Forum: Wirtschaft
Grundeinkommen in der Schweiz und Finnland: Gleiches Geld für alle
Stefan Bohrer

Spinnerei von Sozialromantikern - oder Schlüssel zu einer gerechten Gesellschaft? Am bedingungslosen Grundeinkommen scheiden sich die Geister. 2016 könnten die Schweiz und Finnland die Weichen dafür stellen.

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BlogBlab 25.12.2015, 10:55
40. Kann nicht funktionieren

Zitat von
In Umfragen gibt regelmäßig eine große Mehrheit an, selbst bei einem Lottogewinn weiter arbeiten gehen zu wollen - die meisten sogar im gleichen Job, andere würden sich eine attraktivere Arbeit suchen.
Was für eine wissenschaftliche abstruse Fragestellung! Auf eine hypothetische Frage gibt jeder auch nur eine hypothetische Antwort. Wissenschaftlich korrekt wäre es bei tatsächlichen Lotto-Millionären nachzufragen, ob und wie lange sie im alten Beruf weitergearbeitet haben.

Der gesunde Menschenverstand würde voraussagen, dass nur solche, die einen sehr interessanten und spannenden Beruf haben, diesen weiter ausführen würden, alle anderen aber entweder ein Geschäft/Unternehmen eröffnen oder sich anderweitig beschäftigen würden. Als Grundlage für die Frage nach der Wirkung eines bedingungslosen Grundeinkommens ist eine hypothetische Antwort völlig ungeeignet.

Wenn das Einkommen vom Grundeinkommen abgezogen wird, wird niemand mehr die viele monotone Drecksarbeit verrichten. Daher kann so ein Modell nicht funktionieren.

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n - n 25.12.2015, 10:56
41. Ein Wissenschaftler ...

... wird dann auch weiterarbeiten. Wenn ihn ein Thema packt, kann es 12 Stunden pro Tag sein. Ein Instrumentenbauer wird seine kunsthandwerklichen Instrumente weiterhin bauen. Ein Dichter wird weiterhin am Jambus oder Daktylus seiner Gedichte feilen. Wer holt bei denen eigentlich den Müll ab?
Die ganze Idee des bedingungslosen Grundeinkommens dient nur dazu möglichst viele Menschen abhängig und dankbar zu machen gegenüber "Vater" Staat. Interessant ist dabei zu sehen, wie durchgerechnet wird, in wie weit das als Sparmodell durchgehen kann! Man könnte weiters auch viele Lehrer einsparen, denn wer sich bildungslos im Analphabetentum - aber grundgesichert - zufrieden fühlt, kann einigermaßen klar kommen. Jede Anstrengung ist unnötig. Ein Lob auf die vorbeifliegenden gebratenen Tauben und den ewig fließenden, nie versiegenden Fluß des süßen Weins.

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Melange 25.12.2015, 10:56
42. Den Staat in die Pflicht nehmen

Es wird höchste Zeit dass Bürger ihr Recht einfordern vom Staat ausreichend versorgt zu werden. Sowohl während ihrer aktiven Zeit, als auch später in Pension. Wenn dieser Staat soziale Ungerechtigkeit wie beispielsweise die Steuerbefreiung von Stiftungen, oder die brutalen Besteuerung (selbst niedriger) Einkommen- anstatt der monatlichen Besteuerung von Vermögen fördert, so ist es an der Zeit dass Bürger lautstark und mit dem Druck der Straßen diesen wahnsinnig gewordenen Staat zur Räson bringt. Und nein, es sind nicht die Fleißigen und die Tüchtigen auf der einen Seite und Arbeitsscheue auf der anderen Seite, die für diese Diskrepanzen verantwortlich sind. Wir alle wissen aus unserem Umfeld wie ungerecht das (Berufs-) leben spielt: Die Täuscher, Intriganten, Erbschleicher und die Sesselkleber sind die "Erfolgsmenschen" von heute, die ohne echte Leistung abkassieren und ausgesorgt haben

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eduardo_dk 25.12.2015, 10:58
43. Überlegungen für reiche, satte Gesellschaften

Der finnische Ansatz ist nicht ganz so weit weg vom derzeit praktizierten Modell der Sozialhilfe / Harz IV. Wenn damit ein Bürokratieabbau einhergeht, ist die praktische Umsetzung sicher machbar. Das Schweizer Modell ist leider kommunistische Utopie. Es wird unterstellt, dass der Mensch aus freiem Antrieb, zur Verwirklichung seiner selbst einer Arbeit nachgeht. Bei den Vordenkern dieser Utopie mag dies sicher stimmen, da die i.d.R. einen Job haben, der nicht nur reiner Erwerbszweck ist. Die Lebenswirklichkeit hällt aber auch viele Aufgaben bereit, die gemacht werden müssen, ohne, dass sie wirklich Spass machen. Da diese Arbeiten ausschliesslich im unteren Einkommensbereich angesiedelt sind, werden die Schweizer Utopisten sehr schnell erleben, wie das gesellschaftliche Leben zum Erliegen kommt oder im Dreck erstickt, da niemand mehr die Arbeiten machen will, mit denen man nur geringfügig mehr verdient als das Grundeinkommen. Auch wenn die Verfechter des finnischen Modells als Neoliberalisten diffamiert werden, sind sie doch eher Realisten. Der Mensch ist von Natur aus mehr Egoist als soziales Wesen. Beides ist wichtig für's Überleben, aber nur der Egoismus bringt den Einzelnen weiter. Und dieser Entwicklungsdrang lässt sich nun mal nicht unterdrücken - sonst würde die Menschheit immer noch auf Bäumen leben.

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exil-teutone 25.12.2015, 10:58
44. Na klar, sofort kommen die Misanthropen und Miesepeter

aus ihren Löchern gekrochen. Einzig und allein negatives Denken, Knatschen und Unterstellungen.

Das BG - als Gedankenexperiment mal als eingeführt angenommen - wird nicht nur Auswirkungen auf den Sozialmarkt haben. Es wird die gesamte Gesellschaft grundlegend verändern.

- Arbeitnehmer können endlich Arbeitgebern den Stinkefinger zeigen, wann immer sie wollen; das Einzige was dabei auf der Strecke bliebe, sind Annehmlichkeiten und Luxus. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen *endlich* auf Augenhöhe. Als ehemaliger Arbeitnehmer sind die HRler immer aus allen Wolken gefallen, wenn ich ihnen klar gemacht habe daß ich nicht als Bittsteller komme, sondern mir durchaus klarmachen will, ob die Firma zu mir paßt oder nicht.

- Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich, denn Arbeitgeber werden gezwungen, aus ihrem Quartalsdenken auszubrechen, und langfristige Perspektiven zu bieten, so daß sich echte Arbeitsbeziehungen bilden können. Denn sonst sind die Arbeitnehmer sehr schnell wieder weg (s.o.)

- Der Arbeitsmarkt per se wird völlig umgegraben, denn in einer offenen Gesellschaft mit BG ist es tödlich, wenn z.B. Flüchtlinge und Asylanten nicht arbeiten dürfen.

- Schlimmer noch, der Unterschied zwischen Asylanten, Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten wird mit der Zeit komplett wegfallen.

- Ehrenamtliche Arbeit wird erheblich aufgewertet, denn bisher wird sie immer zwangsfinanziert (mann muß sich das erstmal leisten können) - mit BG fällt auch dieser Zwang weg.

Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber die SpON-Forumssoftware fängt ab einer gewissen Beitragslänge an, zu spinnen, so daß Schreiben zur Qual wird...

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chwe 25.12.2015, 10:59
45.

Zitat von turbomix
Das ist der Schlüssel zu einer gerechteren Gesellschaft! Aber ich bin mal gespannt auf das Geschrei und Wutschnauben der Konservativen und Neoliberalen, die dann eventuell mehr Steuern zahlen müssten und eine Menge anderer Vergünstigungen wegfallen. Das wird diesen Abzockern ziemlich stinken.
Die "Abzocker" sind in ihren Augen also diejenigen die arbeiten und die ganzen sozialen Wohltaten finanzieren aber nicht diejenigen die nichts tun und von der Arbeit anderer leben ?

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besch2vital 25.12.2015, 10:59
46.

Zitat von jozu2
Wenn es richtig wäre, dass Grundeinkommen zu einem entspannteren und produktiveren Arbeiten führt, dann wären desillusionierte, uninteressiert Hartz IV Empfänger Einzelfälle und würden nicht massenhaft auftauchen. Wer macht denn dann noch die unangenehmen, aber unverzichtbaren Arbeiten? Wer putzt das Bahnhofsklo?
das Problem beginnt schon ganzu wo anders. Sie sprechen über das Bahnhofsklo recht abwertend. auf der anderen Seite nehmen wir es aber in Kauf, für ein smartphone 800 Euro zu bezahlen, das in China für max. 70 euro gebaut wird. wir akzeptieren also die schöne Werbeindustrie, die uns das Gehirn vernebelt damit, während wir nicht bereit sind für ein sauberes Bahnhofsklo 50 cents zu bezahlen.

merken Sie das eigentliche Problem?!

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EMU 25.12.2015, 10:59
47. Finanzierung?

Ich find die Idee zwar gut, verstehe aber das Finanzierungskonzept noch nicht:

- Jeder bekommt 2500€ gratis.
- Dementsprechend werden sich die Löhne im Schnitt unm 2500€ reduzieren.
- Wenn ich also vorher für 2501€ gearbeitet habe, arbeite ich in Zukunft für 1€.
- Nur noch für diesen einen Euro bezahle ich Steuern.

Und jetzt? Wie soll von den fehlenden Steuern nun das Grundeinkommen finanziert werden?

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mulli3105 25.12.2015, 10:59
48. Kein Wunder

dass diese hirnrissige Sozialromanntik ihre Grundidee im Kommunistischen Manifest findet Ein Staat, der seinen Bürgern den Wettbewerb nimmt, es überflüssig macht einen Beruf zu erlernen, ein solcher Staat ist zum Scheitern verurteilt. Bezahltes Nichtstun - wer glaubt, damit die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates erhalten zu können und seine Bürger springen arbeitsbefreit und blümchenschwingend wie von den 68ern erträumt über die Auen, der muss schon unter erheblichem Realitätsverlust leiden.

Wettbewerb durch Leistung ist dem Menschen in die Wiege gelegt, ohne dieses Wollen wären wir heute noch auf dem Stand eines Primaten, dessen einzige Aktivität in der Nahrungsbeschaffung zu finden wäre.

Die Schweizer, die über nur minimale eigenstaatliche Industrien verfügen und deren Staat eher zum Hort von steuerflüchtigen Milliardären mutiert, mögen eine solche Form des Zusammenlebens finanzieren können, da ein Großteil der Bürger dann sowieso nicht für den Lebensunterhalt arbeiten müssten. Ein solches Modell aber in D einführen zu wollen wäre m.E. wirtschaftlicher Selbstmord.
Ein Hirngespinst erster Ordnung.

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Christian Weiss 25.12.2015, 10:59
49. Inflationsbeschleuniger vom Feinsten

Zitat von thequickeningishappening
und Automatisation sorgen fuer exponentialen Arbeitsplatzabbau. Ein Grundeinkommen wuerde erst mal die Lohnsklaverei abschaffen, den sozialen Frieden wahren und vor allen Dingen KAUFKRAFT schaffen!
Wenn dieses "Grundeinkommen" etwas nicht schafft, dann ist es Kaufkraft.
Eine Währung hat nur dann einen gewissen Wert, wenn sich Geldmenge und produzierte Güter die Waage halten. Diese Waage kommt aber mit diesem "Grundeinkommen" gleich in mehrerlei Hinsicht aus dem Gleichgewicht:
- Um den Anreiz auf Erwerbsarbeit zu steigern, müssten die Löhne markant steigen. Weil dies aber die Kosten des Produktionsstandorts massiv verteuern würde, würden Arbeitsplätze und damit auch die mit ihnen verbundene Wertschöpfung ins Ausland abwandern. Das Land produziert immer weniger Güter und Dienstleistungen, verteilt aber immer noch das "Grundeinkommen" an die Untätigen.
- Diejenigen, die noch Läden betreiben, werden ihre Kassen auch aufbessern wollen. Täglich im Laden zu stehen, um dann nur unwesentlich mehr Geld zur Verfügung zu haben als das Heer von Nichterwerbstätigen, werden sich die nicht bieten lassen, also steigen die Preise.
- Wer arbeitet, ist in diesem System der Idiot, weil er mit seinem Mehreinkommen vor allem mehr Steuern bezahlt, mit denen er die Renten der Nichterwerbstätigen finanzieren "darf". Entsprechend wird die Erwerbstätigkeit abnehmen.
- Um das System einigermassen im Gleichgewicht zu halten und das Lohnniveau wieder einem international konkurrenzfähigen Mass anzugleichen, wird dem Staat nichts anderes übrig bleiben, als die Druckmaschine anzuwerfen um die Grundeinkommen über erfundenes Geld zu finanzieren, denn aus den Steuern der Wertschöpfer wird bald nichts mehr kommen. Dieses Geld wird in seinem Wert immer weiter sinken und das Grundeinkommen schmilzt mit.

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