Forum: Wirtschaft
Gesundheitsreform - Sparen nur die Patienten?

Vier Milliarden Euro Überschüsse bei den Krankenkassen, aber keine Beitragssenkungen in Sicht. Krankenkassen-Vorstände und Ärzte-Verbandsfunktionäre genehmigen sich hohe Gehälter und Zusatzeinkommen. Sind die Kassen und Verbände zu Selbstbedienungsläden für Geschäftführer und Funktionäre verkommen? Oder sind die Manager-Gehälter angesichts ihrer großen Verantwortung gerechtfertigt?

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KlausD 12.04.2005, 11:51
1. Ja......

..so sind deutsche unternehmer. Es ist zum kot....was hier passiert und schadet unserem system immer mehr. Mir kommt das so or als wenn die unternehmer mit aller macht am sturz (abwahl) unserer regierung arbeitet. Aber auch die regierung läßt sich vorführen und sollte aus meiner sicht druck machen. Danke

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boerneli 13.04.2005, 15:43
2.

Die Wirtschaft will diese Regierung loswerden, die waren noch nie auf deren Seite. Eine schwarz-gelbe Regierung wird denen jeden Wunsch erfüllen. Für die Gesundheit heißt das alles macht der Markt und die Patienten dürfen noch viel mehr draufzahlen.
Dann wird vielleicht irgendwann die gesetzliche Krankenversicherung durch eine freiwillige Privatversicherung ersetzt und jeder bezahlt den vollen Beitrag selber und schon können sich das viele nicht mehr leisten und sind nicht versichert.
Hier in Hamburg macht es die CDU-Alleinregierung schon vor. Die städtischen Krankenhäuser wurden mit Gewalt privatisiert, eben weil der Markt die Dinge am besten regelt, so wie die meinen und gerade wurde eine schicke Luxusklinik für die CDU-Privatpatientenklientel eröffnet, so sieht es aus das schicke Gesundheitssystem der Zukunft.

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Ulrich lr. 22.04.2005, 10:26
3. D

Zitat von boerneli
Die Wirtschaft will diese Regierung loswerden
Stimmt. Wer will das nicht!

Zitat von boerneli
die waren noch nie auf deren Seite.
Stimmt nicht: z. B. Bei der Hartz IV-Reform, bei der jeder weiß, wem sie schadet, und kaum jemand zu finden ist, dem sie nützt, da waren die Wirtschaft und ihre Führer fest an der Seite unserer rot-grünen Regierung.

Zitat von boerneli
Dann wird vielleicht irgendwann die gesetzliche Krankenversicherung durch eine freiwillige Privatversicherung ersetzt [...]und schon können sich das viele nicht mehr leisten und sind nicht versichert.
Den ersten Schritt dazu hat nicht etwa "Schwarz" oder "Gelb", sondern Rot-Grün getan - unter Federführung einer grünen leicht übergewichtigen Kettenraucherin, die zufällig gerade Gesundheitsministerin war:

Dank Rot-Grün sind die Krankenkassen jetzt schon für Ältere ab 55 als Neuzugang gesperrt. Wer sich die teuren Privaten nicht mehr leisten kann, der ist dann eben nicht versichert, wie Sie richtig bemerken. Und die Zahl der Unversicherten wächst unter Rot-Grün unaufhaltsam, wie wir aus dem "Spiegel" wissen.

Um aufs Forum-Thema zurückzukommen: Den unversicherten Patienten bleibt dann tatsächlich nichts weiter übrig als zu sparen.

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Rainer Helmbrecht 22.04.2005, 19:08
4.

Zitat von Ulrich lr.
Die niedergelassenen Ärzte "empfangen" nur 15 bis 16% der Kassenbeiträge. Der Rest (84 bis 85%!) fließt woanders hin. Kurz die bösen Kassenärzte sind vergleichsweise ein eher kleiner Kostenfaktor. Selbst wenn die Kassenärzte alle ganz umsonst arbeiten würden, würde der AOK-Beitrag von 14% gerade mal auf 11,8-11,9% sinken. Das bieten BKKn jetzt schon. Und?
Hallo Ulrich, dieser Beitrag ist aus dem "alten" Forum und wohl etwas untergegangen, weil das Forum "erneuert" wurde.

Als ich das las dachte ich, der SpOn würde sich ein neues Internetportal anschaffen müssen, aber ........nix.

Wirklich gute Erklärungen für Mißwirtschaft, werden wie Gott gewollt hingenommen.

Sind wir nur noch Zuschauer unseres eigenen Lebens? Oder ist die Frage eines neuen Papstes, oder Ex Papstes so lebensbestimmend, daß solche "Kleinigkeiten" wie ein paar Milliarden, darunter untergehen?

Ich jedenfalls war elektrisiert.

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Volkhard Ehlert 24.04.2005, 14:27
5. Unser System ist schlecht und wird falsch finanziert

Zitat von sysop
Vier Milliarden Euro Überschüsse bei den Krankenkassen, aber keine Beitragssenkungen in Sicht. Krankenkassen-Vorstände und Ärzte-Verbandsfunktionäre genehmigen sich hohe Gehälter und Zusatzeinkommen. Sind die Kassen und Verbände zu Selbstbedienungsläden für Geschäftführer und Funktionäre verkommen? Oder sind die Manager-Gehälter angesichts ihrer großen Verantwortung gerechtfertigt?
Wir dürfen nicht nur immer an Symptomen eines grundsätzlich schlechten Systems korrigieren, sondern müssen es ggfs. neu aufstellen. Zum Beispiel schadet die die deutsche komplette Finanzierung unseres teuren Gesundheitssystems über die Arbeitskosten unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei den Herstellkosten globaler Produkte. Diese Kosten haben mit dem Herstellkostenprozeß eines Produktes - den es kostenmäßig durch den Unternehmer zu minimieren gilt - nichts zu tun. Zumindest der Teil der Kosten, den wir als Absicherung unseres Sozialstaates uns leisten wollen und den wir als Staatsaufgabe ansehen, gehört mehrwertsteuerfinanziert.

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Rainer Helmbrecht 24.04.2005, 17:32
6.

Zitat von Volkhard Ehlert
Kosten haben mit dem Herstellkostenprozeß eines Produktes - den es kostenmäßig durch den Unternehmer zu minimieren gilt - nichts zu tun.
Ich weiß Sie meinen es anders, aber Kosten haben selten etwas mit der Herstellung zu tun, zumindest seit etwa 10-15 Jahren nicht mehr. Verkaufspreis = NIMM WAS DU Kriegst.

Zitat von Volkhard Ehlert
Zumindest der Teil der Kosten, den wir als Absicherung unseres Sozialstaates uns leisten wollen und den wir als Staatsaufgabe ansehen, gehört mehrwertsteuerfinanziert.
Solange der Staat nicht in der Lage ist, die Inflation zumindest bei Renten und Lebensvesicherungen in einem vernünftigen Rahmen zu halten, ist es egal, das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun.

Rot/GrÜn treibt einen Keil zwischen Arm und Reich. Das wird noch Ausmaße annehmen, die einem Krieg in der Bevölkerung gleichen. Keinen Bürgerkrieg, sondern einem Krieg der Verweigerung. Die Regierung kann die Bürgerrechte (Stasi) einschränken wie sie will, die Bürger werden durch diese Verweigerung überleben, ob der Staat auch überlebt, ist nicht sicher.

Wenn es so weitergeht, wird man nach neuen Formen suchen, in denen nicht nur die Bonzen gut leben, sondern auch der normale Bürger.

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Martin Franck 27.04.2005, 04:48
7. Die Rationierung von Leistungen

ist erstens sowieso schon Realität, aber sie wird in noch größerem Umfang kommen.

In allen Ländern steigen unabhängig vom Versicherungssystem (egal ob staatlich wie in Canada, oder die Mischform wie im UK oder marktwirtschaftlich wie in den USA) die Ausgaben für das Gesundheitssystem stärker als an als das Bruttoinlandsprodukt.

Das ist auch logisch möchte ich Alles für Alle finanzieren. Man stelle sich nur einmal vor, dies gäbe es für Autos. Ein jeder hätte ABS, EPS, airbags und natürlich eine Klimanlage. Meinen über 20 Jahre alten Golf II gäbe es gar nicht mehr. Ein Hinweis darauf, daß er im chrashtest schlechter abschnitt als ein Golf IV wäre schon genug Begründung einen neuen zu beanspruchen.

Insofern stimmt auch was Bert Rürup sagt: Es wird immer eine Zweiklassenmedizin geben. Selbst wenn alles im Lande gleich ist, wird ein Reicher einfach zur Mayo-Klinik nach Rochester fliegen.

Jeder Politiker der sagt er sei gegen eine Zweiklassenmedizin sagt also gleichzeitig: Ich bin dumm, ich weiß nicht wovon ich rede. Ich hoffe die anderen sind noch dümmer und fallen darauf herein.

Es ist also eine Beleidigung der Intelligenz der Wahlberechtigten gegen eine Zweiklassenmedizin zu sein.

Der Text der Einleitung ist sowieso schon überholt, denn die Überschusse sind nicht mehr vorhanden.

Da der größte Anstieg bedingt ist durch den medizinisch-technischen Fortschritt, wird letztendlich natürlich der Patient sparen müssen. Wer sonst, und woher sollte denn das Geld herkommen? Eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer würde zwar nicht mehr die Löhne belasten, aber trotzdem bleibt Alles für Alle unfinanzierbar.

Wie Götz Aly in seinem Buch über den Volksstaat darlegte ist die Bevölkerung sogar bereit einen Völkermord zu akzeptieren, solange sie selber nicht bezahlen mußten. Früher war es das jüdische Finanzkapital, jetzt sind es andere Buhmänner.

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Ulrich lr. 28.04.2005, 23:27
8. Sparen - wie denn?

Zitat von sysop
Sparen nur die Patienten?
Wie kann denn der Kassenpatient sparen und was hätte er selbst davon?

Die Gesundheitsreform macht doch Sparen für Kassen(!)patienten unattraktiv bzw. sogar unmöglich.

Hier einige Beispiele:

a) "Sparpotential"
- Wer nicht zum Kassenarzt geht spart die 10 Euro Praxisgebühr. - Mächtig gewaltig!

Wer aber doch zum Kassenarzt geht und einfach nicht bezahlt, der spart sie ebenso, weil es die Kassenärzte 150 Euro kostet, die 10 Euro nicht gezahlte Praxisgebühr einzutreiben. Da verzichten die Ärzte notgedrungen. (Kleine Gesetzeslücke in der Reform. Naja, Ulla ist Sonderschullehrerin und hat von Gesetzen wenig Ahnung.)

Reformergebnis: Um ganze 10 Euro sparen zu können muss man gesund oder eben ein Lump sein! Wer krank und ehrlich ist, kann gar nicht sparen.

b) Kostentreiber-Potential
- Wenn der ahnungslose Kassenpatient zufällig in eine Gemeinschaftspraxis geht, verursacht er eine um ca. 20% höhere Abrechnung, ohne es zu merken. Er wird genauso behandelt wie anderswo. Doch sein Hausarzt berechnet z. B. den Ordinationskomplex mit 300 Punkten und knallt noch weitere 60 Vergütungspunkte drauf, weil er in einer Gemeinschaftspraxis tätig ist. Absolut legal! Auch wenn der Patient den anderen Arzt der "Gemeinschaft" überhaupt nie gesehen hat.

Das ist politisch so gewollt. Weil sich einige Knallköpfe ganz oben das in den Kopf gesetzt haben. Wir haben's ja.

Der Patient könnte also sparen, indem er in eine stinknormale Einzelpraxis geht. Könnte! - Aber welcher Patient ahnt denn solchen Abrechnungsunsinn?

NB. Mit Privatpatienten und Selbstzahlern wird solcher Blödsinn natürlich nicht gemacht, weil die ja eine richtige Rechnung kriegen und laut aufheulen würden - besonders die Selbstzahler. Privatpatientin Ulla Schmidt ist vor solchen 20%igen Zuschlägen geschützt.

D. h. die Gesundheitsreform trickst die Kassenpatienten aus, hindert sie nicht nur am Sparen, sondern provoziert auch noch zusätzliche Kosten.

Von dem zusätzlichen reformbedingten Zeit- und Kostenaufwand bei Arzt und Patient im Zusammenhang mit dem gewaltigen Überweisungsschein-Zirkus und anderen Bürokratie-Auswüchsen gar nicht zu reden.

Sparen - Fehlanzeige!

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Ulrich lr. 30.04.2005, 13:49
9. Rationierung - ja, aber durchaus nicht für alle!

Zitat von Martin Franck
ist erstens sowieso schon Realität...
Stimmt aber nicht für alle, sondern nur für Kassenpatienten.

Zitat von Martin Franck
In allen Ländern steigen unabhängig vom Versicherungssystem [...] die Ausgaben für das Gesundheitssystem stärker als an als das Bruttoinlandsprodukt.
Ja, besonders in den Ländern mit steigender Lebenserwartung (=alternder "multimorbider" Bevölkerung) und großem medizinischen Fortschritt(=wachsenden Behandlungsmöglichkeiten). Ist ja auch logisch.

Allerdings stellt sich die Regierung nicht den Problemen und ihren Ursachen, sondern drischt lieber auf die Betroffenen (Kassenpatienten + Kassenärzte) ein.

Zitat von Martin Franck
Insofern stimmt auch was Bert Rürup sagt: Es wird immer eine Zweiklassenmedizin geben.
Rürup ist auch bloß einer dieser beihilfeberechtigten Kurzdenker ohne persönliche Bezug wirklichen Leben. Es gibt nämlich längst eine Mehrklassenmedizin: Kasse, Beihilfe, Privatversicherungen in vielen Klassen(Basis, Risikoausschlüsse aller Art, verschieden hohe Selbstbeteiligungen etc.), Unversicherte... - Das alles führt zu völlig verschiedener Behandlung - bis hin zur Vermeidung jeglicher Behandlung.

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