wenig als Selbstständiger verdient? Ist mit der Grundversicherung in den wichtigsten Dingen krankenversichert und wenn er mehr verdient? Kann er Zusatzoptionen dazu buchen (die im übrigen auch bezahlbar sind) Eine Grundversicherung mit Selbstbehalt von 1500 sfr. liegt bei einem 40-jährigen Mann z.B. bei ca. 180 Franken im Monat. Je nach Verdienst und Bedürfnissen kann diese individuell angepasst werden. Damit ist gesichert, daß eine bezahlbare Grundversorgung gegeben ist - aber eben der Luxus (Wie z.B. Sehhilfen, Zahnzusatz, Tagegeld, Ausfallgeld) mit höheren Beiträgen finanziert werden muß. Österreich hat für Selbstständige eine Pauschalversicherung im Angebot. Ergo leistet man einen (bezahlbaren) Betrag einmal Jährlich und ist krankenversichert. Der Satz lag mal bei 1800 € jährlich um grundversichert zu sein. Damit förderte man Selbstständige und belastete sie nicht in unglaublichen Höhen von Geldern in der Grundversorgung. Aber nein, das alles? ist in Deutschland nicht möglich.

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medienvertreter 21.08.2012, 12:18
101. Kaputtes System durch CDU, SPD undsoweiter

Überfällige Beiträge erhöhen sich durch exorbitante, nur unsittlich zu nennende Säumniszuschläge oft ins Absurde. Mir ist ein Fall bekannt, in welchem eine ursprüngliche Forderung in Höhe von 3.000 Euro trotz Ratenzahlungen in Höhe von 2.700 sich in eine wundersame "Rest"-Forderung in Höhe von 4.200 Euro verwandelte - nur weil die monatlichen Rückzahlungs-Raten in Höhe von 100 Euro für einen Zeitraum von 4 Monaten ausgesetzt wurde. Im Endeffekt will die Kasse also 6.900 statt 3.000 Euro. Da sowas offenbar öfter vorkommt, müßte man die Summe aller Beitragsforderungen auf den "echten" Forderungswert reduzieren. Aber CDU und SPD als aktuelle bzw. ehemalige Gesetzgeber stellen ja in jeder Hinsicht ihre soziale Intelligenz unter Beweis und haben für die Etablierung eines solchen Bürger-Exploitationssystems gesorgt.

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starshollowtt 21.08.2012, 12:34
102. @ Galik

Hallo Galik: hattest Du Dich den offiziell in Deutschland abgemeldet für die zwei Jahre, die Du im Ausland warst? Wenn ja, dann dürfen von Dir keine Beiträge nachverlangt werden. Wenn Du aber de jure in Deutschland gemeldet geblieben bist dann kann die Kasse nicht anders handeln, weil Du dann weiter der VErsicherungspflicht in DEutschland unterliegst - Du hättest Dich um eine Anwartschaft vorher bemühen müssen (also nur eine kleine monatliche Summe zahlen während Du im Ausland bist). Mal ganz abgesehen davon, dass es sträflicher Leichtsinn war, im Ausland ohne eine Absicherung im Krankenfall zu sein, egal ob das vor Ort verlangt wird - es gibt halt Rechtsgrundlagen, um die man sich selber kümmern muss. Sorry - das ist Ausnahmesweise dann nicht der Fehler des Systems (auch wenn es deren sehr viele gibt).

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downgrade0815 21.08.2012, 12:41
103. an

Na, so alleine stehen Sie nicht da. Bei uns war es : Alleinverdienender Familienvater, der eben für 5 Jahre die Beiträge von 2 Kindern Ehefrau und sich selbst aufbringen sollte. Da wurde auch nichts groß gestundet oder wa auch immer - ganz im Gegenteil - Der Großteil der Versicherungen wollte einen (und das wurde auch direkt gesagt) nicht haben und hat alles dafür getan das man keine Chance sah (trotz Verdienst) . So wurde man in die PKV gezwungen und das auch nur mit zig Ausnahmen aus dem Leistungskatalog (wie der Kollege oben schon schrieb Zähne und Co). Bezahlen müssen wir trotzdem noch imens (da wünscht man sich natürlich die GKV zurück - aber die nimmt einen ja jetzt erst recht nicht mehr...). das zum thema alle sind freiwillig in der PKV oder "es sind doch nur ein paar Euro" - soiel rauchen (bin Nichtraucher) wie ich an Beiträge bezahle kann ich gar nicht. Das Frechste war eine Versicherung, die Basis als 580 Euro angab..und das mit 4 Multiplizierte (Vater, Mutter 2 Kinder) dazu den Trafbetrag für 5 Jahre ohne KV aufschlug und uns als monatlichen Beitrag angab - darf sicher jeder mal zu Gemüte führen. Und da wundert sich einer warum viele NICHT versichert sind ? - ganz einfach - weil man es Ihnen unmöglich macht. Wir haben es nach fast 9 Monaten Kampf geschafft in eine PKV zu kommen - aber auch nur mit imensen Kosten und extremsten Ausnahmen. Aber, ich hätte natürlich (das sagte man mir als Ausweg) - den Job kündigen können und warten bis ich als H4-Empfänger autom. reinkomme ..Sehr gutes System (!!!!) (auau) - Da haben sich viele eben NICHT aus der Solidargemeinschaft verabschiedet....sondern diese (in Persona der Versicherungen) von ihnen !!!!!!!!!!!!!

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stevie76 21.08.2012, 12:44
104.

Zitat von David Soulomon
ich bin aus meiner letzten Selbstständigkeit mit einigen Beiträgen im Rückstand. Nun sollte ich eine Art Schuldanerkenntnis mit Ratenzahlungsvereinbarung unterschreiben, in der ein Zinsdienst von 5 Prozent pro Monat(!) draufgeschlagen wird. Das würde einem Zinsaufschlag von 60% p.a. entsprechen. Auf Nachfrage bei der Krankenkasse, hiess es, "so steht es im Gesetz". Auf eigene Recherche hin, fand ich heraus, dass die Kassen zu einem derartigen Zins zwar legitimiert, aber nicht gesetzlich verpflichtet sind. Wir haben es hier also mit 2 Unglaublichkeiten zu tun: zum einen, dass der Gesetzgeber den Kassen derartigen Spielraum lässt und zum anderen, dass die Kassen diesen schamlos ausnutzen. Für mich hätte dass bedeutet, dass ich bei einer Abzahlungsrate von 170 Euro/Monat die ersten 2 Jahre nur die Zinsen beglichen hätte. Für derartige Raffgier habe ich nur den Mittelfinger übrig und den kann man mir nicht wegpfänden!
meine kasse gestattete nur 12 monatsraten, egal wie hoch der schuldenberg mittlerweile war.
allerdings gab es eine klausel, nach der die kasse stunden, teilerlassen oder komplett erlassen kann, wenn dies beim schuldner zu unbilliger härte führt.
haben sie da für ihren fall mal recherchiert?

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starshollowtt 21.08.2012, 12:44
105. @ Galik

Hallo Galik: hattest Du Dich den offiziell in Deutschland abgemeldet für die zwei Jahre, die Du im Ausland warst? Wenn ja, dann dürfen von Dir keine Beiträge nachverlangt werden. Wenn Du aber de jure in Deutschland gemeldet geblieben bist dann kann die Kasse nicht anders handeln, weil Du dann weiter der VErsicherungspflicht in DEutschland unterliegst - Du hättest Dich um eine Anwartschaft vorher bemühen müssen (also nur eine kleine monatliche Summe zahlen während Du im Ausland bist). Mal ganz abgesehen davon, dass es sträflicher Leichtsinn war, im Ausland ohne eine Absicherung im Krankenfall zu sein, egal ob das vor Ort verlangt wird - es gibt halt Rechtsgrundlagen, um die man sich selber kümmern muss. Sorry - das ist Ausnahmesweise dann nicht der Fehler des Systems (auch wenn es deren sehr viele gibt).

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longjohnblues 21.08.2012, 12:50
106. Der normal arbeitende Bürger

Zitat von anders_denker
Bitte die Gelder einfach eintreiben - mit jedem möglichen mittel.
bezahlt immer nur die Hälfte -von dem, was er real brutto verdient... und bestimmt keine 340 Euro Mindestbeitrag. Also bitte nicht so laut schreien!
Die Alternative für den Selbständigen: Zurück zu Hartz 4!

Dann hat er keine Außenstände mehr ... aber für viele ist das eine Zumutung. Vom unanständigen, arbeitsblockierenden bürokratischen Aufwand (EKS-System) mal abgesehen.

Für die Gesellschaft ist das ein Null-Summenspiel, für den mutigen Kleinselbständigen aber eine schwer zu beschreibende Erniedrigung, die man einigen Foristen gerne mal an den Hals wünscht.

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Spr. 21.08.2012, 13:04
107. Die haben einfach einen Monat zu viel dazu verdient.

Zitat von Indigo76
Die Krankenkassenbeiträge von ALG I und II - Empfängern werden vom Staat entrichtet. Wie kann es dann sein, dass Arbeitslose bei den Zahlungen säumig werden? Die Zusatzleistungen der Arge sind das letzte, was eingestellt wird. Da muss sich ein Arbeitsloser schon extrem arbeitsunwillig zeigen. Das durfte eigentlich nur ein winziger Prozentsatz sein.
Aufstocker, und das sind die meisten Hartz IV-Empfänger, müssen in regelmäßigen Abständen ihren Verdienst aus den Vormonaten belegen. Wurde auch in nur einem von diesen Monaten auch nur 1 Euro zu viel verdient, werden oft der gesamten Bedrafsgemeinschaft für diesen Monat die Leistungen komplett gestrichen - einschließlich der Krankenkassen- und Pflegekassenbeiträge, die das Amt von den Krankenkassen nach rückwirkender Abmeldung zurückfordert.

Das geht auch anders, man könnte den im Abrechnungszeitraum erzielen Überschuss auch über alle Monate gleichmäßig verteilen, was dann meist dazu führt, dass keine Unterbrechung des Leistungsbezugs eintritt und somit auch keine Abmeldung von der Krankenkasse - aber das ist halt Ermessenssache des Sachbearbeiters.

Die Krankenkassen stellen diese vom Amt als überzahlt zurückgeforderten Beiträge dann den Aufstockern in Rechnung - und das nicht zu dem Beitrag, den das Amt zahlt, sondern entsprechend den Beiträgen für freiwillig Versicherte, die sehr viel höher sind. Diese hohen Beiträge führen dann oft dazu, dass die Bedarfsgemeinschaft eigentlich wieder im Bezug wäre. Falls der zuständige Sachbearbeiter aber anderer Meinung ist, hilft wieder nur der Gang zum Gericht.

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ego_me_absolvo 21.08.2012, 13:13
108. Aufgezeigt

Zitat von xenoxx
Schon richtig! Es gibt beklagenswerte Fehlleistungen der EU. Dennoch: all das hat nichts mit dem deutschen Krankenkassensystem zu tun. In anderen EU-Ländern gibt es andere - vielleicht sogar bessere - Krankenversicherungssysteme. Hier wäre es angezeigt, wenn die deutsche Regierung - und nicht die EU!! - ihre Hausaufgaben machen würde.
Aufgezeigt wird von mir, dass die sog. "EU" jeden Sch*dreck mit Regelungs-Tollwut angeht, aber die wahren Probleme dort niemanden interessieren, genauso wenig wie Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit den dort Handelnden wichtig sind, Stichwort "Lügen-Juncker"! Ein solches System des "sich einen Dreck drum Scherens" passt nur all zu gut mit der Billionenvernichtung von Volksvermögen zusammen. Weg mit Schaden!

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ego_me_absolvo 21.08.2012, 13:18
109. Auslandsrückkehrer

Zitat von Galik
Ich bin Student, inzwischen über 25 und damit versicherungspflichtig. Die letzten 2 Jahre war ich im Ausland (wo keine Versicherungspflicht besteht) und aus finanziellen Gründen nicht versichert. Jetzt bin ich ieder in Deutschland, möchte mich versichern und bekomme daraufhin mitgeteilt, dass ich mich rückwirkend versichern muss. Insgesamt soll ich etwa 1600€ nachzahlen und natürlich zusätzlich meinen Beitrag von 76€ monatlich bezahlen. Bitte... wie soll ich das machen? Mit Wohnung, Verpflegung, GEZ, usw. komme ich selbst mit Job neben dem Studium so grade hin. Wenn ich nicht zahle, dann kommen Strafen auf mich zu und der Schuldenberg wird noch größer. Aber wo soll ich sonst sparen? Bei der Wohnung sicher nicht, sonst sitze ich bald auf der Straße. Mein Studium ist nächstes Jahr beendet, aber bis dahin muss ich mich irgendwie durchbeißen.
Auslandsrückkehrer sind imho vom Gesetz NICHT erfasst. Hier wäre Prüfungsbedarf, ob die Forderung der KV nicht ohne Rechtsgrund ist. Das wird gerne von denen gemacht, übertölpeln und Leistungsverweigerung kriegen die Sofas vom ersten Tage an eingebimst...

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