Forum: Wirtschaft
Handels- und Währungskrieg: Warum das Weltwirtschaftssystem weiter zerfallen wird
Uncredited/CHINATOPIX/dpa

Die westlich dominierte Weltwirtschaftsordnung geht zu Ende - und es dürfte noch schlimmer kommen. Schuld daran ist nicht allein US-Präsident Trump. Es gibt noch ein paar andere Verdächtige.

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bluebill 15.07.2019, 00:31
110. Ja und?

Der globale Turbo-Kapitalismus wird endlich eines natürlichen Todes sterben. Unendliches Wachstum gibt es halt nicht, und unendliche Profitvermehrung einer Besitzerelite geht nur so lange, wie es Menschen gibt, die sich ausbeuten lassen. Irgendwann ist das halt vorbei. So wie beim Pokern. Das ist aber nicht schlimm.

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Filsbachlerche 15.07.2019, 00:48
111. Zu Nr. 26 spmc-12355639674612

Zitat von spmc-12355639674612
… wir sollten Afrika als zukünftigen Partner sehen - bisher schauen wir ja weitgehend weg, wenn es um die Belange Afrikas geht oder mischen uns sogar auf unheilvolle Weise ein. Natürlich müssten wir uns in beide Richtungen erheblich finanziell engagieren (und keine schwäbische Sparsamkeit predigen), um positive Effekte mitnehmen zu können, aber es würde sich lohnen.
Afrika als Handelspartner?
Afrika ist ein Kontinent. Mit sehr vielen Staaten. Die meisten davon sind Kleptokratien (auf deutsch: Gaunerherrschaften), deren Despoten das Wohl ihrer Staatsbürger egal ist. Deren Hauptinteresse ist die Vermehrung ihres Reichtums und ihrer Familie.
Mit Afrika kann man keine Geschäfte machen. Nur mit den dortigen Staaten.
Es wäre sicher wünschenswert, afrikanische Staaten als Handelspartner zu gewinnen. Aber mit unseren Grundüberzeugungen (Verbot von Kinderarbeit, keine Bestechung der Staatsorgane) kommen wir damit nicht weiter.
Sollen wir mit unmenschlichen Ausbeutungsgesellschaften machen? China tut es. Müssen wir das deshalb auch?
Ich arbeite seit gut 20 Jahren in einem Unterstützungsverein für einen westafrikanischen Staat mit. Im Sinnen der Hilfe für Selbsthilfe. Ohne Gewinninteresse. Mit kleinen Mitteln.
Aber wenn der zuständige Regionalmachthaber beansprucht, alle dorthin gelieferten Güter gehörten ihm persönlich, sind wir machtlos.
Das gehört zur Realität!
Um diese Realität zu ändern, müßte die BRD eine Bedingung ihrer Förderungen ändern, nämlich die, daß alle Fördervereine einen regionalen Partner haben müssen. Diesbezüglich müßte das deutsche Entwicklungsministerium erstmal realisieren, daß bei einer solchen Kooperation die Reaktion des regionalen Partners auf den Eingang einer Zahlung mit einer damit bezahlten mehrtägigen Feier reagieren würde. Für das Projekt wäre kein Cent mehr übrig.
Positiv wird dort nur vernommen, daß wir einem von uns bezahlten Lehrer unsere Unterstützung streichen, weil er ihm zum Unterricht anvertraute Kinder zur Arbeit auf seinen Äckern abstellt. Für afrikanische Verhältnisse ist das ein unglaubliches Wunder. Für uns selbstverständlich. Und so langsam spricht es sich bei den Einheimischen herum. Gegen die lokale Repräsentation der Staatsgewalt sind sie jedoch machtlos und ducken sich.
Das ist die bittere Erfahrung aus 20 Jahren.

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thinking_about 15.07.2019, 01:56
112. Ein ganz neues Spielfeld

Zitat von oldisepp
Bei ein paar Punkten bin ich bei Ihnen, ich kann ein Buch empfehlen von Michael Hudson Finanzimperialismus. Da bekommt man einen kleinen Einblick, wie das System Doller funktioniert. Hauptproblem ist für mich das so viele Wertpapiere und Zertifikate im Umlauf sind, die aber mit nichts hinterlegt sind. So sind ja zum Beispiel 10 mal mehr Zertifikate auf Gold im Umlauf als das es physisches Gold gibt, oder noch mehr . Und die, die da die größten Gewinne hatten, wollen natürlich die erzockten Gewinne nicht wieder verlieren. Es wird halten einen großen Knall tun und 97 % der Menschen werden verlieren. Die, die sowieso Gewinner sind haben sich vorbereitet und längst in Sachwerte investiert. Und so geht die Umverteilung immer schön weiter, von Unten nach Oben.
Und weil Sie von den ungedeckten Goldzertifikaten sprechen, das mir neulich begegnete - weil ich immer für meine Nachbarschaft die Ölbestellung organisiere und mich an den Rohölcharts ausrichte - eine Neuerung unter die Augen: es gibt tatsächlich Futures auf CO2, das ist nun also zu einer spekulativen Handelsware geworden., die natürlich auch nicht ausgeliefert werden kann, denn wohin damit. ????? Man handelt also spekulativ auf die Entwicklung der Zertifikate?
Dieses Beispiel zeigt mir, wie total verkommen die Finanzindustrie geworden ist, und wenn die CO2 Besteuerung kommt, wird dieses Spielfeld nur noch lukrativer.
Ich vermute mal, dass zBsp ein Herr Altmeier von alledem ganz und gar keine Ahnung hat, ist ja nicht sein Gebiet......

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thinking_about 15.07.2019, 02:24
113. Es könnte durchaus sein

Zitat von oldman2016
Es fehlt die wahrscheinlichste Möglichkeit d): Chinas Form des Staatskapitalismus wird sich durchsetzen. Niedrigen Löhne, niedrigen Sozialstandards, niedrigen Umweltstandards und weitsichtige und langsfristige Wirtschaftspolitik aus einem Guss haben die westlichen Demokratien nichts entgegen zu setzen. Außer Zöllen und absolutes Importverbot für Waren, die unter Umständen produziert werden, die Sozial. und Umweltstandards nicht genügen. Und genau das wollen die Ideologen des freien Welthandels nicht. Also wird China derjenige sein, der zuletzt lacht.
dass Sie Recht behalten, nur einen Einwand hätte ich : bezüglich Umweltstandards tut China derzeit alles nur mögliche. Die kleistern ihre Berghänge mit Solarpanelen voll, überall. Die schicken sogar Aufpasser durch die Lande, die melden, wenn Schornsteine von Fabriken starke Rauchemissionen fabrizieren und die Firmen werden ad hoc stillgelegt.
Derzeit ist sogar die pro Kopf Emission an CO2 dortbnoch geringer, als die bei uns.
Man sollte sich vielleicht mal ausrechnen, was gestern die Militärparade in Paris mit Flugschau in die Luft geblasen hat .....und Frau Merkel hat Beifall geklatscht für alles, was ihr da geboten wurde..
Sie hat sich sogar noch für die Ehre, dort eingeladen zu sein, bedankt.
Es war wohl eher ein Dank an Frankreichs Entscheidung, die neuen Gewehre für die Armee bei einer deutschen Firma, Heckler &Koch, einzukaufen.

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thinking_about 15.07.2019, 02:35
114. Das ursprüngliche Geschäft der Banken

Zitat von Weltgeisterer
Warum traut sich kein Journalist, das eigentliche Übel anzusprechen? (Zumindest nicht in Leitmedien...) Geld ist nichts weiter als ein Tauschmittel für Arbeit. Es ist kein Handelsprodukt an sich - aber es wurde dazu gemacht. Das Problem ist ein mathematisches: Da Geld durch Kredit entsteht, aber der verlangte Zins für das ausgeschüttete Geld niemals mit ausgeschüttet wird, kann zwangsläufig nicht jeder seine Zinsen bezahlen. Stellen Sie sich vor, es gäbe nur eine Bank und einen Kreditnehmer, dann wird es einfacher: Die Bank erzeugt (weil sie es darf) 1000 Euro. Diese bekommt dann der Kreditnehmer gutgeschrieben. Als "Preis für die Zurverfügungstellung von Geld" verlangt die Bank 10% Zins. Im Umlauf sind aber nur die 1000 Euro. Das System wird nicht besser, wenn man Millionen Teilnehmer mit demselben Problem hat - es fällt nur weniger auf, dass diejenigen, die ihr Geld nicht zusammenbekommen, von der Bank einkassiert werden, während alle anderen versuchen, die fehlende Zinssumme anderen abzujagen. Erst dadurch entsteht - zusätzlich zur Gier *mancher* Menschen - ein allgemeiner Druck, Profit zu erwirtschaften, es fördert Wirtschaftskrieg und Ellenbogenmentalität, und erzwingt ständiges Wachstum und Konsum, mit den allseits kritisierten Problemen. Gleichzeitig haben die Banken die volle Kontrolle, wem sie Vorteile verschaffen und wem nicht. Wer schon Quasi-Monopolstellung hat, bekommt noch leichter große Kredite, und dadurch wird es für neue Unternehmen noch schwerer. Dieses System muss ersetzt werden durch eine einzige Bank, die lediglich die Geldmenge organisiert (bzw. ohne Zins ist es ein selbststabilisiertes System: Viel Wirtschaftsaufkommen: Geldmenge steigt - geringes Wirtschaftsaufkommen - Geldmenge sinkt - die Kaufkraft bleibt aber erhalten). Private Banken wird es dann nicht mehr geben, weil das Ziel einer Bank nicht Profit sein darf. Dies würde aber bedeuten, dass wir ersteinmal alle Banken entmachten müssten. Eigentlich kein Problem. Milliarden Menschen stehen gegen die wenigen, die wirklich davon profitieren. Jedem, der das erleben möchte, empfehle ich eine Partie Monopoly mit einer Bank und verzinsten Krediten statt rundenweisen Geldgeschenken. Spoiler alert: nach ein paar Runden gehören alle Straßen der Bank.
ist eben das Kreditgeschäft und wenn sie im derzeitigen Nullzinz kaum Gewinne machen können, geraten sie zunehmend in Schieflage, außer sie machen Investment Geschäfte, oder gehen ins Hochrisiko der Derivate und genau da sieht es finster aus. Das sind solche Unsummen, da kann auch kein Staat mehr rettend eingreifen und genau in USA ist das derzeit wieder unglaublich ausgeartet, das sind Summen, die normalerweise ganze Volkswirtschaften erzeugen, aber die Derivate sind nur gehebelte Produkte auf irgendwas, so entstand die Finanzkrise und kann sich sehr leicht wiederholen.

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tomdabassman 15.07.2019, 03:07
115. @46 oldiesepp

'Und so läuft das Hamsterrad weiter und man muß zusehen um alle Gläubiger weiter bedienen zu können' - Treffend beschrieben, aber weltfremd schwärmerisch interpretiert. Das gilt auch für das von Ihnen zitierte Beispiel mit der (angeblich unsinnigen) Geldschöpfung durch Zinsen. Wo liegt der Denkfehler? a) Warum sollte überhaupt irgendjemand Geld verleihen ohne einen Mehrwert zu erwarten? b) Das Hamsterrad ist von der Natur vorgegeben, seit etwa 14 Mrd.Jahren. Nur wohlstandssedierte Stillstandsknechte glauben, es ginge ohne.

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thinking_about 15.07.2019, 03:07
116. Da was Sie hier beschreiben

Zitat von kaltmamsell
Wir können uns das leisten. Was mich extrem aufregt: Es gibt Immigranten, die Einheimischen deutlich überlegen sind und uns gerade auch im digitalen Wandel nachhaltig unterstützen können. Wir sollten sie entsprechenden Tests im MINT-Bereich relativ schnell herausfiltern und weiter fördern. Nur so können sie alsbald in anspruchsvolle Entwicklungsprozesse von Privatwirtschaft und Öffentlichem Sektor integriert werden. Ja, das ist wichtig. Es muss nämlich auch die Community der jeweiligen Landsleute von Eingewanderten schnell begreifen, dass es einen Unterschied macht, ob man da entscheidende Bonuspunkte macht oder nicht. Kein Witz. Das ist Spiel-entscheidend: Wenn die Jungmänner-Landsleute erkennen, dass Know-how und intellektuelles Leistungsniveau wirklich eine Rolle spielen bei der echten sozialen Aufwärtsmobilität, dann passiert auch was in der richtigen Richtung. Ich sage das beispielsweise auch, weil das Römische Reich tatsächlich die soziale Aufwärtsmobilität durch persönliche Leistung (und nicht Herkunft) sehr ernst genommen hatte. Denn es gab nicht nur einfach die dekadente Endphase, die Erweiterung und Blüte des Reiches basierte auf erstaunlich modernen Kriterien.
trifft bereits seit vielen Jahren für die USA zu, nämlich hochintelligente Chinesen, die mit ihren Ideen und großem Einsatz das Land weitergebracht haben, nur wollen die davon nichts wissen. Sie selbst aus ihrem genuinen Fundus könnten dies gar nicht erbringen .

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tomdabassman 15.07.2019, 03:10
117. @91 Ressourcenverschwendung

Natürlich verschwindet die Ressource nicht vom Planet. Aber sie wird durch massive menschliche Eingriffe gefördert, zersetzt und feinstofflich in Atmosphäre, Boden und Meer verteilt. Darum geht es.

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tomdabassman 15.07.2019, 03:23
118. @75 tobias.basement

Zitat: "Geld ist nichts weiter als ein Tauschmittel für Arbeit. Es ist kein Handelsprodukt an sich - aber es wurde dazu gemacht." Ist es nicht vielmehr andersherum? Geld war ursprünglich ein Mittel, um statt einem Handelsprodukt ein anderes Handelsprodukt zu erwerben. Zuerst gab es Gold, danach Bescheinigungen, die den Besitz von Gold beglaubigen und schliesslich Geldscheine. Erst dann wurde es zum Tauschmittel für Arbeit.' - Sie widersprechen sich selbst. Alle Güter und Dienstleistungen, welche Menschen erbringen, sind Produkte von Arbeit. Schon immer. Und das erste Geld war keinesfalls aus Gold, sondern aus Perlen, Steinen oder einfacheren Metallen. Gold ist einfach nur ein weiteres Metall, welches schön poliert werden kann und im Licht glänzt. Sein einziger Sinn besteht im weitverbreiteten Glauben, es habe die magische Eigenschaft niemals im Wert zu verfallen. Und das stimmt genau so lange, wie alle dran glauben (exakt das Prinzip des Fiat-Geldes).

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thinking_about 15.07.2019, 03:46
119. Unbekannt ist

möglicherweise vielen, dass bereits auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vor zwei Jahren das Votum der dort versammelten ein aussagekräftiges Votum erbrachte, nämlich, hat die Globalisierung noch eine Chance und sich nur noch 15% dafür aussprachen.
Das ist leider nie thematisiert worden, weitsichtige hatten es aber begriffen.
Und jetzt ist es Realität geworden, weil die USA derzwitvallws auf Swen Kopf stellen uns aus den Angeln reißen und wir kommen damit nicht klar.
Sie ewig gestrigen beschwören noch immer die transatlantische Freundschaft, das ist aber nicht mehr so, selbst wir sind zu Feinden geworden, man begreife das endlich mal.
Wir sind einfach zu naiv, dies zu durchschauen.

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