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Gesundheit: Spahn will Pflegekräfte zu Mehrarbeit motivieren
DPA

Tausende Stellen sind in Pflegeheimen unbesetzt, ein Ende des Personalmangels ist nicht in Sicht. Gesundheitsminister Spahn will deshalb die Arbeitsbedingungen verbessern - damit Pflegekräfte ein paar Stunden dranhängen.

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zuza518 20.09.2018, 23:44
150.

Zitat von stoffi
können auch von angelernten Kräften ausgeführt werden. Es werden sich mit Sicherheit genug Leute finden, die so täglich ein paar Stunden den Pflegekräften zur Hand gehen, um diese zu entlasten. Um Personen zu waschen, kämmen, Vorlagen zu wechseln oder sie anziehen, braucht man nicht mehr, als eine Anlernzeit. Ebenso das zum Anreichen der Essens. Dann ist auch noch Zeit für persönliche Zuwendungen da.
Sie arbeiten nicht in der Pflege, oder? Es gib bei uns im Betrieb Pflegehelfer. Sie verdienen in Vollzeit gerade mal ca. 1600€ Brutto. Haben ebenfalls Überstunden ohne Ende, arbeiten mal auch 14 Tage am Stück oder schuften doppelte Doppeldienste an 3 Wochenenden hintereinander. Zudem übernehmen sie die schweren körperlichen Tätigkeiten und zusätzlich auch Tätigkeiten für die sie nicht qualifiziert sind, weil es an Fachkräften mangelt. Meinen Sie wirklich, es werden sich sicherlich genug Leute finden, die zu diesen Konditionen "den Pflegekräften zu Hand gehen"?

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zuza518 21.09.2018, 00:07
151.

Zitat von tdominik
Ich bin selbst Altenpfleger und kenne die Arbeitsbedingungen. Überstunden und lange Tage am Stück arbeiten liegt oft daran dass die meisten eine Arbeitszeit von 6,5 Stunden haben. Klar dass man dann auch viel in der Arbeit ist. Volle 8 Stunden bringt weniger Überstunden und weniger Tage am Stück. Wer will schon 10 Tage arbeiten. Wenn dann noch mehr Leute in Teilzeitarbeit beschäftigt sind und diese dann noch aushelfen müssen dann kommen viele Überstunden zusammen. Mehr Vollzeit auch für Helfer wäre besser. Dann würden diese auch bessser verdienen.
Gerade als Helfer übernimmt man die scheren körperlichen Arbeiten. Es sind dann meistens zierliche Frauen die Patienten heben, welche auch mal 3x so schwer sind wie sie. 8 Stunden am Stück ist da auch nicht die optimale Lösung. Darüber hinaus, gerade da es meistens Frauen sind, die diesen Beruf ausüben, ob als Pfleger oder Helfer, ist Vollzeit aus familiären Gründen kaum machbar. Die Frauen haben neben der Arbeit meist auch Kinder zu Hause, die betreut, oder Eltern, die gepflegt werden müssen.

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 00:08
152. Viele Arbeiten in Pflegeheimen

Zitat von stoffi
können auch von angelernten Kräften ausgeführt werden. Es werden sich mit Sicherheit genug Leute finden, die so täglich ein paar Stunden den Pflegekräften zur Hand gehen, um diese zu entlasten. Um Personen zu waschen, kämmen, Vorlagen zu wechseln oder sie anziehen, braucht man nicht mehr, als eine Anlernzeit. Ebenso das zum Anreichen der Essens. Dann ist auch noch Zeit für persönliche Zuwendungen da.
Das ist vom Prinzip her schon richtig. Aber für solche Jobs werden Sie kaum jemanden finden - es gibt ja heute schon kaum noch oder zumindest nicht besonders motivierte Pflegehelfer/innen.

Die Mutter meiner zweiten Frau musste nach einem apoplektischen Insult in ein Pflegeheim, angeblich das beste in der Stadt. Aber als allererstes wurde ihr ein PEG zur Ernährung und ein suprapubischer Harnblasenkatheter gelegt. Mein ausdrückliches Veto interessierte in ihrer Familie niemanden ...

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 00:29
153. Tja.

Zitat von freigeistiger
[...] "Faire Schichtpläne, verlässliche Arbeitszeiten, auch mal drei, vier freie Tage am Stück" [...]
Etwas Ähnliches wollte die Mutter Oberin (ja, ein katholisches Krankenhaus) meines ersten Spitals einführen. Aber wer sie ausbremste, war der Pflegedienst. Über diese unseeligen Wechselschichten wurde zwar immer gerne gemault, aber dennoch von den Schwestern mit Zähnen und Klauen verteidigt ...

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 00:57
154. Easy, dude, easy!

Zitat von hexenbesen.65
Sie wollen alles outsorcen? Na prima, dann kommt ein Ausländer, der billigst arbeitet, kann kein Wort deutsch und will den Opa waschen, der eh schwer hört [...]
Als ich drei Monate lang als Patient im Spital verbringen musste mit strikter Bettruhe, denn ich war schwerstkrank, hatte ich als Stationsarzt aus dem Iran, der kaum Deutsch sprechen konnte und mein Farsi leider auch nicht mehr das beste ist.

Gott sei Dank musste ich alle zwei Tage zur Dialyse und der leiter der Dialysestation, der leitende Oberarzt war darum jeden zweiten Tag zur Visite bei mir.

Und ein etwas profanes Problem
In der Dialysestation bekam ich das Frühstück, das ich mir wünschte, drei halbe Brotchen mit Butter und Erdbeermarmelade bestrichen, dazu eine Kanne mit 500 ml heisser Milch. Erstaunlicherweise, die Pflegestation bekam solch einen doch eher bescheidenen Wunsch nicht erfüllen.

Btw., gewaschen wurde ich in der Regel nur jeden dritten Tag, auch die Bettwäsche wurde nur unregelmässig gewechselt und das trotz extra angeordneter Bettente sowie Bettpfanne (Strikte Bettruhe!) - denn damit kann einem sehr schnell ein recht unschönes Malheur passieren ...

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 01:17
155. Putzig!

Zitat von Starschnupp
Hahaha! Weiß Herr Spahn denn nicht, dass Überstunden in der Pflege schon seit Entstehung des Berufsbildes gemacht werden? Ich habe selbst jahrelang in der Pflege gearbeitet (und dies noch VOR dem großen Pflegenotstand) und habe schon damals stets über 150 Überstunden von Monat zu Monat mitgeschleppt. Und bekam man mal einen freien Tag zum Überstunden abbauen, so musste man in kürzester Zeit wieder an anderer Stelle einspringen, beispielsweise wenn eine Kollegin krank wurde. Und pro Schicht musste man auch meist länger bleiben, denn es ging ja um unmittelbare Verantwortung für Menschen und nicht um einen Bürojob. Also Herr Spahn, das ist kein neues Lösungskonzept - es ist gar kein Lösungskonzept!
Denn das Pflegepersonal der Stationen all meiner Spitäler verliessen das Haus grundsätzlich nach der Übergabe! Für Überstunden gab es dabei also gar keine Zeit, Und bevor Sie antworten wollen, aus einem der drei Fenster meines Arztzimmers konnte ich direkt auf den Hintereingang zur Garage blicken und um 14:00 Uhr denken "Du armes Schwein 'darfst' noch mindestens 5 Stunden lang hier in unserer Klitsche verbringen!" ...

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 01:31
156. Wissen Sie was?

Zitat von dirkcoe
[...] Allerdings hat die Bereitschaft zu Mehrarbeit sehr viel mit der Wertschätzung für die Personen zu tun [...]
Als ich drei Monate in einer Nephrologischen Pflegestation liegen musste mit absoluter Bettruhe, denn ich war schwerstkrank mit Fieber zwischen 40 und 42 Grad Celsius, gab es höchstens drei oder vier Schwestern, die sich meine Wertschätzung verdient hatten,

Der ganze Rest machte lediglich Dienst nach Vorschrift. Und 2 Stunden auf der Bettpfanne zu liegen (Absoluter Bettruhe!), ist nicht wirklich als schön zu bezeichnen ...

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flohzirkusdirektor 21.09.2018, 01:56
157. Tschä!

Zitat von Herr Besserwisser
[...] Mein Freund, gearbeitet an Hl. Abend und an beiden Feiertagen mit jeweiligen Zuschlägen von 150 % (in der Summe 868,45 €). Meine Wenigkeit erhielt für ebenfalls Arbeit an allen 3 Festtagen Zuschläge von insgesamt 78,23 €.
In der ach so tollen Schweiz bekam ich pro Wochenend- und Feiertagsdienst glorreiche 50 CHF, pro Nachtdienst gar nichts ausser einen Frühstücks- und Abendessensbon sowie eine Flasche Kaltgetränk nach Wahl - ich bevorzugte Rivella, Mineralwasser bekam ich ja von meiner Station, soviel ich wollte ...

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christine k 21.09.2018, 11:16
158. ach Herr Spahn!

na klar doch, am Ende der Schicht noch ein paar Stunden mehr arbeiten, wer hat sich nicht schon darauf gefreut, bedenkt man, dass mindestens 12 Tage durch gearbeitet wird! Herr Spahn, hier noch mal zum nachlesen: wir brauchen nicht mehr Stunden, sondern mehr Hände und mehr Köpfe!

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