Forum: Wirtschaft
Griechenland-Krise: Der Schuldenschnitt kommt in jedem Fall

Gebärden sich die Griechen bei den Verhandlungen mit ihren Gläubigern als rücksichtslose Zocker? Nein, im Gegenteil, sie argumentieren bewundernswert stringent: Ohne Schuldenschnitt kann es keine sinnvolle Einigung geben.

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ackergold 15.06.2015, 13:14
1.

Niemand bekommt einen Schuldenschnitt, Herr Münchau, von keiner Bank der Welt. Griechenland hat zu verwertende Sicherheiten und einen Schuldenschnitt kann es erst dann geben, wenn diese Sicherheiten ebenfalls verwertet wurden. Auch vor Teilen des Staatsgebiets, also z. B. Inseln in staatlichem Besitz, wird man wohl kaum haltmachen können, denn wer Schulden hat, muss bis zur Pfändungsgrenze alles hergeben. Auch in Griechenland gibt es noch genügend überflüssigen Staatsbesitz.

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saxschneider 15.06.2015, 13:14
2. Scheinheilig!

Es ist schon dreist, dass sich der Autor jetzt zum großen Kritiker der Rettungspolitik aufschwingt. Er und der Spiegel haben doch in den Jahren 2010, 2012 immer "Solidarität" von den Europäern für die Griechen verlangt. Wie verlogen ist es denn jetzt, so zu tun, als wären "die anderen" schuld an der Misere.

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ackergold 15.06.2015, 13:16
3. Sie irren gewaltig, Herr Münchau!

Wenn Griechenland einen bedingungslosen Schuldenschnitt bekommt, dann wird jedes Land ein Anrecht auf einen bedingungslosen Schuldenschnitt bekommen, denn alle Länder können Europa dann erpressen.

Aus diesem Grunde sind Schuldenschnitte sinnlos. Die Verschuldung fängt dann erstens nur von Neuem an und zweitens werden auch andere Staaten dann diesen Weg gehen, in dem sie ihre Schulden problemlos loswerden.

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MoorGraf 15.06.2015, 13:18
4. lebensfähig?

das Problem ist doch gar nicht der Schuldenschnitt oder Hilfspakete, das Kernproblem ist, dass die griechische Wirtschaft (mit oder ohne Schulden) nicht lebensfähig ist. Solange 4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung gehen (gegen wen denn, um Zeus´ willen?), solange es mehr Rentner und mehr Staatsbedienstete gibt, als wirtschaftlich produktiv arbeitende Menschen, ist der Staat auf immer mehr Kredite angewiesen. Das ist ok für einen HartzIV Empfänger, z.B. wenn er krank ist, nicht arbeiten kann oder Kinder erziehen muss. Dafür zahlen die Europäer gerne Steuern und unterstützen. Aber solange die Griechen mehr Rente (etc.) bekommen, als die anderen Europäer (also als die meisten zumindest), haben die anderen Staaten einfach keine Lust, die besondere Bedürftigkeit anzuerkennen und diese auf Dauer zu bezahlen.

Wenn die Griechen arbeiten würden und irgendwie erkennbar ist, dass sie in ein paar Jahren wirtschaftlich lebensfähig werden, zahlen wir gerne die Überbrückung, aber die derzeitige Haltung: "hey, das ist in den letzen Jahren so gewesen, also stellt euch nicht so an und finanziert uns auch in Zukunft unser bequemes Leben" führt dazu, dass sie Nahrungsmittelspenden und Gesundheits(not)versorgung von der EU bekommen, aber kein weiteres Geld für die Fortsetzung der Party. zumindest meine Meinung dazu.

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OmaGeddon 15.06.2015, 13:19
5.

"Die eine Wahrheit ist, dass die Währungsunion zerbricht oder eine Fiskalunion erzwingt." - eine Fiskalunion, in der die Griechen mit 56, die Deutschen mit 67 in Rente gehen? Glauben Sie das wirklich, Herr Münchau?

Desweiteren: Nicht "WIR" erzählen "UNS" Lügen wie "Der Euro wird so stark wie die Mark!".

SIE, die politische und mediale Kaste erzählten UNS, den Bürgern, diese Lügen. WIR haben die nie geglaubt, weshalb UNS ja auch die Mitsprache per Volksentscheid verweigert wurde.

Jetzt sehen Sie zu, wie SIE damit fertigwerden.

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galbraith-leser 15.06.2015, 13:19
6. Die vierte Wahrheit ist,

dass Griechenland nicht in die Währungsunion gehört. Es sei denn, alle anderen Teilnehmer dieser Union akzeptieren, dass Griechenland ständig Geld geschenkt werden muss, um Teil dieser Währungsunion zu sein. Und das nur, weil dort zu wenig Steuern gezahlt werden - quer durch alle Schichten. Offiziell mag die Mehrwertsteuer bei 23 Prozent liegen - praktisch gezahlt werden vermutlich keine 12 Prozent (auf alle Umsätze betrachtet). Einkommensteuer dito. Daher: Grexit now!

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Bondurant 15.06.2015, 13:21
7. Das ist nicht irrational

Wenn sie sich nicht einigen können, handelt zumindest eine Seite irrational. Denn welcher Gläubiger will schon den gesamten Zahlungsausfall riskieren, wenn er einen Teil seiner Schulden retten könnte?

Es ist völlig richtig, wenn ein Gläubiger einen - den schwächsten und korruptesten - seiner Schuldner voll in die Pleite gehen lässt, damit ihm andere Schuldner, die am Ende durchaus zahlen können, nicht nach dem selben Motto die Zahlungen verweigern. Bestrafe einen, erziehe hundert, sagte schon der Große Vorsitzende, was Tsipras und Varoufakis sicher schon mal gehört haben. Griechenland muss in die Insolvenz, dann sieht man weiter.

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logisch_konsequent 15.06.2015, 13:22
8. Wieso sollten wir verzichten...

... nur wenn Griechenland einen Grexit hinlegt? Es heisst doch immer, mit dem Drachme könnte Griechenland wettbewerbsfähig sein (ohne das Euro-Korsett). Dann können sie ja in Ruhe später ihre Schulden tilgen (Griechenland hat ja auch noch über 300 Mrd. Euro Staatsvermögen und über 200 Mrd. Euro Kapitalfluchtgeld), also reichen würde es ja locker jetzt schon.

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TangoGolf 15.06.2015, 13:22
9. dem Herrn Münchau

geht es ja gut. Alle paar Wochen eine Kolumne auf Spon und sonst sicherlich alle Schäfchen ebenfalls im trockenen, richtig? Ich verstehe nicht, wie selbstverständlich er sonst von einem Schuldenschnitt schreiben kann, als wenn´s nix kostet. Es kostet eben doch eine Menge und zwar eine Menge Steuergeld. Das gehört auch mir. Und ich sehe nicht ein, weshalb das Geld einfach verpuffen soll und an anderer Stelle massiv Geld fehlt. Es ist doch gerade im linken Milieu üblich, etwa Rüstungsausgabe mit Kita-Plätzen gegenzurechnen. Vielleicht nimmt sich Herr Münchau auch mal die Zeit, die für einen Schuldenschnitt zu tun.

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