Forum: Wirtschaft
Grundeinkommen in der Schweiz: "Was ein Mensch zum Leben braucht, soll er bekommen"
Hansjoerg Walter

Die Schweizer entscheiden im Juni über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Hier erklären die Initiatoren der Volksabstimmung, warum sie Geld ohne Gegenleistung für ein Grundrecht halten.

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Hoss_Cartwright 28.01.2016, 10:54
1. Wer von Zinsen lebt

der kann auch freigiebig ein Grundeinkommen verteilen. Das geht für die Schweiz in Ordnung. Deutschland lebt von der Arbeit der Bevölkerung. Erträge aus Kapital nutzniessen hier nur wenige - die aber dafür überbordend. Da kann es nicht schaden, wenn noch mal ein wenig umverteilt würde. Die größte Schwäche in Deutschland besteht im Immobilienbereich. Zu wenigen gehört zu viel. Die Menschen werden bereits über die Mieten ausgeplündert. Die kosten für Eigentumserwerb sind astronomisch und verdammen große Bevölkerungsgruppen zu ewig Abhängigen.

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axel_roland 28.01.2016, 10:56
2. ausgerechnet in der Schweiz?

Ich glaube ja nicht, dass das ausgerechnet in der Schweiz abgesegnet wird. 2500 CHF monatlich? Klasse - ich habe meine Wohnung abbezahlt und ein flottes Auto. Da reicht mir das - ich würde vielleicht noch arbeiten - ab und zu - worauf ich eben Lust hätte. Und ich vermute da bin ich nicht der einzige. Klingt zwar ganz angenehm, aber ich denke nicht, dass die Volkswirtschaft lange aushalten würde. Ich halte die Idee eines BGE nach wie vor für grundsätzlich völligst absurd, auch wenn ich es persönlich natürlich genießen würde.

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Phil2302 28.01.2016, 11:02
3.

"Dazu wird ein grotesker Arbeitszwang aufrechterhalten, ganz gleich, ob es um sinnvolle Arbeit geht oder nicht." 1 Absatz später: "Meine Arbeit wird desto besser, je mehr ich mich mit ihr verbinde. Wer nur arbeitet, um über die Runden zu kommen, kann seine Leistung nicht voll entfalten." Woher kommt die Annahme, dass die Arbeit, die zur freien Entfaltung dient, sinnvoll ist?---- Punkt 2: Was ist, wenn manche wichtige Arbeiten niemand mehr machen will, weil sich in ihnen niemand frei entfalten kann? Müllabfuhr z.B.? Warum ist es entwürdigend, Hartz IV zu beantragen, wenn es bedeutet, dass andere Menschen arbeiten, damit man selbst ohne Arbeit nicht frieren, nicht hungern und nicht betteln muss? ----Weiter: "Die Entstigmatisierung sogenannter Leistungsverweigerer." Ja? Ist das notwendig? Verbessert das die Gesellschaft? Werden wir dadurch nicht - global gesehen - völlig untergehen auf dem Weltmarkt? ----Dann der große Höhepunkt: "Gewiss. Aber wirklich entscheidend für die Finanzierbarkeit ist etwas ganz anderes: Wie wirkt sich ein Grundeinkommen auf unser Tätigsein aus? Werden wir produktiver oder lethargischer? Werden wir fleißiger oder fauler?" Ehm nein. Finanzierung ist Punkt 1, und die wird nicht möglich sein bei 1500 €. Plus: Wenn das mit dem Gehalt verrechnet wird, dann fällt praktisch jeder Job unter 1500 € weg. Und die werden dann nicht plötzlich alle mehr verdienen, weil der Italiener nebenan seinen Bediensteten sicher nicht mal eben 2000€+ zahlen kann.---- "Exakt. Wenn sie gleich bleibt, ist ein Grundeinkommen auch in dieser Höhe finanzierbar. Punkt. " Am Ende zeigt es sich dann: Sie haben eigentlich keine Ahnung, nichts ist durchdacht, sie finden nur die Idee toll. Dass die Gesellschaft auf kurze Sicht freier werden würde - mit Sicherheit. Auf lange Sicht landet sie unweigerlich im Ruin, und dann war es das mit der freien Gesellschaft.

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mam71 28.01.2016, 11:03
4.

Allein die Hoffnungen werden sich nicht erfüllen. Preis- und Lohnniveau pendelt sich immer in einem Gleichgewicht ein. Wird das Lohnniveau gehoben, hebt sich das Preisniveau. Man hat dann zwar sein BGE, aber leider kosten nun auch Brötchen, Miete und Bahnfahrt dementsprechend mehr.
Auch die Vorstellung, man könne je nach Lust mal arbeiten oder auch nicht, ist irrig. Unternehmen brauchen Planungssicherheit und eingearbeitetes Personal, dafür werden sie zahlen, dementsprechend sind die Positionen besetzt. Allenfalls im Tagelöhner- und Hilfsjobbereich ist das u.U. möglich, falls denn das Lohnniveau solche Jobs noch zulässt.
Alles in allem viel Lärm um wenig.

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norgejenta 28.01.2016, 11:04
5. In der Theorie

In der Theorie hört sich das ganze sehr schlüssig und logisch an. Man möchte fast zustimmen. Auch der Kommunismus war eine schöne Sache.. In Büchern.. Die Praxis sieht und sah anders aus. Irgendwer muss das Geld verdienen, das andere ausgeben.

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deichgraffe 28.01.2016, 11:06
6. Sehr zu begrüßen

Das Vorhaben kann einige zentrale Fragen der Ökonomie beantworten. Die wichtigste dabei: wie unterschiedlich verhalten sich die Menschen, wenn ein wesentlicher Teil ihrer Eigenverantwortung vom Staat übernommen wird. Und wird die daraus resultierende Inhomogenität zum Problem oder Segen einer Volkswirtschaft. Ich begrüße dieses Vorhaben und hoffe auf eine Zustimmung. Jemand sollte dieses Experiment machen und die Schweiz ist dafür ein guter Kandidat. Respekt an die Eidgenossen!

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hypnos 28.01.2016, 11:07
7. Langzeitversuch in den 1970er-Jahren in Kanada (Ein Ort)

Es gab ja einen wissenschaftlichen Langzeitversuch in den 1970er-Jahren in Kanada (Ein Ort). Dieser verlief sehr vielversprechend und zeigte durchweg gute Ergebnisse (auch gesundheitlich). Vielleicht wurde er deshalb eingestellt. Passt gar nicht zum Kapitalismus/ Neoliberalismus. Man muss die Äffchen unter Kontrolle und in Angst halten. Nur dann funktionieren Sie.

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shaka_schulz 28.01.2016, 11:07
8.

Ein bedingungsloses Grundgehalt steht im eklatanten Widerspruch zum Grundrecht auf Bewegungsfreiheit und die frei Wahl des Aufenthaltsorts. Es kann nur funktionieren, wenn die Schweiz sich mit Mauern, Stacheldraht und Waffen vom Rest der Welt abschottet.

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sebastian.teichert 28.01.2016, 11:08
9. Wie hoch soll das denn sein/werden?

Wenn heute sagen wir 1000 Euro reichen, wie lange halten sich die Preise auf dem Niveau? Speziell wenn man genau so viel verdienen sollte wie jetzt + das Einkommen?

Sagen wir 2000 brutto. Macht 1200-1300 netto plus 1000 Euro.

Die Leute haben mehr Geld. In wenigen Monaten werden alle Preise teurer. Der, der 2300 Euro hat, kann sich genau so viel leisten, wie zu dem Zeitpunkt als er noch 1300 hatte und der, der 1000 bekommt sitzt wieder auf hartz4 Niveau. Also müssen alle 2000 bekommen. Dies treibt die Inflation weiter an und schon kostet ein Brot wieder einen Schein mit einer Zahl und etliche Nullen! Die Gewinner sind die Firmen. Wie immer!

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