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Grexit-Plan: Schäuble tritt nach
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Das griechische Parlament hat dem Gläubigerprogramm zugestimmt - ein "wichtiger Schritt", sagt Bundesfinanzminister Schäuble. Doch das reiche nicht. Er rät Griechenland zum freiwilligen Euro-Austritt auf Zeit.

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Willi Wacker 16.07.2015, 12:59
370.

Zitat von Bondurant
dass diese offenkundige Tatsache so wenig Beachtung findet. Die Europabesoffenheit maßgeblicher Kreise unserer Gesellschaft macht nicht einmal vor dem Willen anderer Nationen halt. Man soll die Griechen ziehen lassen und sie werden sich - irgendwie - allein helfen. Die zwangsbeglückende europäische Sozialdemokratie - damit ist auch die CDU gemeint - sollte sich nicht im Besitz letzter Weisheiten wähnen.
Syriza will den Kuchen essen und behalten. Und, das ist neu, ihn nicht bezahlen.

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dr.joe.66 16.07.2015, 12:59
371. Schäuble sagt doch nur die Wahrheit...

Zitat von Strichnid
Es sollte mittlerweile jeder erkannt haben, dass Schäuble weiterhin am Zerfall der Eurozone arbeitet. [...] Weiß [Merkel] eigentlich, welcher Gefahr er unser Land aussetzt? Müssen sich erst wieder Putin, Cameron, Hollande und Obama auf Jalta treffen, damit sie es kapiert? Momentan ist nicht Merkel die Chefin, sondern Schäuble hat sein altes Ziel erreicht: ER ist der Kanzler zur Zeit.
Hallo Strichnid, Sie sollten ein Buch darüber schreiben. Verschwörungstheorien lassen sich bei Ihresgleichen hervorragend verkaufen...

Das ist einfach nur blödsinniger Humbug von Ihnen!

Schäuble ist - im Gegensatz zu den EU-Traumtänzern - der einzige Politiker, der Wahrheiten benennt:

1) Griechenland hat ohne einen Schuldenschnitt keine Chance jemals wieder auf die Beine zu kommen.
2) Ein Schuldenschnitt ist innerhalb der Eurozone rechtlich nicht möglich.

Daraus folgen mehrere Optionen:
1) Griechenland verbleibt im Euro, was einen Schuldenschnitt unmöglich macht. Es häuft daher weiter Schulden an, die es nie zurückzahlen kann. Wachstum wird ausbleiben, die humanitäre Lage wird katastrophal. Die griechische Politik ist und bleibt handlungsunfähig.
2) Griechenland verbleibt im Euro, bis ein Land gegen die illegalen Transferzahlungen klagt. Dann implodiert das Schulden-System von Rechts wegen, die griechische Politik ist dann nicht nur handlungsunfähig, sondern muss einen spontanen Grexit durchführen, der eine noch weit größere humanitäre Katastrophe zur Folge haben wird.
3) Griechenland verlässt den Euro. Dann gibt es einen Schuldenschnitt, anschließend umfassende Wiederaufbauhilfe aus der EU. Dadurch kommt das Geld aus Europa den Griechen zugute und nicht nur den Banken. Die griechische Politik bleibt nur in diesem Falle handlungsfähig und kann selbst die Geschwindigkeit der Wirtschafts-Reformen bestimmen.

Wenn ich Grieche wäre, würde ich Option 3 wählen. Auch die ist schmerzhaft, aber dafür werde ich nicht vom Schuldenberg begraben, sondern habe einen Tunnel, an dessen Ende Licht sein wird.

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schwaebischehausfrau 16.07.2015, 13:00
372. @Gesunder Menschenverstand:

Zitat von GesunderMenschenverstand
Außerdem spielt Würde eine sehr große Rolle dort.
"Würde"? Ist es gegen die Menschen-Würde, wenn man als Land mit dem Geld auskommen muß, das man selbst erwirtschaftet. Zumal dann, wenn ein Staat locker mehr Einnahmen haben könnte, in dem seine Bürger einfach genauso Steuern zahlen wie im Rest Europa's. Und wie sieht's dann mit der "Würde" der Slowaken, Esten, Litauer aus - ist es dann nicht "menschen-unwürdig", wenn die Menschen in diesen Euro-Ländern von weniger Lohn und weniger Rente leben müssen als die "stolzen Griechen"? Die Griechen haben 10 Jahre lang dank billigen Euro-Krediten eine Riesen-Party mit geliehenem Geld gefeiert - mit Lohn- und Rentensteigerungen weit über 40% real (und weit über 50% nominal). Jetzt ist die geliehene Kohle verballert und das Land muss zu dem Lebensstandard zurückkehren, den es die ganzen Jahrzehnte vor der Party auf Pump hatte. Mag sein, dass die Griechen das als "unwürdig" empfinden - für den Rest der Menschheit ist das die ganz normale tägliche Realität. Mein Nachbar ist 5 Jahre Audi Q7 gefahren dank einer Erbschaft. Jetzt ist die Kohle weg, der Audi gepfändet und die Familie fährt wieder nen gebrauchten Opel - so wie die ganzen Jahre vorher. Und niemand protestiert, dass das gegen seine "Würde" wäre - nicht mal er selbst. Wer Menschen sehen möchte, die unter "menschen-unwürdigen" Bedingungen leben müssen, der sollte sich mal Bilder aus Nepal, Bangladesh anschauen - oder auch ("mitten in Europa") Bilder aus Albanien oder Moldawien. Wenn wie gestern die griechische Parlaments-Präsidentin von "Völkermord" spricht, dann ist das nichts anders als eine zynische Verhöhnung von Millionen Menschen, die wirklich in Not sind.

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forsell 16.07.2015, 13:00
373. Ja, aber

Zitat von wb3
ist eindeutig die beste Lösung für alle Beteiligten. Da hat Herr Schäuble absolut recht. Alle, die ihn deswegen verdammen, liegen falsch. Griechenland kommt ohne Grexit nicht wieder auf die Beine und bleibt auf Jahrzehnte in dem demütigenden Zustand, dass es immer wieder um neue Kredite betteln muss und von allen Gläubigerstaaten dafür Hass und Ablehnung erntet.
Grexit ohne Schuldenschnitt kann/wird es nicht geben. Indem er aber die völlig unmögliche Position: A) Grexit UND B) kein Schuldenschnitt ständig nach Aussen -in die Öffentlichkeit transportiert- holt er beide Lager A) der Grexiter und B) der Schuldenschnitter zusammen ins Boot der steigenden Unions-Umfragewerte. Seine diesbezüglich zuspitzende Rhetorik ist also rein innenpolitisch begründet, zur Lösung des eigentlichen Problems trägt sie überhaupt nicht bei.

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Gruuber 16.07.2015, 13:00
374. Leider kann man nicht drauf wetten,

dass der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis Recht hat und sich Schäuble mit den übrigen EU-Finanzministern auf dem Wege des Holzes befindet.

Varoufakis hat nämlich neben etlichen Reformvorschlägen, auf die von den völlig gleichgeschalteten EU-Vertretern natürlich nie in seriöser Weise eingegangen wurde, auch immer einen Schuldenschnitt als unumgänglich gefordert.

Nun, es wird sich herausstellen, dass so ein Schuldenschnitt, der nie Vorschlag der EU-Gruppe für Griechenland war, tatsächlich unumgänglich ist.

Aber es ist halt so wie bei der Bankenkrise: Solange die EU nicht Euros nahe der Billionenhöhe völlig nutz- und sinnlos aus dem Fenster geworfen hat (z.B. wegen "Systemrelevanz", O-Ton Merkel) wird sie einfach nicht glücklich werden. Und auch nach Griechenland werden noch Milliarden bis zum Abwinken in die falschen Hände fließen, bevor es einen feststellbaren Weg zum Besseren wird. Wenn überhaupt!

Das gilt übrigens nicht nur für Griechenland, sondern auch für alle anderen EU-Länder, die von den EU-Machern saniert worden sind oder werden.

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happy2010 16.07.2015, 13:00
375.

Zitat von nordseekrabbe65
jetzt nehmen wir mal an,Sie bekämen "nur" ALG2 und ich hätte zum Glück etwas mehr in der Tasche....es ist Winter und Sie brauchen dringend eine warme Jacke....ich leihe Ihnen 50 Euro und dann kommen Sie am nächsten ersten und sagen "sorry....ich hab es nicht....ich hab es einfach nicht!!" Ich könnte zum "Schwein" werden....ist aber gegen meine Natur!! Also einigen wir uns darauf,dass Sie mir jeden Monat 1 Euro bringen....besser als nix und Ihnen fällt es leichter!! Sie kommen dann jeden Monat pünktlich....und ich würde sogar Kaffee auf den Tisch stellen. Ende von der Geschichte....dafür das Sie regelmäßig das Geld brachten,"schenke" ich Ihnen 20 Euro,die Sie mir nicht wieder geben müssen ;-) ! Wenn wir uns statt zu streiten,gegenseitig nur ein bischen helfen,ist die Welt wieder wundervoll....!!! Man muss nur WOLLEN....und da liegt eben der Hund begraben....man will nicht....LEIDER!!!!
Und leider ist es laut EU Verträgen eben nicht möglich, den Griechen diese "20 Euro" zu schenken

Die Schulden sind Staatsschulden, Schulden des Staates an andere Staaten, und bevor diese "geschenkt" werden dürfen, oder TEILE davon geschenkt werden dürfen, muss das der Staat und tw das Volk zustimmen

Auf deutsch:

Geld geben darf man nur dann, wenn alles 100% zurückkommt
Und das bedeutet, dass man auch Auflagen macht, von denen jeder weis das diese Unsinn sind, nur weil so offiziell die Rückzahlung "gewährleistet ist".
Denn nur diese Gewährleistung erlaubt es zu helfen

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Wolfgang Porcher 16.07.2015, 13:01
376. beleidigte Leberwurst, mit selbst mehr als 2 Billionen Schulden

Herr Schäuble, wann tritt Deutschland aus mit seinen über 2 Billionen ,
wenn unsere Urenkel uns verfluchen, weil wir denen nicht rueckzahlbare Schulden vererbt hatten und versäumt hatten unsere Politiker in die Wüste zu schicken und die Diäten voll zu streichen?

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biesi61 16.07.2015, 13:02
377. Sehr viele

und vor allem sehr namhafte Ökonomen (Stiglitz, Krugman, IWF) sehen das von Herrn Schäuble aufgeführte Drama völlig anders als er.
Warum ein Schuldenschnitt innerhalb des Euro unmöglich sein soll, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Im übrigen erschreckt mich auch in diesen Aussagen wieder seine unverschämt chauvinistische Arroganz, die seit Monaten gegenüber Griechenland sein gesamtes Handeln bestimmt. Inzwischen schürt in Deutschland niemand so aktiv anti griechische Vorurteile, wie er!

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jeze 16.07.2015, 13:02
378.

Zitat von taipan61
Man sollte mal genau nachfragen wohin das Geld die letzten 20 Jahre so geflossen ist...muss ja irgendwo sein.
Es ist kein Geheimnis, wo das geld ist. Es floss zu einem Großteil als Rendite u.a. auch an Deutsche Banken, ev. in ihre Altersvorsorge. Bisher hat D nur Geld an Griechenland verdient.

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Nr43587 16.07.2015, 13:02
379.

Zitat von GesunderMenschenverstand
Volkswirtschaftlich mag Schäuble sogar recht haben, wenn man rein fiskalpolitisch die Euro-Zone stabil halten will. Aber Schäuble denkt zu eindimensional. Es gibt eine politische Dimension. Die Griechen haben - zu recht- eine Heiden-Existenzangst, wenn sie urplötzlich nicht nur ohne Geld, sondern auch ohne Währung dastehen. Außerdem spielt Würde eine sehr große Rolle dort. Drittens müssen wir aufpassen, dass der europ. Markt nicth nur darauf hin optimiert wird, eine optimale Anlagezone ist, um sowieso schon große Geldmengen noch weiter wachsen zu lassen. Hier in Europa leben auch Menschen, nicht nur Banken.
Was Sie beschreiben, sind genau die politschen Argumente, aufgrund derer der Kompromiss am letzten Montag in der Frühe geschlossen wurde.

Die Angst der Griechen vor dem Grexit ist irrational. Sie hätten dann eine eigene Währung, die Drachme. Sie bekämen einen Schuldenerlass. Und sie bekämen weiterhin Hilfe von der EU. Die Kosten wären vermutlich ähnlich hoch, nur dass am Ende wahrscheinlich Erfolg auf allen Seiten stehen würde (Eurogruppe: Krisenkönig weg, Griechenland: Schulden weg, volle Souveränität, wachsende Wirtschaft).

Würde, sprich Nationalismus, ist in dieser Krise ein schlechter Ratgeber.

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