Forum: Wirtschaft
GroKo-Einigung: Was das Soli-Ende für Sie persönlich bedeutet

Nun ist klar: Der Solidaritätszuschlag soll wegfallen - aber nur für die unteren 90 Prozent der Steuerzahler. Gehören Sie dazu? Und wie viel Geld sparen Sie dadurch? Dieser interaktive Rechner zeigt es.

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großwolke 17.06.2019, 18:33
40. Haushaltseinkommen

Zitat von DerMuedeJoe
Ich bin verheiratet, und ohne Kinder. Laut meinem Steuerbescheid zahle ich 235 Euro Solidaritätszuschlag und eine Lohnsteuer von 4280 Euro. Laut ihrem Rechner würde ich keinen Soli zahlen und eine Lohnsteuer von 770 Euro. Was stimmt denn nun nicht?
Ich vermute, der Rechner setzt Ihr Einkommen als das gesamte verheiratete Haushaltseinkommen an. Bei zwei Steuerfreibeträgen bliebe bei den Zahlen, die Sie angegeben haben, nicht mehr viel Steuerpflicht übrig.

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Mittelschicht 17.06.2019, 18:46
41. @20

Naja, das scheint schon mal sehr stark vom Wohnort abzuhängen. Wir haben ein zu versteuerndes Einkommen von ca. 90 TS EUR p.a.
Nein, die Einkünfte werden nicht aus Manager-Positionen bezogen. In solche Bereiche stoßen sie schon als guter Facharbeiter/Meister in der Industrie vor und sind immer noch im Tarifbereich.
Seis drum. Von "ihren" 50 TS EUR gehen hier für eine ganz durchschnittliche 3,5 Zimmer Wohnung ca. 12 TS EUR p.a. ab (und wir zahlen so gesehen für unsere Region noch eher wenig Miete). Dummerweise benötigen wir zwei fahrzeuge. zwar ist der ÖPNV in der region im prinzip gut ausgebaut aber dummerweise zu den Arbeitsstätten meiner Frau und mir nun gerade nicht, es sei denn man will für ca. 20 km Wege zur Arbeitsstelle ca. 1,5 bis 2 Stunden für die einfache Strecke im ÖPNV zurücklegen was mit dem Auto in nicht ganz 20 Minuten zu schaffen ist. Auch wir fahren Mittelklasse bzw. Kleinwagen. So, Kind, je nach Alter: Kindergartenplatz ca. 500 EUR im Monat. schließlich sind sie, auf dem Papier, Topverdiener und zahlen natürlich den Höchstsatz usw. Da bleibt von "ihren" 50 TS EUR irgendwann nicht mehr viel. Wir nagen nicht am Hungertuch aber rechnen ob und was man sich leisten kann und will müssen wir auch. Eigentumm erwerben ? Schön. Das fängt bei einer durchschnittlichen 3-Zimmer Wohnung bei ca. 200 TS EUR an wenn sie ein Schnäppchen finden. Neubau mit entsprechendem Energiestandard können sie unter 450 TS EUR vergessen. Wenn sie schon Richtung "Häuschen" denken und sich das leisten können wollen dürften sie eher schon ein paar hundertausend EUR auf dem Sparbuch liegen haben. Mit etwas Glück finden sie ein Reihenmittelhaus ab 600 TS EUR. Wenn sie das vielleicht gerade so gewuppt bekommen bleibt ihnen dann nur zu hoffen das sich manche Ideen der Politik nicht durchsetzen. Beitragsbemessungsgrenzen sid ja immer so ein Lieblingsthema. Ein Angestellter iin der IIndustrie ist da auch ganz schnell dabei. Urlaubsgeld, vielleicht ein Jahresbonus der anfällt und peng, zahlen sie gleich mal ein "paar" EUR mehr Sozialabgaben. Mit dem Geld haben sie dann offentlich bei der Tilgung nicht gerechnet.

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Crom 17.06.2019, 18:54
42.

Zitat von Zaphod
Es ist anzunehmen, dass auch sehr viele Steuerpflichtige, die nicht zu den 90 % Bestverdienern gehören, sich "mit 50-60h/Woche den Hintern aufreißen". Der Unterschied ist, dass diese Leute, z.B. im Pflegebereich, sich dann anhören müssen, dass für sie nicht mehr Geld da ist. Insofern ist die wöchentliche Arbeitszeit kein Indiz für irgendetwas. Sehr wahrscheinlich macht vielen Bestverdienern ihre Arbeit sogar noch Spass und wird nicht als Belastung empfunden. Wer jedoch überdurchschnittlich viel arbeitet, überdurchschnittlich viel verdient und trotzdem mit seinen Lebensumständen unzufrieden ist, der sollte die Gründe hierfür nicht einfach im Steuerrecht suchen, sondern eher in sich selbst. Er sollte sich fragen, wie er wirklich glücklich werden kann.
Nun, meine Frau arbeitet auch in der Pflege, die darf den Soli dann dennoch zahlen, da wir gemeinsam veranlagt werden.

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Jörg-Detlef 17.06.2019, 19:01
43. Nicht verfassungskonform!

Nehme ich die Zahlen von 2018 für „ledig, keine Kinder“ so liegt die Grenze zwischen unteren 90 Prozent und oberen 10 Prozent bei einem Jahresbrutto von 54.750 Euro und einem Soli von 576 Euro. Ob ich 576 Euro oder mehr bezahlen muss oder keinen Soli mehr, soll dann davon abhängen, ob ich über oder unter besagtem Brutto lande. Dabei kann theoretisch nur ein Euro mehr oder weniger darüber entscheiden, ob ich mehr als einen halben Tausender hinlegen muss oder nicht. Dann gilt, weniger wäre mehr gewesen, und das kann nicht verfassungskonform sein.

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muunoy 17.06.2019, 19:03
44. Antwort zu Nr. 27

Obwohl meine Beiträge zur Steuersystematik in Deutschland hier gerne weg zensiert werden, versuche ich es dennoch mal. Die Kommentare hier zeigen ja, dass die meisten Foristen sich nicht im Steuerrecht auskennen und auch nicht erkennen, wer die Gesellschaft hauptsächlich finanziert. Die im Artikel gezeigte Grafik ist halt nur bei ganz genauem Hinschauen wirklich verständlich. Ich meine damit den obersten Balken on top. Auch kam mein letzter Post wohl nicht durch, weil die Idee, eine besondere Strafsteuer auf das gesamte Einkommen zu verlangen, sobald eine gewisse Grenze auch nur um einen Euro überschritten ist, nach meiner Meinung ziemlich sicher verfassungswidrig ist. Dies wird den Staat noch viel Geld kosten. Die Urteile auf Rückzahlung dieser verfassungswidrigen Steuer werden so spät kommen, dass dann noch 6% Zinsen p. a. drauf kommen.
Zu Ihrer Frage: Der Kinderfreibetrag ist keine Sozialleistung oder Förderung von Familien. Der Kinderfreibetrag resultiert aus der Tatsache, dass das BVerfG mal zu dem Ergebnis gekommen ist, dass Kinder auch Menschen sind, deren Existenzminimum genauso wie bei Erwachsenen nicht besteuert werden darf. Naturgemäß sparen in einem progressiven Steuersystem Spitzensteuerzahler mehr als Leute, die wenig Steuern zahlen. Um aber diejenigen, die nicht so viele, kaum oder gar keine Steuern zahlen, auch bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, wurde das Kindergeld eingeführt. Anders als der verfassungsmäßig gebotene Kindefreibetrag ist das Kindergeld also eine Sozialleistung. Die Höhe des Kindergeldes ist daher politisch und somit willkürlich festgesetzt. Die steuersystematisch interessantere Frage wäre eigentlich, warum das steuerliche Existenzminimum von Kindern geringer als von Erwachsenen ist. Aber unser Steuersystem ist in den meisten Bereichen von Willkür durchsetzt und nun wirklich nicht gerecht.
Noch ein paar Anmerkungen, die mir beim Lesen der Kommentare durch den Kopf gingen. Die Höhe des Solis wird über die EK-Steuern und nicht über somit nur indirekt über das zu versteuernde Einkommen bestimmt. Es sind also nicht 5% vom Bruttolohn. Dass der Brutto-Lohn höher als das zu versteuernde Einkommen ist, haben hier schon andere festgestellt. Aber der Spitzensteuersatz beträgt nicht 45%. Es sind auch nicht 42%. Hier kommt es auf die Definition des Begriffst "Spitze" an. Unsere Politiker und Journalisten staatsnaher Medien arbeiten ganz bewusst mit sprachlichen Ungenauigkeiten und widersinniger Nutzung von Begriffen. Man nehme nur mal den Begriff "Steuergeschenk" oder eben auch "Solidaritätszuschlag". Mit ersterem ist kein Geschenk gemeint. Und der zweite Begriff hat mit Solidarität auch nichts zu tun.
Zum Begriff "Spitze". Damit meint man das höchste von etwas. Die höchste Besteuerung, die man in Deutschland haben kann, liegt eigentlich bei den indirekten Steuern. Ob es nun Zigaretten oder Sprit ist, weiß ich momentan auch nicht.
Bei der Einkommensbesteuerung beträgt der Spitzensteuersatz so ungefähr 48 oder 49% (resultierend aus Spitzensteuersatz von 45% + Soli + Kirche). Da auch dieser Post vermutlich nicht durch kommt (Spiegel-Leser will man ja dumm halten), mache ich mir nicht die Mühe, das auszurechnen.

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DKH 17.06.2019, 19:09
45. Alles in allem zeigt es doch

Wie tief die Einkommen im angeblich einem der reichsten Land der Welt sind. Kein Wunder sind die Renten bei diesen mickrigen Einkommen noch tiefer. Armes (reiches??? Deutschland) Aber der Durchschnittsdeutsche. Merkt immer noch nicht, das die Leute rund um Deutschland mehr, teilweise vielmehr verdienen.

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Cephalotus 17.06.2019, 19:11
46.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Zitat : "Für Steuerzahler stellen sich nun Fragen: Gehöre ich zu den unteren 90 oder doch zu den obersten 10 Prozent? Wird mir also der Solidaritätszuschlag künftig erlassen oder nicht? " Naja, für die oberen 10 Prozent ist es doch eh egal, ob die die paar Euro nun weiterhin zahlen müssen oder nicht. Für den Gegenwert können die sich ungefähr eine SUV-Tankfüllung mehr im Jahr "leisten", also nicht der Rede wert. .
Bei meinem Gehalt, das jetzt für einen Ingenieur alles andere als sonderlich hoch ist und SK 1 sinkt mein Soli also von 900 irgendwas Euro auf 600 irgendwas Euro und ich stelle fest, nicht nur zu den oberen 10%, sondern schon zu den oberen 5% bei den Steuern zu zählen.

Ich wohne übrigens zur Miete und besitze keinen SUV, noch nicht mal ein anderes Auto, sondern fahre Fahrrad.

Ich sage nicht, dass es mir schlecht geht, aber dass ich jetzt das "Reichen"-Feindbild bin schockiert mich doch etwas.

Im Grunde sind Leute wie ich es die den Staat und die Sozialsysteme finanzieren.

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Harald Schmitt 17.06.2019, 19:33
47. Vorsciht

Zitat von alph
Jetzt mal ehrlich, wenn sich hier Leute mit 60k+ Jahresbrutto über ihr schwieriges Leben beschweren, sind die Prioritäten dieser Leute nicht ganz richtig gesetzt. Wir können uns als Berufseinsteiger mit zusammen 50k und einem Kind einen deutschen Mittelklassewagen (4 Jahre alt), einen Jahresurlaub und ein recht sorgenfreies Leben leisten, mit so viel übrig, dass wir innerhalb der nächsten 5 Jahre einen Wohnungs-/Hauskauf angestreben (Großstadt in Mitteldeutschland). Was man natürlich nicht zu oft machen sollte, ist zwei Mal in der Woche in Restaurants dinnieren, wöchentlich ins Kino gehen oder jährlich einen Fernseher kaufen.
Da sieht man mal wie Famielien das Geld hinterhergeschmissen wird. Gemeinsam veranlagt, bestimmt weit weniger Steuern als Singles mit dem gleichen Einkommen + Kindergeld und überall Förderung vom Staat.
Hier kosten Doppelhaushälften über 400T€, privat soll man auch vorsorgen damit man im Alter nicht zur Tafel muss.
Dafür gibts ja die SPD, die will bei 35 Jahren Minijob schon eine Respektrente die in der Höhe von fast 60% meines letzten Rentenbescheides ist als "Bestverdiener" und ich muss dafür über 50 Jahre bis 67 arbeiten!!!
Irgendwie ist da was an der Grenze zum Bestverdiener falsch.
Ich kann davon leben aber als Spitzeverdiener würde ich mich jetzt nicht bezeichnen. Einen Porsche kann ich mir nicht leisten auch nicht als Zweitwagen.

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PolitBarometer 17.06.2019, 19:35
48.

Zitat von burlei
Na, bei 4.600 Euro Monatseinkommen müssen Sie aber schon Social-Media-Manager, Systemadministrator oder ähnliches sein. Ein Maschinenbau-Ingenieur liegt bereits darunter, von Mechatronikern, Marketing-Assistenten, Großhandelskaufmann oder Gebäudereinigern mal ganz zu schweigen. "Zeit Online" beschreibt die Mittelschicht schön in zwei Sätzen: "Demnach gehören alle Haushalte zur Mittelschicht, deren monatliche Einkünfte in einem bestimmten Korridor um das mittlere Einkommen liegen. Für einen Singlehaushalt liegt dieser Median bei knapp 1.400 Euro pro Monat, bei drei Personen sind es rund 3.400 Euro." 1.400 Euro Netto, da ist es noch ein weiter Weg bis zu Ihren 4.600 Euro, auch wenn das Brutto ist.
Eher andersherum. Der Maschbauer liegt gehaltstechnisch deutlich über einem SysAdmin; und das schon in jungen Jahren.
Erhält der Ingenieur dann noch Tarifgehalt und ist gewerkschaftlich gut aufgestellt, überholt er den Admin um Längen.
Social-Media-Manager or what? Keine Panik, eindrucksvoller Titel, aber maues Gehalt.

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Bibs1980 17.06.2019, 19:36
49.

Zitat von bauigel
Natürlich gibt es ein Sozialprinzip und wer mehr hat kann auch mehr leisten. Aber irgendwann ist eine Grenze erreicht. Die oberen 10% (und davon ist nur ein extrem kleiner Teil wirklich reich) tragen bereits heute mehr als 50 % der Einkommensteuer. Das sind die, die sich mit 50-60 h/Woche den Hintern aufreißen und sich dann ständig anhören müssen, dass sie ja noch mehr zahlen können.
Wer als Angestellter 60 Std/Woche arbeitet, hat nen scheiss Arbeitsvertrag und sich von der Bruttosumme oder der Umsatzbeteiligung blenden lassen. Wer als Selbstständiger so viel arbeitet hat entweder als Einzelner zu viele Aufträge angenommen oder ist zu geizig, einen Mitarbeiter zu bezahlen.

Für beide habe ich kein Mitleid übrig.

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