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Griechischer Schuldenschnitt: Pleite-Spekulanten könnten leer ausgehen
dapd

In die Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland kommt Bewegung. Der Derivateverband Isda erklärte, dass private Gläubiger keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte die Zockerstrategie einiger Hedgefonds durchkreuzen.

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wb99 01.03.2012, 20:49
1. Hä?

Die Entscheidung der Versicherung, bei einem freiwilligen Schuldenschnitt keine Entschädigung zu zahlen, verbessert die Chancen, dass der freiwillige Schuldenschnitt angenommen wird?

Welches wäre denn hierbei der Wirkmechanismus?

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Fassmann 01.03.2012, 20:50
2. Haha, verzockt....oder?

sobald sich aber die Freude darüber etwas gelegt hat, wird man sich fragen müssen wie man zukünftig Anleihen überhaupt noch los werden will.

Kein Anleger wird je solch unsichere und vor allem unversicherbare Anleihen mehr haben wollen......

so stellt man sich selbst das Bein!

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danielkuehn 01.03.2012, 20:53
3. Der Artikel geht völlig am Kern vorbei

Die ISDA hat lediglich erklärt, dass der EZB-Tausch kein Kreditereignis auslöst. Darauf hat auch nie jemand spekuliert (die Option war ja bis vor kurzem gar nicht bekannt) noch hat jemand damit gerechnet, dass die CDS auslösen könnte.

"Denn Isda nimmt den Investoren den Wind aus den Segeln, die darauf gesetzt haben, die Einigung scheitern zu lassen und damit eine Staatspleite Griechenlands hervorzurufen. "

genau das stimmt ja überhaupt nicht, denn wenn es zur Pleite kommt, dann greifen die CDS ja!

und wenn die CAC rückwirkend implementiert werden, greifen die CDS mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch.

Was der Autor eigentlich sagen wollte und wie er es begründet, bleibt im Dunkeln.

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dingodog 01.03.2012, 21:32
4. Sehr seltsamer Artikel

Vielleicht sind die Redakteure wirklich langsam überfordert. Geht einem ja auch schon so. Erstens ist das Kreditereignis absolut noch nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben - sobald nicht freiwillig am Tausch teilnehmende Gläubiger per rückwirkender einseitiger Vertragsänderung gezwungen werden, teilzunehmen, sind die CDAs fällig. Zweitens sehe ich nicht, dass die aktuelle ISDA-Entscheidung für viele Spekulanten oder auch normale Anleger irgendwas verändert. Wer CDAs UND günstig gekaufte Anleihen besitzt, lehnt sich weiter zurück und beteiligt sich nicht. Entweder die CDAs werden fällig, oder die Anleihen werden zurückgezahlt.

Das interessante ist, das nach anderen Quellen (Reuters) die CDAs noch ziemliche Komplikationen bringen werden, aufgrund der komplizierten Konstruktion der Nicht-Pleite (Zwangsumtausch in eine Mischung von neuen griechischen und EU-Anleihen) ist der auszuzahlende Wert der CDAs ziemlich im Graubereich. Damit werden Kreditausfallversicherungen nur noch schwer voraussagbar, und damit EU-Kredite langfristig teurer. Macht aber nix, wir drucken uns unser Geld selbst...

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starter 01.03.2012, 21:43
5.

Zitat von sysop
Der Internationale Derivateverband (Isda) sieht im Schuldenschnitt für Griechenland kein Kreditereignis.
Tolle Erkenntnis. Derjenige, der auf Grund eines Ereignisses zahlen soll, meint also, er müsse nicht zahlen. Das versicherte Ereignis sei nicht eingetreten. Völlig überraschend. Hatte jemand vermutet, Isda werde freudestrahlend verkünden, natürlich werde man zahlen, aber gern doch?

Genauso könnte der GDV Gesamtverband der Versicherer erklären, im Falle eines Verkehrsunfalls sehe er keine Eintrittspflicht seiner Haftpflichtversicherer.

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Steve B 01.03.2012, 22:09
6. Argumente durcheinandergeraten?

Zitat von sysop
In die Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland kommt Bewegung. Der Derivateverband Isda erklärte, dass private Gläubiger keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte die Zockerstrategie einiger Hedgefonds durchkreuzen.
Also irgendwas klingt da ein wenig krumm. Was genau löst jetzt (noch?) KEIN Kreditereignis aus - der von Griechenland angestrebte Schuldenschnitt? Das ist nun nicht sooo überraschend. Aber es kann nur die ärgern, die CDS halten, ohne die entsprechenden Anleihen zu haben. Allen anderen nimmt es nur eine von mehreren Optionen, denn die können auch einfach die Anleihen behalten und auf Erfüllung des alten Vertrages pochen. Ob nun die Versicherung oder die griechische Staatskasse zahlt, kann denen egal sein, und letzteres ist zu vermuten, wenn die Beteiligung so hoch ist, das Griechenland auf nachträgliche Einführung von CACs verzichtet. Allerdings taugt die Entscheidung damit noch nicht als Motivation zum Anleihetausch, denn es müssen genug andere(!) tauschen, damit man selber profitiert. Klassisches Zocker-Mikado.

Die interessantere Entscheidung, nämlich ob die CDS auch im Falle einer nachträglich eingeführten CAC noch nicht fällig werden, ist ja noch nicht getroffen worden.

Übrigens scheint mir auch die Angabe von "73 bis 74 abschreiben" merkwürdig. Entweder unterschlägt der Autor hier, dass ein Teil des Umtauschwerts in Bar ausgezahlt wird, oder er übernimmt kritiklos die Behauptung, dass nicht mehr gezahlte Zinsen vollständig als Verlust zu werten sind. Durch Zinsen soll (neben Inflation) ein Ausfallrisiko kompensiert werden, und wer Zinsdifferenzen zu 100% als sicheren Gewinn einrechnet, der taugt als Investor nix.


Gruß,
Steve

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tajmahal1111 01.03.2012, 22:25
7. Doppelt, dreifach gemoppelt

Im ISDA-Ausschuss sitzen doch auch nur Großbanken, die wollen natürlich möglichst nicht zahlen. Aber die privaten Anleihebesitzer sollen trotzdem rasiert werden, bis auf einem Rest. Man brennt das Haus ab, führt die Umschuldung durch (Restwert ca. 22%), und sagt den Versichterten, es sind ja noch eure Ruinen da: kein Kreditereignis. Den Griechen wird zugleich ihr Sozialsystem rasiert, bis auf die Ruinen. Also dreifach gemoppelt!

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xebudig 01.03.2012, 22:56
8.

Zitat von sysop
In die Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland kommt Bewegung. Der Derivateverband Isda erklärte, dass private Gläubiger keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte die Zockerstrategie einiger Hedgefonds durchkreuzen.
Falls eine Umschulung als Ausfall interpretiert worde wäre hätten einige Besitzer von Papieren diese (sofort) in Anspruch nehmen können, das Interesse an der Umschuldung teilzunehmen wäre gesunken denn dadurch hätte eine Nichtteilnahme kein (zukünftiges) Risiko mehr dargestellt (mein Geld kommt ja sofort aus der CDS).
Es hätte es außerdem möglich gemacht praktisch Risikofrei eine Staatspleite zu provozieren (die Mechanism sind hier etwas kompizierter, andere Artikel zu dem Thema haben sie ausführlich erläutert). Letzteres mußte aus politischen Gründen unbedingt verhindert werden. Manchmal macht Staaträson ja doch Sinn, nicht war, niemand darf Risikofrei auf Kosten der Allgemeinheit Geld verdienen dürfen. Im Allgemeinen macht man daraus einen Strafftatbestand.

Auch ideologisch ist die Angelegenheit schmerzfrei. Falls die CDS gegriffen hätten, hätte eine Umverteilung zwischen Banken stattgefunden, die öffentliche Hand würde nicht mehr belastet und auch nicht weniger. Privatanleger halten keine CDS und sowieso nicht betroffen, es sei denn indirekt über einen Fond aber dies müssen diese Anleger privat mit ihrem Fondmanager ausfechten.

Es macht aber aus durchaus Sinn dies als positives politische Signal zu werten. CDS haben überhand genommen und wurde vermehrt genutzt um "Risikofreie" Investititionsvehikel zu bauen. Eigentlich war diese "Risikofreiheit" schon immer ein Illusion, aber diese Maßnahme hilft sie weiter zu zerstören. Geldanlage hat immer ein Risiko und wenn besondere Situationen eintreten kann eine Staat auch in gewissem Maße in die Vertragsfreiheit eingreifen. Daher auch in Finanzwirtschaft gilt von nun an das Prinzip das ein Vertrag den "allgemeine nGepflogenheiten" entsprechen muß. Dies erhöht die Disziplin in der Finanzwirtschaft erheblich die Verträge transparenter zu gestalten.

Rechtsphilosophisch gibt es auch nicht zu meckern, eine Versicherung zahlt nunmal nicht bei "höherer Gewalt", sondern lediglich bei Eintritt der "üblichen Schadensereignisse". Eine Versicherung auf ein extrem seltenes und statische kaum beherrschbares Ereignis bei dem der Schadensfall den Versicherer ruinieren kann steht ist moralisch fragwürdig recht fragwürdig da. Mann könnte ja vermuten hier wälzt jemand Risiken auf schwächere ab die dann im Zweifelsfall von der öffentliche Hand gerettet werden müssen. Diesen Anspruch gibt es gegenüber Privatpersonen nicht und sollte es konsequenterweise auch nicht in der Finanzwirtschaft geben.

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alexbln 01.03.2012, 23:31
9.

Zitat von starter
Tolle Erkenntnis. Derjenige, der auf Grund eines Ereignisses zahlen soll, meint also, er müsse nicht zahlen. Das versicherte Ereignis sei nicht eingetreten. Völlig überraschend. Hatte jemand vermutet, Isda werde freudestrahlend verkünden, natürlich werde man zahlen, aber gern doch? Genauso könnte der GDV Gesamtverband der Versicherer erklären, im Falle eines Verkehrsunfalls sehe er keine Eintrittspflicht seiner Haftpflichtversicherer.
noch besser, der gesamtverband der versicherer leugnet das überhaupt ein verkehtsunfall stattgefunden hat.

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