Forum: Wirtschaft
Großbritannien gegen die EU: Europa lässt sich nicht auflösen
AP

Der Brexit-Tumult zeigt: Die EU ist derart eng zusammengewachsen, dass ein Austritt faktisch kaum möglich ist - jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten. Aus dieser Erkenntnis erwachsen auch neue Chancen.

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polza_mancini 19.11.2018, 08:08
120. Hmm,

warum erinnert mich das Saturn-Modell eher an ein anderes astronomisches Gebilde? Wer den Ereignishorizont des Rings erreicht hat, kommt nicht mehr weg, es geht nur noch trudelnd nach innen, die immensen Graviationskräfte dehnen den Eindringling bis zum Zerreißen. Keine Informationen des inneren Kreises gelangen mehr nach außen, Gelder verschwinden in der nicht beobachtbaren Singularität...
Aber im Ernst, ein mehr als ehrenwerter Versuch: wenigstens macht sich mal jemand Gedanken um die Zukunft dieses Gebildes...

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asdfyxcv 19.11.2018, 08:09
121.

Das ist das Modell Belgien. Das Land existiert nur noch, weil keiner weiss wie man es auflösen soll. Zwar wollen die Flamen raus, und die Wallonen teilweise auch, aber niemand will die Schulden übernehmen.

Das geschachere um Schulden, Verbindlichkeiten aus staatlichen Renten die niemand verlieren will, hält das Konstrukt bzw. Land zusammen.

Das unlösbare Kernproblem beim Austritt des Vereinigten Königreiches ist jedoch die offene Grenze mit Irland; teilweise natürlich auch das Problem Gibraltar (was nur selten auf dem Schirm erscheint). Wenn Italien aus dem Euro aussteigen würde, gäbe es halt in Italien eine neue Währung. Kaum ein praktisches Problem späche dagegen es umzusetzen (außer dass die Italiener vermutlich keine Lust auf Inflations-Lira haben, aber man bekommt eben was man wählt).

Auch wenn Italien aus der EU austreten wollen würde, wäre das kein Problem. Dann wird die Grenze halt wieder kontrolliert. Das hätte keine historische, separate Bedeutung wie zwischen Irland und Nordirland. Es hätte zwar Nachteile für alle und ich würde strikt auch nur von entsprechenden Überlegungen abraten. Aber faktisch wäre es kein Problem die Grenze zu schliessen und Kontrollen einzuführen. Insbesondere wäre kein Bürgerkrieg zu befürchten.

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diestimmevomdach 19.11.2018, 08:12
122. Europa, quo vadis?

Das klingt erschreckend. Ein Wechsel der Mitgliedschaft ist also nur nach innen möglich? Und dort implodiert das System dann? De facto kann also kein Land mehr aus dem europäischen Staatenverbund austreten! Da muss man ja schon fast der Schweiz einen Glückwunsch aussprechen, dass sie in diesem sich selbst verspeisenden Modell kein Mitglied geworden sind. Ich bin / war immer ein Fan des europäischen Gedankens, bin aber mehr und mehr verwirrt. Was passiert da gerade? Was bahnt sich denn da an?

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stevie25 19.11.2018, 08:14
123. Ach ja, die böse, schlechte EU

Liebe EU Gegner. Ja, die EU hat ihre Fehler aber es gibt nichts besseres. Wir können den Briten für ihr Votum dankbar sein. Sonst hätte es nie diese Auseinandersetzung damit gegeben, welchen Wert unsere Gemeinschaft hat. Genau das werden die Briten noch merken. Das Ende der Personenfreizügigkeit bedeutet für EU Bürger, dass diese Freizügigkeit in 1 Land endet. Für die Briten endet sie in 27 Ländern. Wer die Einwanderung aus der EU stoppt, stoppt auch die Einwanderung in die EU.

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gastkommentar 19.11.2018, 08:21
124. Art 50 , Abs. 1, des Vertrages über die EU lautet:

"(1) Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten."
Weder faktisch noch juristisch ist die EU eine "Schicksalsgemeinschaft". Sie ist eher eine Gemeinschaft, in der fast jeder Nationalstaat den größtmöglichen Nutzen für sein Land auf Kosten der anderen Länder erzielen möchte.
Angesichts der Staatsschuldenfinanzierung durch die EZB und einer nicht mehr vorhandenen Haushaltsdisziplin in den meisten EU-Ländern, übersteigen die Kosten einer Mitgliedschaft die Kosten eines Austritts um ein Vielfaches.
Ebenso gelingt es kleinen Ländern in Europa, die nicht Mitglied der EU sind, eine stabile Wirtschafts- und Sozialpolitik bei Beibehaltung eines hohen Wohlstandniveaus zu schultern, wie es die Länderbeispiele Schweiz und Norwegen zeigen.

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NauMax 19.11.2018, 08:26
125.

Zitat von Joe Amberg
Nichts auf der Welt ist alternativlos, und nichts ist für ewig. "Alternativlose" Lösungen sind in Wirklichkeit diktatorisch.
Sie haben den Hintergrund des Artikels nicht verstanden: Selbstverständlich gibt es Alternativen zur EU-Mitgliedschaft - namentlich der Austritt. Und der Brexit wäre deutlich reibungsloser abgelaufen, wenn der politische Kurs von Anfang an klar gewesen wäre. Das Problem ist aber: Die EU wird austretenden Staaten keine umfassenden Sonderrechte ohne Gegenleistung anbieten - und das macht einen Austritt derart kostspielig, dass man ihn nicht bloß aus nationalistischen Beweggründen heraus erwägen sollte. Little Britain wird auch noch merken, dass die Zeiten des Empires schon längst vorbei sind - und Europa mit dessen Zerfall nichts zu tun hatte. Aber Sie haben Recht: Nichts ist für ewig. Daher gehören aus meiner Sicht diese vermaledeiten Europäischen Zwergnationalstaaten - immerhin eine Idee aus dem 18. und 19. Jahrhundert - abgewickelt!

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saarlaender 19.11.2018, 08:29
126. Alternativlos ?

So so, die EU ist also alternativlos. In der Realität zeigt sich aber, dass die EU die Pobleme der Menschen (, nicht der Eliten,) nicht lösen kann. Arbeitslosigkeit ? In vielen Staaten immer noch sehr hoch. Einkommen-/Vermögenverteilung ? Wird immer ungleicher. Integration ? Wird zur nationalen Aufgabe erklärt. Griechenlandrettung ? 'Normale' Leute verarmt, das Land hat heute mehr Schulten wie vor der Rettung. Rechtsstaatlichkeit/Korruption ? Der Osten ist ein einziges Problemgebiet. und und und.....
Wer sich diese Bilanz der neoliberalen, wirtschaftorientierten EU anschaut, kommt eher auf die Idee, eine Auflösung der EU sei alternativlos.
Es sollte möglich sein den Frieden in Europa auch auf andere Weise zu sichern.

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NauMax 19.11.2018, 08:33
127.

Zitat von Joe Amberg
Nichts auf der Welt ist alternativlos, und nichts ist für ewig. "Alternativlose" Lösungen sind in Wirklichkeit diktatorisch.
Teil 2: Sollten wir es nicht schaffen, unser Verständnis eines Staates zu überdenken und endlich über unsere kleinlichen Differenzen hinwegzukommen, dann droht Europa und seinen Zombie-Zwergstaaten dasselbe Schicksal wie einst dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation! Zur Verdeutlichung: Dieses Zombifizierte Abbild eines Mittelalterlichen Großreiches hat es wie durch ein Wunder gerade so bis ins 19. Jahrhundert geschafft - bevor es von einem modernen Staatengebilde - in diesem Falle der Französischen Nation - militärisch besiegt, restlos aufgelöst und der Großteil der ehemaligen Mitglieder sich als Vasallenstaaten unter Französischer Herrschaft wiederfanden. Europa kann also weiterhin so tun, als gäbe es auf der Welt niemanden sonst außer Europa und ihm wohlgesonnene Partner - dann wird es aber von einer oder mehrerer der Supermächte, die gerade im Begriff sind zu entstehen oder zu alter Stärke zurückfinden über kurz oder lang zerrieben und am Ende haben wir wie schon im Kalten Krieg das Wettrüsten fremder Mächte auf unserem eigenen Boden zu erdulden. Vor diesem Gesichtspunkt ist die Vereinigung Europas sehr wohl "alternativlos!"

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Hoberg 19.11.2018, 08:35
128. one man one vote

Genau das fehlt in der EU. Würde für uns Deutsche deutlich mehr Einfluss bringen . Ich glaube , der Einfluss der Luxemburger liegt beim 20fachen eines Deutschen. Genau deshalb ist die EU nicht demokratisch.

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s.l.bln 19.11.2018, 08:36
129. Ähhmm...

Zitat von FIFA87
Hallo, eine Gesellschaft die nur deshalb zusammen bleiben muss, weil die Mitglieder nicht aussteigen können, da die Kosten für den Ausstieg zu hoch wären, ist es nicht wert, aufrecht erhalten zu werden
...ich dachte immer Gesellschaften aller Art existieren, weil es den Mitgliedern innerhalb dieser Gesellschaften besser geht, als außerhalb.
Es ist natürlich möglich auszusteigen, nur eben mit erheblichen Nachteilen, möglicherweise existenzbedrohenden. Das heißt im Umkehrschluß, daß Mitgliedschaft in der EU offenbar erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringt.
Wie dieser Umstand dazu führen kann, daß sie "es nicht wert ist, aufrecht erhalten zu werden", erschließt sich mir nicht.
In den Jahrzehnten des europäischen Zusammenwachsens hat sich vor allem die Wirtschaft gut vernetzt und viele Menschen haben ihren Wohnort neu gewählt und sich im EU Ausland etwas aufgebaut.
Ein Freund von mir ist nach dem Studium (Informatik) von einer schwedischen Firma angeworben worden. Der hat dort heute ein Haus, einen Freundeskreis, seine Arbeit etc.
Ich stelle mir jetzt mal vor, Schweden käme auf die Idee, die EU zu verlassen, um die nichtschwedischen EU Bürger ausweisen zu können.
Er verlöre seine Existenz und der Konzern für den er arbeitet, einen top Programmierer, der in diversen Projekten eine entscheidende Rolle spielt.
Das Ganze stelle man sich dann nochmal größer vor. Ein großer Teil der Industrie in GB gehört ausländischen Konzernen. Der Automobilbau befindet sich fast vollständig in deutscher Hand.
Selbstverständlich macht das massive Schierigkeiten, wenn die Briten nicht mehr Teil des Binnenmarktes sind. Für beide Seiten.
Wenn der Lieferverkehr dann durch Zölle, Grenzverkehrschaos und sonstige Schwierigkeiten stockt und die Gewinnmarge sinkt, könnte BMW z.B. auf die Idee kommen, den Mini in einem der östlichen EU Länder produzieren zu lassen.
Sie verstehen das Problem?

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