Forum: Wirtschaft
Globale Proteste gegen Banken: 99 Prozent blieben zu Hause

"Wir sind 99 Prozent" lautete der Slogan, der am Samstag die Menschen weltweit gegen die Bankenbranche auf die Straße bringen sollte. Doch in Frankfurt versammelten sich gerade mal 5000, in anderen Städten waren es noch weniger. War den meisten nicht klar, gegen was*sich ihre Wut richten sollte?

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testthewest 15.10.2011, 23:53
120.

Zitat von zynik
Ich fasse es mal ganz einfach zusammen: Diese Bewegung will Demokratie.
Ich weiss wirklich nicht, weshalb irgendjemand hier auf die Idee kommen kann, dass es um die Staatsform geht.
Falls doch, dürfte eher das Gegenteil gefordert werden: Weniger Freiheit, weniger Demokratie, mehr Staat mehr Kontrolle.
Idealbild: China.

Zitat von zynik
Und damit ist nicht diese Scheindemokratie gemeint, bei der man alle vier Jahre mal ein Kreuzchen bei einer der gleichgeschalteten Parteien machen darf. Es geht um Mitbestimmung und Teilhabe. Das neofeudale Verhalten der Banken und das deutsche Untertanenverhalten ist da nur ein Symptom unserer Demokratiekrise.
Das Problem ist nicht, dass "nur" alle vier Jahre gewählt wird. Ständig abstimmen über alles führt doch nur dazu, dass Leute, die auch noch etwas anderes im Leben machen wollen plötzlich weniger Stimme haben, als Berufsnörgler.
Des weiteren: Das Problem ist nicht der Kapitalismus sondern, dass die Politik meint jede Bewegung auf dem Aktienmarkt hinterherhecheln zu müssen. Außerdem meint sie sich mmer exakt dann einmaischen zu müssen in die Wirtschaft, wenns mal nicht nötig wäre. Siehe Holzmann, Opel oder eben die Bankenrettung.
Anstatt da immer Wählerstimmen zu kaufen (die "geretteten" Arbeitsplätze!), sollte man lieber mal sinnvolle Richtlinen den markt verpassen, und ihn danach in Frieden lassen. Wenn die Bank dann Hops geht, geht sie eben hops.

Ein "mehr Demokratie" bedeutet doch nur noch mehr Opportunismus. Noch mehr Dauerwahlkampf, noch mehr Regierungswechsel.
Da wird prizipientreues Regieren doch noch mehr zur Seltenheit als es jetzt schon ist. Und machen wir uns nichts vor:
Wenn wir weniger "Demokratie" hätten, hätten wir auch weniger Schulden, weil dann nicht jedesmal unsinnige Wahlversprechen gemacht werden müssten und ganze Kohorten an neuen Beamten eingestellt würden (war ja selbst bei der FDP erste Amtshandlung...).

Was wir bräuchten, wäre längere Amtszeiten, terminlich gleichgeschaltete Wahlen (nicht alle paar Monate ne Landtagswahl) und richtigen Kapitalismus mit Regeln, aber keiner Sonderbehandlung für einzelne Firmen.

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blog1 15.10.2011, 23:55
121. Durchschlagskraft!!

Die große Masse wird immer am Anfang durch eine vergleichsweise geringe Zahl animiert mitzumachen. Der Mensch ist nun mal ein „Herdentier“. Das zentrale Problem ist, die weltweiten Proteste sind nicht aufeinander abgestimmt. Das Protestpotenzial ist weitaus größer als diejenigen, die auf die Straße gehen. Nur diesen Leuten fehlt eine gemeinsame Zielsetzung unter der sie ihre Kräfte bündeln können. Dann bekommen sie auch mehr Zulauf. Erst wenn es gelingt, diese Proteste unter einer griffigen gemeinsamen Lösung zu verdichten, bekommen sie mehr Durchschlagskraft. Es ist dann wie ein Laserstrahl, der auf einen Punkt gerichtet, Stahl zum Schmelzen bringt.

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Fechi 15.10.2011, 23:56
122. ...

Zitat von recardo
Warst du denn da? Wahrscheinlich nicht. Ich auch nicht, weil ich keine Lösung habe. Ich weiß es auch nicht besser, als die Politik es diskutiert.
Also ich wüsste einiges, was besser wäre als der status quo. Das würde allerdings erfordern, dass die Politik sich aus der unseligen Umarmung der Finanzindustrie löst und ein paar Gesetze auf den Weg bringt:

Trennung von Banken mit Bankgeschäften und reinen Investmentbanken. Für letztgenannte 0 Cent staatliche Hilfe.

Keine Subvention mit Steuermitteln für diejenigen, die sich verzockt haben. Wer Anleihen maroder Staaten hat, hat sie. Und schiebt sie nicht dem Steuerzahler unter.

Sofortige Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Drohungen, dass die Banken dann an den Finanzplatz London ausweichen, nicht ernst nehmen: Dann ziehen ein paar Banker nach London, na und?

Keine Bank darf "too big to fail" sein - notfalls gesetzliche Initaitiven zur Zerschlagung der angeblich "systemrelevanten" Banken. Alternativ, aber noch zu diskutieren: Verstaatlichung.

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der.honk 15.10.2011, 23:56
123. Nette letzte Worte ...

"Die Wall-Street-Banker betrachten die Camper vor ihrer Haustür jedenfalls allenfalls amüsiert - bedroht fühlen sie sich nicht." Nette Feststellung, die von reichlich Dekadenz zeugt. So oder ähnlich haben die französischen Adligen 1789 auch reagiert. Wach geworden sind sie auf den Stufen zur Guillotine.

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struwel 15.10.2011, 23:58
124. Damit das nächste Mal ...

... nicht 99% zu Hause bleiben:

Für nähere Informationen, unter anderem auch über die Ziele der Bewegung, könnte man die Webseite von Occupy Frankfurt lesen:

http://www.occupyfrankfurt.de/doku.php?id=unsere-ziele

Auf Facebook sind sie auch zu finden:

http://de-de.facebook.com/OccupyFfM

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garfield 15.10.2011, 23:59
125. Immer noch kein Titel

Zitat von mypinkpony
Ich bin wirklich ein langer Verfechter der herrschenden Politik gewesen (sogar 2008 FDP gewählt!).
Und was haben Sie 2009 zur BT-Wahl gewählt? ;-)
Zitat von mypinkpony
Aber ich glaube das sich etwas ändern muss. Die Banken dürfen nicht so groß und mächtig sein, dass sie den Staat (also uns) Erpressen können. Jeder Mensch und jede Organisation muss (sollte) für ihr Handeln verantwortlich sein. Das ist aber bei den Banken nicht der Fall. Gewinne werde privatisiert und Verluste sozialisiert, so geht es nicht.
Glückunsch. Für einen ehemaligen FDP-Wähler ist das ein gigantischer Erkenntnisgewinn.
Ist wirklich anerkennend gemeint.

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delinquent 15.10.2011, 23:59
126. Noch steht der €uro...

Zitat von teufelsküche
Man muß auch nicht unbedingt mit einem Gegenkonzept in der Tasche protestieren gehen, das System zu ändern ist Sache der Politik. Aber man muß schon erst einmal den Politikern zeigen daß man die Schnauze gründlich voll hat.
...und das verleitet viele analog zu Ihren Beobachtungen zu hektischen Einkäufen.Es ist wie der Sturm vor dem Gewitter.
Die Menschen werden seit Monaten mit Negativ-Nachrichten aus dem Finanzwesen bombardiert.Aus meinem Bekanntenkreis glaubt keiner mehr an ein happy end.Viele sind jetzt in einem euphorischem Kaufrausch,von Optimismus kann keine Rede sein.Selbst dem sogenannten Dummbürger(dazu zähle ich mich selbst) ist mittlerweile klar, das der €uro kurz vor dem abkratzen im Finalstadium ist.
Was die Demos bei uns betrifft,
passiert erst was wenn rings um uns herum Rauch aufsteigt,nicht voher.Bis dahin geht alles nach Kleinbürgerlicher Tradition alles mit Recht und Ordnung zu.Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

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tächs 15.10.2011, 23:59
127. Irrtum

Zitat von Muessin
diese Bewegung wird seinen Höhepunkt noch erleben - das ist erst der Anfang...
Im Vergleich zu den meisten unserer Nachbarn, geht es der übergroßen Mehrheit unserer Bevölkerung im Großen und Ganzen gut. Dass die Leute von der neuen Protest- Bewegung nicht genug wussten, damit kann man die spärliche Beteiligung an den heutigen Demos nicht erklären. In Italien waren mehr als Hundertausend auf den Straßen, die Infos vorher waren auch dort nicht besser als in Deutschland. Hört man sich in der Welt um, dann wird man aus vielen Ländern rings um den Globus hören, dass die Menschen in Deutschland zu beneiden seien. Die Mängel, die es natürlich auch bei uns gibt, werden von den Medien meist mehrfach multipliziert. Die Realität beschreibt das Gutachten von Raffelhüschen viel genauer, welches ermittelte, dass die Deutschen überwiegend glücklich sind. Nichtbefolgung der Aufrufe zu Massendemos bestätigen diese Realität.

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mr_smith 15.10.2011, 23:59
128. in Gedanken...

Zitat von sysop
"Wir sind 99 Prozent" lautete der Slogan, der am Samstag die Menschen weltweit gegen die Bankenbranche auf die Straße bringen sollte. Doch in Frankfurt versammelten sich gerade mal 5000, in anderen Städten waren es noch weniger. War den meisten nicht klar, gegen was*sich ihre Wut richten sollte?
Zwar nicht Vorort, aber die 99% sind da!

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Narn 16.10.2011, 00:00
129. .

Zitat von freedomworks
Kann mir irgendemand (von den hier anscheiend zahlreich vertretenen Sympathisanten) erklären, was das für eine sonderbare Bewegung ist? was wollen die überhaupt? Wo kommen die plötzlich her und warum gerade jetzt? Ich bin wirklich kein Verschwörungstheoretiker aber das sieht ganz schön gelenkt aus. Ist das Obamas Plot sich seine Wiederwahl zu sichern? Gegen wen sind die? Banker? Warum war man da nicht 2008 dagegen als die Banken mit irrwitzigen Beträgen rausgebailoutet wurden? Haben wir momentan nicht andere Probleme als "gier" der Banker? Die Eurokrise und die extreme Verschuldung liegen doch wohl an jahrzehntelanger Misswirtschaft und über die Verhältnisse leben, aller Parteien in allen betroffenen Ländern? Was können die Banken dafür, wenn die Regierungen es lieben, ständig bei ihnen Schulden zu machen? Müsste man da nicht vor den Regierungen protestieren und sie auffordern, dass Bailouten sein zu lassen und den Sparstrump anzuziehen?
2008 ging das alles ganz schnell. Das Volk hatte da kaum Zeit zu reagieren, denn naturgemäß dauert es eine Weile bis es in Gang kommt.
Jetzt ist es aber wieder soweit, das Banken gerettet werden müssen. Weil sich nichts geändert hat.

Zitat von
Und warum reden hier alle von "Revolution". Gegen was und für was denn? Der "deutsche Michel" (ganz schön verächtliche Bezeichnung für das Volk für das Revolutionäre doch vorgeben zu kämpfen) leidet doch gar nicht. Man braucht ja nicht mal arbeiten zu gehen um genug Geld zu haben sich Kuchen zu kaufen. (Ich lebe als Student mit ähnlich viel Geld wie ein Harz IV empfänger und kann das beurteilen, es ist nicht so dass man mit 420 euro nur brot und wasser hat) Man kann in Deutschland kostenlos studieren. man hat 13 jahre kostenlose Bildung. EIn Gesundheitsystem, dass mehr oder weniger jeden mit dem notwendigsten versorgt. Unzählige Transferleistungen (Wohngeld, Kindergeld, Bafög, usw.) Reicht das alles den Protesierenden immer noch nicht? Das ist hier keine Polemik. Ich verstehe nur wirklich diese ganze Bewegung überhaupt nicht. Was wollen die???
Die entscheidende Frage ist doch: Wie lange noch?

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